Archiv für März 2008

Feminismus zum Kotzen

27. März 2008

Der Ansicht, dass Frauenliteratur heutzutage eher überflüssig ist, war ich schon länger. Die Veröffentlichung des ersten Romans von Charlotte Roche nahm mir nun auch die letzten Zweifel daran. Wer braucht so etwas?

Ich benutze mein Smegma wie andere ihre Parfümflakons. Mit dem Finger kurz in die Muschi getunkt und etwas Schleim hinters Ohrläppchen getupft und verrieben. Wirkt schon beim Begrüßungsküsschen Wunder…

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Typisch schwul…

27. März 2008

“Sind Schwarze die besseren Athleten? Haben Schwule einen ausgeprägten Sinn für Kunst? Sind Pfeifenraucher gemütlich und haben Juden lange Nasen? Die Ausstellung »typisch! Klischees von Juden und Anderen« unternimmt eine Reise in die Welt der Bilder, mit Hilfe derer wir uns tagtäglich orientieren.”

Besprechung folgt bei Gelegenheit.

Falls jemand einen Bericht über seinen Ausstellungsbesuch veröffentlichen möchte und GayWest hierfür als geeigneten Ort erkennt: Nur zu. Wir freuen uns über Einsendungen!

Erleuchtung fällt aus

26. März 2008

Nachdem wir gestern einige der antiimperialistischen Worthülsen durch den Kakao gezogen hatten, mit denen Fans autochthoner Kulturen üblicherweise ihren Rassismus sowie die dazugehörige Menschenverachtung begründen, haben die Veranstalter des Bounty Killer-Konzerts in Essen dankbar zugegriffen und sich ausweislich einer von ihnen veröffentlichten Stellungnahme an den angebotenen Phrasen kräftig bedient. Das Ergebnis wird mit den folgenden Worten angekündigt: (mehr…)

Alles easy, oder was?

26. März 2008

Die Situation in Bodenmais scheint komplizierter als es zunächst aussah. Erklärte der neue Bürgermeister nach seiner überraschenden Wahl noch:

Ich bin alles, was man in Bodenmais nicht sein darf - jung, evangelisch und offen schwul

und forderte damit die berechtigte Frage des southparkrepublican heraus: (mehr…)

Konstruktiver Dialog oder: Ein Trottel namens Sizzla

25. März 2008

Der Sommer wird heiß, heiß wie auf Jamaika. Nicht nur der Anti-Schokoladen-Freak Bounty Killer, nein, auch sein Landsmann Sizzla hat vor, die Bundesrepublik mit einer Kostprobe seiner musikalischen Brechmittel zu beglücken. Genau wie Bounty Killer, Beenie Man, Buju Banton, Elephant Man sowie Bushido, Massiv und G-Hot ist Sizzla über alle Maßen stolz darauf, dass es ihn anmacht Mösen zu lecken und hat für die Männer, denen diese Vorliebe sprichwörtlich am Arsch vorbeigeht, nur Hohn, Hass und Verachtung übrig. Ganz so also, wie sich das für einen authentisch jamaikanischen Reggae-Sänger gehört: (mehr…)

Großes Geschrei?

25. März 2008

Jan Feddersen in der taz über die ramschige Verteidigung politisch unkorrekter Rede: Nur ein Übersetzungsfehler?

Ostergedicht

24. März 2008

ostern.jpg

Die Sonne geht im Osten auf,
der Osterhas` beginnt den Lauf.
Um seinen Korb voll Eier sitzen
drei Häslein, die die Ohren spitzen.

Der Osterhas` bringt just ein Ei -
da fliegt ein Schmetterling herbei.
Dahinter strahlt das blaue Meer
mit Sandstrand vorne und umher.

Der Osterhas` ist eben fertig -
das Kurtchen auch schon gegenwärtig!
Nesthäkchen findet - eins, zwei, drei,
ein rot`, ein blau`, ein lila Ei.

Ein Ei in jedem Blumenkelche!
Seht, seht, selbst hier,
selbst dort sind welche!

Ermüdet leicht im Morgenschein
schlief Kurtchen auf der Wiese ein.
Die Glocken läuten bim, bam, baum
und Kurtchen lächelt zart im Traum.

Di di didl dum dei,
wir tanzen mit unsern Hasen
umfasst, zwei und zwei,
auf schönem, grünen Rasen.

Christian Morgenstern

Christus ist auferstanden

23. März 2008

Predigt am Ostersonntag 2001 im Berliner Dom und in St. Matthäus zu Berlin (Johannes 20, 11-18)

Wolfgang Huber

I.

Ich erinnere mich noch genau: Es war der erste Ostersonntag hier in Berlin. Ich war auf dem Weg zum Gottesdienst. Die Ampel sprang auf Rot. Vor mir hielt ein Auto. Die Fahrerin stieg aus, kam zu mir ans Autofenster und rief mir zu: Christus ist auferstanden - er ist wahrhaftig auferstanden. Sprach’s, stieg wieder in ihr Auto und fuhr weiter. So hatte ein Ostersonntag zuvor noch nie für mich angefangen.

