Warum Menschen gegen die Homo-Ehe sind – und was dazu zu sagen ist

16 Nov

Angesichts der Proteste in Österreich gegen den Entwurf eines Partnerschaftsgesetzes für gleichgeschlechtliche Paare – Proteste übrigens von Homosexuellen, denen ein solches Gesetz nicht weit genug geht -, stellt die Zeitung “Die Presse” durch den Mund eines Protestierenden die Frage: “Wovor fürchtet ihr euch?

Gemeint sind damit natürlich jene Heteros, welche die Gleichstellung homo- und heterosexueller Paare ablehnen. Die Frage ist durchaus interessant, denn obwohl ich mich schon mehrere Jahre zwangsläufig mit dieser Frage beschäftigen muss, fehlt mir bis heute eine schlüssige Antwort. Fragt man oppositionelle Heten, kommt immer wieder der gleiche Wust von Erklärungen aus ihrem Mund, die sich grob in die folgenden Kategorien einteilen lassen:

1.) “Ich kann Homos nicht ausstehen”

Diese Begründung macht immer noch am meisten Sinn, denn es ist völlig logisch, dass man denjenigen Menschen, die man auf Teufel komm raus nicht ausstehen kann, auch eine Gleichstellung verweigern will.

2.) “Die Ehe dient der Fortpflanzung und darf demnach nur Mann und Frau (gemeinsam) offenstehen”

Dieses Argument ist das Dümmste, weil Ehe und Fortpflanzung nichts miteinander zu tun haben. Diejenigen die meinen, es hätte was miteinander zu tun, haben offenbar im Biologieunterricht geschlafen.

3.) “Die Ehe ist traditionell die Verbindung zwischen Mann und Frau”

Obgleich diese Begründung nicht zur Dümmsten gehört, ist sie doch überaus merkwürdig. Denn inwiefern sind Traditionen denn bitte schön relevant? Man muss sich wohl nicht ausmalen wie unsere Welt aussehen würde, hätte die Menschheit sich brav an alle überlieferten Traditionen gehalten.

4.) “Homosexualität, und damit auch die Ehe zwischen Menschen gleichen Geschlechts, ist gegen den Willen Gottes”

Das ist die Trumpfkarte die man schwerlich widerlegen kann, weil Gott nun mal nicht widerlegbar ist und Glaubensbekenntnisse an sich eine starke Überzeugungskraft haben. Dennoch lässt sich dieses Bekenntnis folgendermaßen kontern:

a) die atheistische Sicht: Es gibt keinen Gott, also ist das Argument ohnehin irrelevant

b) die theologische Sicht: Das Argument zeugt von geringem Wissen der Religionsgeschichte, der heiligen Schrift, bzw. der (inner)religiösen Debatten überhaupt. Denn die Meinung, dass Homosexualität gegen den Willen Gottes ist, ist bei weitem nicht die alleinige Sichtweise innerhalb der Religionsgemeinschaften.

c) die liberale Sicht: Selbst wenn man glaubt, Homosexualität sei gegen den Willen Gottes, ergibt sich daraus nicht das Recht, diesen Glauben in staatliches Gesetz zu gießen

d) meine persönliche Sicht (1): Woher will man wissen, dass Gott gegen Homosexualität ist? Wenn dem so ist, dann soll Gott dies gefälligst persönlich verkünden und sich nicht fehlbaren Menschen oder Büchern als Sprachrohre bedienen.

(2): Selbst wenn Gott persönlich verkünden sollte, Homosexualität sei gegen seinen Willen, stellt sich die Frage, auf welcher Grundlage sich Gott überhaupt erdreistet, das Leben von Menschen zu reglementieren. Nur weil Gott nun mal Gott ist? Das ist keine gute Diskussionsgrundlage, sondern hat etwas autoritäres. Ein Gott, der Liebe bestraft, ist keine gute Vaterfigur, und hat es nicht verdient, ein Vorbild für irgendjemanden zu sein.

Summa summarum lassen sich sämtliche Einwände gegen die Eheöffnung also recht gut kontern. Persönlich glaube ich allerdings, dass alle Argumente gegen das Eherecht gleichgeschlechtlicher Paare sich im Kern auf Argument Nummer 1.) zurückführen lassen, denn  im Kern steckt dahinter doch immer die Weltsicht, dass das Leben und die Liebe homosexueller Menschen gegenüber denen von Heteros minderwertig ist.

