Parvez Sharma hat zwölf Jahre lang das Leben homosexueller Muslime in verschiedenen Ländern dokumentiert. Das Resultat ist der Film “Jihad for Love”. In einem Interview erläutert Sharma was hinter dem Projekt steckt:
I think the history of Islam and homosexuality is a complex one. Islam has now been around for 1426 years. We often rush to pronounce all these general statements about Islam and how we should perceive it. One of the most problematic things is that in the West we consider Islam to be this violent monolith.
Ob nun die Ansicht des Westens, dass der Islam eine vor Gewalt strotzende Einheit bildet, problematisch ist, wage ich zu bezweifeln. Wie oft muss man eigentlich betonen, dass das Image des Islam ein anderes sein könnte, wenn man es in den von dieser Religion dominierten Gesellschaften nicht für notwendig erachten würde, Nettigkeiten wie Verfolgung, Repression und mittelalterliche Hinrichtungen zu zelebrieren? Und dann sind da ja noch die Gotteskrieger, die wie Pilze aus dem Boden schießen und jedem – ob Moslem oder nicht – zu verstehen geben, dass man gefälligst so zu leben hat wie sie sich das vorstellen, will man nicht auf seinen Kopf verzichten oder in einem gelb glühenden Feuerball dahinscheiden.
In the West, we traditionally apply those titles of gay, lesbian, bisexual and transgender very easily to sexual identity, and to almost construct political choices around these identities. In Muslim countries, those labels of affirmation aren’t applicable. The labels don’t apply very easily.
Natürlich nicht. Denn islamische Länder sind nun mal nicht wie westliche Länder, wer wollte das bestreiten? Doch was sagt uns das denn nun?
I think President Ahmadinejad is very easy to turn into a monster. It is extremely unfortunate how he was treated at Columbia. What people need to understand is the statements he made are open to interpretation. There is a huge debate over what he actually said.
Ja, der arme Ahmadinedschad. Auch mir hat er unendlich Leid getan, als die Studenten – nachdem sie anfänglich so begeistert von seiner antiwestlichen Rhetorik waren – seinem Statement über Homosexuelle im Iran einfach gar nichts abgewinnen konnten. Und ob es nun um seine Äußerungen gegen Israel oder um Homosexuelle geht, wie üblich entspinnen sich große Debatten darüber, was Ahmadinedschad denn nun eigentlich gemeint hat:
Did he mean that homosexuality does not exist like it does in the West? If so, I agree with him. It’s not the same construct.
If he is denying the existence of homosexuals, then I take strong exception to that and invite him to see the film, because I filmed them.
Machen wir uns also bereit für eine erneute Lektion darüber, wie anders die Konstruktion Homosexualität in den islamischen Ländern gehandhabt wird:
Islam is more diverse on the subject of homosexuality than a lot of non-Muslims realize. Because homosexuality has existed for as long as Islam has existed, in many of these cultures it has often been tolerated, and has sometimes been celebrated.
Natürlich gab es Homosexualität schon lange vor dem Islam. Mohammed hat nicht alles erfunden. Das nur mal so nebenbei.
If you look at the history, you see examples of homosexuality being celebrated in the arts, in poetry, through the courts of the Ottoman in Turkey, through the courts of the Mughal in India, though differentphases of the Persian empire as it developed.
Was genau bringt einem die These, dass Homosexualität in den altislamischen Kulturen offenbar zum gehobenen Lebensstil gehörte? Was erschließt sich aus der lyrischen Anbetung junger Knaben, die dem rechtgläubigen Moslem im Paradies Trauben und Datteln servieren? Etwa, dass die gleichberechtigte Partnerschaft zweier Männer zum Grundstock islamischen Lebens gehört? Das widerlegt die Realität hier und heute. Doch ach, natürlich gibt es Gründe dafür:
A lot of the hatred, a lot of the homophobia that exists in the Muslimworld today is inherited from Colonialism. Many of the laws that remain in countries like Egypt or India are laws that were enacted by the British or the French. And those laws remain.
Und wieder die Frage: Was sagt uns das jetzt? Dass der Kolonialismus seine Schattenseiten hatte? Quelle Surprise! Doch wenn die Homophobie in islamischen Ländern allein ein Produkt westlicher Einflüsse ist, warum gibt es dann heutzutage solch eine Repression in den Staaten, die für sich in Anspruch nehmen, eben nicht westlich zu sein, sondern ihren eigenen kulturellen Weg zu verfolgen? Warum bleiben in islamischen Ländern aus der Kolonialzeit überlieferte Gesetze gegen Homosexualität bestehen, wenn die Kolonialzeiten doch längst vorbei sind und solche Gesetze nicht mal mehr in den einstigen Mutterländern existieren?
Ein Einwand hierzu könnte sein, dass der westliche Einfluss den Diskurs in der islamischen Welt nicht nur legislativ sondern auch geistig geprägt hat, dass also die westliche Meinung zur Homosexualität sich in den Köpfen der Muslime festgemacht hat. Doch wie erklärt es sich dann, das Homosexuelle im Westen heute eine Freiheit genießen, die weltweit beispiellos ist, während der angeblich vom westlichen Denken beeinflusste Islam immer noch im gestern verharrt?
