Eliminierung der Diskriminierung durch Eliminierung der Homosexualität

By Adrian

Heterosexualität definiert sich im Grunde genommen einfach nur dadurch, dass man sich in gegengeschlechtliche Menschen verliebt und auf deren sexuelle Schlüsselreize besonders abfährt. Für einige ist Heterosexualität jedoch deutlich mehr, nämlich quasi die Eigenschaft eines Herrenmenschen, welcher sich darüberhinaus genötigt sieht, in narzistischer Arroganz jeden abzuwatschen, dessen sexuelle Orientierung ein wenig anders aussieht. Dr. med. Jakob Gysel, Dr. med. Ulrich Juzi, Dr. med. Hans Kuhn, und Walter Gasser gehören zweifellos zu dieser Kategorie stolzer Heterosexueller und nehmen für sich in Anspruch, die Welt endlich schonungslos über die Mythen der Homosexualität aufzuklären. Neuer Wein in alten Schläuchen? Nun ja, Abwasser in Bleirohren trifft es wohl eher:

Der Mythos: Einmal schwul – immer schwul. Eine Änderungsmöglichkeit gebe es nicht, ja schon der Versuch sei schädlich. Die sexuelle Orientierung zum eigenen Geschlecht sei biologisch, schon im Mutterleib vorbestimmt. Homosexuelle seien besonders glücklich.

Mensch, das sind ja gleich drei Mythen auf einmal. Das geht nun wirklich nicht! Und weil das nicht geht, klären uns die Herren Gysel, Juzi, Kuhn und Gasser auf:

Die Realität: Der deutsche Psychotherapeut Michael Gerlach sagte an einer Pressekonferenz im April: „Ich selbst hatte mehrere gleichgeschlechtliche Partnerschaften und habe den schwulen Lebensstill kennengelernt. Allerdings wurden meine Erfahrungen zunehmend geprägt durch die Instabilität schwuler Partnerschaften und die Promiskuität innerhalb der schwulen Subkultur. Ein Prozess zunehmender Demoralisierung und Desillusionierung führte mich dazu, mich mit den psychosexuellen Ursachen meines gleichgeschlechtlichen Empfindens auseinanderzusetzen. Ich lebe heute in einer monogamen heterosexuellen Partnerschaft. Das Erleben der Geschlechterkomplementarität in Beziehung und Sexualität mit einer Frau, die Erfahrung, als Mann einer Frau gewachsen zu sein und maskuline Ich-Grenzen zu haben und zu bewahren, sind herausfordernde und zutiefst befriedigende Erfahrungen.“

Herr Gerlach, den wir bereits aus dem Umfeld evangelikaler Streiter gegen die Verlotterung der Sitten im Abendland kennen, hat sich also in die Riege ehemaliger Schwuler eingereiht, die mit dem homosexuellen Lebensstil so ihre Probleme haben und daraufhin von heute auf morgen entschieden haben, es jetzt aber mal mit Frauen zu versuchen. Und wie üblich hat die Umkehrung der Reiz-Reaktionskette bestens funktioniert und wo man gestern noch jedem Mann auf den Arsch stierte, guckt man heute zuerst auf die Titten – ääh, die Augen einer Frau.

Aber einfach nur mit seiner neugewonnenen Heterosexualität zufrieden zu sein, das gehört sich für einen Ex-Gay natürlich nicht. Nein, man muss seine Erfarungen schon generalisieren und jeden davon überzeugen, dass er nur so zu leben hat wie Onkel Gerlach selbst. Und das Quartett Gysel, Juzi, Kuhn und Gasser kann dem nur beipflichten:

Die moderne Sexualwissenschaft geht von einem plastischen Sexualverständnis aus, das heisst, Sexualität ist formbar.

Was natürlich wie üblich immer nur in eine Richtung wünschenswert ist. Denn so einfach es auch ist, Heteromänner dazu zu bringen, in Zukunft nur noch auf Männer zu stehen, würde ein solches Verfahren ja einfach keinen Sinn machen. Nicht wahr?

