Christival: Evangelikale Eskalation

Nachdem die Demokratiespezialisten vom Christival bereits die Ansicht vertreten haben, Kritik an ihnen sei ein Angriff auf die Meinungsfreiheit, drohen sie jetzt Kritikern auch mit juristischen Schritten. Sara Dahnken, eine Vertreterin der Grünen Jugend antwortete auf die Frage von idea,

ob sie Evangelikale mit der Auffassung, Homosexualität sei eine Krankheit oder Sünde, mit Nazis gleichsetze (…) Das ist die gleiche Ebene. Wer sagt, Homosexualität ist eine Krankheit oder es ist eine Sünde, ist genauso wie einer, der gegen Juden ist.“ Die Christival-Geschäftsführung forderte Dahnken schriftlich auf, ihre Äußerungen zurückzunehmen und sich dafür zu entschuldigen. (…) Auf idea-Anfrage erklärte Dahnken am 28. April dazu: „Meine Aussage in dem Interview wurde falsch gedeutet. Mir ging es darum auszudrücken, dass es uns egal ist, wer diskriminiert wird und von wem. Ob es dabei Evangelikale sind, die Homosexuelle diskriminieren, oder andere, wie zum Beispiel Nazis, die Juden diskriminieren, ist dabei auf der Diskriminierungsebene nicht anders zu bewerten. Gegen jede Art von Diskriminierung werden wir Kritik ausüben. Hierbei sollte aber nicht die Ansicht entstehen, wir stellen Evangelikale mit Judengegnern gleich.“

Das sollte wohl reichen, um Dahnken nicht länger mit juristischen Schritten zu drohen. Ihre Ablehnung jeglicher Diskriminierung ist natürlich Unsinn. Wer wollte etwa widersprechen, wenn ein Pädophiler nicht als Kindergärtner zugelassen, Männern der Zugang zum Frauenzentrum oder Frauen der zu einer Schwulendisko verwehrt wird?

Eine andere Frage ist die nach der Legitimität einer Gleichsetzung von Evangelikalen mit Nazis, die ja von idea ausdrücklich abgefragt wurde und sodann in der Überschrift des Artikels auch noch mit einem “Vergleich” verwechselt wird. Sind denn nun Evangelikale und Nazis gleichzusetzen?

Nazis waren und sind der Ansicht, die Homosexuellen schadeten dem “deutschen Volkskörper”, seien unproduktiv und müßten daher unschädlich gemacht werden, was im Nationalsozialismus bekanntlich auch praktiziert wurde. Wenn heute die evangelikale Partei Bibeltreuer Christen verkündet, nach Gottes Willen seien die Homosexuellen “des Todes” fragt man sich, ob sich da nicht zumindest der eine oder andere “praktizierende Christ” ermutigt fühlt, selbst Hand anzulegen. Ansonsten sind Evangelikale bekannt als Anhänger der “Reparativen Therapie”:

Die deutsche Bundesregierung lehnt diese Therapie 2008 als gefährlich und unwissenschaftlich ab. In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag fasst sie den Forschungsstand aus ihrer Sicht wie folgt zusammen: “Homosexualität bedarf weder einer Therapie noch ist Homosexualität einer Therapie zugänglich.” “Die vor allem in den 60er und 70er Jahren häufig angebotenen so genannten „Konversions“- oder „Reparations“-Therapien, die auf eine Änderung von gleichgeschlechtlichem Sexualverhalten oder der homosexuellen Orientierung abzielten, werden heute in der Fachwelt weitestgehend abgelehnt. Dies gründet sich auf die Ergebnisse neuerer wissenschaftlicher Untersuchungen, nach denen bei der Mehrzahl der so therapierten Personen negative und schädliche Effekte (z. B. Ängste, soziale Isolation, Depressionen bis hin zu Suizidalität) auftraten und die versprochenen Aussichten auf „Heilung“ enttäuscht wurden. Für therapeutische Hilfen aus dem Bereich der so genannten affirmativen Therapien konnte dagegen ein Nutzen im Sinne einer geringeren Anfälligkeit bezüglich psychischer Erkrankungen nachgewiesen werden. Bei diesem Ansatz geht es um die unterstützende therapeutische Begleitung der Entwicklung der sexuellen Identität, die Integration der sexuellen Orientierung in das Selbstbild und die Stärkung des Selbstwertgefühls des Klienten.” <[18]

Wenn man so will, kann man diese von Evangelikalen propagierte “Therapie” als Ausdruck eines ideologischen Projekts zur Reinhaltung des Volkskörpers auf der Höhe der Zeit bezeichnen. Dabei lassen die Bibeltreuen keine andere Sichtweise als die ihre zu. Zum Glück haben sie nicht die gesellschaftliche und politische Macht, ihre Ansichten für alle verbindlich zu machen.

