Was bedeutet eigentlich “Demokratie”?

15 Jun

Jeder in Deutschland ist sich einig darüber, dass Demokratie etwas ganz wichtiges und begrüßenswertes ist. Ich habe das auch mal gedacht. Aber mittlerweile habe ich den Eindruck, dass das Wort “Demokratie” im politischen Diskurs nichts weiter ist als eine Worthülse ohne Substanz, vergleichbar etwa mit den Begriffen “Antifaschismus” oder “soziale Gerechtigkeit”.

Denn was bedeutet es eigentlich, wenn jemand von sich behauptet er sei ein Demokrat? Was bedeutet es, wenn man aufgeklärt wird, dieses oder jenes sei “demokratisch” bzw. “undemokratisch”? Was ist damit gemeint, wenn die Gesellschaft dazu aufgefordert wird, die “Demokratie zu stärken”? Und wodurch zeichnet sich eine “lebendige Demokratie” überhaupt aus?

Mir ist die Demokratie – in ihrer ursprünglichen Bedeutung als “Volksherrschaft” – suspekt. Ich mag keine Herrschaft über mein Leben, weder durch einen diktatorischen Zampano, noch durch ein Parlament und auch nicht durch “das Volk”. Ich respektiere eine Entscheidung nicht auf Grund der bloßen Tatsache, weil die Mehrheit, das so gewollt hat. Und ich halte Demokratie für weitgehend überflüssig, weil es genügend Entscheidungen gibt, die auf privatrechtlicher, zwischenmenschlicher Basis entschieden werden könnten.

Wozu also über Minarette, Rauchverbote und die Legalisierung der Homo-Ehe abstimmen? Ein Minarett auf seinem eigene Grund und Boden schadet niemandem. Wenn es einen Markt für Nichtraucherkneipen gibt, dann braucht man auch keine Raucherkneipen zu verbieten. Und die Ehe? Am Besten man entstaatlicht sie und wandelt sie um in einen privatrechtlichen Vertrag.

Das alles würde der Lebensrealtiät von Menschen auf jeden Fall gerechter, und man würde sich nicht in die peinliche Lage bringen, bei jedem Wahlgang die Bevormundung anderer Menschen zu legitimieren.

18 Antworten to “Was bedeutet eigentlich “Demokratie”?”

  1. Andreas 15. Juni 2011 at 17:15 #

    Das ist eine Selbst-Legitimationsphrase ohne Substanz vergleichbar mit dem früheren Gottesgnadentum. Jemand schreibt sich eine sakrosante Eigenschaft zu und ist damit “gut”. Die Grünen beispielsweise sind sehr um die “Geschlechterdemokratie” bemüht

    http://www.gwi-boell.de/web/feminismus-geschlechterdemokratie.html

    Günstigensfalls ist das nur eine Hohlphrase, schlimmstenfalls die infame Absicht, allen die ihrer geistigen Bahn nicht zu folgen gedenken, als Undemokraten (=”böse”) zu diffamieren.

    Ich persönlich bin sehr preisdemokratisch. Wann immer ich bei der Tanke vorfahre, habe ich genaue Vorstellungen von dem, was der demokratische Literpreis allerhöchsten sein dürfte. Die Mehrheit der Tankenden_innen ist bestimmt auf meiner Seite. Mein Tankwart ist aber faschistisch, liegt er doch hartnäckig über meinen Vorstellungen und will auch nicht darüber abstimmen lassen. Ich ruf mal den Verfassungsschutz, oder gleich die Grünen. Aber wollten die nicht einen Benzinpreis von 5 Euro den Liter? Also: Geschlechterdemokraten sind Preisfaschos.

  2. Markus 15. Juni 2011 at 18:12 #

    Die Ehe ist ein privatrechtlicher Vertrag … Er bedarf lediglich einer besonderen Form — genauso wie der Kaufvertrag über ein Grundstück.

  3. Peter 15. Juni 2011 at 18:19 #

    Tja Adrian, das ist es ja gerade, was mich immer wieder erschüttert: Wenn man sich unter Demokratie so gar nichts anderes vorstellen kann als die unterdrückende Herrschaft der Mehrheit.

    Selbst Du als Fundamentalindividualist wirst doch zugeben, dass ein paar Regeln für ein friedliches Miteinander notwendig sind, Regeln, deren Missachtung Sanktionen nach sich zieht. Daraus ergibt sich die Frage; Wer ist legitimiert, diese Regeln aufzustellen?

