Archiv | Mai, 2009

Warum es ganz schlimm ist, sich dem Gerücht auszusetzen als Schwuler abgestempelt werden zu können

24 Mai

„Mister Schweiz“ André Reithbuch hat es sich nicht nehmen lassen, der Einladung zum Züricher Europride zu folgen. Dummerweise war seine Marketingabteilung von diesem Vorhaben weniger angetan. Die Begründung klingt putzig:

Zu gross ist bei den Mister-Verantwortlichen die Angst, es könnte zu ähnlichen Spekulationen über Andrés sexuelle Vorlieben kommen, wie bei seinem Vorgänger Stephan Weiler. Dieser hat sich aktiv für die Akzeptanz von Homosexuellen eingesetzt . «Ich möchte André nicht etwas Ähnlichem aussetzen», sagt Urs Brülisauer von der Mister Schweiz Organisation und betont: «Das ist aber kein Entscheid, der sich gegen Schwule richten soll.»

Ähm, wem genau möchte Herr Brülisauer den Mister Schweiz nicht aussetzen? Dem Gerücht, er könne schwul sein? (weiterlesen…)

Evangelikale Postmoderne

24 Mai

Die Deutsche Evangelische Allianz (DEA) hat

erstmals ihre politischen Grundüberzeugungen im Zusammenhang veröffentlicht

und will damit

über die gesellschaftlichen Ziele der Bewegung informieren.

Die gesellschaftlichen Ziele der Bewegung würden bisher nicht immer sofort verstanden:

Manche aktuelle Kritik an den ‘Evangelikalen’ in den Medien, die einseitig einzelne Aspekte unseres gesellschaftlichen Engagements aus dem Zusammenhang reißen und damit falsch interpretieren,

so DEA-Generalsekretär Hartmut Steeb, der offenbar den Unterschied zwischen Singular und Plural noch nicht beherrscht,

erfordern eine umfassendere Stellungnahme dessen, was uns wichtig ist.

Was dann allerdings umfassend zum Thema Homosexualität erklärt wird,  läßt sich kaum anders als widersprüchlich interpretieren: (weiterlesen…)

„Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich“ (Luk. 18, 27)

23 Mai

Im Vertrauen auf diese Jahreslosung erteilten menschenfreundliche hauptamtliche Christen vorgestern Lebens- und Glaubenshilfe in Bremen:

Am Donnerstag gaben Theologen auf dem Kirchentag einen „Selbstverteidigungskurs gegen Fundamentalismus“. Dabei ging es vor allem um Rezepte für fruchtbare Diskussionen. Gerade Homosexualität sei ein Streitthema, das fast zu einer Kirchenspaltung geführt habe. Pastorin Hanne Köhler aus Flörsheim am Main empfahl: „Ich stelle Fragen wie: Warum fühlst du dich von Homosexuellen bedroht und begründest das mit der Bibel? Du isst doch auch Blutwurst, was laut Apostelgeschichte verboten ist.“ Es sei merkwürdig, das eine zu bekämpfen und mit dem anderen ein Problem zu haben.

Neben der Kenntnis einschlägiger Bibelstellen und ihrer historischen Einordnung lautet die Empfehlung, statt Vorwürfe zu machen, einzuladen zur Freiheit Gottes:

Christen sollten bei Diskussionen ein paar Bibelstellen parat haben. Auch Kenntnisse zum historischen Kontext seien hilfreich. Dem Gegenüber sollte man aber Barmherzigkeit und Verständnis zeigen: „Oft haben fundamentale Christen einfach Angst vor Sex, vor Gott, vor der eigenen Schuld“, sagte Pfarrer Christian Reiser aus Stuttgart: „Und wer Angst hat, braucht Orientierung.“ Wer kein offenes Ohr für kritische Bibelauslegung hat, der traue seinem eigenen Glauben an Gott nicht: „Denn wo Gottes Geist wirkt, da herrscht Freiheit!“ (weiterlesen…)

Warum Katholiken weniger über Homosexualität als über ihren Glauben sprechen sollten

23 Mai

Ich finde es absolut zerstörerisch, wie heute, wenn es um die katholische Kirche geht, praktisch nur noch über ein schmales Segment von einigen wenigen Fragen wie Priesterzölibat, Homosexualität, Kondome oder Hexenverfolgung gesprochen werden darf. Da machen wir Katholiken dann oft auch selber noch mit und blockieren uns so gegenseitig. Das ist dann bloss noch peinlich. Dabei übersehen wir alle diese Vakuum-Existenzen rund um uns herum, wo Menschen wirklich sehnsüchtig nach Spiritualität sind!

Meint der österreichische Zisterzienser-Pater Karl Wallner und mahnt:

Zentraleuropa sei derzeit der einzige „religionsresistente Raum“ weltweit, stellen Forscher fest. Wir hatten ja auch eine böse Vergangenheit: Seit der Aufklärung und Voltaire gibt es einen Kirchenkampf, der sich auf brutalste Weise geäussert hat – im Juden- und Christenhass der Nationalsozialisten, im Atheismus der Sowjetdiktaturen. Insofern ist diese Verschämtheit und Privatisierung angesichts der Religion verständlich.

