Archiv | Dezember, 2009

Der Himmel kann warten

4 Dez

Meine Güte, schon erstaunlich wieviele Jobs es bei der „Katholische Kirche GmbH“ zu besetzen gibt. Oder wussten Sie, dass es dort das Amt eines „Präsidenten des Päpstlichen Rates für Krankenpastoral“ gibt? Wie auch immer, der ehemalige Inhaber dieser Stellung, Kardinal Javier Lozano Barragan, hat sich jedenfalls bemüßigt gefühlt, folgendes klar zu stellen:

„Homosexuelle und Transsexuelle werden niemals in das Himmelreich kommen. (weiterlesen…)

Besser spät als nie

4 Dez

In Boston, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Massachusetts, können homosexuelle Paare ab sofort auch von anglikanischen Pfarrern getraut werden.

Hintergrund ist

die gesetzliche Situation in Massachusetts: Der Neuengland-Bundesstaat hat die Ehe im Jahr 2004 für Lesben und Schwule geöffnet, was zu einem Gegensatz zwischen dem Zivilrecht und den Richtlinien der Kirche

führte. Natürlich hätte die Kirche dem Staat auch voraus gehen können, von wegen Nächstenliebe, Wertschätzung jedes Menschen, ungeachtet seiner Orientierung, etc. – als eine Art moralisches Vorbild für die staatliche Eheschließung. Aber ich will nicht nörgeln: Besser spät als nie.

Frauen-Diskriminierung und Männer-Benachteiligung

4 Dez

Gestern morgen war im Radio von einer im Laufe des Tages erwarteten Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte die Rede. Zur Entscheidung stand angeblich die Frage, ob die Benachteiligung von Vätern unehelicher Kinder eine Diskriminierung sei. Muss man Jurist sein, um diese Frage zu beantworten? Wie kann eine Benachteiligung etwas anderes als eine Diskriminierung sein? Oder ist Benachteiligung nur, wenn es um Frauen Mütter geht, automatisch Diskriminierung?

Dichtung und Wahrheit

3 Dez

Na gut, das mit dem Satzbau üben wir noch ein wenig:

Es ist modern geworden, daß man jedem, welcher objektiv gegen eine bestimmte Sache ist, bezüglich jener Sache eine Phobie anzudichten.

Obwohl man offenbar selbst Freude am Dichten hat:

Wer in Homosexualität eine negative Sache sieht, wird als homophob bezeichnet, so als ob er eine krankhafte Angst vor Homosexuellen hätte.

Wir bezeichnen einen, der in Homosexualität eine negative Sache sieht, als schwulenfeindlich. Homophobie als Ursache dieser Haltung ist damit keineswegs ausgeschlossen. Denn warum sonst sollte man eine Haltung gegenüber der sexuellen Orientierung von wildfremden Menschen einnehmen? Diese könnte einem doch schlicht egal sein.

Dasselbe Spiel spielt man mit jenen, welche im Islam eine unwahre Religion sehen und eine objektive Gefahr in diesem für die eigene Religion und das eigene kulturelle Gepräge erkennen: sie werden als krankhaft islamophob abgestempelt und belächelt.

Wäre es übertrieben, die Analogie so zu verstehen, dass Homosexualität eine unwahre sexuelle Orientierung ist und eine objektive Gefahr für die eigene (hetero) sexuelle Orientierung und das eigene kulturelle Gepräge?

Bei aller Skepsis gegenüber der Postmoderne: (weiterlesen…)

Vor dem Lesen kommt das Verstehen

3 Dez

Bei der „Blauen Narzisse“ verwechselt man vor lauter Sorgen um das christlich-konservative Profil der Unionsparteien Türken mit Moslems und Homosexuelle mit Sozialisten und Atheisten, weswegen man sich beschwert, es gebe in der Union

das „Deutsch-Türkische Forum“ und die „Schwulen und Lesben in der Union“ – was beides in einer christdemokratischen, konservativen Kraft äußerst merkwürdig erscheint.

Vielleicht sollte man beim reaktionären Nachwuchs das eigene Motto „lesen und handeln“ um ein vorheriges „begreifen“ ergänzen.

Niemand hat die Absicht, einen Homosexuellen zu diskriminieren

2 Dez

In Meersburg rudert man zurück:

Die CDU ist sehr weltoffen, ich kenne keinen, der Schwule oder Lesben diskriminieren will

Oder vielleicht doch einen oder zwei?

Die im Laufe der Diskussion zu diesem Antrag von zwei Teilnehmern geäußerten Ansichten zum Thema Homosexuelle entsprechen deren persönlicher Auffassung und geben weder die Meinung des Ortsverbandes noch der CDU zu diesem Thema wieder

Die Anregung eines örtlichen SPD-Funktionärs, die Teilnehmer mit persönlicher Auffassung zu einem Parteiaustritt zu bewegen, stößt bei der CDU auf keine Gegenliebe:

„Wir haben Meinungsfreiheit“, zudem habe Werner Leicht niemanden persönlich beleidigt.

Sag mal, CDU Meersburg, wenn einer Juden als Schmarotzer bezeichnet oder Schwarze als intelligenzgemindert, ist das dann auch keine persönliche Beleidigung? Immerhin: (weiterlesen…)

Standardübertreibung

2 Dez

Standard in der Berichterstattung über Eingetragene Lebenspartnerschaft ist sowas hier:

Europa hat sich säkularisiert, nicht nur in der Trennung von Staat und Kirche(n), sondern im täglichen Verhalten. Wir haben die staatlich abgestützte Schwulenehe.

Falsch, wir haben sie nicht. Außer in Belgien, den Niederlanden, Norwegen, Schweden und Spanien gibt es in Europa für Homosexuelle keine Möglichkeit, einander zu ehelichen.

Solche, die solches tun

1 Dez

Haben Sie schon einmal von Chuck Colson gehört? Der bekam 1993 einen Preis für Verdienste an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Religion. Jetzt veröffentlichte er zusammen mit rund 150 christlichen Funktionären die „Manhattan Declaration“. Diese, so das christliche Medienmagazin pro, habe drei Schwerpunkte:

die Heiligkeit des Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod, die Heiligkeit der Familie und die Freiheit des Denkens und der Religion.

Nach Ansicht der Verfasser der Erklärung ist

es an der Zeit, der Politik und der Gesellschaft Grenzen aufzuzeigen.

Wie man das machen will? Man berufe sich, immer gern genommen, auf die Bibel, mische eine Portion gesunden Menschenverstand dazu und erwähne obendrein noch die Natur. Fertig ist das ungenießbare Gebräu:

Die drei Punkte basierten auf der „Wahrheit, die in der Heiligen Schrift liegt, und des menschlichen Verstandes (der in unseren Augen ein Geschenk Gottes ist), und der Natur jedes Menschen“, heißt es in dem Dokument.

Unter Punkt 1 wendet man sich gegen Abtreibung, Stammzellforschung, „Eugenik“ und den ganzen Rest. Den ganzen Rest? Den ganzen Rest: (weiterlesen…)

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