8 Antworten to “Warum Menschen gegen die Homo-Ehe sind – und was dazu zu sagen ist”

  1. Blub 16. November 2009 at 21:43 #

    Meinst Du Einwand 2) ist der dümmste, weil Deine Gegenargumente da am schlechtesten sind???

    Gut, ich hab Deinen verlinkten Artikel auch gelesen, aber das Argument zieht einfach nur halb. Man fördert als Fördergeber immer in der Hoffnung, dass dadurch Leute zur richtigen Tat mit Gewinn animiert werden. Man lenkt zu einer Situation, wo der Output maximal wird. Ob sie es dann im konkreten Fall tun, ist eine andere Frage. Wenn man es zu genau erfasst, und nur an fruchtbaren Tagen etwas ausspukt und Extrapunkte pro gezeugten Kind usw…., gerät man in eine kontraproduktive Bürokratiespirale. Das geht nicht! Der ergebnisorientierte Teil der Förderung sind dann Steuerfreibeträge und Kindergeld.

    Der beste Konter ist vermutlich, dass Familie da ist, wo Kinder sind und dass Förderinstrumente für die Familie sich daran orientieren sollten. Wichtig ist auch, dass der Lebensentwurf der Heteros nicht mehr zu dem klassischen Familienmodell passt und die Förderung gerade auch deswegen scheitert, mehr Kinder zu produzieren, weil sie gerade auch bei Heteros falsch ansetzt. Wirtschaftlich gesehen finde ich es auch unsinnig, hier Schwule nicht in die Pflicht zu nehmen und ihnen bessere Chancen zu geben, Kinder zu erziehen/haben. Somit schwindet dann auch der Unterschied, der eine Ungleichbehandlung legitimiert.

  2. Adrian 16. November 2009 at 22:37 #

    “Meinst Du Einwand 2) ist der dümmste, weil Deine Gegenargumente da am schlechtesten sind???”

    Nein, ich meine, der Einwand ist der dümmste, weil er der dümmste ist.

    “Man lenkt zu einer Situation, wo der Output maximal wird.”

    Dann müsste man die Existenz von Kinder fördern, und nicht die Hoffnung auf fruchtbaren Sex belohnen.

    Im Übrigen habe ich mich auf das Argument bezogen: “Die Ehe dient der Fortpflanzung”. Denn das ist einfach Quatsch. Ehe und Fortpflanzung haben ebensowenig etwas miteinander zu tun, wie Ehe und Familie. Sie mögen korrelieren sind aber nicht deckungsgleich. Deshalb steht ja auch zwischen den jeweiligen Worten ein “und”.

    “Der beste Konter ist vermutlich, dass Familie da ist, wo Kinder sind”

    Es ging mir aber nicht um Familie, sondern um die Ehe.

  3. Nobody 17. November 2009 at 05:42 #

    @ Blub

    Würde das Argument 2) gelten, so folgt aus der Konsequenz, dass Ehen auch zwischen Männern und Frauen nicht geschlossen werden dürfen, wenn einer der beiden Partner nicht zeugungsfähig ist.

    Reproduktionsmedizin als Gegenargument zieht nicht, weil damit auch schwule und lesbische Paare Kinder bekommen können.

    Der Standesbeamte weiß nun nicht, ob das Paar vor ihm nun so ein medizinisches Problem hat. Bei fortschreitenden Alter der Frau wird eine nicht mehr vorhandene Fortpflanzungfähigkeit aber offensichtlich.

    Wenn Argument 2) zur Begründung herangezogen wird muss aus den gleichen Gründen eine Eheschließung für Frauen nach der Menopause ausgeschlossen werden.

    Und wenn 2) als Begründung herangezogen wird, was machen wir dann bei Wegfall dieses Grundes? Wird die Ehe dann automatisch geschieden, wenn die Kinder aus dem Haus sind? Schließlich kommt auch dieses Ehepaar in den Genuß aller Vorteile, die du argumentativ für die Kindererziehung gewähren willst.

    Wenn das durchdenkst, merkst du sehr schnell, dass das vielleicht nicht der dümmste Grund ist, dass sich die daraus ergebenden Konsequenzen zu einer unakzeptabelen Regelung führen würden.