Prof. Martin Dannecker, Vorkämpfer der Homosexuellenbewegung, schrieb in seinem Gutachten für die deutsche Regierung: „Homosexualität als primär biologisches Phänomen zu verstehen, ist völlig überholt. Sexualität muss als biologisch, entwicklungspsychologisch, interpersonell, auf lebensgeschichtlicher Erfahrung basierend und als sozial konstruiert begriffen werden.“

Wenn Martin Dannecker ehrlich wäre, hätte er im entsprechenden Gutachten geschrieben, dass niemand weiß, auf welche Ursachen die Herausbildung der Sexualität denn nun eigentlich zurückzuführen ist. Aber als Alt-Linker kann man natürlich nicht zugeben, dass man nicht alles weiß und deshalb wird lieber kolportiert, dass dies und jenes und auch noch das und das und überhaupt eigentlich alles für Sexualität verantwortlich zu machen ist.

Doch das Quartett des Grauens ist noch nicht fertig mit seiner Analyse, wie scheiße Homosexualität denn nun wirklich ist:

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) schrieb 2006, alarmiert über die gesundheitliche Situation schwuler Männer in der Schweiz, von erschreckenden Zahlen, was körperliche Beschwerden, psychisches Befinden (Einsamkeit, Depression), Suchtproblematik anbetrifft. Alle Zahlen sind im Vergleich zum Landesdurchschnitt erhöht. Dies, weltweit beobachtet, führte selbst pro-schwule Forscher zur Frage: Kann das alles vorwiegend durch gesellschaftliche Diskriminierung von Homosexualität verursacht sein?

Ich habe es schon einmal geschrieben und tue dies gerne noch einmal: Eine solche Frage kann nur ein Hetero stellen. Durch was sollen all diese Misstände denn sonst verursacht sein? Durch die Gene?

Roger Staub, BAG, spricht betreffend Ansteckung mit Aids von „afrikanischen Zuständen in der Schwulenszene“

Roger Staub? Schon interessant wie ein und dieselbe Person mal als unqualifizierter Betroffener und mal als Kronzeuge präsentiert wird. Und als Lösungsansatz für das schwule Dilemma tischen uns die evangelikalen Knalltüten auch immer denselben Käse auf:

Die Situation kann nur verändert werden, wenn der Mythos vom coolen Schwulsein einer klaren Sicht der Realität Platz macht.

„Cooles Schwulsein“. Schon wieder eine Phantasie, die mit der Realität nichts zu tun hat. Aber vielleicht liegt es auch nur an mir, wenn ich nicht merke, wie sehr ich von meinen heterosexuellen Geschlechtsgenossen beneidet werde.

Das ist aber sehr schwer. Die Dinge so beim Namen zu nennen, diskriminiere und verletze Betroffene, wird gesagt. Homosexuelle haben in ihren Lebensgeschichten oft Verletzungen erlebt. Ungewollt anders zu sein, nicht dazuzugehören, ist ein ihnen bekannter Schmerz. Dass solches gerne überspielt wird, ist nur allzumenschlich. Weder Kirchen noch Gesellschaft haben bisher den Weg gefunden, hier die Realität einfühlsam und doch wahr zu benennen.Ob es uns gelungen ist, wissen wir nicht.

Ob es euch gelungen ist? Das könnt ihr erfahren, wenn wir uns mal zufällig über den Weg laufen. Was für ein widerlich schleimiges Heucheln von Mitleid. Wenn ich so etwas lese, verliere ich meine schwule Sensibilität und Contenance ziemlich schnell. Denn was schlagen uns Gysel, Juzi, Kuhn und Gasser vor, damit Homosexuelle in Zukunft nicht mehr diskriminiert und verletzt werden? Ganz klar: die Homosexualität muss abgeschafft werden.

Was aber auf jeden Fall geschehen muss: Die Botschaft «Veränderung ist für manche möglich» darf nicht länger unterdrückt werden.

Denn in einer Welt ohne Homos können selbige auch nicht mehr diskriminiert werden.

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3 Antworten zu „Eliminierung der Diskriminierung durch Eliminierung der Homosexualität“

  1. Bloglust sagt:

    „Veränderung ist für manche möglich“ – eine Botschaft, die für Millionen heterosexuelle Männer von nun an wie ein Damoklesschwert über ihren Köpfen schwebt. Von heute auf morgen könnten sie schwul werden.