Zurück zum “Christival”: Der (laut idea evangelikale) Pastor Olaf Latzel

machte gegenüber idea Beck mitverantwortlich für die nun eskalierende Situation. Er habe mit seinen kritischen Äußerungen zu Beginn des Jahres die Debatte „mittelbar in Gang gesetzt“. Der Pastor bemängelte, dass Beck bislang offenbar nicht de-eskalierend gewirkt habe.

Was Latzel allerdings dann ankündigte, spricht seinen bedauernden Worten über die “eskalierende Situation” Hohn. So bot er an,

das Seminar „Homosexualität verstehen – Chance zur Veränderung“ in veränderter Form in seinen Gemeinderäumen abzuhalten.

Und auch die ständige Wiederholung der Klage über die unangemessene Aufmerksamkeit, die das Seminar zur Veränderung von Homo- zu Heterosexuellen - denn nur um diese Veränderung geht es dem evangelikalen Mainstream - erfahren habe, hinterläßt einen schalen Nachgeschmack, wenn man liest, was der 1. Vorsitzende des Festivals, Roland Werner, bei idea von sich gibt:

Nicht zuletzt bin ich dankbar für die Unterstützung durch das Familienministerium. Dass die Ministerin, Frau von der Leyen, ihre Schirmherrschaft durchgehalten hat, rechne ich ihr hoch an. Ich danke allen Mitchristen, die uns mittragen. Ich werbe dafür, dass diese starke Solidarität auch mit „Wüstenstrom“ und der OJC weitergeht.

Ob Frau von der Leyen bewußt und bekannt ist, wie ihre Aufrechterhaltung der Schirmherrschaft hier interpretiert wird? Schließlich hatte die Bundesregierung doch ausdrücklich dazu aufgefordert, das umstrittene Seminar abzusagen, da die dort propagierte “Therapie” gefährlich und unwissenschaftlich sei.

Allen Zweiflern, die immer noch meinen, “Wüstenstrom” oder die OJC setzten sich für die “Wahlfreiheit” von Homosexuellen ein, wie es Vertreter der Organisationen immer wieder vorgeben - warum setzt sich eigentlich niemand für die Wahlfreiheit von Heterosexuellen ein? -, sei ein Zitat von Zwischenraum ans Herz gelegt, evangelikalen Schwulen und Lesben, die aufgrund des im evangelikalen Miliieus herrschenden Druck vorwiegend anonym auftreten müssen:

Problem ist vor allem, dass homosexuelle Partnerschaft in Veröffentlichungen der OJC nie eine adäquate und gleichwertige Lebensform sein darf. Homosexuelles Empfinden wird dort stets als psychologische Fehlanpassung und unreife Lebensbewältigung dargestellt. Die einzige als vollwertig vermittelte Alternative heißt Zölibat oder Heterosexualität entwickeln. Auf dieser Grundlage aber wird in christlichen Gemeinden auf die Mehrheit der Christen, die homosexuell empfinden, teils sehr subtil, teils kategorisch das Joch gelegt, sich verändern lassen zu müssen oder in ihrer Beziehung zu Gott Schaden zu erleiden. Auf die Vertretung einer Minderheit zieht sich OJC immer nur dann zurück, wenn sie unter Kritik gerät. Eine Aussage wie: “Die Mehrheit der Homosexuellen sind vom Grundsatz her normale und glücksfähige Menschen, die in ihren Beziehungen ermutigt und bestätigt werden sollten, und wir kümmern uns lediglich um die leidende Minderheit, die hierin eine fehlgeleitete und vergebliche Konfliktbewältigung anstrebt” – diese Aussage wird man dagegen dort vergeblich suchen. Solange dies aber so bleibt, ist die Reklamation des Minderheitenschutzes nicht wahrhaftig.

