You may fuck the Bride

By Adrian

Die Legalisierung der Ehe für Schwule und Lesben in Kalifornien hat für vergleichsweise wenig Aufsehen gesorgt, was beweist, wie weit Homos schon in ihrem Bemühen um Akzeptanz vorangekommen sind. Nichtsdestotrotz gibt es natürlich verhaltene Kritik an der Entscheidung, welche allerdings lediglich aufzeigt, dass die Gegner des Ehestatus für Homos die Schlacht verlieren. Denn ihre Argumente werden immer abstruser, immer undurchsichtiger. Ein Beispiel bietet uns Melanie Scarborough im Examiner, die so weit geht, die Ehe so zu charakterisieren, dass gleichgeschlechtliche Paare qua Exterieur von ihr ausgeschlossen bleiben müssen:

Although a man and a woman may legally wed, the law does not consider the marriage valid unless it is consummated. A minister may have declared the couple husband and wife, the state may have issued them a license; they may share a name, a house, a bank account, and wear each other’s rings.

They may have engaged in various intimacies only Bill Clinton would not describe as sex. But unless the relationship includes the one act defining marital union, the marriage can be annulled because it is deemed to have never existed.

Es war mir bislang neu, dass vor den Augen des Gesetzes eine Ehe erst dann Gültigkeit erlangt, wenn das Hochzeitspaar den obligatorischen Geschlechtsverkehr hinter sich gebracht hat. Und nicht nur ich bin verwirrt. Auch Stephen H. Miller zeigt sich leicht irritiert. Gibt es unter den Ehegesetzen der 50 Bundesstaaten der USA irgendwo einen Passus, der den Geschlechtsverkehr als Ausweis einer staatlich anerkannten Ehe vorschreibt?

And while I haven’t read the marriage laws in all 50 states, I know that two people are considered married, with all the legal rights and obligations, without producing evidence of a broken hymen — and that particularly among the elderly, where many late-in-life marriages are companionate, it’s a good thing that no bloody sheet need be produced.

Man könnte Melanie Scarborough natürlich auch entgegenhalten, dass Schwule und Lesben sehr wohl in der Lage sind, miteinander Sex zu haben und dass dies nicht nur ein Talent ist, welches Heteros besitzen. Aber das würde sie wahrscheinlich wenig beeindrucken. Denn zeichnet sich der authentische Geschlechtsverkehr nicht durch die Anwesenheit von Penis und Vagina aus?

Alles in allem geht es der Scarborough aber gar nicht so sehr um gute Gründe, mit denen sie beweisen will, wie lächerlich eine Ehe zwischen zwei Menschen des gleichen Geschlechtes ist. Es geht ihr um Gründe überhaupt und darum, endlich aussprechen zu können, was man heute ja nicht mehr sagen darf. Nämlich wie queer Schwule und Lesben im Grunde genommen sind:

After President Kennedy was assassinated in 1963, his widow — clearly subscribing to the then-prevailing theory of homosexuality — assured Americans that her fatherless son was being provided a masculine influence by his Uncle Bobby.

Today, if a former first lady fretted publicly about her son “growing up to be a hairdresser,” she could escape the noose only by entering rehab and undergoing re-education. But in the mid-1960s, Jacqueline Kennedy merely expressed the sentiment held by most Americans.

Und was sagt uns das? Gar nichts! Mitte der 60er Jahre waren die meisten Amerikaner auch noch der Meinung, Beziehungen zwischen schwarz und weiß seien eine Todsünde. Doch die Gesellschaft hat sich weiterentwickelt. Ist es das was Melanie Scarborough zu schaffen macht?

Anecdotal evidence suggests that the majority of Americans would rather not confront the matter at all; they don’t care what adult acquaintances do in the privacy of their homes.