    Hilfreich wäre, wenn Moses noch einmal vom Berge Sinai heruntersteigen würde und uns eine etwas ausführlichere Gesetzgebung hinterliesse. Damit ist aber nicht zu rechnen.

    Wer also anerkennt, dass es einige Regeln braucht und das Faustrecht als unzulänglich erachtet, der muss eine Antwort auf die Frage geben, wer der Souverän sein soll. Für den Demokraten ist die Antwort klar.

    Ach ja, die Minarettinitiative. Das spricht gegen was? Gegen Volksbefragungen? Na dann sei doch zufrieden, denn Volksbefragungen zu Sachentscheiden gibt es in der BRD so gut wie nie (von DSDS und Eurovision Songkontest oder wie das Ding heisst mal abgesehen), womit dann aus deiner Sicht ärgerliche Entscheide nicht mehr möglich sind – oder doch?

    Und ich halte Demokratie für weitgehend überflüssig, weil es genügend Entscheidungen gibt, die auf privatrechtlicher, zwischenmenschlicher Basis entschieden werden könnten.

    Woher plötzlich dieses Privatrecht? Was geregelt und was nicht vom Staat durch Gesetze geregelt werden soll: Wer entscheidet das? Dein Autonomiebedürfnis in allen Ehren, aber dein Unwillen, dir irgendwas vorschreiben zu lassen ist reichlich realitätsfern.

  4. Cyrano 15. Juni 2011 at 22:25 #

    Es ist doch relativ einfach. ein “privatrechtlicher” vertrag erlangt bedeutung jenseits des “recht des stärkeren” nur durch den souverän, der die geltung des rechtes garantiert. staat also. recht, verträge, etc, verlangen das dritte das ihre geltung durchsetzt. sich dieses dritte neutral zu wünschen ist purer idealismus. eine entscheidung bzw. jegliches postulat nicht zu akzeptieren, weil die mehrheit das so wollte, ist grundbedingung des denkens. sich illusionen über die natur von herrschaft zu machen heißt dann aber auch schon wieder vor der verschränkung von (vertrags-) freiheit und herrschaft zu kapitulieren.

  5. Christian 16. Juni 2011 at 10:19 #

    Eine konstituierte parlamentarische Demokratie ist soweit ich weiß die Staatsform mit dem geringsten Missbrauchspotential verbunden mit hoher persönlicher Freiheit und Rechtssicherheit.

    Wie man jetzt aber auf die Idee kommt, dass diejenige Entscheidung die vorzugswürdigere ist die “demokratischer” (Volksentscheid>Gesetz) zustande gekommen ist, weiß ich nicht.

    Die Demokratie gibt es schließlich nicht deshalb weil das Volk als ganzes per se die besten Entscheidungen trifft.
    Das scheint aber genau der Fehlschluss zu sein, der um sich greift und den du angreifst.

    Denn wenn ich dich richtig verstanden habe sagst du ja, dass du bezweifelst das jemand anderes und sei es “die Mehrheit” oder “das Parlament” besser über dein Leben bestimmen kann als du.

    Da kann man doch wirklich froh sein, dass das GG an vielen großen und kleinen Schrauben genau so gedreht hat, dass eine Tugendmob-Herrschaft qua Direktdemokratie ziemlich unmöglich ist.

  6. pedro luis 16. Juni 2011 at 10:39 #

    Mit diesem “odi profanum vulgus” hast du mir aus dem Herzen gesprochen! Ich halte mich aber auch nicht für etwas Besseres.

  7. Adrian 16. Juni 2011 at 11:18 #

    @ Markus
    “Die Ehe ist ein privatrechtlicher Vertrag”

    Nein, das ist sie nicht.

    @ Peter
    “Wenn man sich unter Demokratie so gar nichts anderes vorstellen kann als die unterdrückende Herrschaft der Mehrheit.”

    Deshalb ja meine Frage. Was ist sie denn sonst?

    “Selbst Du als Fundamentalindividualist wirst doch zugeben, dass ein paar Regeln für ein friedliches Miteinander notwendig sind, Regeln, deren Missachtung Sanktionen nach sich zieht.”

    Natürlich.

    “Wer ist legitimiert, diese Regeln aufzustellen?”

    Die eigentliche Frage müsste lauten: Wozu Regeln für alle aufstellen, die nicht alle betreffen? Warum Rauchverbote? Warum Antidiskriminierungsgesetze? Warum Eheverbote? Warum Zwangsgebühren für’s öffentlich-rechtliche Fernsehen? Wozu Finanzhilfen für Griechenland?