Sind Lügner und Heuchler, wenn es nach Gott geht, eigentlich auch “des Todes”?

9 Antworten zu “Christival: Evangelikale Eskalation”

  1. Christival in Bremen oder wenn Piet-Kongs zu sehr lieben « Raumzeit sagt:

    [...] Organisatoren des Christivals schwirrt mittlerweile der Kopf und der Rechtsstaat wird bei ausbleibenden Argumenten notorisch bemüht,soviel kritische [...]

  2. zuppi sagt:

    Ich habe eine kleine Replik zum Thema bei Raumzeit eingestellt.

  3. Jokre sagt:

    Fieber in der Seele

    Homosexualität als bloße Andersartigkeit zu bezeichnen, ist nur ein Ausweichmanöver vorbei an der eigentlichen Verantwortung und der tatsächlich möglichen Heilung. Und selbst wenn manche dagegen Sturm laufen: Homosexualität ist nichts anderes als eine tief sitzende Art von Fieber in der Seele, auf das sich dann Mächte setzen, die schließlich das Leben bis ins letzte steuern - Das nennt man Fremdbesatzung! Natürlich darf jeder gerne in Handschellen herumlaufen, solange er Gleichgesinnte findet und Befürworter aus der antichristlichen Ecke der Pseudoaufklärer, doch Freiheit sieht anders aus. Ehemalige, die heute ein glückliches Eheleben als Mann und Frau genießen, gibt es dank mutiger Christen in zunehmender Zahl, und es ist an der Zeit, auch diesen Personenkreis einmal zu Wort kommen zu lassen. Und Hut ab vor den Gläubigen, die sich nicht davon abhalten lassen, trotz ´rechtlich freiheitlichem` Gegenwind Hilfesuchende seelsorgerlich und mit freisetzendem Gebet zu begleiten!

  4. Adrian sagt:

    Die “ehemaligen” Homos, die heute ein glückliches Eheleben als Mann und Frau genießen, werden komischerweise regelmäßig dabei erwischt, wie sie sich im erstbesten schwulen Sexclub in den A**** ficken lassen.

  5. Adrian sagt:

    Im Übrigen:

    “Homosexualität ist nichts anderes als eine tief sitzende Art von Fieber in der Seele, auf das sich dann Mächte setzen, die schließlich das Leben bis ins letzte steuern - Das nennt man Fremdbesatzung!”

    Sind Evangelikale schon so sehr vom Hass auf die Menschheit durchdrungen, dass sie nicht mehr merken, dass ihre Argumentation nur aus Gelaber besteht?

  6. Jokre sagt:

    ´…Sind Evangelikale schon so sehr vom Hass auf die Menschheit durchdrungen, dass sie nicht mehr merken, dass ihre Argumentation nur aus Gelaber besteht?…`

    Würden die sog. Evangelikalen den Rest der Menschheit hassen, sie würden sich in Privatclubs treffen mit einem Schild an der Tür: ´Bitte nicht stören. Wir warten auf die Entrückung in den Himmel!` Sie bräuchten es sich nicht antzutun, sich mit Feuerwerkskörpern und dergleichen attackieren oder gar als gesellschaftsfeindlich difamieren zu lassen. Evangelikal heißt nichts anderes als dass wir nicht irgend einer Kirche etc. nachtrotteln und irgend eine Doktrin daher blöken, nein, wir gehören zu jenen Exoten, die doch tatsächlich behaupten, jeden Tag ein Rendezvouz mit Jesus zu haben, und das nennt man Gebet. Wir sind nicht religiös, wir leben mit Jesus, und das ist ein riesen Unterschied!
    Und wer sich als angeblicher Ehemaliger sonst wo hinf…. läßt, der muss sich mit aller Klarheit die Frage gefallen lassen, ob er Jesus überhaupt schon mal real begegnet ist. Denn Menschen können psychlogisch so manches überspielen oder unterdrücken, sich festklammernd an religiösen Werten oder Anweisungen einer Kirche, wen aber jesus im persönlichen Gespräch (mit oder ohne Hilfe von anderen Christen) total frei setzt durch bedingungslose Annahme und Liebe, der ist tatsächlich frei.
    Hier geht es nicht um gut oder böse, nicht um einen Schlagabtausch neunmalkluger Argumente, nein, hier geht es um deine ganz persönliche Beziehung zum fantastischsten Charakter im Universum, hier geht es um dich und in wieweit du ihn zu Wort kommen läßt trotz und entgegen aller noch so miesen Erfahrungen mit Menschen, die sich selbst zu Gottes Bodenpersonal zählten.

