Warum Menschen gegen die Homo-Ehe sind – und was dazu zu sagen ist

By Adrian

Angesichts der Proteste in Österreich gegen den Entwurf eines Partnerschaftsgesetzes für gleichgeschlechtliche Paare – Proteste übrigens von Homosexuellen, denen ein solches Gesetz nicht weit genug geht -, stellt die Zeitung „Die Presse“ durch den Mund eines Protestierenden die Frage: „Wovor fürchtet ihr euch?

Gemeint sind damit natürlich jene Heteros, welche die Gleichstellung homo- und heterosexueller Paare ablehnen. Die Frage ist durchaus interessant, denn obwohl ich mich schon mehrere Jahre zwangsläufig mit dieser Frage beschäftigen muss, fehlt mir bis heute eine schlüssige Antwort. Fragt man oppositionelle Heten, kommt immer wieder der gleiche Wust von Erklärungen aus ihrem Mund, die sich grob in die folgenden Kategorien einteilen lassen:

1.) „Ich kann Homos nicht ausstehen“

Diese Begründung macht immer noch am meisten Sinn, denn es ist völlig logisch, dass man denjenigen Menschenen, die man auf Teufel komm raus nicht ausstehen kann, auch eine Gleichstellung verweigern will.

2.) „Die Ehe dient der Fortpflanzung und darf demnach nur Mann und Frau (gemeinsam) offenstehen“

Dieses Argument ist das Dümmste, weil Ehe und Fortpflanzung nichts miteinander zu tun haben. Diejenigen die meinen, es hätte was miteinander zu tun, haben offenbar im Biologieunterricht geschlafen.

3.) „Die Ehe ist traditionell die Verbindung zwischen Mann und Frau“

Obgleich diese Begründung nicht zur Dümmsten gehört, ist sie doch überaus merkwürdig. Denn inwiefern sind Traditionen denn bitte schön relevant? Man muss sich wohl nicht ausmalen wie unsere Welt aussehen würde, hätte die Menschheit sich brav an alle überlieferten Traditionen gehalten.

4.) „Homosexualität, und damit auch die Ehe zwischen Menschen gleichen Geschlechts, ist gegen den Willen Gottes“

Das ist die Trumpfkarte die man schwerlich widerlegen kann, weil Gott nun mal nicht widerlegbar ist und Glaubensbekenntnisse an sich eine starke Überzeugungskraft haben. Dennoch lässt sich dieses Bekenntnis folgendermaßen kontern:

a) die atheistische Sicht: Es gibt keinen Gott, also ist das Argument ohnehin irrelevant

b) die theologische Sicht: Das Argument zeugt von geringem Wissen der Religionsgeschichte, der heiligen Schrift, bzw. der (inner)religiösen Debatten überhaupt. Denn die Meinung, dass Homosexualität gegen den Willen Gottes ist, ist bei weitem nicht die alleinige Sichtweise innerhalb der Religionsgemeinschaften.

c) die liberale Sicht: Selbst wenn man glaubt, Homosexualität sei gegen den Willen Gottes, ergibt sich daraus nicht das Recht, diesen Glauben in staatliches Gesetz zu gießen

d) meine persönliche Sicht (1): Woher will man wissen, dass Gott gegen Homosexualität ist? Wenn dem so ist, dann soll Gott dies gefälligst persönlich verkünden und sich nicht fehlbaren Menschen oder Büchern als Sprachrohre bedienen.

(2): Selbst wenn Gott persönlich verkünden sollte, Homosexualität sei gegen seinen Willen, stellt sich die Frage, auf welcher Grundlage sich Gott überhaupt erdreistet, das Leben von Menschen zu reglementieren. Nur weil Gott nun mal Gott ist? Das ist keine gute Diskussionsgrundlage, sondern hat etwas autoritäres. Ein Gott, der Liebe bestraft, ist keine gute Vaterfigur, und hat es nicht verdient, ein Vorbild für irgendjemanden zu sein.

Summa summarum lassen sich sämtliche Einwände gegen die Eheöffnung also recht gut kontern. Persönlich glaube ich allerdings, dass alle Argumente gegen das Eherecht gleichgeschlechtlicher Paare sich im Kern auf Argument Nummer 1.) zurückführen lassen, denn  im Kern steckt dahinter doch immer die Weltsicht, dass das Leben und die Liebe homosexueller Menschen gegenüber denen von Heteros minderwertig ist.

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7 Antworten zu „Warum Menschen gegen die Homo-Ehe sind – und was dazu zu sagen ist“

  1. Blub sagt:

    Meinst Du Einwand 2) ist der dümmste, weil Deine Gegenargumente da am schlechtesten sind???

