Archiv | April, 2009

Lesen und leiden

22 Apr

Manchmal frage ich mich, wer eigentlich die von Adrian und mir annoncierte Lektüre zur Kenntnis nimmt. Um dieser Kenntnisnahme ein wenig nachzuhelfen und vielleicht sogar den einen oder anderen zu verleiten, sich dazu zu äußern, ein paar Worte zu dem aktuell von mir gelesenen Buch.

„Komm, gehen wir“ von Arnold Stadler erwarb ich vergangenen Samstag im Prinz Eisenherz Buchladen, als ich die Golo-Mann-Biografie abholte und gerne noch einen Roman dazu erstehen wollte. Zwar blieb mein Blick bei der Suche nach einem geeigneten Objekt an dem Stadler hängen und die Idee von Rosemarie, Roland und Jim, die sich auf Capri verlieben, wo der Himmel so blau ist und die Sonne im Meer versinkt, klang nett, wie mir auch die Klappentextankündigung von drei Geschichten einer über Jahrzehnte andauernden Sehnsucht gefiel, ebenso wie das Versprechen eines Romans über die Würde und die Komik der Liebe. Ganz entschieden aber war ich nicht.

Mein Gespräch mit dem Buchhändler über Proust und was nach seiner Lektüre alles nicht mehr gelesen werden will, weil es so sehr abfällt dagegen, war vermutlich Schuld daran, dass ich, nachdem ich meine Unsicherheit bezüglich des Stadler-Buches erwähnte, des Buchhändlers Kaufempfehlung folgte. Zwar warnte er, es sei kein so schwules Buch, aber das störte mich nicht. Eher die Erwähnung, dass Stadler katholisch sei. Meine besorgte Frage, ob er so wie Winkler schreibe, wurde jedoch entschieden verneint, so dass ich mich schließlich zum Kauf entschied.

Und nun sitze ich hier mit dem Buch und leide. (weiterlesen…)

Die Freiheit zu lügen

22 Apr

Wenn sich Menschen, denen Freiheit gemeinhin als Versuchung und Selbstbestimmung als Teufelswerk gilt, in einer „Initiative für Freiheit und Selbstbestimmung“ sammeln, ist Vorsicht angesagt.

Wenn die Solidarität, die sie dabei einfordern, weitestgehend eine mit sich selbst ist, ebenso.

Wenn sie all das vor einem christlichen Hintergrund tun, ist es geboten, an das achte Gebot zu erinnern. Das nämlich wird mit jedem Paragraphen der Erklärung verletzt.

Einzig Hoffnung gibt zuletzt, dass vor der Berufsbezeichnung einer nicht geringen Anzahl von Unterzeichnern der Erklärung der Zusatz „ehem.“ zu lesen ist. So bleibt zu hoffen, dass sich das Problem schon bald zumindest teilweise auf natürlichem Weg lösen könnte.

Schlechte Laune am Vormittag

22 Apr

Woran ich mich mittlerweile gewöhnt habe ist, wenn einem von selbsternannten „Kritikern“ des „homosexuellen Lebensstils“ bescheinigt wird, eine „Schwuchtel“, ein „Arschficker“ oder einfach nur „pervers“ zu sein. Was mich dagegen auf die Palme bringen kann, ist die subtile „Kritik“ der stolzen Heteros, die natürlich nichts gegen Schwule haben, aber doch meinen sagen zu müssen, was endlich mal gesagt werden muss.

Adrian war heute früh schlecht gelaunt und hat seine vornehm kultivierte Zurückhaltung deshalb ausnahmsweise ad acta gelegt (Rechtschreibung nachträglich korrigiert): (weiterlesen…)

Die Unschuld der Huren

21 Apr

„Eigentümlich frei“, jenes sich als „libertär“ verkaufende Blättchen, darf man mittlerweile ruhigen Gewissens als rechtskonservative Schmierenpostille bezeichnen. In ihrem Kampf gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen des deutschen und internationalen Schwulentums hat sich ef seit jeher hervorgetan. Kein Wunder also, dass auch angesichts des Marburger Kongresses aus allen Rohren gefeuert wird, um die Welt darauf aufmerksam zu machen, dass der Schwule dabei ist, die Freiheit der ganzen Welt unter dem Mantel der Political Correctness zu ersticken.

Diese Mal bedient man sich dafür einer Pressemitteilung der Initiative „Für Freiheit und Selbstbestimmung“, einer mit so illustren Blättchen wie der „Jungen Freiheit“ und stramm Reaktionären wir Norbert Geis und Gabriele Kuby kungelnden Bewegung, bekannt dafür, es mit Redlichkeit, Humanität und Moral nicht allzu ernst zu nehmen.

