Berlins Hauptstadtmagazin ZITTY berichtete in seiner letzten Ausgabe über ein kaum zu glaubendes Phänomen: In Berlin haben Schwule Sex! Weil der Erkenntnisgewinn dieser Aussage letztlich wohl gegen Null tendierte, erfuhr der interessierte Leser zusätzlich, dass hier nicht nur Berliner Schwule Sex haben:
Aus der ganzen Welt reisen Schwule an, um so ein prototypisches Wochenende zu erleben – die perfekte Symbiose aus Nachtleben, Musik und Sex.
Auch Schwule, die nach Berlin ziehen, wollen nur eins: Sex.
Viele schwule Berliner beobachten die Entwicklung vor der Haustür. Auch weil sie selbst einmal als Touristen kamen – und blieben. Frank aus Hessen lebt in Friedrichshain, seit sieben Monaten, davor reiste er einmal pro Jahr an die Spree um sich „durch die Szene zu ficken“, wie er sagt.
Mit dem klassischen Sextourismus hat das eigentlich nichts zu tun. Wenn man es aber doch mal erwähnt, wird schon etwas hängen bleiben:
Für Sex in eine bestimmte Stadt zu fahren, der Ruch einer Bangkok-Reise umweht so einen Trip. Mit einem wichtigen Unterschied: In Berlin wird keiner sexuell ausgebeutet, es handelt sich um Erwachsene, die in gegenseitigem Einverständnis Sex haben.
Allerdings, wie jeder weiß, stets in der Öffentlichkeit:
Wer nicht nur im Dunkeln munkelt, kniet neben der Bar im hellen Licht vor seiner Eroberung und bläst ihm den Schwanz. Keiner guckt oder bleibt stehen. Man kennt solche Szenen zur Genüge, im Zweifelsfall befand man sich bereits in einer ähnlichen Lage.
Und während der gewöhnliche Heterosexuelle noch brav arbeitet, poppen die Schwulen schon wild durch die Gegend:
Am Donnerstag läuten die Homos bereits das Wochenende ein
bei dem jeder auf seine Kosten kommt. Denn:
In Berlin existieren keine Hemmungen. Wer gerne die Gesellschaft von jungen Strichern genießt, kehrt in die rund um die Uhr geöffnete Blue Boy Bar ein, wer an Skin-Männern Gefallen findet, lässt sich in der Scheune bedienen,
und - Achtung, jetzt wird es echt pervers! -
wer einen Ostberliner sucht, findet in der Greifbar Kabinen und Hinterzimmer.
Warum das Ganze in Berlin so läuft und nicht im prüden Amiland? Manhattan wird vermutlich zu reich sein, um seine Wirtschaft auf diese Weise ankurbeln zu müssen. Berlin hingegen, um es mit den Worten unseres Bürgermeisters zu sagen, ist arm, aber sexy.
Derartige Artikel zu veröffentlichen hingegen ist ebenfalls arm, allerdings überhaupt nicht sexy und wird daher in Zukunft mit Kloputzen im lab.oratory bestraft.
Damit kein Berliner am 28. Juni Orientierungsschwierigkeiten bekam, hatte die ZITTY übrigens auch gleich den Besuch der richtigen Veranstaltung befohlen, der CSD-Parade. Damit jeder weiß, wie Schwule aussehen. Schließlich sieht man die ja sonst nicht, weil sie tagsüber schlafen und sich nachts durch die Clubs der Hauptstadt vögeln. Nicht alle Berliner jedoch leisteten dem Tagesbefehl des Hauptstadtmagazins Folge. Aber vermutlich fickt sich auch nicht jeder Schwule in Berlin an jedem Wochenende durch die Szene. Obwohl: Wenn es doch in der ZITTY steht…