    Gut, ich hab Deinen verlinkten Artikel auch gelesen, aber das Argument zieht einfach nur halb. Man fördert als Fördergeber immer in der Hoffnung, dass dadurch Leute zur richtigen Tat mit Gewinn animiert werden. Man lenkt zu einer Situation, wo der Output maximal wird. Ob sie es dann im konkreten Fall tun, ist eine andere Frage. Wenn man es zu genau erfasst, und nur an fruchtbaren Tagen etwas ausspukt und Extrapunkte pro gezeugten Kind usw…., gerät man in eine kontraproduktive Bürokratiespirale. Das geht nicht! Der ergebnisorientierte Teil der Förderung sind dann Steuerfreibeträge und Kindergeld.

    Der beste Konter ist vermutlich, dass Familie da ist, wo Kinder sind und dass Förderinstrumente für die Familie sich daran orientieren sollten. Wichtig ist auch, dass der Lebensentwurf der Heteros nicht mehr zu dem klassischen Familienmodell passt und die Förderung gerade auch deswegen scheitert, mehr Kinder zu produzieren, weil sie gerade auch bei Heteros falsch ansetzt. Wirtschaftlich gesehen finde ich es auch unsinnig, hier Schwule nicht in die Pflicht zu nehmen und ihnen bessere Chancen zu geben, Kinder zu erziehen/haben. Somit schwindet dann auch der Unterschied, der eine Ungleichbehandlung legitimiert.

  2. Adrian sagt:

    „Meinst Du Einwand 2) ist der dümmste, weil Deine Gegenargumente da am schlechtesten sind???“

    Nein, ich meine, der Einwand ist der dümmste, weil er der dümmste ist.

    „Man lenkt zu einer Situation, wo der Output maximal wird.“

    Dann müsste man die Existenz von Kinder fördern, und nicht die Hoffnung auf fruchtbaren Sex belohnen.

    Im Übrigen habe ich mich auf das Argument bezogen: „Die Ehe dient der Fortpflanzung“. Denn das ist einfach Quatsch. Ehe und Fortpflanzung haben ebensowenig etwas miteinander zu tun, wie Ehe und Familie. Sie mögen korrelieren sind aber nicht deckungsgleich. Deshalb steht ja auch zwischen den jeweiligen Worten ein „und“.

    „Der beste Konter ist vermutlich, dass Familie da ist, wo Kinder sind“

    Es ging mir aber nicht um Familie, sondern um die Ehe.

  3. Nobody sagt:

    @ Blub

    Würde das Argument 2) gelten, so folgt aus der Konsequenz, dass Ehen auch zwischen Männern und Frauen nicht geschlossen werden dürfen, wenn einer der beiden Partner nicht zeugungsfähig ist.

    Reproduktionsmedizin als Gegenargument zieht nicht, weil damit auch schwule und lesbische Paare Kinder bekommen können.

    Der Standesbeamte weiß nun nicht, ob das Paar vor ihm nun so ein medizinisches Problem hat. Bei fortschreitenden Alter der Frau wird eine nicht mehr vorhandene Fortpflanzungfähigkeit aber offensichtlich.

    Wenn Argument 2) zur Begründung herangezogen wird muss aus den gleichen Gründen eine Eheschließung für Frauen nach der Menopause ausgeschlossen werden.

    Und wenn 2) als Begründung herangezogen wird, was machen wir dann bei Wegfall dieses Grundes? Wird die Ehe dann automatisch geschieden, wenn die Kinder aus dem Haus sind? Schließlich kommt auch dieses Ehepaar in den Genuß aller Vorteile, die du argumentativ für die Kindererziehung gewähren willst.

    Wenn das durchdenkst, merkst du sehr schnell, dass das vielleicht nicht der dümmste Grund ist, dass sich die daraus ergebenden Konsequenzen zu einer unakzeptabelen Regelung führen würden.

    So, gebt Hereitsfreiheit, Sire.

  4. Thommen sagt:

    Die Einwände gegen eine „Homo-Ehe“ können selbstredend auch gegen eine „hetero“ Ehe vorgebracht werden. Denn für die Fortpflanzung braucht es sie nicht!

    Doch sei vor Naivität gewarnt: Heterosexuelle Verhältnisse ergeben auch heterosexuelle Lebensprobleme für Homosexuelle! zB Gewalt in Beziehungen, häusliche Gewalt, etc.! (Sie rollen schon an!)

  5. Adrian sagt:

    Dass diese „heterosexuellen Probleme“ und „Verhältnisse“ mit der sexuellen Orientierung nichts zu tun haben, auf die Idee bist Du vermutlich noch nie gekommen, oder?

  6. Patrick sagt:

    Zum Traditionsargument: „Es gehört zur Tradition, dass sich Traditionen ändern“

  7. Thomas sagt:

    Wenn man gegen die gleichgeschlechtliche Ehe ist, soll man halt niemand des gleichen Geschlechts heiraten.

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