    “womit dann aus deiner Sicht ärgerliche Entscheide nicht mehr möglich sind – oder doch?”

    Natürlich. Die Regierungen spucken jedes Jahr tausende von Entscheidungen aus, die mich sehr wohl betreffen. Es gibt in diesem Lande so viele Entscheidungen, die absolut überflüssig (ich schätze, so um die 90 Prozent), aber “demokratisch legitimiert” sind, man könnte ganze Bücher damit füllen.

    @ Christian
    “Eine konstituierte parlamentarische Demokratie ist soweit ich weiß die Staatsform mit dem geringsten Missbrauchspotential verbunden mit hoher persönlicher Freiheit und Rechtssicherheit.”

    Nun, das war ja die Frage. Meint man mit der Demokratie das, was eigentlich gar nicht zur Demonkratie gehört, eben die individuelle Freiheit? Denn “Demokratie” – also Volksherrschaft” alleine garantiert erst mal gar nichts, außer, dass man über irgendetwas abstimmen darf, von dem irgendeine Regierung meint, dass man darüber abstimmen darf.

  8. klaus 16. Juni 2011 at 12:35 #

    Hallo Adrian,

    ich persönlich halte die Demokratie auch nicht für die erstrebenswerteste “Herrschaftsform”. Demokratie als Herrschaftsform kann nur in dem Maße Berechtigung haben, in welchem eine direkte Partizipation möglich ist. In antiken Stadtstaaten war dies noch möglich. Hier war die Trennung von Privatem und Öffentlichem auch noch besser vollzogen. Heutzutage ist eine parlamentarische Demokratie sicherlich nicht die beste “Herrschaftsform”. Zum einen identifiziert sich die überwiegende Mehrheit der Menschen nicht mehr mit der heimischen Parteienlandschaft, weiters – da stimme ich Adrian zu – wird großteils über Gesetze befunden, von welchen der Bürger überhaupt nichts erfährt und zum anderen haben unkörperliche Personen, Gesellschaften mehr Einfluss auf die Gesetzgebung als die Bürger über deren Vertreter.

  9. Markus 16. Juni 2011 at 18:34 #

    Und die Ehe ist doch ein privatrechtlicher Vertrag, vgl. z.B. nur http://www.berlin.de/ba-mitte/org/standesamt/eheschliessung.html: “Die standesamtliche Eheschließung im rechtlichen Sinne ist an sich ein privatrechtlicher Vertrag zwischen den beiden Partnern.” (erster Satz anch erster Überschrift).

  10. Peter 17. Juni 2011 at 16:56 #

    Nun, das war ja die Frage. Meint man mit der Demokratie das, was eigentlich gar nicht zur Demonkratie gehört, eben die individuelle Freiheit?

    Wieso sollte individuelle Freiheit nicht zur Demokratie gehören? Ist es so unvorstellbar, dass sich die grosse Mehrheit zu einem liberalen Gesellschaftsmodell bekennt, die dem Individuum Freiräume zugesteht?

    Denn „Demokratie“ – also Volksherrschaft“ alleine garantiert erst mal gar nichts, außer, dass man über irgendetwas abstimmen darf, von dem irgendeine Regierung meint, dass man darüber abstimmen darf.

    Die Demokratie garantiert nichts, das ist wahr, ebenso wenig wie jede andere Staatsform. Eine Demokratie aus lauter Rechtsextremen, welche das Führerprinzip als beste Organisationsform betrachtet, würde sich sogar selbst, ganz demokratisch, abschaffen.
    Die Erfahrung zeigt aber, dass Demokratien liberalere und tolerantere Gesellschaften sind als autoritäre Staatsformen.

    Die parlamentarische Demokratie, in welcher “Repräsentanten des Volkes” entweder direkt oder per Parteienwahl gewählt werden ist eine verstümmelte Demokratie, die nur geringe Partizipationsmöglichkeiten und direkte Einflussnahme des Bürgers erlaubt. Du wählst eine Partei und damit ihr gesamtes Programm. Das ist so, wie wenn Du in einem Supermarkt zwischen 10 Paketen auswählen könntest, wo allerlei Artikel drin sind, anstatt individuell zu wählen was Du brauchst und was nicht. Es braucht Volksentscheide, direktdemokratische Einflussmittel, um die Macht der Parteischranzen, die keineswegs Repräsentanten des Volkes sondern der politischen Klasse sind, zu brechen.

