„Christen“ gegen Gleichberechtigung der Frau
titelt der ORF in einer Meldung über eine neue Kleinpartei in Österreich, die dort demnächst zur Nationalratswahl antritt. Und der Titel hat seine Berechtigung, schließlich wollen „Die Christen“ das Gender Mainstreaming wieder abschaffen. Was das allerdings ist, das haben sie schlicht nicht verstanden. Weshalb ihr Spitzenkandidat erklärt:
„Gender Mainstreaming bedeutet ja nicht die Gleichberechtigung von Mann und Frau, sondern bezweckt die Abschaffung des biologischen Geschlechtes. Es sollen gleichwertige Lebensformen sein, ob hetero-, homo-, bi- oder transsexuell. Wo sollen da noch gesunde Familien herkommen?“
Natürlich bedeutet Gender Mainstreaming die Gleichberechtigung von Mann und Frau und zwar als Querschnittsaufgabe für alle Ressorts. Die Abschaffung des biologischen Geschlechts (das wäre übrigens „sex“ und eben nicht gender) bedeutet es also nicht, mal ganz abgesehen davon, dass das schlicht eine Unmöglichkeit wäre. Unterschiedliche sexuelle Orientierungen als gleichwertig anzusehen hat wiederum nicht unbedingt etwas mit Gender Mainstreaming zu tun. Außer in der kranken Phantasie von „Christen“, die tatsächlich der Ansicht sind, im heutigen Österreich seien Probleme
hausgemacht durch Propagierung von Homosexualität.
Konkreter in der Beschreibung ihrer Ziele werden „Die Christen“ allerdings nicht. Und so bleibt es bei vieldeutigen Ankündigungen des Spitzenkandidaten:
Wir wollen alles erreichen, was uns möglich ist, alles, was unseren Zielen dient. Das kann schon ein Gemeinderat sein, der in der Volksschule und im Kindergarten aufpasst, ob dort auch schon dieses scheußliche Gender Mainstreaming praktiziert wird
oder ob Homosexuelle etwa als gleichwertige Menschen behandelt werden. Damit so etwas erst möglichst spät passieren kann, ist es selbstverständlich, dass
Krabbelstuben und Kinderkrippen ebenfalls zu den Feindbildern der Christen (gehören).
Da hat man schließlich noch die alleinige Definitionsmacht über das, was gesund und das, was krank ist. Wenn alles das nicht hilft und sich der eigene Sohn oder die eigene Tochter trotzdem als homosexuell herausstellt, ist es Zeit für den Arzt. Schließlich ist der Spitzenkandidat der „Christen“ nicht nur
Vater von sieben Kindern, sowie Großvater von 21 Enkeln
sondern eben auch Arzt. Und da bieten sich doch gewisse historische Vorbilder geradezu an.
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