Höchstwahrscheinlich hat jeder von uns schon einmal - auf einer Party oder sonstwo - die Erfahrung gemacht, dass man unter dem Einfluss von Alkohol Dinge tut, an die man im nüchternden Zustand nicht einmal denken würde. Da wird dann auf den Tischen getanzt, gegen die Scheibe der Berliner Sparkasse in der noblen Friedrichstraße gepinkelt oder sogar die Zunge in den Hals einer Frau gesteckt. Nicht umsonst spricht man davon, sich sein Gegenüber “schön zu saufen”, was allerdings zur Folge haben kann, dass man am nächsten Morgen schreiend im Bett aufwacht, wenn man sich bewusst wird mit wem man da letzte Nacht rumgemacht hat. Dass Alkohol eine besondere, zumeist erotisierende Wirkung auf Menschen hat, ist wahrlich eine Binsenwahrheit.
Umso erstaunlicher ist deshalb, dass Wissenschaftler der Penn State University die Menschheit mit einer Untersuchung konfrontierten, deren Ergebnis darin besteht, dass unsere allseits geliebten Fruchtfliegen (Drosophila melanogaster) unter dem Einfluss von Alkohol plötzlich beginnen das eigene Geschlecht zu umwerben und zu begatten. Man kann sich allerdings schon fragen, ob das Ergebnis dieser Studie den ganzen Aufwand mit den putzigen Fliegen, die einem im Sommer regelmäßig am Obstkorb begegnen, überhaupt lohnt. Ein Monat im Studentenheim oder der Armee hätte die gleichen Resultate vermutlich auch für den Menschen (Homo sapiens) erbracht.
Auch John Corvino fragt sich, was um alles in der Welt denn nun der Erkenntniswert solcher Studien sein soll:
It’s not that I doubt the merits of such research. Granted, I’m far more interested in figuring out how to keep fruit flies out of my kitchen than how to make them horny. Still, I appreciate the value of scientific inquiry—all else being equal, the more we know about the world, the better.
My problem arises when people start using these studies to draw conclusions about human romantic behavior. While Han has warned against such inferences, other researchers and commentators have not been so cautious.
Immer schwebt bei Untersuchungen über die Ursachen der Homosexualität die Befürchtung im Raum, solche Forschungen könnten dereinst benutzt werden, um Homosexualität vom Antlitz dieser Erde zu tilgen. Obwohl ich persönlich der Meinung bin, dass dies nicht geschehen wird, liegt die Vermutung nicht allzu fern, dass sich nicht unbedingt wenige genau eine solche Zukunft vorstellen. Professor Dr. Günther Rohrmoser, Christl Vonholdt oder Abu Ameenah Bilal Philips fallen mir da exemplarisch ein.
Aber sorgen Untersuchungen über die Ursachen (homo) sexueller Orientierungen dafür, Diskussionen über diese vom Feld der Moral in das Reich der Wissenschaft zu transferieren, wie einige Forscher meinen? Corvino hofft, dass dies nicht der Fall sein wird:
I hope it does no such thing. For two reasons: first, because human sexuality is far richer and more complex than fruit-fly mounting behavior. (Fruit flies don’t pout if you don’t call the next day—or so I’m told.)
Second, and more generally, because science and morality tell us different things. Science tells us something about why we behave as we do. It does not tell us how we SHOULD behave, which is the domain of morality. Science cannot replace morality or vice-versa.
To put the point another way: while scientific study can reveal the biological origin of our feelings and behaviors, it can’t tell us what we should do with them. Should we embrace them? Tolerate them? Change them? Those are moral questions, and simply observing fruit flies—or humans, for that matter—is insufficient to answering them.
Und genau dies ist der Punkt. Mag die Forschung darüber, warum wir auf jemanden oder etwas abfahren, zuweilen auch durchaus interessant sein.
11. Januar 2008 um 13:34
Zum Teil: ‘(…) dass man unter dem Einfluss von Alkohol Dinge tut, an die man im nüchternden Zustand nicht einmal denken würde. (…) oder sogar die Zunge in den Hals einer Frau gesteckt.’, ist das für euch schlimm, mal mit ner Frau rumzumachn? Naden, es gibt ja die Meinungsfreiheit.