Gerechtigkeit für Massiv! Freiheit für G-Hot!

messer.jpgEine der Neuerungen, die sich ergeben, wenn man sich mit den Abgründen homophober Geisteshaltungen beschäftigt, ist die, dass man Einblicke in Szenen bekommt, die so genial dämlich sind, dass man sich im ersten Moment fragt, ob es sich hierbei vielleicht doch lediglich um verschärfte Formen von Satire handelt. Die Rap- und Hip-Hop-Szene gehört, zumindest teilweise, dazu. Ob Kinderfreund und Globalisierungskritiker Bushido, Schlampenfickfetischist G-Hot oder der kürzlich in Berlin angeschossene Rapper Massiv: Sie alle treibt die Sorge um, was aus ihnen in einer Welt werden soll, in denen man seine krassen Kumpels nicht mehr mit Küsschen rechts und links begrüßen und ihnen dann von den nächtlichen Abenteuern mit supergeilen Fotzen berichten kann, weil eben nur noch Schwuchteln unterwegs sind, die ihrerseits darauf aus sind, die armen Rapper anal zu penetrieren.

Massiv jedenfalls, der ähnlich wie seine Kollegen intellektuelle Verwirrtheit und geistige Beschränkheit zu einer Kunstform erhoben hat, steht nun im Kreuzfeuer der Kritik, beweisen die Schüsse auf ihn doch offenbar, dass seine Songtexte brutalisierend wirken. Hasserfüllt sind sie allemal. Kostproben gefällig?

aus: Wir sind in der Überzahl

Wir sind Kanacken! (Wir sind Kanacken!)

Wir sind in der Überzahl! (..in der Überzahl!) Wir sind überall Alter! (..überall Alter!)
Du kannst uns nich’ wegkriegen! (..kannst uns nich’ wegkriegen!)
Blut gegen Blut! (..gegen Blut!)
[...]

Die Pressekonferenz, leite ich vom Schaukelstuhl!
Indem ich meinen fetten Schwanz, nach aussen hol’!
Mach jetzt Platz Nutte, denn es sind 100 Grad!

[...]

Es ist nicht mein Problem, wenn ich deine Tochter pimp!
Mein Bruder sitzt im Knast, ich halte Briefkontakt!
Es gibt kein Berliner, der jetzt was zu lachen hat!

[...]

Ich ficke Nutten auf der halben Strecke, Rapper bei ‘nem Boxenstopp!
Komm verrecke pock, pock, geh beiseite Lockenkopf! (Fick dein Block!)
Komm versteck dich, piss an einer Tankstelle, du kannst dir denken was ich mit dir Wichser anstelle!

[...]

Nich’ einer deiner Homodeals, wird im Block hier respektiert!
Ich battle und ficke und disse bis der ganze Rest krepiert! (Dafür krieg ich props mein Boy!)
Tunten schlag ich ins Gesicht, du kannst gern dein paps keulen aber schlucken brauchst du nich’!
Nur ein Fick, guck wie deine Mutter hier erotisch tanzt!
Das Fette Ding hängt an mir wie Sack an meinem Schwanz!
Deine Bitch schiebt Film, was ich für ein’ dicken hab’!
Deine Frau beschwert sich, ihr macht kacken mehr als ficken Spass!

Uns so weiter und so fort - eine schier endlose Litanei musikalisch vertonter Brechmittel.

Noch einen Zacken schärfer zeigt sich Musiker-Kollege G-Hot in seinem Song “Keine Toleranz”:

In dem Song “Keine Toleranz” heißt es u.a., “so was [habe] kein Leben verdient”, man solle “ihnen den Schwanz ab[schneiden] – keine Toleranz, wir dulden keine Schwuchteln.” Weiter heißt es: “Vertreibt sie aus dem Land. Raus! … Verpisst Euch ihr Hurensöhne. Gott schuf Adam und Eva und nicht Adam und Peter. Ich glaub´ fest daran ….” Und weiter: “Man sollte Schwule in den Medien verbieten. Aus meiner Gegend wird diese Szene vertrieben.”