  11. Adrian 17. Juni 2011 at 17:35 #

    @ Peter
    “Die Erfahrung zeigt aber, dass Demokratien liberalere und tolerantere Gesellschaften sind als autoritäre Staatsformen.”

    Sag bloß…

    “Das ist so, wie wenn Du in einem Supermarkt zwischen 10 Paketen auswählen könntest, wo allerlei Artikel drin sind, anstatt individuell zu wählen was Du brauchst und was nicht.”

    Falscher Vergleich: Denn eine direkten Demokratie ist auch nichts anderes als eine Abstimmung darüber, was ich einkaufen darf.

  12. crumar 17. Juni 2011 at 17:41 #

    @ Adrian, ich denke, du vermischt in deinem Artikel unterschiedliche Dinge.

    Die Qualität von Entscheidungen hat mit dem Grad ihrer Legitimation nichts zu tun. Miese politische Entscheidungen können das Resultat jeder Form von Herrschaft sein. Entscheidend ist m.E. die Form von Freiheit, die die jeweilige Form von Herrschaft dem Einzelnen oder einer Gruppe gibt, Kritik an dieser Entscheidung zu üben und selber ihr Interesse(n) zu artikulieren und zu vertreten, damit diese Interessen berücksichtigt werden.
    Mit dem Ziel, die Entscheidung gemäß dieser Interessen zu revidieren oder aufzuheben.

    Dass Entscheidungen getroffen werden, die dich oder deine Interessen tangieren und deine individuelle Freiheit einschränken – geschenkt.
    Im Gegenzug garantiert dir der bürgerliche Staat exakt diese individuelle Freiheit (bzw. eben einen bürgerlichen Kanon an Freiheiten).
    Individuelle Freiheit wird dann ein bedeutungsloser Begriff, wenn du einen Staat in 80 Millionen Individuen auflöst, die alle höchst unterschiedliche Vorstellungen von dem haben, was individuelle Freiheit ist.
    In dem Fall wärst du Tag und Nacht in einem Prozess der Aushandlung und Selbstvergewisserung verstrickt.

    Die Auflösung des Spannungsverhältnisses von Individuum und Gesellschaft – durch die Überbetonung des Individuums in deinem Fall – führt weder zu einem Begriff vom Individuum noch zu einem von Gesellschaft.
    Es ist m.E. sinnvoller über die Qualität der individuellen Freiheiten und den Stand der Garantie dieser Freiheiten durch den (bestehenden bürgerlichen) Staat zu diskutieren.

    Auch deine Auflösung eines gesamtgesellschaftlichen Willens und Interesses – das natürlich immer umkämpft ist – in Partikularinteressen und die Befugnis, diese eigenständig zu entscheiden führt nicht notwendig zu einer besseren Form von Herrschaft.
    Löse ich die Gesellschaft – meinetwegen irgendwelchen Identitätspolitiken folgend – auf, so ergeben sich selbstverwaltende Clanstrukturen mit höchst putzigen Vorstellungen von individueller Lebensführung (dein Clan hieße bspw. “Der LVSD Clan” – viel Spaß. Hey, Hooooo!).

    Wenn ich die Frage der Institutionalisierung dieser Interessenvertretung thematisiere, stellt sich die Frage nach einem Interessenverband oder eben einer Gruppe von Menschen, die repräsentativ Interessen vertreten ebenso.
    Oder du willst dir die Mühsal antun, jedwede Entscheidung für jedwede Artikulation jedweder Meinung unter Berücksichtigung jedweden Interesses offen zu halten.
    Also auf Deutsch: Dich entscheiden nichts zu entscheiden.
    Meines Erachtens ist es an diesem Punkt wichtiger: Wie reversibel ist die Entscheidung für einen Repräsentanten oder eine Repräsentantin?
    Welche Macht habe ich, hat eine Gruppe von Menschen, diese Entscheidung rückgängig zu machen?

    Schönen Gruß, crumar

  13. Adrian 17. Juni 2011 at 18:00 #

    @ crumar
    “Adrian, ich denke, du vermischt in deinem Artikel unterschiedliche Dinge.”

    Nein, das tue ich nicht.

    “Die Qualität von Entscheidungen hat mit dem Grad ihrer Legitimation nichts zu tun.”

    Habe ich auch nicht behauptet.

    “Dass Entscheidungen getroffen werden, die dich oder deine Interessen tangieren und deine individuelle Freiheit einschränken – geschenkt.”

    Nein, eben nicht “geschenkt”, genau das ist der Punkt um den es geht.

