Wie die ZEIT einmal den guten Islam vor den bösen Islamisten retten wollte

Das Los der Schwulen in der muslimischen Welt ist elend

stellt ein Artikel in der ZEIT fest und fragt nach den Gründen. Der Erste ist schnell gefunden, schließlich verstoße Homosexualität

gegen die Moral und den Koran

wird ein Istanbuler Psychiater zitiert. Weshalb sie allenthalben bekämpft wird, von klein auf:

Die Diskriminierung beginnt in den Familien, wo manche Väter, Brüder und Onkel die sexuelle Neigung ihrer Verwandten mit Faustschlägen bekämpfen, in Einzelfällen mit Waffen. Vor Gericht rechtfertigen sich Täter mit dem »unmoralischen« oder »unislamischen« Verhalten ihrer Opfer. Die Gesetze schützen nicht selten die Täter.

Der Staat setzt fort, was in der Familie begonnen wird:

Staatliche Repression ist die größte Gefahr für Homosexuelle im Mittleren Osten. In islamistisch geprägten Staaten wie Iran, Saudi-Arabien oder dem Sudan steht auf gleichgeschlechtliche Liebe die Todesstrafe. Iran lässt männliche Homosexuelle umoperieren, weil Transsexuelle nur als »Kranke« gelten, aber keine Verurteilung fürchten müssen. Islamische Geistliche liefern die entsprechenden Fatwas für die staatliche Hetzjagd. Auch weniger konservative Länder wie Marokko haben Verbote verhängt. In den Vereinigten Arabischen Emiraten empfiehlt ein Regierungssprecher Hormonbehandlungen. In Palästina nutzen Polizisten die diffuse Rechtslage, um Homosexuellen ungestraft Geld abzunehmen oder sie zu vergewaltigen.

Doch halt, kann sein, was nicht sein darf?

Ägypten, das palästinensische Westjordanland und die Türkei haben Regierungen, die Islamisten bekämpfen oder einem säkularen System verpflichtet sind. Warum verfolgen weltliche Beamte im Mittleren Osten Homosexuelle? Hier reicht der Islam als Erklärung allein nicht aus.

Die ZEIT meint also, den Islam vor den bösen Islamisten in Schutz nehmen zu müssen. Wie sonst könnte man die Verteidigung Ägyptens, wo der Islam Staatsreligion ist, verstehen? Besser erklärt die Verfolgung von Schwulen im Mittleren Osten laut ZEIT ein Verweis auf einen echten Oldie:

Der Islam diene hier nur als Rechtfertigung, um das Patriarchat zu zementieren.

Ob die ZEIT das für die deutschen 50er auch so sehen würde? Damals hatten wir ein “säkulares System” und trotzdem wurde die Verfolgung von Schwulen mit dem Schutz der guten Sitten begründet, was sicherlich nicht ohne Bezug auf sogenannte christliche Werte über die Bühne ging.

Beeindrucken, wie die ZEIT es schaffft, den Islam und seine tödlichen Auswirkungen auf Schwule zu bagatellisieren, indem man ihn zu einer bloßen Rechtfertigungsideologie für den eigentlich Bösen, das Patriarchat nämlich, macht. Doch eine Frage hat auch die ZEIT damit nicht beantwortet: Warum nur hat sich das Patriarchat im Großen und Ganzen ausgerechnet dort erhalten, wo dank des Islams die Zivilisation den dortigen Bewohnern noch weitestgehend unbekannt und in jedem Fall suspekt ist?

Hattip: Lukas

2 Antworten zu “Wie die ZEIT einmal den guten Islam vor den bösen Islamisten retten wollte”

  1. Qualitätsjournalismus zwischen Anspruch und Wirklichkeit « Zeitung für Schland sagt:

    [...] “Der rosa Halbmond” von Michael Thuman in der selben Ausgabe der ZEIT (mit dem sich auf “Gay West” befasst wird) . Bereits in der Unterüberschrift formuliert Thumann die Frage, warum das “Los [...]

  2. rom sagt:

    “…zu glauben es gebe so etwas wie einen guten Islam (Islam) gegen einen bösen Islam (Islamismus) geht gegen jede Vernunft! Es gibt nur Islam und damit basta!” Zitat der leider verstorbenen Oriana Fallaci aus ihrem Bestseller “die Kraft der Vernunft”.rom

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