Doch sieht die Lösung des Schwulenproblems à la G-Hot nicht nur eine schnöde Vertreibung vor:

“Seit wie ein Mann und zeigt, das ihr keine Toleranz habt. Haltet zusammen und schneidet ihnen den Schwanz ab.” Und an anderer Stelle: “Wir müssen reagieren, laß uns handeln. Was ist bloß passiert? Sie werden akzeptiert, es gab Zeiten, da wurden sie mit der Axt halbiert. … nach einem Coming-Out würde mein Vater mich mit einer Eisenstange hauen, doch er weiß ganz genau, dass ich an keinem Schwanz blase, mein Arsch bleibt für immer eine Einbahnstrasse.”

Dass die Homos es wagen, gegen derlei Vernichtungsphantasien zu protestieren, sollte einen intelligenten Menschen eigentlich nicht überraschen. G-Hot allerdings war völlig überrascht und gab sich in einem Videofilm als Opfer aus - als Opfer der eigenen Blödheit:

Sollten Massiv, G-Hot und Kollegen auch im Privatbereich derart zivilisationskritisch miteinander verkehren wie in ihren Songs, verwundern einen gelegentliche Gewaltausbrüche innerhalb der Rap- und Hip-Hop-Szene dann auch nicht mehr. Denn in einem Milieu, in dem es augenscheinlisch chic ist, sich als Kanacke zu bezeichnen, Frauen als Spermaendlager zu betrachten und Schwule als Objekte zur Erprobung der Schärfe der neuesten Messer, sollte es auch nicht wirklich verwundern, dass man zur Unterstreichung des eigenen territorialen Anspruchs gegen Laternenmasten pinkelt und Rivalen bei Übertretung der Reviergrenzen attackiert.

Aber vielleicht sind diese Ansammlungen gewaltverherrlichenden Mülls auch lediglich Hilfeschreie einer armen, diskriminierten Unterschicht, die aus Verzweiflung gar nicht anders kann, als ihrerseits zur Repression gegen Minderheiten wie Schwule zu greifen. Wenn das der Fall sein sollte, muss sich der gewöhnliche Schwule schon mal die Frage gefallen lassen, was er getan hat, dass die Rapper so wütend auf ihn sind…

15 Antworten zu “Gerechtigkeit für Massiv! Freiheit für G-Hot!”

  1. Martin S. Hagen sagt:

    Krasses Video - das nenn ich mal ne “Entschuldigung”…

  2. krempel sagt:

    die rap- und hip hop szene besteht also nur aus gangster rappern? so kann man es sich auch leicht machen eine szene zu verteufeln. nicht, dass ich hopper bin oder so, aber das ist ein bisschen einfach gedacht…

  3. Damien sagt:

    @krempel: “die rap- und hip hop szene besteht also nur aus gangster rappern?” sweetheart, wo hast du das denn gelesen? in adrians beitrag steht es jedenfalls nicht. da steht ausdrücklich “Die Rap- und Hip-Hop-Szene gehört, zumindest teilweise, dazu.” ZUMINDEST TEILWEISE. verstehst du?

  4. thalex sagt:

    Hallo Zusammen!

    Man sollte nicht alles verteufeln, was man nicht kennt.
    Ich erlebe es schon mein ganzes Leben lang, daß Musik verteufelt wird. Ob es Metal oder Rap ist. Wenn die Jugenlichen alles wörtlich nehmen und glauben sie müssen den Blödsinn leben sind sie selbst schuld.
    Vorallem bringt Musik manche auf die Strasse und manche von der Strasse. Gut Massiv ist jetzt wirklich nicht der hellste. Und Bushido, Kool Savas und Sido sind handsome geworden.

    Aber bei guten Hips Hopsern sind die Reime echt cool.
    Zufällig war mir gestern langweilig und ich habe ien Video bei mir reingestellt. Sie schimpfen zwar, aber auf die Reime muss man mal kommen.
    Ich stehe dem ganzen ein wenig offener gegenüber. Obwohl ich die Hips Hops Fans auch nicht packe. Aber die Kunst an sich, fasziniert mich.