Oh bitte! Wie oft musste man sich diesen Sermon schon anhören? Gemeint ist damit doch offensichtlich, dass Schwule und Lesben ihre Beziehungen gefälligst nicht an die Öffentlichkeit bringen sollen. Im Gegensatz zum Vorstandsvorsitzenden der hiesigen Bank, von dem natürlich erwartet wird, dass er in Begleitung seiner neuesten Gespielin beim Opernball erscheint. Fakt ist doch: Wenn Heteros sagen, es interessiere sie nicht, was andere im Privaten so treiben, dann lügen sie. Denn wenn es nicht so wäre: Wieso fragt die Bekannte von Mama dann den Teenager-Jungen, ob er denn schon eine Freundin habe? Und wieso will jeder auf der Gartenparty der Baroness von und zu Rabenstein wissen, ob man denn bereits verheiratet sei? Jeder Homo kann ein Lied davon singen.

Homosexuelle, so der Tenor der Scarborough, sollten nicht zu viele Forderungen stellen, sondern eher ruhig und im Verborgenen leben. Denn andernfalls drohe die Konterrevolution:

Massachusetts legalized same-sex marriage, but 26 states specifically outlawed it. Reacting to the decision of the California court, even more states are likely to enact laws prohibiting homosexuals from marrying.

The ruling also is likely to motivate social conservatives who do not count John McCain as one of their own and who may have been quite willing to stay away from the polls in November. Gay activists exultant over the California ruling should be preparing for the inevitable backlash.

Und folgendes Bekenntnis trägt die Drohung schon in sich:

It has been 36 years since the Diagnostic and Statistical Manual dropped homosexuality from its listing of psychological disorders. But it also has been 35 years since the courts legalized abortion, and that debate is still ongoing and contentious. Because, in the minds of many Americans, both behaviors betray moral absolutes, abortion and same-sex marriage always will meet resistance.

Was Abtreibung nun mit gleichgeschlechtlicher Ehe zu tun haben soll, wird wohl das Geheimnis der Melanie Scarborough bleiben. Spontan würde mir einfallen, dass beide für die demographische Katastrophe und den allgemeinen Verfall der Sitten verantwortlich zeichnen. Zumindest in den Augen kulturkonservativer Kreise.

Doch wie um alles in der Welt kann man in Zukunft weitere Entscheidungen wie die in Kalifornien verhindern? Wie können Melanie und Co. dazu beitragen, dass auch in Zukunft nur Heteros ihre große Liebe heiraten dürfen? Ganz einfach:

So regarding marriage, why wouldn’t it be a reasonable solution simply to apply the same rules to all couples — to say that unless a relationship can be consummated by a specific act, it cannot qualify as marriage?

True, that would not allow for the preferences of all individuals; but it would shift the blame away from conservatives and Christians and place it where it belongs: on nature.

Die Scarborough täte gut daran, die Natur aus der ganzen Geschichte herauszuhalten. Denn wenn man “Natur” als Maßstab für die Tauglichkeit einer Ehe heranzieht, werden wir demnächst auch Hunde auf dem Standesamt sehen. Denn auch Susi und Strolch qualifizieren sich qua Natur für die Definition der Scarboroughschen Ehe: Beide ficken hetero.

14 Antworten zu “You may fuck the Bride”

  1. Stefan Sedlaczek sagt:

    Nach jüdisch-christlichem Verständnis, so jedenfalls u.a. im Alten Testament konstituiert der Beischlaf die Ehe. Das heißt, daß der erste Sexualakt/Geschlechtsakt die Ehe begründet. Und Sexualität ist nun einmal die Sache zwischen zwei Geschlechtern, “Homosexualität” – das nur nebenbei – also ein etwas unglücklicher, im Grunde widersinniger Begriff.
    Die richterliche Begründung, gleichgeschlechtliche Verbindungen als staatliche “Ehe” anzuerkennen, ist reichlich schwach: Wenn es nur auf den Willensakt eines Subjektes ankäme, dann könnte ich tatsächlich auch einen Blumentopf heiraten. Das alles ist natürlich Unfug. Dieser Unfug fängt aber schon ganz woanders an und zwar da, wo Leute sich Staat nennen und Steuern einfordern. Dieses Unrecht wird auch nicht dadurch viel besser, daß es einen Rabatt für “staatlich Verbundene” gibt. Wer die Frechheit, Anmaßung und Willkür besitzt, Steuerzahlungen von anderen zu fordern, vermag natürlich auch die Steuerregeln, meist fälschlich Steuerrecht genannt, willkürlich bestimmen. Und er wird auch nicht vor der Anmaßung zurückschrecken im Rahmen allgemeiner Säkularisierung, diese Verbindungen “Ehe” zu nennen. Was diese Ehen wert sind – außer dem Steuerrabatt – sieht man ja nun allenthalben. Die wirkliche Ehe stiften sich Mann und Frau vor Gott. Priester und Gemeinde sind da nur Zeugen. Diese Wahrheit ist nicht mehr allzu bekannt und doch ist sie immer noch gültig. In welche Formen der Unrechtsstaat und dessen Gläubige seine unwichtigen Überzeugungen gießt und was er glaubt was alles gleich zu behandeln sei, ist da keiner Diskussion wert. Das mögen die Demokraten unter sich ausmachen.

