Wenn es um Blutspenden geht, gibt es ein überaus wirkungsvolles Verfahren um auszuschließen, dass das gespendete Blut mit Krankheitserregern infiziert ist: Man testet das Blut ganz einfach auf Erreger. Polen jedoch möchte die Gefahr infizierten Spenderbluts gleich noch mal reduzieren und dies mit einer Methode, die einen nicht wirklich überraschen kann:
Homosexuelle, Bisexuelle und Bordellkunden sollen in Polen keine Blutspenden mehr abgeben dürfen. Ein solches Verbot will das dem Gesundheitsministerium unterstehende Nationale Blutzentrum alsbald einführen. Als Begründung für diese Diskriminierung wird die stark wachsende Zahl von Neuerkrankungen wie HIV und Gelbsucht genannt, wobei den Schwulen der höchste Zuwachs angerechnet wird.
Was für eine schöne Auswahl: Homos, Bisexuelle und Konsumenten sexueller Dienstleistungen. Alles Risikogruppen, alle pervers, alle krank – physisch unter Vorbehalt und psychisch sowieso. In Polen jedenfalls schlagen die Wellen der Erregung hoch:
Schwulen- Organisationen gehen bereits auf die Barrikaden und künden an dass man sich diese Diskriminierung nicht gefallen lassen werde. Man will das Blut dann in Zukunft notfalls unter Verschleierung der sexuellen Orientierung abgeben und komme damit zurecht da man ja die Hilfe für andere Menschen damit in den Vordergrund stelle.
Eine zukunftsweisende Taktik, die das Vorgehen des Gesundheitsministeriums ad absurdum führen würde und eine entscheidende Frage aufwirft: Wie will man in Polen eigentlich garantieren, dass nur mit guten Blutlinien ausgestattete Heterosexuelle sich zum Blutspenden melden? Wird man jeden Homo, jeden Bisexuellen, jeden Freier und jede Prostituierte überwachen und registrieren lassen? Und überhaupt: Wieso der Ausschluss ganzer Gruppen wenn das Spenderblut sowieso getestet wird?
Man könnte natürlich annehmen, es gehe dem polnischen Gesundheitsministerium gar nicht so sehr darum, Infektionen auszuschließen. Womöglich fühlen sich die Verantwortlichen unseres östlichen Nachbarn einfach nur nicht wohl mit der Tatsache, dass stramme polnische Heteros zukünftig mit schwulem Blut rumlaufen müssen. Denn wer weiß schon, ob man von schwulem Spenderblut nicht selber schwul wird?
Ja ich weiß, übelste Spekulationen ohne eine Spur von Beweisen. Zur Verteidigung lasse man mich aber sagen, dass wir hier von Polen reden, jenem Land also, wo die Frage nach der sexuellen Orientierung der Teletubbies auf höchster politischer Ebene behandelt wird und in dem jedes Jahr am CSD rechte Spinner und religiöse Knallchargen am Straßenrand stehen mit selbst gemalten Bildchen, welche die Sündhaftigkeit des Analverkehrs plastisch illustrieren.
Ich könnte mir sogar vorstellen, dass nach Verabschiedung des amtlichen Blutspende-Banns gegen Homos und andere Perverse, die polnische Regierung nach ein paar Monaten mit einer Statistik ankommt, die bitter beklagt, wie wenig Homosexuelle doch bereit sind Blut zu spenden; was natürlich einmal mehr ihren gottlosen, hedonistischen Lebensstil beweise.
Aber wenigstens gibt es noch einige Menschen, die solidarisch für das Recht von Homos und Co. eintreten, ihren Mitmenschen zu helfen. So urteilt die Website, die als Quelle dieses Beitrags dient:
Doch die wachsenden Zahlen von HIV infizierten Schwulen und Prostituierten (nicht nur) in Polen machen nun einmal wieder das Diskriminieren leichter, anstatt einfach sich mit dem Gedanken zu begnügen, dass Spenderblut sowieso auf gefährliche Krankheiten untersucht wird, geht man gerade wieder gegen Homosexuelle vor, die überwiegend schon genug Opfer ihrer Neigung sind die ihnen in den wenigsten Fällen angeboren wurde.
