Nach War Jesus schwul? und der vorläufigen Antwort Jesus ist kein Hetero in meinem Beitrag über den Warmduscher im Vatikan lese ich jetzt von Kittredge Cherry:
JESUS WAR BISEXUELL
Sie
lässt in ihrem Buch Jesus mit Männern und Frauen lieben und fragt, was wäre, wenn Jesus wusste, wie es ist, anders zu sein.
Ich lasse im Folgenden den Schreiber dieses Artikels mal mit links und rechts liegen und frage, was wäre, wenn Jesus wusste, dass sich eines Tages auch noch Poststrukturalisten an ihm vergreifen würden:
Überraschende Antworten finden sich in “Jesus in Love”, einem Roman, der sich das Leben Jesu neu vorstellt: Als erotisches und mystisches Abenteuer im Palästina des ersten Jahrhunderts. Jesus geht seinen mythischen Weg mit der heutigen sexuellen Empfindsamkeit und psychologischen Rafinesse. Die Leser können sich mit den Problemen identifizieren, denen er gegenübersteht: Er empfindet sein wahres Selbst sowohl als männlich als auch als weiblich. Er verliebt sich in Menschen beiderlei Geschlechts. Die Gesellschaft versteht ihn nicht. Jesus, der Erzähler, spricht mit einer mitreissenden modernen Stimme, wenn er seine engen Beziehungen offenlegt: Mit Johannes, dem geliebten Schüler (einem schwulen Mann, der den Tod seines Liebhabers betrauert), mit Maria Magdalena (einer hochintelligenten Überlebenden sexuellen Missbrauchs)…
…einer hochintelligenten Überlebenden sexuellen Missbrauchs - das erinnert mich jetzt sicher nur zufälig an Funny van Dannens “Lesbische schwarze Behinderte”…
…und mit dem vielgeschlechtlichen Heiligen Geist.
Das aber ist eindeutig geklaut, wie man an der letztjährigen Weihnachtsausgabe der Jungle World eindeutig erkennt:
In deinem antisexistischen Diskussionszusammenhang herrscht Einigkeit: Das patriarchale Ritual »Weihnachten« muss weggesmasht werden! Denn die Bethlehemer Kleinfamilie ist eine Urmatrix für die heterosexistische Normierung des Alltagslebens. Schon kleine Kinder internalisieren, von Geschenken verführt, unterm Weihnachtsbaum das binäre Geschlechterkonstrukt Josef/Maria bzw. Heiliger Geist/Maria, also Mann/Frau. Und überhaupt: WeihnachtsMANN!
Doch trotz subversiver, emanzipatorischer Praxen, die du mit deiner Gruppe entworfen und auch umgesetzt hast, reproduziert der Weihnachtsdiskurs immer noch alle Jahre wieder die heteronormativen Strukturen und Codes und entpuppt sich als schier unangreifbar. Was dir fehlt, sind die Hardrocker_Innen von Twisted Sister! Mit dem Album »A Twisted Christmas« erzeugt die Band Brüche in der repressiven Folie der Zweigeschlechtlichkeit. Die Musiker tragen Lippenstift, Lidschatten, Rouge und knallbunte Leggins, effeminieren mit diesem Drag-Look das traditionelle Bild des männlichen Cock-Rockers und singen von polymorph-perversen Akten: »I saw Mommy kissing Santa Claus!« Doch ist »Mommy« eine »Frau«? Ist »Santa Claus« ein »Mann«? Im performativen Verwirrspiel der Vergeschlechtlichung, das du mit »A Twisted Christmas« anstoßen kannst, wird die heterosexistische Matrix dekonstruiert. Und während du die Weihnachtsgans verputzt, legt die Papa Strapse an und der Mama schminkt sich einen Schnauzer auf die Oberlippe. Weihnachten ist…
na?
…vielgeschlechtlich!