Archiv | Juli, 2009

Endlich: „Regenbogenfamilie“ offiziell anerkannt

21 Jul

Ja, so ist es. Allerdings nicht vom Staat – der hat gerade Wahlkampf und damit besseres zu tun – sondern vom Leitmedium deutscher Sprache und Rechtschreibung, und dem Folterinstrument für jedes Schulkind: gemeint ist natürlich der Duden.

Die Duden-Redaktion zeigt sich geschlechtersensibel. Die „Regenbogenfamilie“ mit einem gleichgeschlechtlichen Elternpaar ist jetzt orthografisch anerkannt. Etliche Wörter, die bislang nur in der männlichen Form auftauchten, finden sich nun auch in der weiblichen: Neu aufgenommen wurden etwa die „Angsthäsin“ und die „IT-Fachfrau“ – „IT“ steht für Informationstechnik. Die Computerspezialistin ist nicht zu verwechseln mit dem „It-Girl“ – laut Duden eine „(junge) Frau, die durch starke Medienpräsenz, vor allem in Gesellschaft von Prominenten, einer breiten Öffentlichkeit bekannt ist“. Mit dem englischen „It“ ist das „gewisse Etwas“ gemeint. Andere neue Tätigkeitsbezeichnungen wurden gleich in beiden Formen aufgenommen: „Dopingarzt“ und „Dopingärztin“.

Zwischen Beirut und Istanbul

20 Jul

Ein ziemlich interessantes Interview der „Jungle World“ mit Ali Erol, von der Schwulen- und Lesbenorga­nisation Kaos GL aus Ankara, Türkei, und ­Joelle, von der Gruppe Meem, einer Organisation „nicht-heterosexueller“ Frauen aus Beirut, Libanon:

Wir sind keine Opfer. Mit der Frage der Sichtbarkeit müssen wir allerdings vorsichtig umgehen. Denn sichtbar zu sein, bedeutet auch, verletzlich zu sein. Wir müssen uns zuerst in unseren Strukturen stärken und dafür sorgen, dass wir uns schützen können. Was den CSD angeht und die Frage, ob er mehr eine Party oder eine politische Demonstration ist, kann ich nur sagen: Wenn wir einen hätten, wäre er politischer. Wir dürfen nicht dieselben Stereotypen verbreiten, die in der heterosexuellen Mehrheitsgesellschaft gelten, wonach Homosexuelle immer mit Sex und Exzess in Verbindung gebracht werden. Und um ­Toleranz im Sinne von »geduldet werden« soll es beim CSD nicht gehen.

Scharfe Schützen

20 Jul

Es ist wirklich unfassbar! Wieso gab es so was während meiner Armeezeit nicht?

Ein Video, auf dem sich zwei uniformierte Soldaten einen blasen, sorgt für Aufregung in Taiwan.

Ein regionaler Kabel-TV-Sender hatte das Video ausgestrahlt. Darin waren zwei Männer in Militäruniform beim Oralsex zu sehen, während rund 40 andere Soldaten um sie herumstanden und sich amüsierten. Alles deutet darauf hin, dass das Video echt sowie während der Dienstzeit entstanden ist.

Skandal, Skandal! Soldaten, die ihre Schusswaffen für friedliche Zwecke missbrauchen. Darf man das? Nein, finden nicht wenige taiwanesische Politiker:

„Es ist nicht tolerierbar, dass sich die militärische Disziplin soweit verschlechtern konnte, schimpfte der Abgeordnete Yeh Yi-jin. „Das Budget des Verteidigungsministeriums ist keinen einzigen Cent wert.“

Au contraire, Monsieur Yi-jin. Nichts bringt eine Armee mehr auf Toren als ein wenig entspannter Sex. An den Soldaten in Taiwan sollten sich unsere Jungs bei der Bundeswehr mal ein Beispiel nehmen.

Wenn Masturbation mit dem Küchenmesser bestraft wird

19 Jul

Rafael Ferrara war wohl schlecht gelaunt, als er von der Arbeit nach Hause kam. Jedenfalls war der Anblick seiner Freundin, die er bei einer höchst verfänglichen Tätigkeit antraf, zu viel für ihn.

Und deshalb hat er sie mit dem Küchenmesser niedergestochen. Das passiert schon mal, wenn Männer schlecht gelaunt nach einem harten Arbeitstag nach Hause kommen und die Freundin dabei erwischen, wie sie sich bei der Masturbation vergnügt. Dann wird sie halt niedergestochen…

Merkwürdige Sache, die sich da in Wisconsin abgespielt hat. Und noch merkwürdiger, mit welcher Nonchalance das Onlinemagazin 20min.ch darüber berichtet. Aber die Erklärung ist einfach, denn in Wirklichkeit waren die Geschlechter vertauscht; es war also eine Frau, die ihren Freund niedergestochen hat.

Und deshalb steht das auch unter der Rubrik „Unterhaltung“. Umgekehrt wäre es natürlich das, was es auch in diesem Fall hätte sein müssen: ein Verbrechen.

„Nichts gegen Homos“ – außer dies, das… und, ach ja, das auch noch

18 Jul

Über Thommen – mit dem ich mir über die Kommentarfunktion ab und an kleine, harmlose Scharmützel liefere – bin ich auf einige wunderbare Sätze gestoßen, die der Unternehmensberater Stöhlker auf seinem Blog verfasst hat:

Man könnte meinen, die Zukunft der Welt hinge von den Schwulen und Lesben ab. Sie setzen rund um den Globus die Regierungen unter Druck, auch Barack Hussein Obama, indem sie mit einer perfekten Lobby immer mehr Rechte einfordern.

