Entspannung hilft nicht immer

Unter der Überschrift “Panikmache hilft nicht weiter” warnt der Berliner LSVD vor einer Stigmatisierung türkisch- und arabischstämmiger Jugendlicher. Im Zusammenhang der aktuellen Debatte über Gewalttaten türkisch- und arabischstämmiger Jugend­licher meint Alexander Zinn, der Pressesprecher des Verbandes, uns vor unzulässigen Verallgemeinerungen und Übertreibungen schützen zu müssen:

Zum Glück gibt es in Berlin noch keine „No-Go-Areas“ für Schwule und Lesben.

Aber, Herr Zinn, wenn wir ehrlich sind, sehr wohl Strassen, auf denen Schwule sich lieber einmal mehr umdrehen, bevor sie mit ihrem Freund Hand in Hand laufen. Ob es sich hierbei um die Kreuzberger Oranienstraße handelt, die Schöneberger Hauptstraße oder die Weddinger Badstraße - es ist kein Zufall, dass es sich stets um Kieze handelt, in denen der Anteil der sogenannten Jugendlichen mit Migrationshintergrund eher hoch ist. Zinn weiter:

Gewalt­bereitschaft, Antisemitismus, Frauen- Homo­sexuellenfeindlichkeit sind kein „Privileg“ von Einwanderern, sondern auch bei einem Teil der deutsch­stämmigen Jugendlichen ein Problem.

Wer würde das bestreiten? Bestritten wird in der Regel das Gegenteil. Doch Zinn weiss noch mehr:

Die Integrationsprobleme eines Teils der insb. männlichen türkisch- und arabisch­­stämmigen Jugend­lichen sind nicht neu. Sie liegen offen zutage und wurden inzwischen eingehend analysiert.

Wie wahr, Analysen gibt es genug. Das Problem ist nur, dass jede nicht multikulturell-ideologisch beschränkte Analyse sich umgehend dem Rassismusvorwurf ausgesetzt sieht.

Aufgeregte Debatten, die in Hysterie und Panikmache münden, wirken da eher kontraproduktiv. Es kommt darauf an, vorhandene Probleme ruhig und konstruktiv anzugehen.

Während man sich noch fragt worauf Herr Zinn hinaus will, kommt schon die Antwort. Um Werbung geht es:

Wir weisen hier auf eine gemeinsame Veranstaltung von LSVD und Türkiyemspor zum Thema Homos­exualität hin…

Türkiyemspor? Gleich die Fanclub-Homepage angeklickt: Der Vereinsname auf einem Transparent, eingerahmt von dem Konterfei des Schwulenhassers Che Guevara, daneben ein Antifa-Symbol. In der Linkliste finden sich “30.000 Links für eine bessere Welt”. Klickt man hier auf “Männer”, “Schwule Männer”, “Organisationen”, “Deutschland”, bringt einem gleich der erste Eintrag eine imposante Erkenntnis nahe.

Studie: Instabile Familien begünstigen Homosexualität bei Jugendlichen

Unter diesem Link findet sich ein Beitrag des katholischen kath.net, in dem u.a. steht:

Dänemark war das erste Land, das die Homosexuellen-„Ehe“ legalisierte, sodass es inzwischen keinen „Zwang“ mehr gibt, eine heterosexuelle Beziehung entgegen der individuellen Neigung eingehen zu müssen

was die Net-Katholiken selbstverständlich schwer bedauerlich finden.

Ach ja, auf der Türkiyemspor-Fanclub-Homepage findet sich ebenso wenig ein prominenter Hinweis auf die mit dem LSVD geplante Veranstaltung wie auf der offiziellen Vereinsseite. Man will ja schließlich niemand in Panik versetzen.

