Am Wochenende konnte die “Neckar-Metropole” Stuttgart ein Ereignis der ganz besonderen Art erleben. Denn die Gemeindemitglieder der hiesigen lefebvristischen Kirche St. Mariae-Himmelfahrt hatten sich aufgemacht, um öffentlich gegen ein Ereignis zu demonstrieren, dass ihrer Meinung nach zum Himmel stinkt: einen “Homo-Auflauf”.
Die Gruppe von Gläubigen versammelte sich auf dem Marienplatz mit Transparenten und betete vor einem Kreuz den Rosenkranz.
Und nicht nur das. In alter lefebvristischer Tradition wurden auch Transparente gemalt, die auf vortrefflichste Weise die Liebe zur Geltung brachten, die die Gläubigen gegenüber den “armen Sündern” empfinden. “Achtet Gottes Gebote”, “Rettet Kinder vor Perversion”, “Aids Geissel der Unzucht” oder “Sünde macht nicht glücklich” konnte man da lesen. Pater Andreas Steiner, seines Zeichens “Medienbeauftragter” – die Kirche kann schon ziemlich modern sein wenn sie will – präzisierte den Sinn der Aktion mit der altbekannten – wenn auch unsinnigen – Weisheit
“Wir sind nicht gegen die sündigen Menschen, sondern gegen die sündige Sache.”
und holte anschließend noch einmal weit aus:
Der Homo-Auflauf wolle unterstellen, daß die Homosexualität die „normalste Sache der Welt“ und als solche keine Sünde sei: „Das ist nicht wahr. Sie geht gegen das sechste Gebot Gottes.“
Da die Lefebvristen eine Splittergruppe der gewöhnlichen Katholischen Kirche sind, bezieht sich Pater Steiner, wenn er vom sechsten spricht, offenbar auf dieses Gebot:
“Du sollst nicht ehebrechen”
Eine merkwürdige moralische Anklage an die Adresse der Homos, wenn man bedenkt, dass diese in Deutschland ja gar nicht heiraten dürfen, und demzufolge gar keine Ehe brechen können.
Doch um Logik geht es hier nicht. Wie sonst ist es zu erklären, dass sich ein Häufchen Lefebvristen auf dem zentralen Platz Stuttgarts versammelt, fröhlich über andere Menschen urteilt und dann kolportiert:
“Natürlich urteilen wir nicht über die Menschen. Jeder von uns ist mit Sünden behaftet. Keiner werfe den ersten Stein.”
Glücklicherweise konnten die von ihrer moralischen Überlegenheit überzeugten Christen ihren Rosenkranz friedlich zu Ende beten, trotz diverser terroristischer Aktionen aus dem Dunstkreis der Rosa Nostra:
Bis auf einen Zwischenfall – ein antichristlicher Perverser versuchte das Gebet der Gläubigen mit einer Trillerpfeife zu stören – konnten die Gläubigen den Rosenkranz friedlich beenden.
Dennoch wurden die Gläubigen nach Angaben von Pater Steiner häufig von radikalen Homos beschimpft: „»Scheiß auf Gottes Gebote!« war noch das mildeste.“
Wirklich widerlich die Intoleranz der Perversen, die sich anmaßen den ersten Stein zu werfen, während unsere lefebvristischen Freunde eben genau dies zuerst taten.
Ja, in Stuttgart ist was los, so viel, dass ich mich entschlossen habe, nächstes Jahr nicht zum langweiligen CSD nach Köln zu reisen, sondern lieber an den Neckar. Lack, Leder, nackte Ärsche und bunte Federboas sieht man ja überall. Aber wo kann man dass Verhalten lefebvristischer Christen in ihrem natürlichen Lebensraum besser untersuchen als in Stuttgart?
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29. Juli 2008 um 18:25
Das sind doch aber Spinner, die nicht einmal von der ecclesia romana ernstgenommen werden!
29. Juli 2008 um 21:28
Ich kann dir versichern, du wirst in Stuttgart einiges erleben! Freunde von mir haben ganz normal und friedlich mit ihnen geredet, aber auf kreuz.net steht letztendlich in der Bildergalerie von 2007, sie wären “Homo-Ideologen”, die aus “dem Marsch herausgeschert” sind, “um die Beter zu beschimpfen.”
Geil.