Doch wir müssen uns jetzt davon verabschieden. Denn in der Zwischenzeit haben wir einen hohen Prozentsatz von Muslimen bei uns in Mitteleuropa, für die Religion etwas höchst Öffentliches ist. Mir erzählen Eltern, dass ihre Kinder, die daheim keine Zeichen von Religiosität setzen, in der Schule sehr wohl antworten müssen auf Fragen der Klassenkameraden, die wissen wollen: Wie ist es mit eurem Jesus?

Das Reden über den Glauben muss wieder ein öffentliches Thema werden. Sonst wird es vereinnahmt von politischen Parteien, die das Christliche instrumentalisieren, und es kann daraus Fremdenhass entstehen.

Linksevangelikal

23 Mai

In Bremen findet zur Zeit in harter Konkurrenz zu unserem heutigen Lesertreffen der Deutsche Evangelische Kirchentag statt. Informierte Zeitgenossen wissen: Das bringt durchaus die Anwesenheit von Evangelikalen mit sich, auch wenn diese mit dem „Gemeindetag unter dem Wort“ längst eine Parallelveranstaltung zu etablieren versuchen. Aus schwuler Sicht und auch aus der von Menschen, die sich im besten Sinne nicht für die sexuelle Orientierung ihrer Mitmenschen interessieren, ist da jedoch trotz, nein: wegen, evangelikaler Teilnahme auch eine gute Nachricht zu vermelden. Die Rede ist von Jim Wallis, dem Leiter der Kommunität Sojourners aus Washington (D.C.). Er erkärte am Donnerstag:

Die Politik allein kann die gegenwärtige weltweite Wirtschaftskrise nicht bewältigen.

Notwendig sei darüber hinaus eine soziale Bewegung, die geistliche Wurzeln benötige:

Weltweit hungerten die Menschen nach Spiritualität und sozialer Gerechtigkeit. Es stimme ihn hoffnungsvoll, dass sich in den USA derzeit nicht nur die Politik, sondern auch die Kirchen im Umbruch befänden. Jahrzehntelang seien sie eher amerikanisch als christlich gewesen, erklärte er. Bis in seine Studienzeit hinein habe es für weite Teile der evangelikalen Bewegung nur zwei Themen gegeben – Homosexualität und Abtreibung. Die weltweite Armut etwa habe kaum eine Rolle gespielt. Das wandle sich jetzt.“

Vermutlich sind Wallis’ Vorschläge zur Bekämpfung der Armut nicht identisch mit meinen Vorstellungen darüber, wie Armut zu bekämpfen ist. Eine Verständigung darüber in gegenseitigem Respekt dürfte mit Wallis jedoch weitaus leichter möglich sein, als mit dem evangelikalen Mainstream, der glaubt, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben.

Warum ich mit Ursula von der Leyen das christliche Abendland schätze

22 Mai

Religion sucks. Genauer: Christian religion sucks. Auf diese Kurzform könnte man zahlreiche Elaborate linker Journalisten bringen, mit denen diese ihre Umwelt bereichern wollen. Was den Islam angeht, ist man weniger kritisch, der wird gerne auch mal gefeiert und für Schwule als Möglichkeit angepriesen, ihrem unproduktiven Dasein doch noch einen Sinn abzugewinnen. Als Christ hat man es da schwerer bei den kritischen Journalisten, z. B. bei Telepolis. Eigentlich reicht es schon, einer zu sein, um ziemlich unter Verdacht zu stehen. Am Beispiel von Ursula von der Leyen geht das so: Man unterstelle ihr „religiöse Härte“. Man kritisiere die Verwendung eines von ihr verwendeten Begriffes. Ganz wichtig: Man stelle „Verbindungen“, die nicht von selbst ersichtlich sind, in den Raum – andere nennen das Verschwörungstheorie. Gegen von der Leyen funktioniert das folgendermaßen:

Keine Frage – sowohl für „Innocence in Danger“ als auch den Bundeswirtschaftsminister stellen die „Netzsperren gegen Kinderpornographie“ ein lohnendes Ziel dar, sind sie doch sowohl dafür geeignet, von den sonstigen wirtschaftlichen Problemen abzulenken, als auch weiterhin für eine gute Reputation von „Innocence in Danger“ zu sorgen.

Aktivitäten gegen Kinderpornographie zur Ablenkung von wirtschaftlichen Problemen? Glauben die das echt? Aber es wird noch besser. Bezüglich der Frage nach der „Heilbarkeit“ von Homesexualität wird konstatiert,

auch in Deutschland äußern sich [extern] Kirchenmitglieder weiterhin öffentlich dahingehend, dass Homosexualität heilbar ist.

