Bushido und seine Kumpel

By Adrian

Was lässt sich eigentlich über Bushido, G-Hot und all die anderen Pop-Künstler sagen, welche in ihren Songtexten Frauen als „Nutten“ und „Schlampen“ beschimpfen und zum Hass und zur Gewalt gegen Schwule aufrufen? Manifestiert sich in ihren Songs die Perspektivlosigkeit der heutigen Jugend in den „Ghettos“ von Berlin-Marzahn und Hamburg-Wilhelmsburg, wie uns gutmeinende Sozialarbeiter weis machen wollen? Halten ihre gewaltverherrlichenden Songs lediglich der strukturell gewalttätigen, patriarchalen und homophoben Gesellschaft den Spiegel vor? Oder sind ihre musikalischen Werke lediglich Kennzeichen einer liberalen westlichen Gesellschaft ohne Moral, Religion und Anstand, eine Ansicht, welche eher in kulturkonservativen Kreisen en vogue ist? Die Antwort dürfte wesentlich einfacher sein.

Bushido und Co sind einfach nur dumm. Allerdings nicht dumm in dem Sinne, dass sie zwangsläufig einen geringen Intelligenzquotienten ihr Eigen nennen, sondern dahingehend, dass sie auf einer äußerst niedrigen Stufe der Zivilisation stehen. Und gleiches lässt sich natürlich auch für diejenigen sagen, welche die frauen- und schwulenfeindliche Musik der selbsternannten Provokateure mit Genuss konsumieren. Jemand der Gefallen daran findet Songs zu hören, in denen Frauen nur als degenerierte Sexspielzeuge dargestellt werden und die zur Vergasung von Homosexuellen aufrufen, fehlt einfach ein gewisser menschlicher Grundstandard. Mit einer halluzinierten „Perspektivlosigkeit“ – welche ja heute vielfach als Erklärung für alle möglichen Perversionen herhalten muss, von Palästinensern, die sich in die Luft sprengen bis Rechtsradikalen, die Vietnamesen durch Riesa hetzen – hat das nichts zu tun. Es ist einfach eine Beleidigung des menschlichen Geistes, zu suggerieren, ein homophober, frauenverachtender Rassist würde sich in einen aufgeklärten und toleranten Menschen verwandeln, wenn er nur erst einmal eine solide Ausbildung und einen Job hätte.

Mit Leuten zu debattieren die behaupten, die Aufforderung Bushidos und seiner Kollegen Schwule zu klatschen, halte unserer strukturell gewalttätigen Gesellschaft lediglich einen Spiegel vor – sei also im Grunde genommen ein Stück Aufklärung – ist sinnlos, ebenso wie darüber zu lamentieren, die westliche individualistische Lebensweise fördere eine „Kultur der Gewalt“. Diejenigen, welche daran glauben, lassen sich durch keinen Gegenbeweis bekehren. Weder die Abschaffung der Prügelstrafe oder der behindertengerechte Umbau der Städte, noch der Verweis auf Zwangsehen damals und in heutigen primitiven „Kulturkreisen“ werden sie davon überzeugen, dass die westliche Welt einen historisch einmaligen humanistischen Standard erreicht hat. Die vor Menschenverachtung triefenden Songtexte der Bushido-Fraktion verursachen ja auch gerade deshalb einen solchen Wirbel, weil die Artikulation und Ausübung jeglicher Gewalt in unserer Zivilisation dermaßen geächtet ist.

Was aber kann man gegen diejenigen welche der Meinung sind, bestimmte andere Personen hätten lediglich einen Status als Untermenschen verdient, tun? Nicht besonders viel. Es wird immer wieder Individuen geben, die ihr Lebensglück daraus beziehen, andere als Stück Dreck zu bezeichnen und sie auch dementsprechend zu behandeln. Wenn sie zur Gewalt greifen, hat man sie wegzusperren. Wenn sie darüber reden, singen oder sich gerne anhören wie geil es wäre, Menschen Gewalt anzutun, sollte man ihnen die rote Karte zeigen und sie als das bezeichnen was sie sind: Perverse Vollidioten.

14 Antworten zu “Bushido und seine Kumpel”

  1. Sebastian sagt:

    Ich bevorzuge die versnobbte Münchner Variante, dem Berliner Ghetto- und Hartz-IV-Problem-Rap was entgegenzusetzen: http://www.aggrogruenwald.de (Linkes Video anklicken) Achtung! Extrem dekadent:-)

  2. sdi4z sagt:

    Ich stimme dir voll und ganz zu, nur sollte man solche Affen nicht wegsperren. Zur Abwechslung mal ein Buch oder ein gescheiter Blog(wie dieser) würde denen mehr helfen, als eine Zelle mit anderen Perversen…

  3. piratesparty sagt:

    ich sehe das problem wie du, absolut.. was man dagegen tun kann ist wirklich ne große frage. ich denke gerade eltern sollten bei ihren kindern dafür sorgen, dass diese die bedeutung der texte richtig interpretieren und erkennen, dass derartige intoleranz nicht fair ist – mal ganz einfach ausgedrückt. beim ccc hab ich diese extrem spannende radiosendung zum thema jungendmedienschutz/Zensur gefunden. http://chaosradio.ccc.de/cr125.html geht ein bisschen über das thema hinaus aber absolut nicht am kern vorbei.