Die Pressemitteilung beginnt von Seiten der ef mit den Worten: (weiterlesen…)

Dummheit kommt von innen

21 Apr

Böse Zungen behaupten, Schönheitswettberwerbe seien nichts anderes als eine Auszeichnung für grandiose Dummheit. Bei einer Kandidatin, Carrie Prejean (Miss California), trifft dies jedenfalls zu:

„We live in a land where you can choose same-sex marriage or opposite marriage,“ Prejean said. „And you know what, I think in my country, in my family, I think that I believe that a marriage should be between a man and a woman. No offense to anybody out there, but that’s how I was raised.“

Von noch beeindruckenderer negativer Intelligenz, gestaltete sich allerdings das Statement der Mutter von Miss New Mexico:

„In the Bible it says marriage is between Adam and Eve not Adam and Steve!“

Was natürlich Quatsch ist, denn Adam und Eva waren niemals verheiratet.

Arbeite mit, pflanze mit, zeuge mit!

21 Apr

Wirbt eine Partei mit dem Slogan „Arbeit, Umwelt, Familie“ kommt mir rein instinktiv das Frühstück wieder hoch. So auch bei der neuen Partei AUF (Arbeit, Umwelt, Familie – wie originell). Und siehe da: Der Brechreiz war berechtigt. Denn unter dem Stichwort „Familie“ finden wir folgendes Statement:

Ohne dass es für den größten Teil der Menschen in Deutschland  überhaupt wahrnehmbar ist, vollzieht sich mit der Durchführung der  „Genderisierung“ derzeit von den Kindergärten bis zu den  Verwaltungen unter dem Deckmantel einer angeblichen  „Gleichberechtigung“ etwas, das als kulturelle Revolution  bezeichnet werden muss. Organisationen und Personen, die Widerstand  gegen diesen Prozess der Aufgabe und Abschaffung der sexuellen Identität des Menschen leisten, werden diffamiert und ihr Anliegen  als „Homophobie“ betitelt.

Und wenn mir die Verantwortlichen und Fans dieses Ergusses jetzt noch erklären könnten, wie sie darauf kommen, dass das eine etwas mit dem anderen zu tun hat – ich vermute linksqueere Quellen -, dann werde ich noch in dieser Woche kein Bäumchen für die Umwelt pflanzen und kein Kind für Deutschland zeugen. Großes Homoehrenwort!

Ethik eines Ungläubigen

20 Apr

Nachdem uns Bischof Mixa zu Ostern bereits erklärt hat, dass jeder der nicht an Gott/Jesus glaubt, zwangsläufig zum Nazi oder Kommunist werden muss, hat nun auch der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb,  die These aufgestellt, dass die Welt ein besserer Ort wäre, wenn alle nur Gottes Regeln befolgen würden. Welche Regeln und welcher Gott denn nun genau gemeint seien, ließ Steeb relativ offen, die zehn Gebote  aber seien schon mal ein guter Anfang: (weiterlesen…)

Dürfen Schwule auf Männer stehen?

20 Apr

Der Gay Dissenter ist echt ein Frechdachs:

Ich bin schwul und stehe auf Männer mit allem drum und dran, nicht auf schwankende oder verdrehte Geschlechtsidentitäten.

Vorwärts, Genossen!

20 Apr

Die gute alte SPD hat an diesem Wochenende mit großem Brimborium ihren Wahlkampf eröffnet und ihr Wahlprogramm vorgestellt. Wahlveranstaltungen der SPD finde ich immer lustig, erinnern sie mich doch stets an folgenden DDR-Witz:

Honecker auf dem letzten Parteitag der SED: „Genossen, der Kapitalismus steht am Abgrund! Wir aber, sind schon einen Schritt weiter!“

Für die schwul-lesbische „Community“ haben sich die Sozen übrigens was Nettes ausgedacht, denn es  ist vorgesehen:

Eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften werden wir mit der Ehe gleichstellen.

Das ist wirklich fein, Genossen! Aber ob ihr es damit ins Kanzleramt schafft?

Von großen Schwänzen und männlicher Schönheit

19 Apr

Wann immer Adrian Zeit und Muße hat – und das geschieht noch relativ häufig, auch wenn er öfter so tut, als würde er in Arbeit versinken – geht er raus ins „Jrüne“, wie es der Berliner auf seine unnachahmlich treffende Weise zu sagen pflegt. Am Donnerstag war er im Berliner Tierpark, jenem oftmals unterschätzten östlichen Pendant des berühmten Zoos im Westen. Tiere kann ich gut leiden, und so weit ich das einschätzen kann, beruht das auch auf Gegenseitigkeit.

Das Faszinierende an den Viechern liegt u. a. in ihrer absoluten Schamlosigkeit was sexuelle Dinge angeht, einer Schamlosigkeit allerdings, von der es gut ist, dass sie die Menschheit nicht hat. (weiterlesen…)

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