Update: Dank eines aufmerksamen Lesers (siehe hierzu den Kommentar von James) ist der letzte Absatz dieses Textes zu korrigieren. Nachdem ich mir genauer angesehen habe, wer bei der Veranstaltung auf dem Podium war, frage ich mich allerdings, ob man Türkiyemspor nicht eher genau das Gegenteil vorwerfen müßte, also den Hinweis auf die Veranstaltung: Hakan Tas von GLADT (Gays & Lesbians aus der Türkei) ist wahrlich kein Ruhmesblatt für eine Veranstaltung, die sich mit der Frage der Diskriminierung von Schwulen beschäftigt. Tas warnte im Zusammenhang der Thematisierung von migrantischer Gewalt gegen Schwule schon vor Jahren davor, das Problem aufzubauschen. Und dann erschien ihm das Gespenst von Pim Fortuyn. Doch wer Gespenster sieht, hat selten einen klaren Kopf. Entsprechend wirft GLADT in einem Interview mit der linksextremistischen Ex-FDJ-Tageszeitung junge welt ausgerechnet dem LSVD “Rassismus” vor. Mehr noch, Tas fragt:

Ist es nicht absurd, wenn die gleiche Szene, die einst den rosa Winkel tragen mußte, sich ideologisch in Richtung ihrer Peiniger bewegt?

Wer Pim Fortuyn für einen “Rechtspopulisten” hält und die Thematisierung von migrantischer Gewalt gegen Schwule für Rassismus, bei dem sind offenbar mehr als ein paar Schrauben locker. Wie sonst kommt man auf die Idee, dass Schwule, die sich auch beschweren, wenn sie von Migranten verprügelt werden, auf dem Weg ins 4. Reich sind?

11 Antworten zu “Entspannung hilft nicht immer”

  1. telegehirn sagt:

    Ob es sich hierbei um die Kreuzberger Oranienstraße handelt, die Schöneberger Hauptstraße oder die Weddinger Badstraße - es ist kein Zufall, dass es sich stets um Kieze handelt, in denen der Anteil der sogenannten Jugendlichen mit Migrationshintergrund eher hoch ist.

    Ach, so….Und die Weitlingstraße ist ein homophiles Paradies?!? Wie ja ganz Lichtenberg. In Marzahn und Hellersdorf hängen auch aus jedem zweiten Fenster Regenbogenfahen… Man kann sich die Realität auch so zu recht legen, daß sie in das eigene Weltbild passt…

    Ist es Zufall, daß sich die hohmophoben Hetzer von PI an dem Thema aufgeilen? Dass die Kommentatoren sich da homophob auslassen? Ach, ja. Für so etwas seid ihr ja nicht zuständig. Ihr seid nur für homophobe “Musels” zuständig und ich würde euch deswegen auch niemals Heuchelei vorwerfen.

    In bürgerlich-”arischen” Vierteln wie Zehlendorf oder Lichtenrade werden Schwule natürlich niemals von “richtigen Deutschen” angegriffen.

    Wie wahr, Analysen gibt es genug. Das Problem ist nur, dass jede nicht multikulturell-ideologisch beschränkte Analyse sich umgehend dem Rassismusvorwurf ausgesetzt sieht.

    So kann man natürlich auch mit Kritik an Rassisten umgehen! Chapeau! Ich verneige mich! Wollt ihr euch nicht mal mit PI zusammenschließen? Die würden sich richtig freuen! Denen fehlen noch ein paar Hofschwule.

  2. Migrant und homophob? « A South Park Republican sagt:

    [...] “Zum Glück gibt es in Berlin noch keine „No-Go-Areas“ für Schwule und Lesben.” - Alexander Zinn, der Pressesprecher des [...]

  3. Damien sagt:

    Meine Güte, telegehirn, Sie schon wieder! Da Sie unsere Beiträge offensichtlich nicht verstehen, wäre es vermutlich sinnvoll, Sie würden sie auch nicht kommentieren. Das ging schon beim letzten Mal schief.