    So, gebt Hereitsfreiheit, Sire.

  4. Thommen 17. November 2009 at 16:33 #

    Die Einwände gegen eine “Homo-Ehe” können selbstredend auch gegen eine “hetero” Ehe vorgebracht werden. Denn für die Fortpflanzung braucht es sie nicht!

    Doch sei vor Naivität gewarnt: Heterosexuelle Verhältnisse ergeben auch heterosexuelle Lebensprobleme für Homosexuelle! zB Gewalt in Beziehungen, häusliche Gewalt, etc.! (Sie rollen schon an!)

  5. Adrian 17. November 2009 at 17:02 #

    Dass diese “heterosexuellen Probleme” und “Verhältnisse” mit der sexuellen Orientierung nichts zu tun haben, auf die Idee bist Du vermutlich noch nie gekommen, oder?

  6. Patrick 17. November 2009 at 19:20 #

    Zum Traditionsargument: “Es gehört zur Tradition, dass sich Traditionen ändern”

  7. Thomas 19. November 2009 at 16:04 #

    Wenn man gegen die gleichgeschlechtliche Ehe ist, soll man halt niemand des gleichen Geschlechts heiraten.

  8. GAYMEANSLIFE 18. Februar 2013 at 01:03 #

    Können sich homosexuelle Menschen fortpflanzen?

    Ja. Durch Samenspende kann ein homosexueller Mann z.B. einer homosexuellen Frau Samen spenden. Beide können dann auch zusammenleben und zusätzlich gleichgeschlechtliche Partner haben, also MM+WW+Kind leben zusammen in einem Haushalt.

    Bisexuelle können sich ebenfalls durch Samenspende und aber auch durch Sex fortpflanzen, da bisexuelle Menschen auf Männer und Frauen stehen. Zum Beispiel kann ein Mann+Frau-Paar , dass bisexuell ist, durch Sex oder Samenspende fortpflanzen.

    Ein bisexuelles Männerpaar , also ein Mann(der bisexuell ist) und sein Partner (der ebenfalls bisexuell ist) können sich durch Sex mit einer Frau fortpflanzen oder Samenspenden z.B. an ein bisexuelles Frauenpaar oder bisexuelles Mann +Frau-Paar.

    Würde ein Land , indem  nur homosexuelle Menschen leben aussterben?

    Auf der Welt gibt es viele Homosexuelle. Laut meinen Schätzungen , gibt es momentan ca. 
    ca.200- 500 Mio. Homosexuelle +Bisexuelle auf der Welt. Meine Berechnungen sind die, dass in jedem kleineren Land dieser Erde ca. 1 Mio Homosexuelle+Bisexuelle leben. 

    In den größeren Staaten dieser Welt , weiß man ja so ungefähr wie viele Homosexuelle z.B. in den USA usw. leben. 

    Wikipedia.en gibt auch gute Informationen über die Anzahl der homosexuellen Bevölkerung/ 
    /bisexuellen Bevölkerung und wie viele homosexuelle Paare bereits weltweit verheiratet sind.

    Auch wenn die gesamte Menschheit homosexuell wäre, so würde die Menschheit nicht aussterben.

    Ein Land voller homosexueller Menschen würde nicht aussterben , da Männer und Frauen homosexuell sind. Es gibt homosexuelle Männer und homosexuelle Frauen(Lesben) und daher kann durch Samenspende für Nachwuchs gesorgt werden.

    Gehören Mann und Frau zusammen , weil beide sich miteinander fortpflanzen können?

    Liebst Du deine(n) Frau/Mann , weil Du dich mit Ihr/Ihm fortpflanzen kannst?
    Oder liebst /magst Du ihn aus anderen Gründen?

    Manch einer wird sagen:” Ja. Aber das ist ja auch normal , dass Mann+Frau sich lieben , denn das kann ja zu Nachwuchs führen. Bei homosexuellen Menschen aber nicht! 

    Also es ist so, dass homosexuelle Menschen  fortpflanzungsunfähig sind. 
    Ein homosexuelles Paar kann sich nur nicht miteinander fortpflanzen, aber fortpflanzungsunfähig sind homosexuelle Menschen nicht.

