Der Preis der Dekadenz

25 Jul

Eva Herman, allseits bekannte ehemalige ARD-Nachrichtensprecherin, suhlt sich nun endgültig in den Niederungen vollkommenster moralischer Verwahrlosung. Auf dem Rücken der Toten und Verletzten der Tragödie auf der Love-Parade in Duisburg, kocht sie ihr kulturkonservatives, reaktionäres Süppchen, um eine Gesellschaft anzuklagen, die in ihren Augen einem “Sodom und Gomorrha” gleich kommt:

Dieses »friedliche Fest fröhlicher junger Menschen« ist in Wahrheit eine riesige Drogen-, Alkohol- und Sexorgie, geplant, genehmigt und zum Teil finanziert von der Stadt Duisburg und NRW.

Wer sich die Bilder der Loveparades aus den zurückliegenden Jahren ansieht, glaubt, in der Verfilmung der letzten Tage gelandet zu sein, wie sie in der Bibel beschrieben werden. Viele der Partygäste wirken auch in diesem Jahr bereits lange vor dem Unglück wie ferngesteuert. Betrunken oder vollgekifft, mit glasigen Blicken, wiegen sich die dünn bekleideten Körper in rhythmischem Zucken wie in Trance.

Das ohrenbetäubende, stereotype Rave-Gehämmere, das nicht mehr im Geringsten etwas mit dem einstmaligen Begriff von Musik zu tun hat, zerschmettert ihnen über zahllose Stunden Trommelfelle und Nervenkostüme. Doch das scheint den 1,4 Millionen Partygästen nichts auszumachen. Sie wussten, was sie erwartet, haben sich freiwillig dazu entschieden, hierher zu kommen. Viele Mädchen haben den Busen blank gezogen, manche sind fast völlig nackt. Sie wiegen sich in ekstatischer Verzückung im ohrenbetäubenden Lärm, Begriffe wie Sittlichkeit oder Anstand haben sich in den abgrundtiefen Bassschlägen ins Nichts aufgelöst.

Nachdem die Ausmaße des Unglücks deutlich werden, sprechen die betroffen wirkenden Moderatoren dann gebetsmühlenartig davon, dass die jungen Leute doch ganz friedlich und nur unter dem Motto der Liebe zusammengekommen seien. Liebe? Oder Triebe? Man muss nicht ausgesprochen prüde sein, um sich hier nach kurzer Zeit mit Grausen abzuwenden. Riesige dunkle Wolken der Enthemmung und Entfesselung treiben über dem Geschehen, die jungen Menschen wirken, als hätten sie jegliche Selbstkontrolle abgegeben, ekstatisch und wie im Sog folgen sie dem finsteren Meister der sichtbaren Verführung.

Niemand wird jetzt natürlich, angesichts der Zahl von nahezu zwanzig Toten und den weiteren zahlreichen, zum Teil schwerverletzten jungen Leuten, über die entfesselten Auswüchse der »geilsten Party der Welt« berichten, die symbolisch doch nur für den kulturellen und geistigen Absturz einer ganzen Gesellschaft steht. Kritik an dieser Veranstaltung war schließlich auch schon in den letzten Jahren politisch unkorrekt.

Selten wurde ein Begriff mehr durch den Dreck gezogen als bei der Loveparade. Man fragt sich verzweifelt, welche Definition von »Liebe« die jungen Menschen durch derartige und leider selbstverständlich gewordene Falschbezeichnungen für das eigentlich Schönste und Höchste in dieser Schöpfung erhalten müssen? Die unheilvollen Auswüchse der Jetztzeit sind, bei Licht betrachtet, vor allem das Ergebnis der Achtundsechziger, die die Gesellschaft »befreit« haben von allen Zwängen und Regeln, welche das »Individuum doch nur einengen«. Wer sich betrunken und mit Drogen vollgedröhnt die Kleider vom Leib reißt, wer die letzten Anstandsrnormen feiernd und tanzend einstürzen lässt, und wer dafür auch noch von den Trägern der Gesellschaft unterstützt wird, der ist nicht weit vom Abgrund entfernt. Die Achtundsechziger haben ganze Arbeit geleistet!

Für die Zukunft wurden jedoch Weichen gestellt: Denn das amtliche Ende der »geilsten Party der Welt«, der Loveparade, dürfte mit dem gestrigen Tag besiegelt worden sein! Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen. Was das angeht, kann man nur erleichtert aufatmen! Grauenhaft allerdings, dass es erst zu einem solchen Unglück kommen musste.

Dieses Sermon hätte die  Herman eigentlich auch folgendermaßen zusammenfassen können: Wer nicht so lebt, wie ich es für richtig halte, muss damit rechnen, (von oben) bestraft zu werden.