  2. Adrian sagt:

    “Und Sexualität ist nun einmal die Sache zwischen zwei Geschlechtern,”

    1. Interpretation: Wow. So schnell wurde ich noch nie zu einem asexuellen Menschen erklärt.
    2. Interpretation: Auch Homosexualität spielt sich zumeist zwischen zwei Geschlechtern ab. In meinem Fall: Geschlecht 1 – männlich, Geschlecht zwei – auch männlich.

  3. Stefan Sedlaczek sagt:

    Hallo Adrian,

    keinesfalls halte ich Dich oder andere für “asexuell” in dem Sinne, den Du kolportierst. :-)
    Darum geht es mir nicht. Einfach einmal in ein Lexikon schauen, oder zur Not auch hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Sexualität
    Da wird der Unterschied leicht klar. Geschlechtlichkeit – und ich orientiere mich nun einmal stark an Sprache und Wortherkunft – ist halt die Sache mit den zwei verschiedenen Geschlechtern. Das ist das Wesen der “Erfindung” Sexualität und seiner Benennung. Das ist bitte nicht als irgendeine Wertung zu verstehen.
    Aber ich drücke mich auch nicht um eine Wertung, die einfach konstatiert, daß gleichgeschlechtliche Vollzüge Gott nicht gefällig sind. Da kann ich nun auch nichts für. Und ich werde nicht über Menschen richten, nur weil diese Gott nicht gefällig leben. Da darf ich mich dann durchaus zunächst an die eigene Nase packen, denn da gibt es auch in meinen Lebensvollzügen ausreichende Verweise. Wir sind halt Menschen und keine Engel. Und ich kenne Schwule, die sind heiligmäßiger als die meisten “Heterosexuellen” (in “”, da das Wort eine Tautologie ist).
    Hier aber ging es mir ja gar nicht um all’ dieses, sondern schlicht und einfach um einen Hinweis, wie irrelevant eigentlich dieses politische Gerangel um einen bürokratischen Status ist.

    Alles Gute
    Stefan

  4. Damien sagt:

    Sagen Sie mal, Herr Sedlaczek, sind Sie so blöd oder stellen Sie sich nur so? Das hier steht bei Wikipedia (von Ihnen verlinkt) und es beinhaltet exakt das Gegenteil von dem Unsinn, den Sie in Ihrem Kommentar zusammenfantasiert haben:

    “Sexualität (sinngemäß „Geschlechtlichkeit“, von spätlat. sexualis; aus lat. sexus „Geschlecht“; vgl. Sex) bezeichnet im engeren biologischen Sinne die Gegebenheit von (mindestens) zwei verschiedenen Fortpflanzungstypen (Geschlechtern) von Lebewesen der selben Art, die nur jeweils zusammen mit einem Angehörigen des (bzw. eines) anderen Typus (Geschlechts) zu einer zygotischen Fortpflanzung fähig sind.

    Im sozio- und verhaltensbiologischen Sinne bezeichnet der Begriff die Formen dezidiert geschlechtlichen Verhaltens zwischen Geschlechtspartnern. Bei vielen Wirbeltieren hat das Sexualverhalten zusätzliche Funktionen im Sozialgefüge der Population hinzugewonnen, die nichts mehr mit dem Genomaustausch zu tun haben müssen, so dass dann die handelnden Partner auch nicht unbedingt unterschiedlichen Geschlechts sein müssen.