    Wenn es interessiert hier das Video http://thalex.wordpress.com/2008/01/18/freestyle/

    Lg Thalex

  5. thalex sagt:

    Und sollte ich hier auf eine Gay Site gekommen sein, dann verstehe ich den Rummel, aber nehmt es nicht so ernst.

    Ich habe auch schon Schwulen Diskreminierungen geschrieben und habe ein paar Gay Freunde.

    Das sage ich nur damit mein Standpunkt klar ist.

    Also noch einmal LG

  6. Gideon Böss sagt:

    “Mein Bruder sitzt im Knast, ich halte Briefkontakt!”

    Der arme Bruder…bei der formvollendeten Lyrik.

    “Die Pressekonferenz, leite ich vom Schaukelstuhl!
    Indem ich meinen fetten Schwanz, nach aussen hol’!”

    Weiß massiv, was eine Pressekonferenz ist? Ich versteh nämlich nicht, warum er zum leiten seinen Schwanz rausholen will…

  7. schwindelfrei sagt:

    Klasse geschriebener Text =) … Aber mal zum Inhalt - die wenigsten dieser Menschen haben sich wirklich einmal mit der Szene, die sie so scharf angreifen, auseinandergesetzt. All ihr stupider Mist beruht auf Klischees oder Höhren-Sagen.

    Anscheinend lässt sich mit solchen diskriminierenden Texten und der geistlosen Ausdrucksweise immer noch gut Geld verdienen.

  8. krempel sagt:

    damien: ja, ich verstehe sehr wohl, auf diesen arroganten “bist du dumm oder was” subtext kann ich echt verzichten. anyways: selbst wenn da teilweise steht, steht es im text ziemlich allein und wirkt dementsprechend unscheinbar. also: irrelevant. der ganze post ergibt mehr einen rundumschlag, denn einen blick auf einen, penetranten aber nicht überwiegenden, teil der rapszene.
    aber vielleicht bin ich auch einfach nur zu doof, weiß nicht. :(

  9. Damien sagt:

    @krempel: sorry, ich wollte dir keineswegs dummheit unterstellen. meine vermutung war eher, du hättest den text nicht genau gelesen. ob das “teilweise” irrelevant ist, entscheidest du ganz alleine? ist das nicht arrogant? ich hoffe doch, dass die von adrian beschriebenen phänomene nicht repräsentativ sind. wenn sie aber so wahrgenommen würden, wäre es nicht in erster linie aufgabe anderer hip-hop-musiker, dem zu widersprechen? und noch einmal: auch wenn ich dich nicht kenne, ich halte dich nicht für doof. wir scheinen einfach die sachlage unterschiedlich einzuschätzen.
    beste grüße
    damien

  10. krempel sagt:

    ich entscheide für mich, wie ich einen text interpretiere, ja. finde ich ziemlich logisch - du nicht? ich empfinde das teilweise in diesem text (darum ging es mir) als irrelevant. ich meinte nicht die rapszene. XD” jedenfalls erscheint es mir im text irrelevant, weil es eben nur ein wort im gesamten text ist und sonst eher wie “die bösen hiphopper” wirkt. so mein ich das. es ist natürlich an sich nicht irrelevant, dass “so etwas” in der rapszene existiert.

    an sich würde ich die hiphop szene ähnlich homophob einschätzen wie die deutsche gesellschaft. mal so, mal so, mal mehr, mal weniger. und da sind die gangster rapper natürlich nicht irrelevant.

    ok, war wohl textmissverständnis meinerseits (also deines textes), also kein problem.

    PS: ich hab das gefühl, dass wir jetzt mehrmals aneinander vorbeigeredet haben. ^^”

  11. Video: Tocotronic - Mein Ruin | tous et rien sagt:

    [...] da habe ich doch bis jetzt das neue Video einer meiner liebsten deutschsprachigen Acts ( nach Massiv und Die Türen) [...]

