“Alternative – Die Grünen” Wer kennt ihn noch, den Werbeslogan der jungen grünen Partei Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts? Wie man ihn heute, anno 2008, mit Leben füllt, demonstriert eindrucksvoll Cemil Ipekci, der Karl Lagerfeld der türkischen Modeszene im Interview mit SPON:
Sehen Sie, für mich gibt es zwei Varianten: Das Kopftuch in allen bunten Variationen, und die iranische Version, ganz in Schwarz, furchtbar. Diese schwarzen Gespenster sind schuld, dass das Kopftuch bei uns unfrei ist. Aber ich verteidige trotzdem ihr Recht, das zu tragen.
SPIEGEL ONLINE: Viele sagen, dass in der Türkei der soziale Druck gewachsen ist, Kopftuch zu tragen, und dass sich heute viel mehr Frauen verhüllen als noch vor einigen Jahren.
Ipekci: Das behaupten die Kemalisten. Sie sagen, der Turban habe sich verbreitet wie eine Epidemie. Aber ich sage: Nein, die Kopftuchträgerinnen waren schon immer da, nur jetzt outen sie sich, jetzt sieht man sie! Es werden nicht mehr oder weniger, aber die, die sich vorher versteckt haben, gehen jetzt auf die Straße, jetzt zeigen sie sich. Ich vergleiche das gerne mit den Schwulen. Heute outen sich viele junge Türken, aber es gab schon immer Schwule in der Türkei und im Osmanischen Reich.
Einen Unterschied zwischen einer sexuellen Orientierung und einem politischen Bekenntnis vermag der gute Mann nicht zu sehen. Und so verschwimmt ihm auch der zwischen denen, die Frauen ihre Freiheit nehmen und denen, die ihnen das Kopftuch nehmen:
Ipekci: Für viele ist es ein Ausdruck von Identität. Für einige ist es auch Protest. Es gibt Länder wie Iran oder Saudi-Arabien, die die Frauen zwingen, sich zu verhüllen. Die Türkei macht es genauso falsch, wenn sie die Frauen zwingt, etwas nicht zu tragen.
Letztlich scheint Ipekci nur neidisch auf die moslemischen Frauen, die so tolle Dinger auf ihren Köpfen tragen dürfen:
SPIEGEL ONLINE: Sie haben Ihren Kritikern gesagt, Sie würden selber ein Kopftuch tragen, wenn Sie eine Frau wären.
Ipekci: Na klar.
SPIEGEL ONLINE: Warum?
Ipekci: Weil ich es liebe. Nicht aus religiösen Gründen. Für mich ist es ein Accessoire. Aber ein ziemlich vernachlässigtes. Sie ahnen ja gar nicht, wie viele Frauen mich am Tag anrufen und nach neuen Kopftuchentwürfen fragen, weil sie mit den konventionellen Schnitten unzufrieden sind. Und dann gibt es noch die Frauen, die gerne ein Kopftuch tragen würden, aber es nicht tun, weil sie Angst davor haben, dass ihre Freunde sie dann für besonders religiös halten, was sie vielleicht gar nicht sind.
Und dann gibt es noch die Frauen, die gerne kein Kopftuch tragen würden, aber es tun, weil sie Angst davor haben, dass ihre Freunde sie dann für zu wenig religiös halten, was sie vielleicht auch sind. Aber für die hat der “bekennende Homosexuelle” einfach keine Zeit. Da kommt selbst der Spiegel nicht mehr ganz mit:
SPIEGEL ONLINE: Klingt ziemlich verwirrend.
Doch eben das kommt dabei heraus, wenn die Grünen von heute die Alternativlosigkeit ihrer Kleiderordnung erklären: Ein Einsatz für die Freiheit des Kopftuchtragens.
26. April 2008 um 23:08
Sehr schöne Collage an Meinungsschnipseln! Diiiiiiese Kopftuchdebatte… ich finde es einfach unglaublich, wie oberflächlich dieses Thema immer wieder diskutiert wird. Die Argumente der Pro-Kopftuch-Partei sind einfach schockierend manipulativ oder aber extremst blauäugig. Beides entsetzlich.
Natürlich habe auch ich gegen “Kopftücher als Accessoire” nichts, im Gegenteil, manche Frau gestaltet ihr Kopftuch so raffiniert, so chic arrangiert, hochgesteckt und mit der restlichen Kleidung abgestimmt. Einfach atemberaubend schön!
Nur dieselbe Frau würde auch ohne Kopftuch am Tag darauf, sagen wir einem Dienstag, wünderschön aussehen. Und auch an diesen Dienstag wäre sie ebenso gläubig oder ungläubig wie am Montag.
Der Glaube einer Frau sollte sich nicht zwingend durch ein Kopftuch spiegeln, geschweige denn beweisen müssen. Das ist absolut schädlich für ein aufgeklärtes Verhältnis zwischen Männern und Frauen. Und wer so große Unterschiede zwischen den Geschlechtern macht, der macht es auch zwischen anderen MENSCHEN … Rassen, sexuelle Orientierung usw.
In einer wirklich aufgeklärten, toleranten Gesellschaft wäre ich unbedingt für die Freiheit, dass jede Frau und jeder Mann ein Kopftuch aus religiösen Gründen tragen dürfte, und zwar überall, auch in der Schule beim Lehren von beeinflussbaren kleinen Wesen wie meinen eigenen, zukünftigen Kindern.
In unserer Gesellschaft aber bin ich dagegen. Wir müssten uns zuerst alle angleichen, bevor wir uns wieder bewusst differenzieren können. So denn, aber das wird nicht passieren. Also bleiben wir pragmatisch: Kein 7 Tage Kopftuchtrend in Deutschland!!! Wie wäre es mit einem Tag Kopftuchpflicht für die Deutschen Männer und Frauen und einen Tag ohne Kopftuch für unsere zugezogenen Mitbürger(innen)?