    Im weiteren Sinn bezeichnet Sexualität die Gesamtheit der Lebensäußerungen, Verhaltensweisen, Empfindungen und Interaktionen von Lebewesen in Bezug auf ihr Geschlecht. Zwischenmenschliche Sexualität wird in allen Kulturen auch als ein möglicher Ausdruck der Liebe zwischen zwei Personen verstanden.”

  5. Adrian sagt:

    Zu Gott: Ich tue mich immer schwer mit Menschen die genau wissen wollen, was Gott gutheißt. Als Nichtgläubigen könnte mir die Meinung von Gott eigentlich auch schnurz sein. Ist es aber nicht, weil ich es im Leben nun mal nicht mit Gott zu tun habe sondern mit Menschen, die sehr wohl über mich richten – allzu oft im Namen Gottes.

    Es ist immer leicht die Irrelevanz einer Sache zu betonen, wenn man selbst nicht davon ausgeschlossen ist.

  6. Stefan Sedlaczek sagt:

    @Damien:

    Ich verbitte mir Ihren Tonfall, die Wortwahl und die implizite Unterstellung! Der erste Absatz des Wiki-Zitates ist das, worauf ich rekurriere, der zweite Absatz trifft das Verständnis von Adrian. Und auf nichts anderes habe ich hingewiesen. Zwei Geschlechter sind nun einmal nicht eines (und das gibt es nicht, dann braucht man nicht von Geschlechtern zu reden) und auch nicht drei. Das ist keine Frage der Fantasie, sondern nun einmal eine Tatsache, die mit dem Wortausdruck Geschlechter bzw. Sexualität begrifflich umfaßt ist. Und in diesem Sinne ist der Begriff Heterosexualität wie ein weißer Schimmel und Homosexualität wie schwarzer Schimmel. Es gibt nun einmal ZWEI VERSCHIEDENE Geschlechter. Das ist (Absatz 1) Sexualität und auch der Grund warum diese lateinisch – also schon seit langer langer Zeit – bis heute so benannt wird. Dann gibt es die andere Bedeutung (Absatz 2), die mit dem Wort in seiner Wortherkunft nichts zu tun hat, auf die Adrian Bezug nimmt. Das kann man einfach so stehen lassen, da braucht man sich weder aufzuregen noch beleidigend zu werden. Hier disputiere ich ja nicht einmal.

    @Adrian:

    Oh, als Objekt der Besteuerung und staatlicher Bürokratie bin ich schon eingeschlossen – und ich hätte nicht staatlich geheiratet, wenn dies seinerzeit nicht rechtswidrig Voraussetzung für eine kirchliche Heirat gewesen wäre. Allerdings hat die katholische Kirche diesem Mißstand inzwischen abgeholfen und die Konkordatsverträge insofern nachgebessert.
    Natürlich ist es billig, wenn ein Staat allen Kombinationen verbindlichen Zusammenlebens dieselben Steuervorteile und Rentenpfründe zukommen läßt etc. Es ist nur nicht rechtens, daß er diesbezüglich überhaupt regelnd und besteuernd eingreift. Würden sich die Leute, die sich Staat nennen, rechtmäßig benehmen und für sich nicht Gewaltmonopol und Steuerhoheit und Waffentragen und einiges mehr monopolisieren, wären die Diskussionen, die hier geführt wurden und werden, schlichtweg obsolet – und allen ging es besser.

  7. Damien sagt:

    @Sedlaczek: Im ersten Absatz ist die Rede von der Gegebenheit von zwei Geschlechtern, derer beide für eine Fortpflanzung erforderlich sind. So weit, so unstrittig.
    Warum das einer Homo-Ehe widersprechen sollte, den Beweis sind Sie allerdings noch schuldig. Oder reduzieren Sie den Sinn einer Ehe echt auf die Fortpflanzung?
    Ist Ihnen eigentlich bewusst, wie beleidigend es für Homosexuelle wirken kann, wenn Sie die Heterosexualität für die einzig existierende Sexualität erklären?