Merkwürdig nur, dass der Link zu einem Linzer Bischof führt. Seit wann liegt Linz wieder in Deutschland? Hat man da bei Telepolis die geschichtliche Entwicklung verpasst? (weiterlesen…)

„Deutsche Polizisten schützen die Sexisten“

22 Mai

So die üblichen Verdächtigen unter den Demonstranten gegen den Kongress in Marburg. Demonstranten, von denen man wieder einmal den Eindruck bekommen muss, als gehe es ihnen nicht um das berechtigte Anliegen einer selbstbestimmten Liebe und Sexualität, sondern um Politik und das Aufmachen einer Front gegen alle antirevolutionären Elemente. Kindische Plakate wie „Smash Homophobia“ und aufblasbare Sexpuppen waren natürlich auch dabei, alles dazu angetan, der Mehrheitsgesellschaft erneut zu suggerieren, bei der Schwulenbewegung handelt es sich um eine Spätausgabe postpubertierender, verwöhnter Reihenhausschnösel, die demonstrieren, weil sie ansonsten nichts mit ihrem Leben anzufangen wissen. Und dass es die Aufgabe der Polizei ist, einen genehmigten Kongress zu schützen, haben diese clownesken Berufsprotestierer immer noch nicht verstanden.

Etwa 1000 Menschen zogen gestern mit Luftballons, Regenbogenfahnen und grellen Perücken durch die Marburger Innenstadt, um gegen den Kongress der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge zu protestieren. Im Vorfeld waren mehr als 40 christliche und private Häuser mit Parolen beschmiert worden.

Wie schön! Das wird unsere Gegner überzeugen, wie falsch sie liegen und sie erneut animieren, den nächsten Text über den Totalitarismus „der Schwulen“ noch schneller zu veröffentlichen als bisher geplant.

Buddhistisch bräsig

21 Mai

Der Buddhismus gilt im Westen ja allgemein als voll relaxte, total hippe Alternative zu den hier beheimateten herkömmlich spießigen Religonen. Fragt sich nur wieder einmal: Warum eigentlich?

Er sei empört über die Verweiblichung unter den Novizen, sie trügen Make-Up und enge Kutten, empörte sich der angesehene Mönch Phra Maha Wudhijaya Vajiramedhi im britischen Sender BBC. Handtaschen in pink, Parfum und geschminkte Augenbrauen seien in vielen Klöstern anzutreffen – gerade auf dem Land, wie eine Delegation kürzlich festgestellt haben will. Obwohl offiziell ein Zölibat herrscht, habe es unter den Mönchen auch immer wieder sexuelle Kontakte gegeben. (weiterlesen…)

Postmoderne gleichgeschlechtliche Begehrensforschung

21 Mai

Dr. Marc Oliver Thielen, Erziehungswissenschaftler aus Frankfurt, hat eine preisgekrönte Dissertation geschrieben, die sich mit „Migration, Männlichkeit und Sexualität in biografischen Erzählungen iranischer Männer in Deutschland“ befasst. Wohlwollend aufgenommen wurde an Thielens Arbeit u.a. der sprachliche Duktus und die kritische Reflektion des alltäglichen Sprachterrors, der dafür sorgen wird, dass sich durch die Dissertation garantiert niemand auf den Schlips getreten fühlen muss und dass sie auch noch in fünfzig Jahren garantiert niemand versteht:

Darüber hinaus gewinnt die Arbeit durch eine kritische Reflektion bestimmter Begrifflichkeiten. Hierzu gehören Definitionen wie „Sodomie“ und „Homosexualität“, für die respektvollere Begriffe wie z. B. „gleichgeschlechtliches Begehren“ gesetzt werden. Überdies spricht der Verfasser an keiner Stelle von „defizitären Sprachkenntnissen“ seiner Interviewpartner, sondern von „Sprachdifferenz“, was eine Voraussetzung nicht nur für eine vorurteilsfreie Forschung sondern auch für einen interkulturellen Zugang ist. Zur Reformierung der Wissenschaftssprache gehört auch, dass keine binäre Aufteilung zwischen „tolerantem Westen“ und „repressivem Orient“ entsteht und Migration als Befreiung, als Sicherung der Lebensentwürfe diskutiert wird.

Fragt sich bloß, warum Migration als Befreiung und Sicherung der Lebensentwürfe angesehen wird, wenn die binäre Aufteilung „toleranter Westen“, „repressiver Orient“ keinerlei Realitätsbezug hat.

Der Ekel vor der Liebe

20 Mai

Es scheint so, als versuche sich Gabriele Kuby als die homophobe Fundamentalistin der Bundesrepubik zu etablieren. Nun gut, soll sie. Auf diesen Kampf lasse ich es gerne ankommen. Erneut bekommt sie bei kath.net die Gelegenheit, ihren immergleichen Nonsens in die Tasten zu schmieren; so unwissend, so heuchlerisch, so larmoyant, so dumm.

Sexueller Totalitarismus“ ist das neueste Machwerk überschrieben, ein Titel der für Lacher sorgen müsste, wenn daran nicht ein Weltbild hängen würde, das an Verachtung für das edelste und beste Gefühle eines Menschen, kaum zu überbieten ist: Liebe. Denn machen wir uns nichts vor: Was die Kuby umtreibt, ist der Ekel vor der Liebe. Unserer Liebe. (weiterlesen…)

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