    Um unsere neuen Leser auf den aktuellen Stand zu bringen, antworten wir trotzdem auf Ihren Kommentar: Natürlich sind wir nicht nur für homophobe “Musels” zuständig. Den Begriff werden Sie in unserem Blog nicht finden. Wir verwenden ihn nämlich nicht.
    Unser Blog beschäftigt sich bisher mit homophoben Katholiken, Homosexualität im Tierreich, “Gleichstellung durch Konsum und Markt”, Israel, “postmodernen Übersetzungsmethoden”, homosolidarischen Heteros, Che Guevara, evangelikalen Christen, homophoben Libertären (genau, das sind Sie!), Weihnachten, konservativen Letten, “schwulen Bomben”, Lesben in der CDU, der Meinung von EU-Bürgern zur Homo-Ehe, Philosophievorlesungen, Suchmaschinenergebnissen, der Situation von Schwulen im US-Militär, homophoben Konservativen, dem Vatikan, der britischen Armee, schwulen Palästinensern, dem Zusammenhang von Reggae und Homophobie, schwulen Menschenrechtlern, den Maoisten in Nepal, der Fragwürdigkeit von Antidiskriminierungsgesetzen, homophoben Schweizern, dem UN-Menschenrechtsrat, dem Stand der Liberalisierung in den USA, antikapitalistischen Literaturwissenschaftlern, Einladungen zur Selbstjustiz, Gore Vidal, homophoben Polen, Bayern und Berlinern, antiisraelischen Schwulen in Amerika, Ayaan Hirsi Ali, Dick Cheney, Hitlers Vater, unfruchtbaren emanzipatorischen Kommunistinnen und tatsächlich einmal mit dem radikalen Islam.
    Was wir daraus lernen? Wenn es ihn noch nicht gäbe, für Sie müsste der Begriff “selektive Wahrnehmung” erfunden werden.

  4. telegehirn sagt:

    Ich dank für die umfassende Nicht-Antwort.

  5. telegehirn sagt:

    Der Begriff “Musel” wird bei PI verwendet, die das selbe Thema wie Sie behandeln und dort ordentlich vom Leder ziehen.

  6. Damien sagt:

    Eben, der Begriff wird bei PI verwendet, warum tun Sie dann so, als würden wir ihn verwenden? Das nenne ich unlauter.
    Ich wiederhole mich ungern, aber vielleicht verstehen Sie es ja beim zweiten Lesen. “Unser Blog beschäftigt sich mit homophoben Katholiken, (…) homophoben Libertären (…) homophoben Konservativen, (…) homophoben Polen, Bayern und Berlinern… ”
    PI behandelt also das selbe Thema wie wir?

  7. Damien sagt:

    Richtigstellung: In der Aufzählung, womit sich unser Blog bisher beschäftigt hat, sollte es natürlich “homophilen Libertären” heissen, nicht “homophoben Libertären”.

  8. james sagt:

    Na das stimmt ja wohl nicht ganz, was hier über Türkiyemspor behauptet wird.
    Die Veranstaltung vom LSVD und Türkiyemspor wird auf der Fanpage von Türkiyemspor, wie alle anderen Veranstaltungen an denen Türkiyemspor beteiligt ist auch unter der Rubrik termine beworben. Desweiteren wurde von Fans im Fanforum (zu erreichen über die selbe Homepage) schon seit Dezember in verschiedenen Beiträgen auf die Veranstaltung hingewiesen.Ebenso hat die Türkiyemspor Zeitung “penalti noktasi” in ihrer dezember Ausgabe auf die Vranstaltung hingewiesen.
    Gänzlich krud wird es dann wenn behauptet wird, das auf der offiziellen Homepage des Vereins kein Hinweis steht, da die offizielle Homepage des Vereins seit langem gar nicht online ist, somit nicht existiert und gar keine veranstaltung ankündigt noch nicht einmal die Spiele des Fußballvereins!!
    So scheint das der Bericht hier,aufgrund von schlechter Recherche dann doch mal wieder bekannte Ressentiments schüren hilft.
    Bis bald bei Gayhane in der Oranienstraße

  9. Damien sagt:

    @ James: Du hast recht, da habe ich dürftig recherchiert. Sorry, Korrektur im Text folgt heute noch.

  10. Ali Kemal Gürcü sagt:

    Guten Tag,
    in diesem Text stört mich etwas. Nämlich, “Hakan Tas von GLADT”. Ich möchte Bescheid sagen, dass Herr Tas seit Jahren nicht ein Mitglied von GLADT ist. Er darf nicht im Namen dieses Vereins sprechen (bzw. ist er kein Vertreter von GLADT.) Wenn er sich so vorstellt, lügt er. Wenn Sie es so wissen, müssen Sie sich besser informieren lassen: info@gladt.de.
    Grüße,
    Ali

  11. james sagt:

    Hasan Tas stellte sich dort als Journalist vor .

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