    “Die Auflösung des Spannungsverhältnisses von Individuum und Gesellschaft – durch die Überbetonung des Individuums in deinem Fall – führt weder zu einem Begriff vom Individuum noch zu einem von Gesellschaft.”

    Und inwiefern überbetone ich das Individuum?

  14. Peter 17. Juni 2011 at 23:34 #

    Es ist keineswegs eine triviale Feststellung, dass demokratisch organisierte Gesellschaften in der Regel die liberaleren sind als autoritaere. Deine etwas schnippische Bemerkung “sag bloss” hab ich so interpretiert.
    Ein Diktator koennte doch gesellschaftspolitisch liberale Positionen autoritaer, ohne Ruecksicht auf die oeffentliche Meinung durchsetzen. Es muss zwischen einem liberalen Prinzip, welches Partizipation vieler am Entscheidungsfindungsprozess ermoeglicht und der resultierenden Entscheidung unterschieden werden.
    Die Entscheidung fuer eine gesellschaftspolitisch liberale Position halten viele in einer direktdemokratischen Volksbefragung fuer in der Regel wenig wahrscheinlich. Manche fuerchten gar die Wiedergeburt des Faschismus, wenn dem dummen Volk, zu dem sich die Kritiker selbstverstaendlich nie zaehlen, allzuviel Mitspracherecht eingeraeumt wuerde. Das ist ein deutsches Phaenomen, unverarbeitete Geschichte. Ein immer wiederkehrendes Motiv, eine etwas elitaere Verachtung des “Poebels”.

  15. crumar 18. Juni 2011 at 03:27 #

    @ Adrian
    Oh doch mein Gutster, wer derart vehement gegen die Herrschaft der “Massen” polemisiert – auch wenn er dies die Herrschaft der Mehrheit nennt – möchte in der Regel mehr anzweifeln, als nur die Qualität oder Legitimität einer Entscheidung.
    Ansonsten hättest du auch eine jeweilige Entscheidung eines beliebigen oder bestimmten Individuums benennen können.
    Dir geht es offensichtlich nicht um die Entscheidung selbst, sondern um die Art und Weise, wie diese zustande kommt.
    Dein Individualismus geht in Richtung einer elitären Herrschaftsform – bei dir jedoch suggestiv ohne Herrschaft (und ohne Form).
    Wenn du dir nicht vorstellen kannst, wechselseitig Herrschaft auszuüben und Beherrschter zu sein -also mit Vernunft Regeln zu setzen und zu erwarten oder wenigstens zu hoffen, dass genau diese Vernunft waltet, wenn du selber die Macht nicht ausübst.
    Das war einmal mit Demokratie, Verantwortung und Freiheit gemeint – in diesem Zusammenhang.
    Die individuelle Freiheit, die du betonst, verzichtet generös auf die Vorstellung, jemals an der Macht zu sein (oder Verantwortung für eigene, falsche Entscheidungen zu haben).
    Übrig bleibt damit und dadurch der nervige Appell: Geben Sie Gedankenfreiheit, Sire! Bewahren Sie mir die individuelle Freiheit, Sire! Das ist m.E. die “individuelle Freiheit” der Knechtschaft.
    Sklavenbewusstsein.
    Das können Feministinnen aber sehr viel besser als du. ;)
    Schönen Gruß, crumar

  16. Adrian 18. Juni 2011 at 10:43 #

    @ crumar
    “Übrig bleibt damit und dadurch der nervige Appell: Geben Sie Gedankenfreiheit, Sire! Bewahren Sie mir die individuelle Freiheit, Sire! Das ist m.E. die „individuelle Freiheit“ der Knechtschaft.”

    Nein, mein Appell lautet: Lassen Sie mich in Ruhe, Sire! Kümmern Sie sich um Ihren eigenen Kram, Sire! Und wenn Ihnen das nicht passt, lecken Sie mich am Allerwertesten, Sire!

