Adam, Ewald und Mohammed

Man hat sich ja mittlerweile fast daran gewöhnt, dass man Moslems mit allerlei Kleinigkeiten ziemlich schnell beleidigen kann, sei es, weil man Kopftücher modisch unvorteilhaft findet, Karikaturen von Mohammed zeichnet oder Teddybären Mohammed nennt. Ebenso schreien gewisse Filme nach Vergeltung durch die Religion des Friedens und Kunst, ja auch Kunst ist öfter mal islamophob.

Diese Erfahrung musste nun auch die in den Niederlanden lebende, aus dem Iran geflüchtete Sooreh Hera machen, deren Werk “Adam und Ewald, Geliebte des siebten Tages” auf einer Ausstellung im Gemeindemuseum Den Haag gezeigt werden sollte:

Der Direktor des Museums, Wim van Krimpen, hatte Heras Fotos ausgewählt, weil er sie “speziell” fand.

Das “spezielle” an diesen Fotos ist deren Darstellung

homosexuelle(r) Männer - iranische Flüchtlinge in den Niederlanden - [...] die ihre Identität hinter Masken verbergen, da sie anonym bleiben wollen. Die Masken sind allerdings nicht beliebig - auf ihnen sind der Prophet Mohammed und dessen Schwiegersohn Ali abgebildet.

Zumindest ist das mal was Substanzielleres als die Werke anderer Künstler, die sich seit Jahren damit begnügen, z.B. den Papst in Strapsen abzubilden und dies dann auch noch für einen mutigen Beitrag gegen den religiösen Faschismus halten - oder so ähnlich.

Während allerdings der Papst und seine Anhänger äußerst selten zu Vergeltungsmaßnahmen in Form von Fatwas, dem Randalieren in den Straßen oder Morddrohungen greifen, Kritik am Katholizismus bzw. Christentum also ungefähr so gefährlich ist, wie ein Meerschweinchen von Hand zu füttern, sieht das bei anderen “bestimmten Gruppen der Gesellschaft” schon nicht mehr ganz so harmlos aus. Diese Erkenntnis muss offenbar auch Museumsdirektor van Krimpen gekommen sein:

Doch am letzten Wochenende bekam Van Krimpen plötzlich kalte Füsse. Einige der Fotos, die um das Thema Homosexualität kreisen, sollen nicht gezeigt werden. “Die Direktion hat beschlossen, einige Werke der iranischen Künstlerin Sooreh Hera, die in bestimmten Gruppen der Gesellschaft als beleidigend erfahren werden, nicht in die Ausstellung 7up aufzunehmen”, heisst es in einer Pressemitteilung des Museums.

Und was ist nun der Grund für diese 180 Grad-Drehung?

Der Museumsdirektor ist der Meinung, das Werk von Hera sei zu politisch und das Gemeindemuseum dürfe kein Ort sein, an dem bestimmte Gruppen der Gesellschaft beleidigt werden. Er sei übrigens auch nicht unter Druck gesetzt worden und habe keine Angst: “Wir haben keine Drohungen erhalten”.

Im Gegensatz zur Künstlerin Sorreh Hera selbst, der man ganz im Geiste des interreligiösen Dialogs und des kollektivistischen Selbstverständnisses folgendes mitteilte:

“Wir haben in Holland schon jemanden ermordet, bald bist du an der Reihe.”

Dabei wollte Hera doch lediglich auf die Situation homosexueller Männer im Islam aufmerksam machen:

“Ich will damit die heuchlerische Haltung in der islamischen Welt gegenüber dem Sex an den Pranger stellen”, erklärte sie dem “Standaard”. “Schwule werden dort sehr hart behandelt, während homosexuelle Handlungen durchaus üblich sind.”

Dummerweise ist es mittlerweile zum Common Sense avanciert, die Thematisierung von Verbrechen im Islam als Beleidigung religiöser Gefühle anzusehen, während die Verbrechen selbst mit einem Schulterzucken als Ausdruck kultureller Pluralität abgetan werden. Sooren Hera will sich damit, trotz der Morddrohungen, jedenfalls nicht abfinden:

“Kunst ist ehrlich, als Künstlerin darf ich alles machen.”

Es sei denn, man läuft Gefahr dem Image des Islam zu schaden. Und was bitte schön könnte diesem Image mehr schaden als Kunst?

2 Antworten zu “Adam, Ewald und Mohammed”

  1. worldofsoeren sagt:

    Van Krimpen hat doch Recht. Man sollte nicht unnötig provozieren. Da wird man ja am Ende noch umgebracht!

    Schadet das eigentlich dem Image des Islam? Nee, muss man verstehen, wurden halt religiöse Gefühle verletzt, und so. Alles zwecks der Ehre.

    Also, auf ein friedliches Miteinander.

    LG,

    Sören

  2. Marco sagt:

    Islam=Frieden.

    Jeder, der was anderes behauptet ist “rechts” oder “intolerant”. Wird langsam langweilig. Vielleicht brauchen wir in Deutschland und anderen europäischen Ländern auch erst mal einen kräftigen Terroranschlag, bevor der Mainstream aufwacht.

    Gewalt gegen Schwule und Lesben scheint den Leuten jedenfalls egal zu sein.

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