Warum man auch Heteros schwul machen kann – wenn man denn muss

19 Aug

Leser axyron hat in einem Kommentar zu meinem Beitrag über die Nichtexistenz des Schwulengens eingewandt, sein Interesse an den Ursachen der Homosexualität bzw. der Sexualität an sich tendiere gegen Null und es sei

kompletter Blödsinn, etwas wissenschaftlich zu untersuchen, wenn von vornherein feststeht, daß das Forschungsergebnis, egal, wie es aussieht, auf das Weiterbestehen und die Weiterentwicklung der Menschheit noch weniger Einfluß hätte als die Erkenntnis, warum die Banane krumm ist.

Das Problem ist: Sollte man irgendwann tatsächlich herausfinden, was die Ursachen der sexuellen Orientierung sind, wird das die Menschheit eben doch beeinflussen und ganz sicher wird es Folgen für diejenigen Menschen haben, die selbst schwul bzw. lesbisch sind. Machen wir uns doch nichts vor: Schon jetzt, in einer Zeit wo kein Mensch auch nur den blassesten Schimmer davon hat, warum manche Menschen eher auf Frauen und manche eher auf Männer stehen, gibt es genug eifernde Fundamentalisten, deren einziges Ziel es ist, die Homosexualität vom Antlitz der Erde zu tilgen. Im Allgemeinen begründen sie dieses Anliegen religiös, geben sich über alle Maßen menschenfreundlich, differenzieren zwischen dem guten Menschen und dessen böser sexueller Veranlagung und weisen einen dann in Therapien ein, in denen man unter Aufgabe seiner Menschenwürde so lange Gehirn gewaschen wird, bis man anschließend wie ein Zombie der Heterosexualität über die Erde wandelt.

Solche Aktionen zur Eliminierung des Homosexuellen haben allerdings noch den kleinen Vorteil, dass sie den Menschen in seiner physischen Existenz unangetastet lassen. Andere sind da nicht ganz so zimperlich. Ob Islamisten, Nazis, Rastafaris, Rapper, Machos, es gibt genug Personen, die dem schwulen Menschen an sich kein Lebensrecht auf Erden zugestehen wollen und dieses mittels Scharia, Lynchjustiz, Klappmesser oder Springerstiefel durchzusetzen bereit sind.

Und es wird auch genug Menschen geben, die kolportieren, um Schwule vor Gewalttaten zu schützen wäre es doch am besten, die Grundlage der Homophobie aus der Welt zu schaffen: die Homosexualität nämlich. Ohne Schwule schließlich kein Schwulenhass.

Schwule vor sich selbst zu schützen ist sowieso ein Anliegen, dass von homophober Seite in den letzten Jahren stark in Mode gekommen ist. Hieß es früher noch, man müsse unsere Kinder vor den Schwulen schützen, erscheinen Homosexuelle heute nicht selten als erste Opfer ihrer sexuellen Orientierung: Aids, Depressionen, höhere Selbstmordraten – ach würden die Schwulen doch nur einsehen, dass ihnen ihr Schwulsein nur Kummer und Leid einbringt. Vom Kummer und Leid welches sie ihren Eltern zufügen gar nicht erst zu reden…

Homosexuelle werden immer eine Minderheit bleiben und und das alleine ist schon ein Garant dafür, dass es immer Vorurteile und Hass gegen sie geben wird, ganz gleich wie liberal unsere Gesellschaft sich entwickeln mag, ganz gleich ob irgendwann alle Eltern damit rechnen werden, dass ihr Kind sich als Homo herausstellen könnte, ganz gleich wie viel Aufklärungsarbeit man leistet. Homophobie kann man eindämmen, eliminieren wird man sie nicht.

Und damit ist garantiert, dass die Erkenntnis der Ursachen der sexuellen Orientierung zu Versuchen führen wird, Homosexualität zu verhindern. Ob das gelingt ist fraglich angesichts der Komplexität welche den Mechanismen der Sexualität offenbar zugrunde liegt. Sollte es aber dennoch irgendwann gelingen, gebe ich den heterosexuellen Heilsbringern schon jetzt ein Versprechen:

Wenn Ihr, in ferner Zukunft, tatsächlich ein Business ins Leben ruft, dass aus Homos richtig authentische Heteros macht, bedenkt: Umgekehrt geht’s auch. Und ich für meinen Teil hätte ebenso wenig Bedenken, die Welt zu verschwulen, wie Ihr, sie zu heterosexualisieren.

4 Antworten to “Warum man auch Heteros schwul machen kann – wenn man denn muss”

  1. offenbar 19. August 2008 at 18:37 #

    Hahahaha,
    [quote]
    Wenn Ihr, in ferner Zukunft, tatsächlich ein Business ins Leben ruft, dass aus Homos richtig authentische Heteros macht, bedenkt: Umgekehrt geht’s auch. Und ich für meinen Teil hätte ebenso wenig Bedenken, die Welt zu verschwulen, wie Ihr, sie zu heterosexualisieren.[/quote]

    Ich bin dabei!

  2. Thommen 20. August 2008 at 15:46 #

    Es gibt Kulturen, in denen weibliche Föten systematisch abgetrieben werden und Frauen von den Männern getrennt werden. Ausgerechnet in heterosexuellen Gesellschaften…
    Homosexuelle Bedürfnisse finden wir genauso bei vielen Heteros auch, wie heterosexuelle Bedürfnisse bei Homosexuellen. Da gibt es nix umzukehren, sondern endlich miteinander zu verbinden! Bringst Du das Eine zum Veschwinden, fehlt das Andere auch! ;)

  3. Adrian 20. August 2008 at 16:05 #

    Gibt es für diese These einen Beweis?

  4. tcane 21. August 2008 at 05:23 #

    mein gott, wie anstrengend…. was genau willst Du mit deinem Beitrag eigentlich aussagen? Soll das irgendwie eine Vorkehr sein, daß: “Wenn einmal, aber dann und überhaupt”?
    Klingt hier für mich alles sehr nach Panikmache. und hat, wenn Du mal drüber nachdenkst einen Touch von Endzeitstimmung…

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