Also, das ist lustig:
Ein heterosexuelles Paar aus Italien hat einen Reiseanbieter auf ein Schmerzensgeld in Höhe von 3.000 Euro verklagt, weil dieser die Eheleute auf ein schwules Kreuzfahrtschiff schickte. [...]
Der Anwalt des Paares fordert nun Schadensersatz: “Hier geht es nicht um Diskriminierung, sondern um die Tatsache, dass meine Klienten wegen eines Missverständnisses ihre Reise nicht genossen haben. Daher müssen sie entschädigt werden”, so Antonio Francesconi nach Angaben der Agentur APA. “Meine Mandanten wurden so in Verlegenheit gebracht, auch weil sie einige Passagiere kannten und keine Ahnung hatten, dass sie schwul sind. Das war dann allen peinlich.”
Ehrlich gesagt, ich kann das Paar verstehen. Wenn man mich versehentlich auf eine Homokreuzfahrt schicken würde, wäre ich wohl nach spätestens drei Tagen über Bord gesprungen um anschließend ebenfalls zu klagen – schon allein wegen der Aussicht auf Kohle. Eine Kreuzfahrt nur für Schwule, das ist nun mal ein ganz besonderes Marktsegment, das nun wirklich nicht jedermanns Geschmack ist. Es entzieht sich den Gepflogenheiten üblicher Kreuzfahrten, bei dem die Passagiere von gemischter sexueller Orientierung, und damit eher ein Abbild der Gesellschaft sind.
Tags:Heteronormativität, Heterosexualität und andere Probleme, Homonormativität, Humor ist wenn man trotzdem lacht, Italien

was es nicht alles gibt…
Ich hab mich durchaus “allein unter Heten” auch schon unwohl gefühlt. Aber dass das Schadenersatz rechtfertigen könnte, glaub ich denn doch nicht. Also auch nicht umgekehrt. Ein mit dem Unfug befasstes Gericht würde sich ganz einfach fragen müssen, ob es einem schwulen Paar auf einer Kreuzfahrt von Heteros Schadenersatz zuspräche. Wenn nein – dann hier auch nicht. Im Übrigen bin ich bei dem einen oder anderen netten Mann auch peinlich berührt, dass er nicht schwul ist, ohne dass das für ihn oder für mich entschädigungsrelevant wäre.
“ob es einem schwulen Paar auf einer Kreuzfahrt von Heteros Schadenersatz zuspräche.”
Natürlich wäre Schadensersatz hier unangebracht, denn man kann als schwules Paar wohl kaum erwarten, auf einer Kreuzfahrt nicht auf Heteros zu treffen. Das wäre ein hochgradig alberner Anspruch.
Der Unterschied ist doch recht eindeutig: Es gibt Kreuzfahrten und es gibt Kreuzfahrten, die sich speziell an Schwule richten. Sowohl als Hetero als auch Schwuler würde ich, wenn ich eine Kreuzfahrt buche, erwarten, dass auf dem Schiff eben nicht nur Schwule verkehren, sondern eine gesellschaftlich repräsentative Mischung. Und in der bilden Heteros nun mal die Mehrheit. Das ist doch ganz logisch, das sagt einem doch die Alltagserfahrung.
Den Einwand hab ich erwartet. Er geht aber davon aus, dass Homosexualität irgendwie unnormal und es deshalb nicht nur unerwartet, sondern gar eine Zumutung sei, mal drei Tage als Hetero in der Minderheit zu sein. Für Schwule und Lesben ist dieses Minderheitserlebnis der Alltag. Für Juden oder Schwarze in Europa auch. Für einen heterosexuellen weißen Christen kann es eine durchaus interessante Erfahrung sein, das mal kurze Zeit auch zu erleben. Anders gefragt: Wie wäre das öffentliche Echo, wenn ein Weißer sich darüber beschwerte, drei Tage allein unter Schwarzen zu sein (ich kenne einen früheren Mitschüler, der seine ganze Schulzeit als Schwarzer allein unter Weißen war) – da wäre schnell von Rassismus die Rede. Oder was hielte man von jemandem, der sich beklagte, es drei Tage lang als einziger Goy unter lauter Juden aushalten zu müssen? Ich könnt es jedenfalls ertragen, drei Tage lang der einzige Nichtjude, Nichtschwarze oder Nichthetero an Bord zu sein. Und so viel Anstand erwarte ich auch von diesem Ehepaar.
Ich verstehe Deine Einwände. Gebe aber zu bedenken, dass eine Kreuzfahrt kein Erziehungscamp für Heteros oder überhaupt irgendjemanden ist.
Ich könnte es übrigens auch ertragen, in dem Bewusstsein meinen Urlaub zu verbringen, der einzige Homo an Bord zu sein. Aber das ist nicht das, was ich von einer Standard-Kreuzfahrt erwarten würde. Ich würde mir schon ein wenig verarscht vorkommen.
unter welchen bedingungen würde ich über bord springen . . .
auf ner kreuzfahrt mit ravern, rentnern und mit typen wie mir