Ist das nicht allerliebst? (weiterlesen…)

Aufrechte Frauen und gigantische Dummheiten

18 Jul

Nicht nur in Kiew, auch in Litauen scheint man sich nach gewissen Praktiken aus der Zeit als Sozialistische Sowjetrepublik zurückzusehnen. Wie sonst ist es zu erklären, dass das Parlament jüngst ein Gesetz verabschiedet hat, welches die „positive Information“ über Homosexualität – das heißt sämtliche Informationen, die nicht davon ausgehen, dass Schwule der letzte Dreck sind -, unter Strafe stellt?

Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite jedenfalls findet die Entschlossenheit, diesen Skandal auch als solchen zu bezeichnen:

Das Gesetz sei ein „gigantischer Fehler“ des Parlaments (Seimas) in Vilnius, sagte Grybauskaite im Rahmen ihrer ersten Auslandsreise als Staatspräsidentin in Schweden.

Sie wolle alle ihre Befugnisse einsetzen, um die Auswirkungen des Gesetzes gering zu halten. „Das erinnert mich an die Sowjetunion. Ich werde alles in meiner Macht als Präsidentin tun, um die Menschenrechte zu schützen“, so Grybauskaite bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Stockholm.

Religion – Der kleine, große Unterschied

17 Jul

Wenn ein Staat schon der Meinung ist, er müsste das Geschäftsgebaren seiner Bürger überwachen, und die Vertragsfreiheit durch solche Dinge wie Antidiskriminierungsgesetze aushebeln, dann soll das doch bitte schön für alle gelten. Tut es aber nicht. Denn so ist es zwar Restaurantbesitzern verboten, Schwule und Lesben wegen ihrer sexuellen Orientierung die Einstellung zu verweigern, Organisationen aber, die sich auf ihre christliche Grundhaltung berufen, dagegen nicht. Das ist übrigens nicht nur in Deutschland so, sondern auch in unserem Nachbarland, den Niederlanden: (weiterlesen…)

Theoretische Sexpraktiken

17 Jul

Das ich das falsche studiere, war mir schon immer klar. Bis heute war mir aber nicht klar, wie falsch. Wo es doch so tolle Alternativen gibt:

Der Titel des neuen Studiengangs an der Fachhochschule Merseburg klingt auch sehr verlockend: Angewandte Sexualwissenschaft. Wer möchte das nicht lernen? Noch dazu, wenn man am Ende sogar ein offizielles Zeugnis und einen akademischen Grad dafür bekommt. [...]

Der Lehrplan liefert ein aufklärerisches Rundum-Paket: Biologie, Psychologie, Soziologie. Die Studenten behandeln außerdem politische und rechtliche Fragen der Sexualität. «Ehen homosexueller Paare oder auch Sex im Alter sind gesellschaftlich längst noch nicht akzeptiert», sagt Stumpe. Seine Studenten lernen, Themen auf behutsame Weise anzusprechen. Die richtige Beratung, wenn es «im Bett einmal nicht rund läuft» oder wenn es zu rund läuft, bei ungewollter Schwangerschaft. Nach sechs Semestern schließt das Studium der Angewandten Sexualwissenschaft mit dem Master of Arts ab.

Ich glaube ein Studienfach das interessanter, spannender und einfacher ist als das, gibt es nicht. Vielleicht fange ich noch mal von vorne an.

Breaking News: Homos sind jetzt eine Rasse

16 Jul

Nicht nur die Antipathie gegen eine ganz spezielle Religion, auch Homophobie sollte irgendwie als Rassismus deklariert und entsprechend bestraft werden. Zumindest, wenn man den Gedanken zweier Schweizer Homo-Organisationen folgen mag:

«29 Klagen wurden beim Unterwalliser Untersuchungsrichter deponiert», erklärte am Mittwoch Jean-Paul Guisan, Westschweiz-Sekretär der Schwulenorganisation Pink Cross, vor den Medien in Sitten. Damit will sich die homosexuelle Gemeinschaft gegen weitere Attacken schützen. (weiterlesen…)

Kein Brüno für Kiew

16 Jul

Seit der politischen Wende Anfang der neunziger Jahre tobt innerhalb der Bevölkerung der Ukraine ein Streit zwischen Westlern und der autoritären prorussichen Fraktion, wohin sich das Land politisch und gesellschaftlich bewegen soll. Dabei haben die Antiwestler offenbar einen kleinen Vorsprung für sich herausgeholt. Und nutzen ihn auch gleich für eine ganz spezielle Erziehungsmaßnahme:

In der Ukraine darf der Kinohit „Brüno“ des britischen Komikers Sacha Baron Cohen wegen anstößiger Szenen nicht gezeigt und nicht verkauft werden.

Der Film um den schwulen österreichischen Modereporter Brüno könne die „öffentliche Moral der Bevölkerung verletzen“, begründete Vizekulturminister Timofej Kochan nach Angaben der Agentur Interfax die Entscheidung der Filmkommission.

Vor allem die vulgäre Sprache, homosexuelle Szenen und die Darstellung von Sadismus und asozialem Verhalten hätten zu dem Verbot geführt. Die in die EU strebende Ukraine hatte 2006 auch Cohens Satire um den kasachischen Reporter „Borat“ verboten.

Offenbar gibt es in der Ukraine nicht wenige, die dem Projekt „Sozialismus“ immer noch hinterhertrauern. Denn dass zu Zeiten der UdSSR ein Film wie „Brüno“ ebenfalls nicht hätte gezeigt werden dürfen, ist ebenso sicher, wie die Menschenschlangen vor den Lebensmittelgeschäften im sozialistischen Kiew.

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