  8. Stefan Sedlaczek sagt:

    @Damien:
    Was sollen denn die vielfältigen Formen von Sexualität sein? Das ist nun einmal ein fest umrissener Begriff. Man muß schon Sexualität im Sinne des zweiten Absatzes (Wiki-Zitat, siehe oben) verstehen, also auch alle Vollzüge im weitesten Sinne in diesem Zusammenhang. Das versteht man im Boulevard ja auch unter Sex. Das, was hier – warum auch immer – “Heterosexualität” genannt wird, ist in diesem Sinne nicht die einzige existierende Sexualität. Schrieb’ ich gleich ganz oben im ersten Satz meiner ersten Antwort. Ich vermute, da sind wir schon beieinander. Die Liebesbezeigungen und -vollzüge sich zuwendender Personen sind dann auch im weitesten sexuelle Handlungen, eben auch unabhängig vom Geschlecht – und natürlich gibt es außer Liebe auch noch andere Triebe zu solchem Tun, keine Frage. Wenn es Homos beleidigend finden, daß sie sich dabei nicht fortpflanzen, kann ich da nichts für. Ich schätze aber, daß das gar nicht so ist. Und im übrigen können die Homos da ja auch nichts für, im Gegensatz zu denen, die bewußt verhüten. Aber selbst das verbietet ja keiner, auch wenn ich da nicht affirm bin.
    Das Prinzip Sexualität gibt es aber aus Fortpflanzungsgründen, worauf ich Bezug nahm. Die Methode, sich bei der Reproduktion der Art zweier verschiedener und sich ergänzender Geschlechter zu bedienen, nennt sich Sexualität. Ist halt keine Zellteilung, kein Klonen oder was es sonst noch so gibt oder einst geben wird und unter dem Begriff Fortpflanzung geführt wird. Selbstverständlich ist Liebe und auch Sex nicht darauf reduziert, das lehrt niemand, und ich ahne beim besten Willen nicht, warum mir das unterstellt wird. Es gibt ja sogar Enthaltsame aus verschiedensten Gründen. Man muß sich ja nicht fortpflanzen. Ein derartiger Dogmatismus ist jedenfalls nicht biblisch begründbar.
    Mir ist nicht klar, wieso Äußerungen von mir beleidigend sein sollen, es ist keinesfalls beabsichtigt. Hier würde ich mir doch etwas Entspannung wünschen. Man soll auch Beleidigungen nicht so hoch hängen; ich werde jeden Tag beleidigt, wenn mich irgendwelche Demokraten und Bürokraten mit ihren Vorschriften und Steuern beleidigen, mich als zu bevormundenden Idioten und papiergesetz- und steuerunterworfenes Objekt behandeln. Um vielleicht noch einmal deutlich zu werden: Für mich läuft die Trennlinie einfach nicht zwischen den beiden “H”s, sondern woanders. Was ich nicht verstehe, ist, warum man den einfachen und überbrachten Begriff der Sexualität zu verbiegen oder zu verdrängen trachtet? Will man so vielleicht gleichgeschlechtliche Zuwendung legitimieren? Das ist doch nun wirklich nicht nötig. Aber auch hier geht es mir um die Sprache und ihre Begrifflichkeit. Sprache ist nicht beliebig. Kommunikation mittels Sprache ist nur möglich, wenn die Worte Bedeutung haben und nicht beliebige Deutungen. Deshalb meine Hinwendung zu den Wurzeln der Wörter und mein Interesse an sprachlicher Eindeutigkeit. Wieviel Mühe eine Konversation bei Mehrdeutigkeit eines Begriffes macht, haben wir ja gerade gesehen. Im Grunde genommen fehlt uns ein Wort für das, was am “Sex” nicht Sexualität ist. Das ist schade, aber auch sehr bezeichnend für unsere Kultur.

  9. Damien sagt:

    @Sedlaczek: Wenn ich Sie richtig verstehe, haben Heteros “Sex” und Homos “Zuwendung”. Das ganze meinen Sie offenbar auch noch gut. Heteronormativ bleibt es trotzdem.

  10. Pat sagt:

    Bei besten Willen, wie tauchen hier nur immer diese Gotteskrieger auf? Da kann ich echt nur mit dem Kopf schütteln. Na ja Mission ist wohl Mission, das werde ich wohl nie verstehen.