Trotz alternativer Grammatik und idealistischem Satzbau eine überzeugende Zusammenfassung, übertroffen nur noch von dem Resümee:
Jeder Mensch hat ein natürliches Recht darauf zu helfen und Schwule sind auch nur Menschen.
Merci bien. Es freut einen immer, dies zu hören.
10. Mai 2008 um 18:17
Hi
schön, das du über das Vorgehen der Blutspendedienste im Ausland berichtest und die dortige (künftige) Diskriminierung aufzeigst. Du solltest aber wissen, das es in Deutschland nicht besser sondern sogar schlechter ist.
Schwule, Bisexuelle Männer und Prostituierte sind mal ganz pauschal ausgeschlossen, Lesben und Bisexuellen Frauen sowie Heteros werden hingegen nach ihrem “Risikoverhalten” beurteilt und dürfen im Zweifel spenden.
Ich hab mal bei dem hiesigen Roten Kreuz nachgefragt gehabt - und wurde mit den Worten: “Ja wir können und wollen an diesen Regelungen nichts ändern - oder möchten Sie verseuchtes Blut erhalten?”.
Damit war ich bedient.
Ich denke das da ne Europäische Regelung her gehört, die auch gegen Diskriminierung gefasst wird.
gruß und mach weiter so is immer nett dein Blog zu lesen
dominic
10. Mai 2008 um 18:22
Ja und? Ist es in Deutschland anders? Oder ist hier Schwulen das Blutspenden neuerdings erlaubt? Ich hab zumindest nichts mitbekommen, dass der Bann aufgehoben worden wäre.
10. Mai 2008 um 19:55
Homophobie in Polen will ich gar nicht in Frage stellen. Aber z. B in der Berliner Charite gibt es auch Listen von Leuten, die prinzipiell ausgeschlossen werden: das fängt schon bei ungepflegtem Äußeren an und geht mit Piercings weiter. Ob man sexuelle “Dienstleistungen” in Anspruch genommen hat, muss man als Erstspender genau so angeben wie jeglichen Drogenkonsum, wann auch immer. Ich vermute auch mal, dass außer im Verdachtsfall die Probe lediglich auf HIV geprüft wird; die auf zig Krankheiten zu testen, kostet ja auch Geld.
Insofern wäre zum Beispiel “nicht monogam” eher ein Kriterium für die Ablehnung, unabhängig von der sexuellen Orientierung. Die spannendere Frage ist eh, ob mit solchen Ausschlüssen auch irgendwie eine Überprüfung verbunden sein soll oder eine Verfolgung bei Falschangaben.
10. Mai 2008 um 21:33
Nun ja, das ist in Deutschland mit der Blutspende ja auch nicht anders. Entsprechend der “Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Hämotherapie) gemäß §§ 12 und 18 des Transfusionsgesetzes (Novelle 2005)” vom 05.11.2005 sind auch in Deutschland “Personen, deren Sexualverhalten oder Lebensumstände ein gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko für durch Blut übertragbare schwere Infektionskrankheiten (HBV, HCV oder HIV) bergen” von der Blutspende ausgeschlossen. In einer Fußnote wir noch klargestellt, wer ein deutlich erhöhtes Risiko hat: “z. B. homo- und bisexuelle Männer, Drogenabhängige, männliche und weibliche Prostituierte, Häftlinge” …
Wobei ich genügend Schwule kenne, die Blut- und Plasmaspenden gehen und denen ich pers. dafür dankbar bin.
Einen schönen Tag wünscht,
Jörn
10. Mai 2008 um 22:33
Ist das hier in D nicht auch so, dass Schwule kein Blut spenden dürfen? Nächste Woche gehe ich wieder hin…dann guck ich mir mal die konkrete Formulierung auf dem Fragezettel an…
11. Mai 2008 um 10:16
An alle: Ich habe nirgends im Text behauptet, dass es in Deutschland problemlos möglich ist als Homo Blut zu spenden. Ich bin mir dessen durchaus bewusst und kenne auch die Fragebögen.