  2. Marco sagt:

    Ich finde es immer wieder amüsant, wenn das Ergebnis der allgegenwärtigen Diskriminierung (Isolation, das „Gefühl, nicht dazuzugehören“) immer wieder in kausalen Zusammenhang mit Homosxualität, aber nie in kausalen Zusammenhang mit der Diskriminierung selbst gestellt wird.

    Ich könnte mir vorstellen, dass es in einem anderen kulturellen Kontext keinen Unterschied zwischen homosexuellen und heterosexuellen Menschen anhand dieser Parameter geben dürfte.

    Ich frage mich immer, mal abgesehen davon, dass ich keine Lust habe, Sex mit einer Frau zu haben: Selbst wenn man diesen ganzen Psycho-Kram machen würde, wie könnte man dafür sorgen, dass man Frauen sexuell toll findet? Das würde doch gar nicht gehen. Natürlich kann fast jeder Schwule mit einer Frau zusammenleben (das „monogam“ deutet bei dem Autor ja auch darauf hin, dass er keine anderen Frauen aktiv sucht, er wird schon wissen warum). Nur ist die Frage, ob man sich dann nicht abends ab und zu einen Escort kommen lässt, und ob soetwas nicht zuletzt auch ungerecht gegenüber der Frau ist, wenn man mit jemandem zusammenlebt, den man weder sexuell toll findet, noch den man wirklich lieben kann.

    Zuletzt finde ich solche Statements zutiefst frauenfeindlich: Diese haben nur als Objekt für den Mann zu funktionieren. Das ist extrem reaktionär, von der Homophobie mal ganz abgesehen.

  3. Jacob sagt:

    Was das sexuelle Begehren angeht, so wage ich die – selbstverständlich nicht unumstrittene! – These, dass Menschen von Natur aus bisexuell sind und allenfalls eine leichte biogenetisch-hormonell bedingte Präferenz zum hetero- oder homosexuellen Spektrum „mitbringen“. Die spezifischere Ausprägung des sexuellen Antriebs hingegen wird erst im Laufe der Sozialisation geformt und ist durchaus nicht völlig unveränderbar. Anders ist nicht zu erklären, dass z. B. heterosexuelle Männer wie Frauen im Laufe ihres Lebens und ausgehend von bestimmten sozialen Schlüsselerlebnissen plötzlich Lust an homoerotischen Phantasien entwickeln und auch homosexuelle Beziehungen eingehen – gilt natürlich auch analog für manche homosexuellen Männer und Frauen. Wie schon gesagt, wenn es denn überhaupt eine genetische Veranlagung in diesem Sinne gibt, dann kann sie nur ziemlich schwach ausfallen und wird von soziokulturellen Erfahrungen überformt, verstärkt, geschwächt oder gar völlig ins Gegenteil verkehrt.

    Aber – und hier bitte aufmerksam lesen! – diese These bietet überhaupt keine Begründung dafür, Jungen und Mädchen gezielt zur Heterosexualität zu erziehen oder Männer und Frauen dahingehend „umpolen“ zu wollen. (Tatsächlich spielt das Homosexualitätstabu insbesondere in der Sozialisation von Jungen bereits eine herausragende Rolle, teilweise mit dramatischen negativen Folgen.) Solche „Umpolungsprogramme“, wie sie in der Geschichte zeitweise vertreten wurden und in gewissen Kreisen leider immer noch erprobt werden, gehen von einer beliebigen und vor allem gezielten Veränderbarkeit sexueller Identitäten „von Außen“ aus und ignorieren die tiefenpsychische Ebene, die ihren ganz eigenen Regeln folgt und sich einer bewussten Manipulation entzieht.

    Dass wir in eine größtenteils konstruierte Welt hineingeboren werden und hineinwachsen, bedeutet eben nicht, dass diese beliebig veränderbar ist. Körperliche Prozesse sind ebenso wenig entrinnbar wie die damit untrennbar zusammenhängenden sozialen Konstruktionen, die wir im Laufe unseres Lebens natürlich bis zu einem gewissen Grade mitgestalten. Und was passieren kann, wenn man von Außen und gezielt versucht, Menschen in eine bestimmte Richtung zu manipulieren, zeigt der tragische Fall „David Reimer“. Er sollte uns für alle Zukunft eine Warnung sein, nicht mit geschlechtlichen Identitäten anderer Menschen herum zu spielen.

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