  4. kandainasenshi sagt:

    Hallo,

    kurzes Ziatat aus dem blog:
    die westliche individualistische Lebensweise fördere eine „Kultur der Gewalt“. Diejenigen, welche daran glauben, lassen sich durch keinen Gegenbeweis bekehren.
    Zitat Ende

    Im grunde genommen stimme ich dem kompletten Inhalt dieser Veröffentlichung zu. Bei dem obrigen Zitat, komme ich allerdings ins Grübeln. Gut offensichtlich wid eben keine Gewalt in dieser Gesellschaft gefördert, aber was ist mit einer hintergründigen Förderung ? Ist dies nicht eine Leistungsgeselschaft ? Kommen wir doch mal vom missglücktem Traum eines Sozialstaates weg.

    Der Stärkere, das Individuum gewinnt, auch wenn die Mittel zum Sieg nicht mehr die Keule aus der Steinzeit ist, sondern der deutliche Hinweis, daß man es sich leisten könnte einen “passenden Anwalt” an der Hand zu haben, der sich schon drum kümmern würde.

    Solange es ein Gefälle innerhalb einer Geselschaft gibt, wird man nicht umher kommen von Konfrontation zu sprechen. Diese wird immer vorhanden sein und eben von jedem, jeweils individuell ausgeprägt – nach seinen ihm zu Verfügung stehenden Mitteln – sein.

    Ich kenne Bushido u. Co. nicht persöhnlich und auch Songtexte bzw. Songs habe ich wohl nur am Rande wahrenommen. Der Grund ist ganz einfach – einen gewisse Medienverweigerung lässt auch in mir eine Beeinflusssung von Außen extremst schwer werden.

    Einen Gewaltverherlichung werde ich aber deshalb nie gutheißen.

  5. delphisOrakel sagt:

    Am wichtigsten scheint mir doch die Zuhörerschaft solchen Textgutes, oder muss gesagt werden Botschaften, die sich mittels dem Gehörten auf irgendeine, mir schwer verständliche Weise ihren Frust abreagieren. Sie dürften wohl überwiegend, wenn nicht ausnahmslos, aus den “unteren” Schichten unserer Gesellschaft kommen, von denen eben diese Gesellschaft meint, sie sich in stetig wachsender Zahl, leisten zu können.
    Für eine Gesellschaft, die ja offensichtlich nur noch Ingenieure benötigt, gibt es für diese Schicht, unfähig zur Selbstreflexion (dafür können die ja nichts) keine Perspektive. Quo vadis homo sapiens sapiens?

  6. lautsprecher sagt:

    Ich blieb beim Zappen vor wenigen Tagen auf VIVA hängen, da gabs bei Klaas (der Gerüchten zufolge mindestens bisexuell sein soll) eine Hitliste der Stars, die sich am meisten gegen Gewalt einsetzen. Auf einem der vorderen Plätze: Bushido. Applaus. ;)

  7. Adrian sagt:

    Ein Imagewandel Bushidos? Oder bloßer Zynismus und Heuchelei?

  8. Jan sagt:

    Wunderbar geschrieben. Lässt mich noch Hoffnung in die Menschheit haben. Es ist einfach gruselig wie der Typ von den Medien hofiert wird. Und die Begründung “Perspektivlosigkeit” nervt einfach nur noch, stimme ich dir völlig zu. Was nun tun? Meiner Meinung nach ist ein wichtiger Teil des Rezepts sich im Internet, unter Freunden, wo auch immer – sehr deutlich und klar gegen so etwas zu äußern. Diejenigen die Relativieren, Abwägen, Verständnis zeigen und von fehlenden Perspektiven faseln, rollen den roten Teppich aus für diese Gestalten und sind damit letztendlich mitverantwortlich, wenn Minderheiten bedroht und geschädigt werden. Und die linke Schwulenszene macht fleißig mit. Wie heißt es so schön? Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber!

  9. Nemesis sagt:

    Bushido, Sido und die anderen Gewalthetzer können sich ihre Gewaltkotzorgien nur deshalb erlauben weil sie alle einen “Migrationshintergrund” haben, also “”ausländische oder eingebürgerte Mitbürger” sind und somit quasi Narrenfreiheit besitzen bzw. unantastbar nach den ungeschriebenen Regeln der political correctness sind.

