Der Oberste Gerichtshof von Kalifornien hat in einer bahnbrechenden Entscheidung die Ehe für Schwule und Lesben geöffnet. Und während sich heiratswillige Homos im “Golden State” – wie bspw. Comedian Ellen DeGeneres – darüber freuen, graut es den anderen. Linksradikale Revolutionäre der Volksrepublik Berkeley werden die Entscheidung vermutlich zum Anlass nehmen, vor dem Rathaus in San Francisco Mahnwachen gegen den monogamistischen Terrorismus und die Assimilierung der Community in das heteronormative Bürgertum zu bejammern, während unseren konservativen Freunden sicher schon die Knie schlottern bei der Vorstellung, dass sich demnächst niemand mehr zur Heterosexualität bekennt, weil man ja jetzt schließlich auch als Homo heiraten darf.
Und auch das Haupt unseres Papa Benedikt ist angesichts der Schreckensmeldung aus Kalifornien von Sorgen umwölbt. Denn wie wir alle vom Oberhaupt der Katholiken wissen – Homo-Ehe das geht gar nicht:
“Die Vereinigung aus Liebe, die auf der Ehe zwischen Mann und Frau basiert und die Familie ausmacht, ist ein hohes Gut für die gesamte Gesellschaft, das nicht ersetzt oder mit einer anderen Art von Verbindung durcheinander gebracht werden kann”, so der Papst. Die Ehe zwischen Mann und Frau sei die “Wiege des menschlichen Lebens”.
Ehrlich gesagt gefällt mir die Argumentation einiger Evangelikaler, die Ehe auch für Homos sei ein erster Schritt zur Legalisierung auch der Ehe zwischen Mensch und Haustier, deutlich besser. Und das nicht etwa aufgrund logischer Verrenkungen, oh nein, einfach des Spaßfaktors wegen. Die Verlautbarung des Papstes, “die Ehe zwischen Mann und Frau sei die ‘Wiege des menschlichen Lebens’” und dürfe deshalb nicht angetastet werden, ist dagegen schlicht langweilig. Zumal sie nicht stimmt. Denn einem Baby ist es schlicht und einfach völlig schnurz, ob es innerhalb oder außerhalb einer Ehe geliebt und gehegt wird. Die wenigsten Babies dürften überdies das Konzept einer Ehe verstehen.
Neben Papa Ratzi hat zudem noch US-Präsident George W. Bush das kalifornische Gerichtsurteil kommentiert. Über seine Pressesprecherin ließ er mitteilen:
“Präsident Bush hat immer daran geglaubt, dass die Ehe eine heilige Institution zwischen einem Mann und einer Frau ist”. Daher sei es “unglücklich, wenn politisch agierende Richter versuchen, die Ehe neu zu definieren – ohne sich um den Willen des Volkes zu kümmern.” Sie erklärte weiter, dass die Entscheidung in Kalifornien das beste Argument für eine Verfassungsänderung sei, die die gleichgeschlechtliche Ehe verbieten soll.”
Die Sezierung dieser Verlautbarung böte Stoff für ein ganzes Seminar über das amerikanische politische System. Doch dafür haben wir hier keine Zeit. Nur so viel: Der Vorwurf, die Richter des Obersten Gerichtshofes agierten politisch und am Willen des Volkes vorbei, ist nicht unbedingt neu und auch nicht völlig falsch. Bei Lichte besehen ist es allerdings ein Scheinargument, denn es ist kaum anzunehmen, dass die Gegner der Homo-Ehe sich auf die Mehrheitsentscheidung des Volkes berufen würden, sollte dieses einmal die Öffnung der Ehe mehrheitlich befürworten. Und bei einer Festschreibung des Verbotes der Homo-Ehe in der Bundesverfassung wäre die Meinung des Volkes ohnehin überflüssig.
Aber sei es drum, freuen wir uns einfach mit den kalifornischen Schwulen und Lesben, die nun heiraten dürfen. Und schicken wir Benedikt und Bush auf einen kurzen Trip nach Berkeley. Denn wenn beide erst einmal die postmodernistisch genderdurchsetzten queertheoretischen Analysen des revolutionär bewegten Schwulentums gegen den repressivbürgerlich antiemanzipatorischen Terror der Eheschließung vernommen haben, stehen die Chancen gar nicht schlecht, dass Bush und Ratzi sehr schnell ihre ablehnende Haltung ändern werden.
21. Mai 2008 um 1:52
Glückwünsche nach Kalifornien.
Die Vereinigten Staaten sind wirklich bemerkenswert. Während viele der hardcore-Konservativen im mittleren Westen am liebsten eine strikte Theokratie einführen würden, gibt es an den Küsten solch wunderbar fortschrittlich-liberale Staaten wie New York und besonders Kalifornien.
21. Mai 2008 um 17:26
“Die wenigsten Babies dürften überdies das Konzept einer Ehe verstehen.”
Damit hast Du völlig Recht. Aber alle Babies sind im Laufe ihrer weiteren Entwicklung auf Vater und Mutter, also Mann und Frau angewiesen. Das haben wir ja schon mal diskutiert
“Unsere Kinder und Kindeskinder werden dafür bezahlen“, was Bush, Ratzi und Co verhindern möchten.
21. Mai 2008 um 17:56
Obwohl es an sich schon amüsant ist, verliere ich langsam das Interesse daran, mir den immergleichen Sermon von Heteros anzuhören, die sich aus Angst vor Homos in die Hosen scheißen.
Homo-Ehe=Weltuntergang – was für ein paranoides Geschwätz!
26. Mai 2008 um 14:52
[...] George Takei, der während des zweiten Weltkriegs in einem Internierungslager für Japaner saß, dank der neuen Gesetzeslage in Kalifornien in Kürze seinen Freund heiraten wird, ist in all ihrer Diversity-Herrlichkeit fast schon wieder zu [...]