Aber im vergangenen Jahr war es ähnlich. Wir waren zu Ostern in Indien, zu Gast bei der Evangelisch-Lutherischen Gossner-Kirche, unserer indischen Partnerkirche. In Ranchi, dem Zentrum dieser nordindischen Kirche, waren wir rechtzeitig zum Osterfest angekommen. Das Leben in der Osternacht hielt uns ziemlich in Atem. Von den Dörfern der Umgebung zogen die Menschen herbei; ihr Gesang erfüllte die ganze Nacht. Denn schon um zwei Uhr begann ein erster Ostergottesdienst auf dem Friedhof. Ab drei Uhr sammelten wir uns dann beim Haus des Bischofs. Und der Ruf scholl uns entgegen: “Christus ist auferstanden - Halleluja!” Singend zogen wir miteinander auf den Friedhof. Kerzen wurden auf die Gräber gestellt - ein Meer von vielen tausend Kerzen. Genau während der Predigt ging die Sonne auf und überstrahlte das Licht der Kerzen, die allmählich ausbrannten. So intensiv hatte ich das Auferstehungslicht noch nie erlebt.

Die Botschaft von der Auferstehung Jesu erreicht mich, wenn jemand mir sie zuruft, einfach und überraschend: Christus ist auferstanden. Mitten auf der Straße. Diese Botschaft verwandelt mich, wenn das Licht der Auferstehung mein Herz erreicht - wie in jener Nacht in Indien. Auferstehung geschieht, wenn eine Beziehung in Gang kommt.

Die Ostergeschichte ist eine Liebesgeschichte. Sie handelt von einer Beziehung. Da reicht es nicht zu, wenn jemand zurückfragt: Kannst du es beweisen? Wer so fragt, fragt nicht zu viel, sondern zu wenig. Wir wissen es alle: Wenn bei einer Liebesgeschichte jemand fragt: Kannst du das beweisen? dann ist die schiefe Bahn schon betreten. Er hat dann nicht zu viel, sondern zu wenig gefragt. (mehr…)

Frühlingsrausch

22. März 2008

Für meinen geliebten Lukas

Ein Frühlingsgott kam auf mich zu
Und der war nicht mehr zwanzig
Er lachte wie Magnolien blüh’n
Und meinte mich - tatsächlich mich
Er nahm mich mit auf seinen Ritt
Durch wilde Butterblumen
Ein gold’nes Bett im Sonnenwind
Tropft honigschwer ein altes Lied
Von seinen gläsernen Flügeln
Und seine Küsse himmelblau
Vergißmeinnichtblüten
Fallen auf Membranen längst vergessener Trommeln
Gespannt wie’n Flitzebogen
Baba dadada…
Nicht sprechen
Nein, nicht sprechen
Einfach nur sterblich sein
Und Augen auf
Wenn der Vollmond auf seinen weißen Schultern tanzt
Baba dadada…
Apfelblüten, leicht erröten
Baba dadada…
Apfelblüten uns bedecken
Da bleiben keine Wünsche offen
Wenn wir morgens wie die Stiere
Baba dadada…
Die letzten Sterne jagen
Die sich auf uns’rer Haut verirr’n
Baba dadada…
In frischen Kleidern aus Vogelgezwitscher
Baba dadada…
Fliegen wir in einen moosgrünen Tag
Bis wir im Horizont verschwinden
Zwei Schwalben, die ihren Sommer
Dann doch gefunden haben
Baba dadada…

(Georgette Dee/Terry Truck)

Solidarität der Liebenden

21. März 2008

Cristo de San Juan de la Cruz / Christus hypercubus
Predigt Karfreitag 2007
KHG Mainz

Meine Schwestern, meine Brüder,

ein Perspektivenwechsel scheint immer dann vonnöten, wenn man sich an einen Gegenstand, eine Struktur, eine Situation oder an einen Menschen gewöhnt zu haben glaubt. Man hat dann – insofern man sich Rechenschaft über die eigene Wahrnehmungsperspektive ablegt – das Gefühl, dass man aus der Perspektive aus der man es, sie oder ihn zu betrachten gewohnt ist, nichts Neues mehr und schon gar nicht mehr es, sie oder ihn zu erkennen in der Lage ist.
Wenn wir eine andere Perspektive zu einem Ding, einem Sachverhalt oder einer Person einnehmen, zeigen wir uns zunächst davon irritiert, dass die Perspektiven Widersprüchliches zu Tage bringen. „Man muss“, so Dalí, „systematisch Verwirrung stiften – das setzt Kreativität frei. Alles, was widersprüchlich ist, schafft Leben.“ Nun ist schon die Epiphanie Gottes im Gekreuzigten ein Widerspruch, der krasser nicht gedacht werden kann. Der lebendige, allmächtige, transzendente Gott offenbart sich im Gekreuzigten „unter der Gestalt seines Gegenteils“ (Luther). Diesen Widerspruch wahrzunehmen haben wir offensichtlich verlernt. Der Gekreuzigte hängt in unseren Kirchen, Wohnungen, an Wegkreuzungen und wo sonst noch, ohne dass dieser Widerspruch Anstoß erregte oder gar Kreativität freisetzte. Dass Sie heute gewissermaßen per Sitzordnung gezwungen sind, die gewohnte Perspektive zu verlassen, verdanken Sie Salvador Dali, der in den 1950er-Jahren verschiedene Perspektiven auf das Kreuz Christi einzunehmen versuchte. (mehr…)