Wahrscheinlich hat der Islam eben doch etwas mit Schwulenfeindlichkeit zu tun. Es bedarf ja auch keiner großen Erkenntnisfähigkeit um sich vor Augen zu führen, dass der Grad der Unfreiheit proportional zur Ausübung eines unverfälschten Islam steigt. Man denke nur an die Scharia, einem genuin islamischen Instrument.
In the 20th century, there was a revival of extremist Islam. But most gay people living in Muslim societies today are not living under sharia law. They are also not engaging in western constructs of homosexuality in the same language. Pretty much they are allowed to be, as long as they’re not flaunting their sexuality or owning it in apublic way, by let’s say organizing a gay pride parade in Tehran.
Sprich: Ein Moslem in islamischen Ländern kann seine Homosexualität ausleben, solange niemand mitbekommt, was er da eigentlich macht. Zuweilen wird dieser Umstand als Toleranz interpretiert, eine Sichtweise, die geradezu obszön ist. Man stelle sich vor, jemand würde postulieren, das Deutsche Kaiserreich wäre für Homosexuelle im Grunde genommen ein Hort der Toleranz gewesen, weil man schließlich als Schwuler machen konnte was man wollte, solange sich eben alles im Privaten abspielte.
Homosexuelle in der islamischen Welt finden sich eben immer noch in Situationen wieder, die der böse Westen längst überwunden hat:
I found in the film that the majority of people who have same-sex tendencies assume that being married in a heterosexual marriage is perfectly normal and something they’re required to do by society and by religion and by culture.
Und bitte erkläre mir jetzt keiner, dass auch in westlichen Ländern die Mehrheit der Schwulen und Lesben es immer noch für das normalste der Welt hält heterosexuell zu heiraten, heimlich ab und an seinen gleichgeschlechtlichen Lüsten zu folgen und eine Partnerschaft mit dem gleichen Geschlecht noch nicht mal in Erwägung zu ziehen…
Summa summarum ist das Leben für Schwule und Lesben in islamischen Ländern ein elendes, geprägt von Versteckspielen, Lügen und Furcht vor Repression. Sharma ist allerdings relativ optimistisch, was die Zukunft angeht:
There is a vast number of Muslim religious leaders who understand the importance of this film and are keen to engage init, but have not been able to openly support it.
But the discussion has begun now and it’s not going to stop andeventually there will be people who can embrace the film publicly. The floodgates have opened.
Es wäre schön, wenn sich das islamische Verständnis von Homosexualität in Zukunft nicht mehr darauf beschränken würde, wahlweise hübschen Knaben zu huldigen bzw. auf einer Zwangsheterosexualität zu bestehen, bei deren Nichteinhaltung man mit Konsequenzen zu rechnen hat. Es wird wohl noch viel Wasser den Nil hinunterfließen bis Homosexuelle im Islam da sind, wo sie im Westen heute sind.
Schlagworte: Abgründe islamischer Toleranz, Der Westen ist böse, Homokolonialismus, Homosexuelle Lebensweise, Islamisierung
23. Juli 2008 um 20:40
schaut es mal das schöne video an:
http://de.youtube.com/watch?v=XNv1CoOn-Dk
Israelis in the Gay pride Parade in New York – 2008
ist doch fast ein einges thema wert
)))
24. Juli 2008 um 2:12
moin jungs,
wenn ihr so nett wäret,dann könnte ihr folgendes mal veröffentlichen,also ein eigenständiger beitrag, wenn es thematisch bei euch reinpassen sollte.
danke
(ach ja, der erste beitrag ist auch von mir -bin jetzt nur nicht eingeloggt)
also:
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Israel goes CSD!
Das Deutsch-Israelische Jugendforum in Hamburg wird den diesjährigen Christopher Street Day (CSD) am 2.August nutzen, um auf Israel als demokratischen und freiheitlichen Staat im Nahen Osten hinzuweisen.
Israel ist nicht nur im Nahen Osten, sondern auch weltweit im Hinblick auf die rechtliche Gleichstellung sexueller Minderheiten einer der fortschrittlichsten Staaten. Aus diesem Grund fliehen beispielsweise homosexuelle Palästinenser, die in den Autonomiegebieten Gewalt und Verfolgung ausgesetzt sind, häufig nach Israel.
Wir treffen uns vor der Parade am 2. August um 11.30 Uhr vor dem Schauspielhaus (gegenüber vom Hauptbahnhof) .
Bitte bringt Fahnen und gute Laune mit.
Weitere Infos sowie unseren CSD Postkartenflyer findet Ihr unter: http://www.deutsch-israelisches-jugendforum.de
http://www.deutsch-israelisches-jugendforum.de/
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dazu passt ja auch das obige video.
bei euch passt das besser, weil ich kein reines gayblog betreibe,im gegensatz zu euch.