    Vergiß doch mal all die Frommen Typen, rede endlich mit Jesus! Er labert niemanden blöd an und kommt auch nicht pharisäisch um die Ecke, er redet mit dir unter vier Augen und nimmt dich voll ernst. Dafür hat er zu sehr bluten müssen!

  7. Adrian sagt:

    “Er labert niemanden blöd an und kommt auch nicht pharisäisch um die Ecke, er redet mit dir unter vier Augen und nimmt dich voll ernst.”

    Damit unterscheidet sich Jesus positiv von Dir und anderen Evangelikalen.

  8. Mara sagt:

    “Vergiß doch mal all die Frommen Typen, rede endlich mit Jesus!”

    Hab ich getan. Nach der Bibel fand er auch garniochtmal große Probleme an der Homosexualität - siehe seinen Dialog mit einem gewissen Römer und dessen Gespielen.

    Man sollte als Evangelikaler seinen eigenen Glauben schon verstanden haben, sonst macht man sich lächerlich.

  9. Jokre sagt:

    ´Hab ich getan. Nach der Bibel fand er auch garniochtmal große Probleme an der Homosexualität - siehe seinen Dialog mit einem gewissen Römer und dessen Gespielen.`
    Entweder du hast eine völlig neue Bibel daheim oder dein Denken ist schon so in Beschlag genommen, dass du alles so verdreht PRO-Homosexuell siehst, dass keinerlei Argumente mehr bei dir haften, man nennt das auch imprägniert gegen das wahre Reden Gottes. Denn bei diesem Römer lag der Diener todkrank auf seinem Lager und war zudem diesem Hauptmann nahe wie ein eigener Sohn. Ben Hur ist hier ein gutes Beispiel, da dieser in dieser fiktiven Geschichte später als Sohn adoptiert wurde…und zudem hast du eines übersehen: Die führenden Juden in diesem Ort drängten Jesus förmlich dazu, jenem Römer den Gefallen zu tun, denn ´er hat uns die Synagoge gebaiut!` Jeder
    Jude hätte sich in der damaligen Zeit gehütet, auch nur in die Nähe eines Homosexuellen zu kommen. da dieser aber sicher nicht homosexuell war, sondern neben einer tiefen Verehrung für den Gott Israels und einer ebenso tiefen Hochachtung für das Volk der Juden, hatte er ein weites Vaterherz und hatte jenen Diener wie einen eigenen Sohn geschätzt. Ob er ihn dann adoptiert hatte, wissen wir nicht, ist auch nicht so wichtig. Jedoch aus so einer verdrehten Ansicht eine Rechtfertigung oder gar ein ´Reden` Jesu zu konstruieren, zeigt mir deutlich, dass dein ganzen Leben schon absolut durchdrungen ist von dieser Macht, sorry, aber ich muss es so ausdrücken - dies ist keine Diskriminierung oder Beleidigung oder dergleichen, sondern die Wahrheit, wie ich sie von der Bibel her sehe…oder lies doch mal, was die Bibel (und somit ja auch Jesus!) im Römerbiref durch Paulus zu Homosexuellen zu sagen hat…!, natürlich immer mit dem Angebot des Neuanfangs, das ist typisch für unseren Gott, der immer nur Fehler aufzeigt, um sie anschließend entweder durch ein reales Wunder zu korrigieren, neu zu machen oder sich in ´Zusammenarbeit` mit dir dann an evtl. Aufräumarbeiten (Seelische Aufarbeitung tief verschütteter Dinge) zu machen.

    So, nun habe ich dich wieder voll gepredigt, oder was für eine Reaktion / Antwort kommt jetzt von dir?

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