    »Das Prinzip Sexualität gibt es aber aus Fortpflanzungsgründen, worauf ich Bezug nahm.
    «

    Sexualität auf reines Fortpflanzungsbegehren zu minimieren, ist schon lustig. Vor allem, wenn das nicht im Geringsten der Natur entspricht. Oder warum meinen sie, dass Frauen nur 2-3 Tage im Zyklus fruchtbar sind. Ihrer Definition nach dürfte Sexualität dann nur an diesen drei Tagen Sexualität sein, an allen anderen Tagen und erzählen Sie jetzt nicht, dass da kein Sex stattfindet, heißt es keine Ahnung wie, denn dafür liefern Sie ja auch keinen Begriff, obwohl die Handlungen identisch sind. Irgendwie ist das schon ziemlich komisch.

    »Will man so vielleicht gleichgeschlechtliche Zuwendung legitimieren?«

    Wer braucht denn das? Nur weil einige mit einem Gottgewedel meinen, dass es nicht legitim ist, einen Menschen gleichen Geschlechts zu lieben, haben die noch lange nicht die Weisheit gepachtet und das Recht zu behaupten, das es das nicht wäre. Das allein entscheidet, wenn überhaupt, nur Gott. Demnach sollten sich die Menschen da eigentlich tunlichst zurück halten.

  11. Stefan Sedlaczek sagt:

    @Damien
    Mit “Zuwendung” habe ich versucht einen gemeinsamen übergeordneten Begriff zu gebrauchen, der also alle umfaßt, die “Sex” im ebenfalls beschriebenen weitesten Sinne treiben. Ich habe also versucht, auszudrücken, was allen gemeinsam ist. Da haben Sie mich nicht richtig verstanden. Ich schrieb auch ausdrücklich “unabhängig vom Geschlecht”.
    Ich weiß auch nicht, ob Äußerungen von mir “normativ” sein können, schätze eher nicht. Insgesamt habe ich den Eindruck, daß Sie etwas voreingenommen sind und kann dies auch nicht verdenken. Auch wenn meine persönliche Warte gefärbt sein mag, so stellte der Versuch, das Gemeinsame auszudrücken, einen solchen der Art dar, die Möglichkeit einer begrifflichen Ebene zur Objektivierung zu schaffen.
    Es gibt Unterschiede und es gibt Gemeinsames. Daß es Unterschiede gibt, bezeugen Sie selbst, indem Sie selbst unterschiedliche Wortausdrücke gebrauchen, was nur Sinn macht, wenn dahinter auch unterschiedliche Begriffe stehen. Sie erkennen also Unterschiede an. Es gibt aber auch Gemeinsames. Darauf zielt ja auch – so denke ich – die Gleichstellung staatlicher Anerkennung ab. Da gibt es bei den etatistischen Demokraten meines Erachtens zwei unterschiedliche Auffassungen: die, die mehr auf die Unterschiede rekurrieren und daher eine gleichgestellte “Homo-Ehe” ablehnen und die, die das Gemeinsame hervorheben und deshalb für eine Gleichstellung plädieren. Beides ist begründbar und verstehbar und beides gibt es auch in westlichen Demokratien. Meine Position ist aber nun, daß “der Staat” (wer immer das auch sein mag) kein Recht hat, Ehen zu stiften und auch keine Regelungshoheit über derartig Privates hat (- er tut halt nur so). Die Politik und die staatlichen Bürokraten sollten sich da heraushalten. Es ist aber nun das Wesen moderner Demokratien und Demokraten, daß sie sich eben nicht heraushalten können, sie mischen sich laufend und sogar gesetzmäßig in Dinge ein, die sie gar nichts angehen. Dies dient keineswegs der Freiheit, der sich Gay West ja nun auch verschrieben hat. Aus liberaler Sicht habe ich also eher die Kritik an staatlicher Anmaßung und Einmischung erwartet und die Jubelei über eine Ausweitung derselben irritiert da eben dann auch ein wenig. Ich verstehe zwar, daß die darin enthaltene Anerkennung zurecht gut tut, gebe aber zu bedenken: Wer ein Recht verlangt, ist schon ein Sklave. Wer beim Staat um Anerkennung sucht, wird Bevormundung ernten.