  17. crumar 19. Juni 2011 at 23:03 #

    @Peter Ich denke, du hast mit der faschistischen Vergangenheit Deutschlands den Punkt getroffen.
    Das Problem ist m.E., es hat sich ein bestimmtes Narrativ der deutschen Geschichte durchgesetzt, als hätte die absolute Mehrheit der Deutschen Hitler gewollt – das ist nachweisbar falsch. Die NSDAP hatte in Deutschland niemals eine absolute Mehrheit. Es wird weiterhin unter den Tisch gekehrt, dass jegliche Opposition gegen den Faschismus durch diesen mit offenem Terror begegnet wurde. Es gab keine drei Monate nach der “Machtergreifung” über 40 KZs in Deutschland – und in diesen saß ausschließlich die politische Opposition. Oder die Oppositionellen hatten rechtzeitig die Zeichen der Zeit erkannt und befanden sich im Exil oder auf dem Weg dort hin. Die bürgerlichen Eliten, die mit Hitler zusammen arbeiteten hingegen, ihn finanzierten oder ihm “nur” den Weg bereiteten waren nur allzu bereit, die eigene Schuld der Kollektivschuld-These zu opfern. Eine durchsichtige Strategie der Entlastung. Dieselben opportunistischen Eliten, die die Weimarer Republik beseitigten, konnten nach dem Faschismus nach Belieben feststellen, der Faschismus zeige, das Volk sei noch nicht bereit für die Demokratie. Die, die am zustande kommen des Faschismus den größten Anteil hatten, nutzten diesen als mahnendes Beispiel gegen eine partizipative, direkte Demokratie. Ein groteskes Ausmaß an Heuchelei.

    @Adrian Ich denke, dein Blog ist voller politischer Aussagen und demnach politisch. Du verortest dich in diesem Blog ebenfalls in einem politischen Spektrum von liberal bis libertär – ist nicht meines, aber es ist ein (halbwegs) akzeptables. Bis auf deine Allianz mit den Islamophoben – wenn ich hingegen deine konkreten Aussagen verfolge, dann richtest du dich in erster Linie gegen eine Klientel von Doof-Linken, die jede benachteiligte Gruppe prinzipiell für gut halten, nur weil sie gesellschaftlich benachteiligt ist. Von einer Unterstützung offen oder verdeckt rassistischer Positionen – wie dir unterstellt wird – kann ich bei dir nichts finden.Für deine eigene Seelenhygiene rate ich dir, spaßeshalber jede Meldung bei Lizas Welt und politically incorrect durch den Austausch von “Islam” und “Judentum” bzw. “Muslim” und “Jude” zu lesen. Funktioniert garantiert. Und weil es so schön ist: “Die „Suomen Kansallissosialistinen Työväenpuolue“, die Nationalsozialistische Arbeiterpartei Finnlands (SKSTP), hat laut Presseberichten ihr 25-Punkte-Parteiprogramm von der NSDAP übernommen. Im Internet wurde das Programm mit geringfügigen Änderungen präsentiert – so wurden „Juden“ durch „Muslime“ ersetzt oder anstelle der Todesstrafe für „volksschädliche“ Tätigkeiten die Ausweisung aus Finnland gefordert.” http://dokmz.wordpress.com/2011/05/14/braune-plagiatoren-finnische-neonazi-partei-ubernimmt-nsdap-parteiprogramm/

    The times, they are a-changin…

    Zurück zur Debatte: Dein Rückzug ins Private sei dir unbenommen und dein Recht, unbehelligt nach deiner Facon einfach glücklich zu werden.
    Glücklich sein und werden ist sowieso schon schwierig genug.
    Nur habe ich – als guter alter Linker und liberaler Marxist – eine Sicht auf die aktuelle Welt, wonach es schon schwierig genug ist, Demokratie, individuelle Freiheiten und Menschenrechte gegen die Zumutungen einer neoliberalen Offensive zu verteidigen.
    Wenn du meinst, das sei linke Paranoia, dann lies mal Burkhard Hirsch zu dieser Thematik.
    Was ich jetzt am allerwenigsten gebrauchen kann, sind Liberale, die öffentlich den Wert der Demokratie anzweifeln und damit herabsetzen. Und die – nur so am Rande – von genau dieser Demokratie und ihrem Selbstverständnis betreffend des Schutzes von Minderheiten überhaupt erst in die Lage versetzt worden sind, die “Leckts mich am Arsch Haltung!” zu kultivieren, Die Grünen mögen die lächerlichste Partei im Universum sein; in Sachen Schwulen- und Lesbenrechte ist deine Anpisserei mit “undankbar” aber nicht hinreichend beschrieben.
    Du bist nur ein winziger Sprechakt in einem demokratischen Blog Hintergrundgemurmel (und ich bin bloß der Kommentator des Sprechaktes der Murmler).
    Aber ich halte dich für eine wichtigen Teil dieses demokratischen Gemurmels.

    Erweise dich gefälligst als würdig, Sire! ;)

    Schönen Gruß, crumar

  18. Thommen 20. Juni 2011 at 05:20 #

    Die Demokratie verlangt nach der Verantwortung. Das ist die Rückkopplung zur Macht! ;)

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