Gay Graveyard Ghetto
Zu Lebzeiten scheinen sich Schwule eher bei Grand-Prix-Partys als im Fußballstadion rumzutreiben.
Mit diesem Höhepunkt schwulen Qualitätsjournalismus beginnt ein Artikel über die Eröffnung des weltweit ersten schwulen Friedhofsghettos. Manch einer mag sich denken: Auch das noch! Zumal die Begründung des Vereinsgründers und Pfarrers Ivan Larsen für die Neuerung einigermaßen befremdlich wirkt:
Wir haben unsere eigenen Plätze, an denen wir uns treffen und amüsieren können – Schwulenbars und so weiter. Deswegen wollten wir auch eine eigene Grabstelle.
Widersprüchlich wirkt bereits die Zielrichtung des Vorhabens:
Mit dem Homo-Grab will sich Larsen, der bereits für sich und seinen Partner Ove Carlsen ein Plätzchen reserviert hat, nicht von der Hetero-Welt absetzen.
Mit einem abgetrennten Platz will er sich nicht absetzen? Das irritiert auch einen Leser bei queer.de:
Ich finde es unglaublich, dass es das gibt und es dann noch mit einer Schwulenbar zu vergleichen. Schwule sollten offensiv zeigen, dass sie in der Mitte der Gesellschaft stehen und nicht am Rand.
Ein anderer Leser assoziiert eher ein untergegangenes Regime aus dem südlichen Afrika:
Da muss man sich ja für schämen, wie kann man auf so eine Idee kommen, ist Herr Larsen zufällig Südafrikaner???
Ein dem Plan grundsätzlich kritisch gegenüber stehender Zeitgenosse macht eine Ausnahme:
Als Denkmal oder letzte Ruhestätte für ganz besondere Menschen, die sich in der Community irgendwie hervorgetan haben durch ihren selbstlosen Einsatz im Kampf um Gleichstellung, vergleichbar einem Ehrenfriedhof für gefallene Soldaten, könnte ich mir so etwas allerdings schon vorstellen.
Eher humoristisch geht es dieser Leser an:
Es versteht sich ja wohl von selbst, daß auf diesen Friedhof auch nur garantiert schwule Blumen gepflanzt werden dürfen.
Ganz andere Befürchtungen - oder Hoffnungen? - hat schließlich dieser Kommentator:
Würde mich nicht wundern, wenn so ein Friedhof ab einer gewissen Größe dann auch zur Cruisingarea wird.
Was man als Liberaler von der Idee zu halten hat? That’s business.