Der Gottesstaat in der Wüste

By Adrian

Nein, nein, dieses Mal reden wir weder vom Iran noch von Saudi-Arabien. Wir reden von Utah, auch „Mormonistan“ genannt. In der Jurisdiktion der Mormonen geht man nämlich äußerst rigide gegen alle vor, die nicht so leben wollen, wie die „Heiligen der Letzten Tage“ selbst:

Matt Aune und Derek Jones waren auf dem Weg von einem Konzert nach Hause, als sie händchenhaltend über die Main Street Plaza in Salt Lake City gingen. Diese breite Straße im Stadtzentrum ist im Eigentum der Mormonen, die dort Bürogebäude und ihren Tempel haben. Sie hat zwar das Wegerecht erlaubt, „ungebührliches Verhalten“ wie Rauchen oder das Tragen „unpassender Kleidung“ verboten.

Als Aune und Jones kurz stehenblieben, und einer den anderen auf die Wange küsste, kam sofort der Sicherheitsdienst der Mormonen. Die Mitarbeiter forderten die beiden auf, den Platz zu verlassen, da „öffentliche Zeichen von Zuneigung“ auf Kirchengrund verboten seien.

Als die beiden Männer sich verteidigten, Heteros seien über die Straße schon des öfteren küssend entlang spaziert, ja würden dort gar für Hochzeitsfotos posieren, wurde es der Religionspolizei zu bunt:

Sie stoßen Jones nieder und fesselten ihn – genauso wie seinen Partner – mit Handschellen. Beide erlitten dabei leichte Verletzungen. Die [echte] Polizei, die gleich darauf kam, bestrafte nicht die Gewaltanwendung, sondern nahm eine Anzeige gegen das schwule Paar wegen Besitzstörung an.

Was kann man dem mormonalem Wahn in einem solchen Fall entgegensetzen? Irgendwelche komischen Antidiskriminierungsrichtlinien zu erlassen ist meiner Meinung nach der falsche Weg, denn prinzipiell haben die Mormonen das Recht, auf ihrem Grundstücken gewisse Regeln aufzustellen. Nein, ihre moralische Verkommenheit kann man nur mit den eigenen Waffen schlagen. Schwulenverbände sollten einfach eine Sammelaktion starten, alle Grundstücke um das Mormonenviertel aufkaufen, und dort ihre eigenen Richtlinien erlassen, am Besten solche, welche die Mormonen in den Wahnsinn treiben.

Ach, wie dumm von mir, das würde ja gar nicht gehen. Wetten, dass in diesem Fall irgendwelche religiösen Gruppen, Aktionen gegen die Intoleranz der Schwulen starten und bedingungslos auf ihre religiösen Sonderrechte pochen würden? Und wetten, dass sich dieser Argumentation viele derjenigen anschließen werden, welche die Praxis der Mormonen vollkommen richtig finden?

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3 Antworten zu „Der Gottesstaat in der Wüste“

  1. Hans-Georg sagt:

    Vielleicht wäre es eine Idee, auf dem Platz ein schwules Treffen zu organisieren, während dessen sich alle umarmen und küssen.

  2. Adrian sagt:

    Das wurde schon gemacht:
    http://www.advocate.com/news_detail_ektid97881.asp

  3. Dagny sagt:

    Diese breite Straße im Stadtzentrum ist im Eigentum der Mormonen,…

    Auf seinem Eigentum muss niemand etwas dulden, was er nicht mag – auch wenn es noch so abstrus ist.

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