Archiv | Januar, 2009

Anstandslos

25 Jan

Wie wenig Anstand muß man besitzen, um bei der gestrigen Mahnwache gegen antischwule Gewalt in Berlin ausgerechnet mit Parteiflaggen zu erscheinen? Zumal mit denen der SPD, die in der Landesregierung sitzt in Berlin und damit mitverantwortlich ist für die politischen Versäumnisse, die MANEO-Projektleiter Bastian Finke in seiner Ansprache bei der Mahnwache gestern erwähnte:

Wir sind es leid, dass zu viele Menschen in der Gesellschaft noch immer homophobe Gewalt bagatellisieren, dass unsere ständigen Hinweise und Appelle an unsere Senatsverwaltung ständig in den Wind geschlagen werden. Immer wieder wurde uns erklärt, es sei doch alles gar nicht so schlimm, oder gar, dass ein Wettbewerb zwischen Opfergruppen vorurteilsmotivierter Gewalt begünstigt wird – die hier seien mehr und die anderen seien weniger betroffen.
Hassgewalt ist Hassgewalt. Jedes Opfer verdient es, in seiner individuellen Betroffenheit wahrgenommen zu werden, unterstützt zu werden, Solidarität zu erhalten.
Wir sind es leid, immer nur abgewimmelt zu werden. Wir erwarten mehr. Wir erwarten mehr Mut, mehr Haltung und mehr Einsatz – auch von der Verwaltung, auch von der Politik.

Gewalt gegen Schwule – Gedanken aus Deutschland

24 Jan

Der links-progressive Lehrer:

Die Jungen, welche in der Nacht zum Mittwoch mitten im Berliner Homo-Kiez einen Schwulen lebensgefährlich verletzt haben, werden nun endlich ihre verdiente Aufmerksamkeit bekommen, die ihnen so lange versagt geblieben ist. Getrieben durch die Kälte der sozialen Missstände in Berlin, Deutschland und der ganzen Welt, blieb ihnen ja auch keine andere Wahl, als ihren Frust an denen auszulassen, die als noch schwächer angesehen werden und nur Reaktionäre werden bestreiten, dass Gewalt lediglich ein stummer Schrei nach Liebe ist. Der deutsche Raubtierkapitalistenstaat, der ursächlich verantwortlich dafür ist, dass unsere Jugend verwahrlost, sich vor dem Fernseher lümmelt und einem beispiellosem Konsumterror ausgesetzt ist, wird sich nun zynisch diesen Opfern seiner selbst annehmen und versuchen, die als „Täter“ verunglimpften,  in die Leistungsgesellschaft zu assimilieren, um die Probleme zu reproduzieren, die sich in Zeiten der globalen Krise der kapitalistischen Verwertungsgesellschaft  unweigerlich auf ihren Kulminationspunkt hin zuspitzen. (weiterlesen…)

Noch mehr Kuscheln im Feldbett

24 Jan

Beim Reflektieren meiner Armeezeit anlässlich des Berichts über Homophobie bei der Bundeswehr, fiel mir noch eine Episode ein, die das Bild ein wenig differenzierter erscheinen lässt:

Auf unserer Stube, die ich mit fünf Mann teilte, kam nach der Grundausbildung einer der Kameraden – der übrigens eine Freundin hatte – auf die Idee, an unsere Stubentür ein Poster mit einem halbnackten Mann zu kleben, welches dann auch die ganzen restlichen sechs Monate dort hängen blieb, ohne auf Beanstandungen oder dumme Witze zu stoßen.

Burn, homo, burn?

24 Jan

In Großbritannien kassiert ein Feuerwehrmann nach seiner Weigerung, bei einer CSD-Parade Flyer mit Sicherheitshinweisen zu verteilen, Schadensersatz in unbekannter Höhe – nachdem er zuvor eine Abmahnung und eine Gehaltskürzung erhalten hatte. Als Begründung für sein Verhalten hatte der Katholik religiöse Gründe angegeben. Die National Secular Society kommentiert den Vorgang:

Hier wurde kein Leben bedroht, indem die Sicherheitshinweise nicht ausgeteilt wurden. Aber was ist, wenn sich er oder seine Kollegen jetzt entscheiden, sie wollen das brennende Haus eines Homosexuellen nicht löschen?