  12. unGeDuLdig sagt:

    Diejenigen Hiphopper, die im Wettbewerb um die Hörer darauf verzichten, zur Menschenjagd einzuladen, sollen natürlich nicht unerwähnt bleiben. Aber genauso muss ihr auffälliges Schweigen zur Hetze Bushidos, G-Hots und Flers zur Kenntnis genommen werden. Die Hiphop-Community verhält sich zu ihren Einpeitschern so treudeutsch wie der Rest der Bevölkerung zu ihren Kochs und Schills. Die Hiphopper kopieren sogar die Miene der verfolgten Unschuld, mit der sie ganz empört jeden Angriff auf die heilige Rap-Familie abwehren, genauso wie die Spiesser, von denen sie nicht müde werden, sich zu distanzieren.

    Es mag intelligenten oder meinetwegen auch doof-harmlosen Rap geben, doch das Bild wird dominiert von kleinen Männern, die ihre Potenzphantasien ins Publikum ejakulieren, während an ihnen der Wurm des Zweifels nagt, ob sie den Ansprüchen ihrer Ideologie überhaupt gerecht werden. Was sollte sonst der in einschlägigen Videos häufig zu beobachtende, prüfende Griff in den Schritt, die demonstrativ baumelnden Ketten und Accessoires, die von Badenixen auf Hochglanz gebrachten Motorhauben?

    Auch die obsessive Beschäftigung mit analen Freuden - gegen die an sich erstmal nichts zu sagen wäre - verrät *Freud-Modus an* den Unwillen, vielleicht sogar die Furcht, sich der Vaginalität von Frauen zu stellen *Freud-Modus aus* und das gegenseitige Sich-Befummeln und Wuseln der Männer-Posses lässt die Athmosphäre von Boys Town, Pfadfinderlager und ähnlichen homosexuellen Initiationsspielplätzen aufkommen.

    Die Schwulität ist so überwältigend allgegenwärtig, dass sie selbst dem hirnlosesten Aggro-Mitglied ständig auf der Zunge liegt und notwendigerweise mit aller Macht auf “Schwuchteln” und “Fotzen” projiziert werden muss. Die Schläge, die Bushido und Konsorten jedem androhen, der sich nicht als “Ficker” sieht, sind dieselben, die er nach innen austeilt, wenn ihm mal ein zarter Anflug von Lust befällt.

    Das ist es, was der gewöhnliche Schwule ihnen “getan” hat: Er erinnert sie an etwas, was sie sich und ihm niemals verzeihen können. Schon seine Existenz, und sei es auf der anderen Seite der Erde, ist Beleidigung genug.

  13. Damien sagt:

    Die Differenz zu den Spiessern, von denen sie sich distanzieren, wird immer kleiner - nachdem Bushido schon vor einiger Zeit im Interview erklärte, er sei ein Spiesser, legt er jetzt nach, er sei “gerne ” Spiesser. Irgendwie wird das langsam langweilig:
    http://www.bild.t-online.de/BILD/berlin/leute/2008/01/26/bushido/als-spiesser,geo=3596502.html

  14. thalex sagt:

    sag ich doch.
    Wenn sie Geld haben hörts auf.
    Bushido wurde langweilig
    Kool Savas hat das lispeln für sich gefunden, so dass man keinen Text mehr versteht. Er war trotzdem einer der Besten.
    Azad hat sowieso nur eine gute Platte rausgebracht.
    End sollte hier ein HipHop Fan sein, Massiv kann nicht deutsch, ist dumm, hat schlechte Texte ist uninteressant, also einfach nur schlecht. Vergesst nicht die Rapper in Germany, Schweiz, Austria die wirklich eine geile Musik mit super Texten rausbringen. Und davon gibt es mehr als “Massivs” im deutschrap Universum.
    Ich finde lustig das alle so schockiert sind. Wahrscheinlich weil man bei D-Rap die Texte versteht. :-) Ich höre auch gerne alle Arten von “Maetal” und da gibt es ärgere Texte. ;-)

    Also regt euch nicht auf, es gibt wirklich schlimmeres auf der Welt. zum Beispiel die hohen Energiepreise und seine Folgen.

    lg

  15. thalex sagt:

    die Rechtschreibfehler könnt ihr gerne behalten ;-)

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