Die “anderen Mächte” haben jedenfalls eingegriffen und zum Preis von 19 Toten und zahlreichen Verletzten “Anstand”, “Sittlichkeit” und “Moral” wieder hergestellt. Bäh, was für ein widerliches, menschenverachtendes Geseiere…

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12 Antworten to “Der Preis der Dekadenz”

  1. Kim 25. Juli 2010 at 14:30 #

    Eva Herman ist wohl Deutschlands Pat Robertson… *würg*

  2. Hans-Georg 25. Juli 2010 at 15:45 #

    Ist die eigentlich verheiratet? Würde mich nicht wundern wenn nicht. Und wenn ja, dann soll sie die Klappe halten und an den Herd gehen und kochen.

  3. Kruckler 25. Juli 2010 at 16:22 #

    Diesen mysteriösen “von oben”-Bezug mal außen vor gelassen – so unrecht hat die Frau nun mal leider nicht. Wegen mir kann ja jeder sein Leben leben und feiern wie er will, aber mein Geschmack was die Techno-Szene angeht scheint sich wohl mit dem von Frau Hermann zu decken.
    Die Zusammenfassung dieses Artikels in einem Satz muss man im Übrigen schon als eher böswillige Auslegung des ganzen betrachten, aber so macht man es sich ja auch immer am einfachsten.

  4. Adrian 25. Juli 2010 at 17:29 #

    @ Kruckler

    Ich finde Hermans Text lässt gar keinen anderen Schluss, als diese Auslegung zu.

  5. Matze 25. Juli 2010 at 18:15 #

    Die von “eigentümlich frei” beweihräucherte Eva Herman Göring schafft es immer wieder, sich selbst nochmal zu unterbieten! Jetzt schämt sich sogar schon der Kopp-Verlag seiner Autorin!

  6. dasMiri 25. Juli 2010 at 18:32 #

    Das ist nicht wahr- oder? Das hat die nicht gesagt? Dazu fällt mir nur ein: “Einfach mal die Klappe halten!” (Es reden eh schon viel zu viele zu Vieles…)

  7. Ralf 25. Juli 2010 at 19:03 #

    Was müssen das für schöne Zeiten gewesen sein, als die Deutschen diszipliniert in braunen Uniformen zu den Klängen des Badenweilermarsches, beseelt von der Liebe zu ihrem ihnen von höheren Mächten geschenkten Führer, im Gleichschritt durch die Städte zogen… Frau Herman, wir sind ein freies Land, hier dürfen Sie alles sagen. Wir haben Ihnen zugehört. Und jetzt verziehen Sie sich in Küche oder Kirche, und halten Sie den Mund.

  8. lalibertine 25. Juli 2010 at 19:09 #

    Meine Güte. Diese verklemmte Trulla ist noch verkommener als ich dachte.

  9. Martella 26. Juli 2010 at 15:32 #

    @Hans-Georg
    Doch, doch, es haben sich Masochisten gefunden. Ich glaub vier, wenn ich nicht die Übersicht verloren habe. Nicht so richtig bis das der Tod euch scheidet, versteht sich, das wäre zuviel der Christenmoral…

    Bemerkenswert bei all den konservativen Weibern ist doch, dass sie sich nicht an ihre eigenen Ideale halten. Denn wenn dem so wäre, würde die Herman nie wieder die Goschen in der Öffentlichkeit aufmachen.

  10. jojo 26. Juli 2010 at 16:49 #

    ich habe mich schon gefragt, wo der gott des alten testaments eigentlich steckt. da isser ja endlich wieder, der gute alte plagenschicker! freue mich schon auf die nächste erstgeborenenausmerzung! oder wie wär’s mal wieder mit einer zünftigen froschplage?

  11. rautensicht 27. Juli 2010 at 13:25 #

    Eva Hermann kann und darf man einfach nicht ernst nehmen. Die hat einfach nicht alle Latten am Zaun. Wer die Familienpolitik der NSDAP toll findet und die Werte der Mütter (welche für Hitler nur Gebärmaschinen für seine arische Armee waren) befürwortet, ist einfach nicht Kritikfähigkeit!

  12. BastI 13. November 2010 at 14:41 #

    @ rautegesicht

    Das hat sie niemals so gesagt, sie wurde auch nicht wegen irgendwelcher Nazivergleiche kalt gestellt, sondern daswegen das sie den Feminismus kritisiert hat. Das mit den Nazi-Vorwürfen war nur ein Vorwand.

    Sie hat sich nur dumm ausgedrückt…das mit dem Nazi-Schwachsinn kommt sowieso immer in Deutschland um irgendwas niederzubrüllen, wenn einem die Argumente ausgehen.

    Wenn man sich mal die komplette! Aussage von Eva Hermann durchliest, dann sieht man das sie niemals die Nazis verherlicht hat.

    In Amerika macht man es ähnlich, aber umgekehrt wirft man hier Leuten die irgendwas kritisieren vor sie wären keine Patrioten usw.

    Lächerlich gemacht hat sich hier vor allem dieser Kerner

    Mir sind ihre Ansichten auch eher suspekt, aber wie man hier Leute fertig macht, die von ihrer Redefreiheit gebrauch machen, das lässt mich schon erschaudern.

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