Dann wäre die Empörung unter den queer.de-Lesern vermutlich noch höher. Zu Recht, versteht sich. Merkwürdig nur, dass bei entsprechenden Meldungen aus dem islamischen Milieu die meisten Leser voller Verständnis für eben diese menschenverachtende Begründung wären.

Warum die Zivilisation unterzugehen droht, wenn man Linkshänder nicht umerzieht und was das mit dem Adoptionsrecht für Schwule und Lesben zu tun hat

23 Jan

Es gibt Menschen, die sehen den Untergang der Zivilisation voraus, wenn Linkshänder die Gabel rechts und das Messer links halten. Überraschenderweise halten diese Menschen sich auch noch für liberal und aufgeklärt, vielleicht auch für konservativ. Einzig ihre Nähe zum totalitären Denken bleibt ihnen völlig unbewußt. (weiterlesen…)

Neuer Termin: Mahnwache

23 Jan

Die aus Protest gegen den jüngsten Gewaltüberfall auf Schwule für heute angekündigte Mahnwache an der Ecke Kleiststr./Eisenacher Str. in Berlin ist verlegt auf Samstag, 24. Januar, 12 Uhr. Der LSVD Berlin-Brandenburg und MANEO rufen gemeinsam zu der Mahnwache auf.

In diesem Haushalt gibt es keine Dame! (und das wird sich auch nicht ändern)

23 Jan

Gestern erhielt ich einen Telefonanruf irgendeines Marktforschungsinstitutes, welches die „Dame des Hauses“ sprechen wollte. Ehrlich entrüstet wies ich darauf hin, dass es in diesem Hause keine Dame gibt, nicht einmal in meiner Person. Und so wurde ich  letztendlich aus der Liste derer gestrichen, die es würdig sind, über „Kochen, Haushalt und Genuss“ befragt zu werden. Eine Schande! Ich dachte, mit der Gleichberechtigung der Geschlechter wäre man schon weiter.

Man wird doch wohl noch Homosexualität kritisieren dürfen

22 Jan

MANEO-Mitteilung vom 21.01.2009:

Neuer gefährlicher Überfall gegen schwule Männer
Heute früh wurde ein 23jähriger schwuler Mann mit lebensgefährlichen Kopfverletzungen ins Krankenhaus gebracht.
MANEO bittet Zeugen um Mithilfe
(weiterlesen…)

Neuen Ufern zu?

22 Jan

Man weiß nicht genau, warum der polnische Politiker Janusz Palikot von seinen Ämtern zurücktreten musste: Weil er behauptet hat, der Ex-Chef Polens sei ein Homo, oder weil er meinte, dies sei gar nicht so schlimm.

Wie auch immer. Sollten sich die Gerüchte um den knuddeligen Jaroslaw Kaczynski bestätigen, käme das auch nicht überraschend. Schließlich wäre er nicht der erste Homo-Hasser, der gerne seinen Lutscher mit den primären  Geschlechtsorganen eines anderen Mannes eintauschen würde. Vorzugsweise in einer öffentlichen Toilette…

Einblicke in das real existierende Brandenburg

22 Jan

Es ist nun schon fast 20 Jahre her, dass der „real existierende Sozialismus“ (einen anderen kann es naturgemß sowieso nicht geben), zusammenbrach und mit sich auch die zweite deutsche Diktatur des 20. Jahrhunderts begrub. Vor 20 Jahren gründete sich in Potsdam auch der erste Verein für Schwule, mit dem super originellen Namen „Andersartig“. Die „Märkischen Allgemeine“ hat zu diesem Anlass mit dessen Vorsitzenden, Harald Petzold, ein Interview über Homosexualität damals und heute geführt.

Im Übrigen: Dass Petzold trotz der negativen Erfahrungen mit den Staatsorganen der SED, heute Mitglied der Linkspartei ist, gehört zur normalen Schizophrenie des real existierenden Ossi.

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