Der Beitrag ist eine Anklageschrift gegen eine absurde Praxis, darauf ausgerichtet zu beschämen und durchaus auch um zu provozieren. Polen diente dabei als Aufhänger. Das war zumindest meine Intention.
Und es hat funktioniert. Man redet wieder über den Blutspende-Bann. Zumindest hier
11. Mai 2008 um 11:21
Wenn Polen Arme hätte, würde ich empfehlen, es möge sich an den Kopf greifen und “Kürbis, gedeih!” sagen.
11. Mai 2008 um 13:53
@ Adrian
Beim besten Willen liest sich der Text aber so, als wäre der Ausschluss von Schwulen vom Blutspenden eine polnische Spezialität. Dass der Hass auf unsereinen in Polen besonders stark ausgeprägt ist, lässt sich ja nicht bestreiten, aber als Beleg dafür ausgerechnet eine Praxis anzuführen, die in Deutschland in gleicher Weise besteht, ohne nicht auch diese deutsche Regelung anzugreifen, erweckt den Eindruck, als trete man nur gegen die polnische Regelung ein, nicht aber auch gegen die inhaltsgleiche deutsche. Insoweit halte ich diesen Text für wenig glücklich und für sehr wenig hilfreich.
11. Mai 2008 um 14:46
[...] dieser ganze Sermon? Ich habe mich über den Eintrag “Schwules Blut tut nicht gut” im Blog ‘Gay West’ geärgert. Der Beitrag erweckte den Eindruck, dass nur in [...]
11. Mai 2008 um 17:19
@ Ralf und Jörn
Okay, ich geb Euch Recht. Vielleicht habe ich mich hier zu sehr auf Polen fixiert. Natürlich finde ich die deutsche Regelung genau so dämlich. Und beim nächsten Mal ist auch Deutschland wieder dran. Versprochen
13. Mai 2008 um 21:26
“… wenn das Spenderblut sowieso getestet wird?”
Das ist eine sehr gefährliche Einstellung.
Dass es eine Zeit dauert bis eine Krankheit nachweisbar ist, sollte bekannt sein.
Aus der blut.at-Seite:
“Einmaliges HIV-Risiko-Verhalten: nach dem Ereignis 4 Monate.”
Als potentieller Blutkonsument ist mir maximale Sicherheit am liebsten.
Verantwortung des Spenders und so.
13. Mai 2008 um 21:40
Lieber Feynmann,
es ist keine gefährliche, es ist eine realistische Einstellung. Denn es gibt Blutspender, die nicht als Teil einer Risikogruppe erkennbar und auf die Spende angewiesen sind, weil es Geld gibt dafür oder Kaffee oder was auch immer. Vielleicht sind sie auch einfach schlecht drauf und wollen bewußt andere infizieren. Auch das gibt es. Mit dem Verantwortungsgefühl der Spender kommen wir also nicht weiter. Für die maximale Sicherheit ist ein Test des gespendeten Blutes unabdingbar und zwar zu dem Zeitpunkt, zu dem eine Infektion nachweisbar ist. Das sollte möglich sein, oder?
13. Mai 2008 um 21:55
Geld gibt es beim Roten Kreuz keines. Beim letzten Mal hab ich nicht einmal Würschtl bekommen.
Das Blut wird ja bereits vielfach getestet, aber auch PRC-Test für HIV haben ein diagnostisches Fenster von 2 Wochen und sind nicht 100% sicher, deshalb ja auch die 4 Monate von Risikoverhalten bis zur Spende.
Mir gehts nicht um irgendwelche angeblichen Risikogruppen, sondern um das tatsächliche Risikoverhalten eines jeden Spenders, und wer sich darüber keine Gedanken macht, ist definitiv falsch bei der Spende.
14. Mai 2008 um 8:15
Heißt es nicht PCR-Test?
14. Mai 2008 um 10:08
Ja, es muss PCR heißen. Da schau ich vorher extra noch nach, und schreibe es dann erst recht falsch.