  12. Stefan Sedlaczek sagt:

    @Pat:
    Sobald er sich entspannt hat, möge er bitte noch einmal meine Äußerungen lesen. Aber bitte zuvor die pawlowschen Hunde ins Körbchen schicken. Ich denke, daß keiner der Anwürfe danach noch haltbar ist.
    Die Bezeichnung Gotteskrieger ist aber auf jeden Fall zuviel der Ehre, da ich dazu viel zu pazifistisch bin. Wie ich hierhinkomme? Ich lese hier schon seit langem fast schon regelmäßig mit, wir sind halt Nachbarn auf sozioproktologe.de. Habe auch vordem schon gelegentlich kommentiert. Von mir haben Schwule und Lesben nichts zu befürchten, da habe ich auch keinerlei Missionseifer. Ich reflektiere nur ganz offen und erhoffe mir durch Konversation eine Erweiterung des Verständnisses von Mensch, Natur, Gott und der Welt. Und hier hatte ich – ganz am Anfang – zunächst einfach nur den Blogbeitrag um eine Information ergänzt (Erklärung, woher der Gedanke der Ehekonstitution durch Beischlaf kommt) und die Gelegenheit genutzt – wo ich doch ohnehin am Schreiben war – meine Sichtweise zur Problematik staatlicher Regelung hinzuzufügen.
    Es ist schon ein wenig schade, daß auch hier so leicht die üblichen Beißreflexe kommen. Mir ist natürlich klar, daß das umgekehrt zu oft ebenso der Fall ist. Von Liberalen hätte ich doch mehr Offenheit, Neugier und Argumentationsbereitschaft erhofft. Ich mag halt das Disputieren nach scholastisch-dialektischer Art. Es muß aber auch nicht sein.

  13. Adrian sagt:

    “Aus liberaler Sicht habe ich also eher die Kritik an staatlicher Anmaßung und Einmischung erwartet und die Jubelei über eine Ausweitung derselben irritiert da eben dann auch ein wenig. Ich verstehe zwar, daß die darin enthaltene Anerkennung zurecht gut tut, gebe aber zu bedenken: Wer ein Recht verlangt, ist schon ein Sklave. Wer beim Staat um Anerkennung sucht, wird Bevormundung ernten.”

    Theoretisch klingt das alles sehr faszinierend und durchaus plausibel. Zumindest aus meiner Sicht. Ich bin mir der Problematik staatlichen Eingriffs in Privatangelegenheiten auch durchaus bewusst. Nur: In der wirklichen Welt muss ich sehen wie ich selbst mit dem Arsch an die Wand komme. Und muss mich im Rahmen des Möglichen bewegen. Mag sein, dass ich da Opportunist bin. Aber wenn nun mal die Regelung so ist, dass eine Frau einen Mann heiraten kann – über den Staat -, warum dann nicht auch ich? Um Steuerbegünstigungen und so weiter geht es mir dabei gar nicht. Von mir aus bräuchte man die Ehe nicht subventionieren. Aber wenn ich nun mal gezwungen bin im “Konstrukt Staat” zu leben und diesen zu finanzieren, kann ich auch Gleichbehandlung verlangen.

  14. David sagt:

    @ Stefan:
    Die von Homosexuellen eingeforderten Rechte haben nichts, aber auch gar nichts mit der kirchlichen Ehe zu tun, sondern mit einer staatlichen Anerkennung. Die Kirche hat sich da rauszuhalten, denn die kirchliche Ehe wird in keinster Weise tangiert.
    Und eine Bevormundung gab es VORHER seitens des Staates, dank Unrechtsgesetze wie den §175, die in der Privatspähre von Homosexuellen Menschen eingriffen. Nicht zuletzt dank des Einsatzes der Kirche.
    Ohne eine solche Bevormundung würde es heute keine “Lobby” geben, die sich zusammenschliesst und für ihre Rechte einsteht.
    Man sollte überlegen was Ursache und was Wirkung ist.

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