CSD Berlin: Kudamm adé, Mitte olé

Der Berliner CSD hat eine neue Route. Warum die Parade in diesem Jahr am Brandenburger Tor startet, steht in der FR:

Grund Nummer 1 für den Routenwechsel ist das Fanfest zur Fußball-Europameisterschaft. “Wir haben mit den Organisatoren, der AG Fanmeile, lange und konstruktiv gesprochen und uns schließlich geeinigt, dass es zu gefährlich ist, wenn die CSD-Trucks und die Menschenmengen durch die Fanmeile ziehen”, sagt Robert Kastl, Sprecher des CSD-Vereins, der FR.

Mal sehen, ob ein paar linksextreme Sektierer nun behaupten, das wäre ein Zurückweichen vor dem deutschen Mob. Es wäre jedenfalls nicht das erste Mal, dass eine Entscheidung der CSD-Organisatoren für eine Route, die das Brandenburger Tor nicht links liegen lässt, auf bornierte Kritik aus dieser politischen Richtung stößt, weil man das Brandenburger Tor dort für den Ausdruck deutscher Großmachtspolitik hält und Deutschland sowieso irgendwie für doof. Zum Glück haben die Organisatoren einen weiteren Grund:

Immer wieder hatten Ostberliner bemängelt, dass die Parade nur durch den Westen geht. “Sie wollten von dem alten Westberliner CSD aus Vor-Wende-Zeiten wegkommen und im Sinne einer vereinten Stadt demonstrieren”, erklärt Kastl.

Wobei die Ost-Karte bereits im letzten Jahr von den Rotzbengeln des Transgenialen CSD gespielt wurde, der zuvor traditionell durch Neukölln und Kreuzberg zog. Dort allerdings hat sich der “große” CSD noch nie blicken lassen und das wird wohl auch in diesem Jahr so bleiben:

Lange Gesichter dürften die Homosexuellen aus Kreuzberg und Neukölln angesichts der Touränderung machen. Auch sie fordern seit Jahren eine Teilstrecke durch ihre Problembezirke, wo Homophobie immer noch Alltag ist.

Immer noch Alltag ist gut. Glauben die bei der FR tatsächlich, dass Kreuzberg und Neukölln immer schon alltäglich homophob waren? Zumindest für Kreuzberg kann ich mich noch an Zeiten erinnern, als Türken und Deutsche, Schwule und Heten, Hausbesetzer und Hausfrauen, Arbeiter und Gammler in friedlicher Eintracht mit- und nebeneinander lebten. Erst mit der Islamisierung der vergangenen Jahre, die sich gegen säkulare Türken genauso richtet wie gegen Frauen, die sich nicht der islamischen Kleiderordnung unterwerfen wollen, ist das Klima in Kreuzberg gekippt und die Homophobie breitet sich aus.

Wer in diesem Klima einen alternativen CSD organisiert und sich an die antisemitische Mehrheit im Kiez anschleimen mit der islamistischen Strömung im Kiez anfreunden will, veranstaltet eine CSD-Parade, bei der die Fahnen der Länder, die weltweit für die Emanzipation von Homosexuellen stehen, also die Israels und der USA, nicht gezeigt werden dürfen, eine Parade, bei der Juden oder wen man dafür hält, nur unter Polizeischutz teilnehmen können ebenso wie der Wagen von Aktion Sühnezeichen. Über den alternativen CSD stand hier entsprechend geschrieben:

Bei diesem kam es 2003 zu dramatischen Szenen. Schwule mit Israel- und Amerikafahnen machten auf die zunehmende Islamisierung und damit Schwulenfeindlichkeit in westlichen Gesellschaften aufmerksam und riefen zur Solidarität mit verfolgten Schwulen in islamischen Ländern auf. Sie waren zuvor in Schöneberg mit offenen Armen begrüßt worden. Ganz anders in Kreuzberg: Einer der Organisatoren des alternativen CSD geiferte gegen die “Drecksfahnen” und rief zum praktischen Ausschluß der Pro-Westler auf. Das ließ sich der linke Mob nicht zwei Mal sagen und schritt zur Tat. Mit Feuerzeugen wurde versucht, die israelische Fahne anzuzünden, mit Fäusten ging man gegen die Fahnenträger vor, die nur unter Polizeischutz an der Demonstration teilnehmen konnten. Als sich der vom Schöneberger CSD kommende Wagen der Aktion Sühnezeichen in den Zug einreihte, eskalierte die Situation. Jugendliche mit Migrationshintergrund versuchten, die jüdische Wagenbesatzung oder was sie dafür hielten anzugreifen, so dass der Wagen die Demonstration verlassen musste. Auch das war nur unter Polizeischutz möglich. Währenddessen erreichte die alternative Parade ihr Ziel, die Oranienstraße. Dort zogen Gruppen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund durch die Menge und beschimpften die Demonstranten mit antischwulen Sprüchen. Ohne Resonanz bei den Feiernden. Offenbar waren die Alternativen froh, dass es nicht zu weiteren körperlichen Angriffen, diesmal auf sie, kam. Schließlich war ihr Ziel an diesem Tag, die Barrieren zu der moslemischen Bevölkerung in Kreuzberg und Neukölln abzubauen, wie sie den Freunden der westlichen Zivilisation immer wieder empört entgegen hielten.

Wenn das Ost-West-Thema eines Tages dann doch abgearbeitet sein sollte, könnte ein großer CSD durch Kreuzberg und Neukölln vielleicht noch einmal Maßstäbe für die Homo-Emanzipation in Berlin setzen. Mit einer Parade, bei der die israelische und die amerikanische Flagge wehen dürfen wie andere Landesflaggen auch, bei der Juden nicht mehr um ihre körperliche Unversehrtheit bangen müssen und Angriffe migrantischer Jugendlicher als die schwulenfeindliche Gewalt bezeichnet werden, die sie sind und mit der Härte des Gesetzes geahndet werden.

5 Antworten zu “CSD Berlin: Kudamm adé, Mitte olé”

  1. rom sagt:

    Im Deutschland des Jahres 2008 ist es (wieder) gefährlich sich als Juden zu outen! Gute Arbeit haben sie geleistet, die Multi-Kultis!

    “….schliesslich war es Ziel an diesem Tag die Barrieren zur moslemischen Bevölkerung in Kreuzberg und Neukölln abzubauen…..”

    Wer so redet, hat keine Ahnung!rom

  2. Alison sagt:

    http://www.blog.gruene-pest.com/2008/06/24/ex-cathedra-grune-geben-vor-was-politik-ist/

  3. Ralf sagt:

    Sicherlich gibt es in diesem Jahr Gründe dafür die Parade einen anderen Weg nehmen zu lassen! Aber bitte kehrt im nächsten Jahr wieder dort hin zurück! Am Kudamm hat alles vor fast 30 Jahres begonnen. M.E. Grund genug an dieser alten Tradition festzuhalten! Der CSD und der Kudamm ist eine Symbiose. Die Parade und der traditionelle Kudamm gehören einfach zusammen. In diesem Jahr darauf verzichten zu müssen fällt schwer. Aber wegen der EM kann ich es verstehen! Wenn das der Hauptgrund ist! Manche Traditionen gehören sicherlich abgeschafft! Das der CSD über den Kudamm zieht jedoch nicht! Bitte lasst die CSD-Parade im nächsten Jahr wieder über Kudamm ziehen! Es fehlt etwas!

  4. Annika sagt:

    ich war dieses jahr (2008) auf dem transgenialen und ich habe kein hauch von antisemitismus oder was auch immer gespührt,
    alle waren da ausgelassen, es war ein tolles fest und ein klasse erlebnis,
    hat mir besser gefallen als die “normalen” CSD´s der letzten jahre.

  5. Simone sagt:

    ich war dieses Jahr 2008 das erste Mal in Berlin auf dem 30. CSD. Es war traumhaft schön, obwohl es am Anfang geregnet hat. Das machte aber nichts aus. Wir waren alle eine große Familie. Man hat sich nicht alleine gefühlt. Ich freue mich schon aufs nächste Jahr.

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