    Nähme sich ein “ethnischer Deutscher” sowas heraus, würde er binnen kürzester Frist vor Gericht stehen, mindestens aber im Medienfeuer untergehn.

    Bushido und seine Spiessgesellen können aber weiterhetzen bis dann die ersten toten Schwulen auf der Strasse liegen, abgestochen von “perspektivlosen, diskriminierten ausländischen Jugendlichen”, “arme Opfer der brutalen deutschen Ausgrenzungsgesellschaft welche sich mit dem hilflosen Protest des Schwulenabstechens uns allen nur ihr bedauernwertes Schicksal in Erinnerung rufen wollen.”

  10. lautsprecher sagt:

    Na ja, das halte ich für etwas absurd: Denke man nur einmal an die (Neo-)Nazis, an all die deutschstämmigen Möchtegern-Gangster… Das hat mit der ethnischen Herkunft wenig zu tun, wenn man in der falschen/richtigen Truppe rumhängt…

    Und was bitte macht die linke Schwulenszene? Das hätte ich doch gerne mal erläutert…

  11. amü sagt:

    ‘Manifestiert sich in ihren Songs die Perspektivlosigkeit der heutigen Jugend in den „Ghettos“ von Berlin-Marzahn und Hamburg-Wilhelmsburg, wie uns gutmeinende Sozialarbeiter weis machen wollen?’

    Ganz falsch! In ihren Songs manifestiert sich wohl eher die Gewaltbereitschaft und die archaischen Moralvorstellungen von Berlin-Kreuzberg, Köln-Ehrenfeld und Hamburg-St.Georg!

  12. Domink Becker sagt:

    Wenn man die musik verbieten will müsste man auch alle gewalt filme verbieten ihr habt keine ahnung von der musik heut zutage aber macht immer ein auf schlau wenn ihr das talent zum rapper hättet würdet ihr doch die gleiche musik hören weil ihr genau wisst die jungend von heute will sowas hören und ihr damit dan geld machen könnt also tut nicht immer so ihr OPFER

    Bushido is the king

  13. Knuddelbär sagt:

    Ich bin schwul und mir gefällt die neue Art von deutschem Rap. Lieber Unterklasse-Jugendliche als Mittelklasse-Studentenrapper wie Fanta 4. Die Texte sind eh zu plump und verallgemeinert, dass ich mich davon angegriffen fühle. Natürlich finde ich es absolut verachtenswert wenn Schwule persönlich verbal wie auch körperlich angegriffen werden. Ich würd’s sogar begrüssen wenn mal ein deutschsprachiger Schwuler rappen würde, mit seinen Texten – aus der Sicht eines Schwulen – Heteros provoziert und damit Erfolg hat, im Englischsprachigen Raum gibt es ja schon einige. Lieber so jemanden als einen weiblichen Thomas Hermanns oder Blogger, die sich als elitär empfinden und Madonna hören.

  14. kandainasenshi sagt:

    hallo zusammen,

    hier wird von manifest geredet. was bitte schön soll das den sein ? ich denke nicht das rap ein manifest darstellt – wohl eher eine lebeneinstellung.
    und diese spiegelt einfach nur das wieder, was diese leute empfinden oder auch empfinden wollen bzw. zum ausdruck. klar greift keiner aus dem getto zur geige und wird ne´ sinfonie verfassen – die sprache ist eben einen andere. wahrscheinlich direkter bis sehr direkt und eben mit den agressions des alltags. sozialarbeiter hin oder her groß dran ändern wird sich da auch nichts solange sich leute hängen lassen.

    weiter kommt man immer nur wenn man etwas wagt, wagt aus einem gewohntem rahmen auszubrechen. das ist natürlich sehr schwierig mit einem “imigratorischen hintergrund” oder eben “der falschen hausadresse”, aber muß ich mich soweit mit den texten indetifizieren das es mein leben wird ? wenn ich das so mache, wird ein schritt in eine andere richtung immer schwerer sein. ( fiktion und wirklichkeit )

    eine besondere gefahr liegt natürlich in den jugendlichen, die gerade in dem lebensabschnitt sind wo sie vorbilder brauchen. und machen wir uns nichts vor, vorbilder die prägnante texte mit message rüberbringen, dem richtigen sound und den richtigen bildern werden mehr einen wirkung auf jugendliche habe, als ein sozialarbeiter der seinen job wirklich gut macht, mit sehr viel herzblut und womöglich unendgeldlichen überstunden.

    aber der rap ist auch nicht das eigentliche problem ! der rap und diejenigen die diese musik hören kommen aus einer gesellschaft. und solange sich der wert eines menschen nur auf seine “arbeitseinsatzfähigkeit” beschränkt, als malocher, wird sich da auch nicht viel ändern.

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