Schlager für Dummies

20 Feb

Wer hätte gedacht, dass ein Schlagerwettbewerb im beschaulichen italienischen Städtchen San Remo, derartig hohe Wellen schlagen würde?

Beim traditionsreichen Schlagerfestival von San Remo nimmt dieses Jahr ein Lied teil, das die Bekehrung eines Schwulen zum Thema hat – Homo-Gruppen sind empört.

Das am Dienstag erstmals im Rahmen des Festivals von Popsänger Povia vorgetragene Lied “Luca era gay” (“Luca war schwul”) handelt von einem unglücklichen homosexuellen Mann, der nach einer Nacht mit einer Frau zum glücklichen Heterosexuellen mutiert.

Ein Skandal? Vielleicht. Unsensibel? Auf jeden Fall. Heterosexuelle Leser werden möglicherweise Mühe haben, die Empörung über ein an sich doch harmloses Liedchen zu verstehen. Denn Schwule hätten umgekehrt sicher nichts dagegen, wenn eine Hetero, sich auf einmal homosexuell betätigen würde. Wäre das nicht dasselbe?

Nein, wäre es nicht, wie es uns Franco Grillini, seines Zeichens “Politiker und Homo-Aktivist”, erklärt:

“Ich fordere alle dazu auf, einmal darüber zu reflektieren, dass doch auch die homosexuelle Liebe Liebe und keine Perversion ist”, so Grillini. Das Lied vertiefe Vorurteile gegenüber Schwulen, weil es darin unter anderem heißt, dass sich Luca erst nach seiner Bekehrung wie ein kompletter Mann fühlt, so Grillini.

Kein allzu harmloses Liedchen also, weil es eben ganz nonchalant dümmste Klischees aufwärmt und dazu geeignet ist, gerade jungen Schwulen zu suggerieren, wie unnormal und defizitär sie im Grunde genommen sind:

Aurelio Mancuso, Chef des Homo-Verbandes Arcigay, wies auf die negativen Auswirkungen des Liedes hin: “Wir bekommen täglich Post von jungen Leuten, die in Italien aufgrund ihrer Sexualität soweit ausgegrenzt werden, dass sie an Selbstmord denken. Und dann kommt so ein Song daher!”

Und das ist eben der Punkt. Wenn Homosexualität gesellschaftlich endlich als gleichberechtigte Form der Liebe und Sexualität anerkannt ist, dann kann man auch über Songs, in denen ein Schwuler mal eben mit einer Frau ins Bett steigt, schmunzeln. Doch das ist eben nicht der Fall. Homosexuelle stehen noch immer unter beständigem Rechtfertigungszwang, einem sozialen Druck, dem Heteros nun einmal nicht ausgesetzt sind.

Der Interpret des Liedes, Sänger Povia, ist übrigens kein unbeschriebens Blatt. Als stolzer Hetero, glaubt er naturgemäß, alles über Homosexualität zu wissen:

„Schwulsein ist nicht angeboren. Es basiert darauf wie oft und was als junger gelernt wird. […] Ich weiß wovon ich rede. Ich hatte selber eine schwule Phase. […] Es war als ich 18 Jahre alt war. Es dauerte sieben Monate und ging dann vorüber. Auch zwei meiner Freunde konvertierten, welche dachten sie seien schwul und jetzt sind sie verheiratet und haben Kinder.“

Der typische Ex-Gay-Blödsinn eben, den man auch folgendermaßen zusammenfassen könnte: Schwule sind unglücklich, keine echten Männer und bräuchten ohnehin nur mal eine richtige Frau, um endlich zur Vernunft zu kommen.

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