    Deshalb dürfen sich auch homosexuelle Menschen lieben , denn Mann+Frau lieben sich ja auch nicht , weil man sich fortpflanzen kann.

    Falls homosexuelle Menschen Nachwuchs möchten , so steht dem nichts im Weg, da auch homosexuelle Menschen fortpflanzungsfähig sind. 

    Muss ein Paar sich untereinander fortpflanzen können?   
     
    Das hängt von den Ansichten der Menschen ab! 
    Grundsätzlch ist es so, dass Sex und Fortpflanzung auch ohne jemanden zu lieben möglich ist.
    Also Sex und Liebe haben nichts miteinander zu tun. Es kann beides miteinander zu tun haben , aber muss es auch nicht. Es gibt auch Menschen , die Sex von Liebe trennen .

    Für manche ist es so, dass man eben Sex aus Lust hat und Fortpflanzung bewusst zur Familienplanung tut. 

    Also man muss sich nicht mit jemand fortpflanzen können , den man liebt . Man kann sich auch mit jmd. fortpflanzen , den man nur mag oder eben nicht liebt/mag. 

    Was daraus resultiert , ist z.B. eine große Familie. Wie in dem Beispiel mit MM+WW+Kind.
    Wenn man sich natürlich kennen gelernt hat und sich gut versteht , eng befreundet ist , so ist das natürlich auch gut.

    Es gibt sogar Menschen , die sich von Ihrem Partner trennen , weil dieser keine Kinder will.
    Bei solchen Menschen besthet durchaus noch Liebe zum Partner , aber der Kinderwunsch ist stärker!
    Also Fortpflanzung muss nichts mit Liebe zu tun haben.

    Wenn alle Menschen homosexuell wären , würde die Menschheit aussterben?

    Nein.

    1. Wenn alle Menschen homosexuell wären , dann gäbe es immer noch homosexuelle Männer und homosexuelle Frauen. Also Fortpflanzung durch Samenspende ist dann immer noch möglich.

    2. Es gibt nicht nur homosexuelle Menschen auf dieser Welt. Es gibt bisexuelle und heterosexuelle und homosexuelle Menschen auf dem Planet Erde. 

    3.  Wenn man verantwortlich ist , dann kann man z.B. jemanden kennenlernen und mit ihm auch ohne ihn zu lieben Sex haben . Wenn man sich davor noch auf Geschlechtskrankheiten testen lässt (und besser auch nach dem Vergnügen) kann nicht viel falsch gehen. 

    Benutzt man Verhütungsmittel z.B. Kondom+Pille ist die ganze Angelegenheit noch risikoarmer. 
    Ein Risiko , dass der Bezuehungspartner z.B. fremd geht gibt es immer!

    Wie sehe es jetzt aber aus , wenn etwas passieren würde und nur noch ein Mann+Frau auf der Erde nach einer Katastrophe übrig blieben? Die beiden kennen sich nicht , lieben sich nicht und sind nicht verheiratet . 

    Einige Religionen empfinden Sex vor der Ehe oder Sex mit jemand den man nicht kennt oder liebt als Sünde.

    Also der Mann und die Frau könnten sich jetzt in so einer Situation nicht fortpflanzen und keine neue Menschheit erschaffen , da beide sich nicht kennen /mögen/lieben oder miteinander verheiratet sind.

    Meine Meinung ist , dass sich beide trotzdem fortpflanzen würden , um eine neue Menschheit zu erschaffen. 

    Alleine auf der Erde zu sein oder abgeschottet vom Rest der Menschheit wäre für die beiden vermutlich sehr schwer! Auch das Überleben wäre schwieriger , als mit mit einer Menge an Menschen. 

    Okay. Geschlechtskrankheiten. Aber selbt wenn man wüsste , dass der andere eine Geschlechtskrankheit haben könnte , würde man sich vermutlich fortpflanzen. Vielleicht werden die Kinder nicht infiziert oder man versucht es halt , da es eben kaum was zu verlieren gibt . 

    In so einer Situation würde man vielleicht alles probieren! 
    Auch wenn es eine Notsituation ist , so kann man feststellen , dass es nicht immer schlecht ist 
    Sex und Liebe und Liebe und Fortpflanzung zu trennen. 

    Man weiß eben nie was in der Zukunft passieren kann ! Niemand weiß das.

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