Zur Freiheit geschaffen

29 Jun

Weil manch einer die Fortpflanzung geradezu fetischisiert, hier noch mal ein Auszug aus “lieben und arbeiten”:

Phyllis Trible macht darauf aufmerksam, daß nach dem Bericht der Genesis die Fortpflanzung allen Lebewesen gemeinsam ist, die Sexualität aber etwas spezifisch Menschliches darstellt.

Das wäre ein für mich neuer Aspekt für die ewige Debatte um die Natürlichkeit der Homosexualität, dass Gott die Sexualität dem Menschen vorbehalten hat und diese daher keineswegs ausschließlich heterosexuell sein muss, zwecks Arterhaltung, weil sie eben mehr als Fortpflanzung umfasst.

Nur der Mensch wird von Gott als Mann und Frau bezeichnet (1. Mose 1,27)

Ist Gott also doch der Begründer der Heteronormativität? Nein, denn

diese Bezeichnung bezieht sich “nicht auf die Fortpflanzung, sondern auf das Bild Gottes”.

Die Ebenbildlichkeit also, nach der Mann und Frau gleichermaßen nach dem Bilde Gottes geschaffen sind. Damit ist nichts darüber gesagt, dass Sexualität nur zwischen Mann und Frau stattzufinden hätte.  Trotzdem wird eben das immer wieder postuliert:

Die sexuell Konservativen hängen noch immer dem naturalistischen Paradigma an, indem sie die Bindung von Sexualität an Fortpflanzung sicherstellen. Wenn Fortpflanzung als “normal” und “natürlich” angesehen wird, dann muß die Heterosexualität zum Fetisch werden. [alle Zitate bis hierhin S. 172]

Müßte es nicht lauten: Wenn Fortpflanzung allein als “normal” und “natürlich” angesehen wird,..? Jedenfalls brauchen wir laut Sölle eine veränderte Sicht auf den Sinn der menschlichen Sexualität:

Konservative Christen sind noch nicht von einer naturalistischen Auffassung der menschlichen Sexualität zu einem historischen, also biblischen Verständnis vorgedrungen. Sie verleugnen, oft unbewußt, das historische Projekt, wonach wir Menschen zur Freiheit geschaffen sind. Sie mißverstehen Gottes Einladung, an der Schöpfungswirklichkeit teilzuhaben, als Aufruf zu einer Art Biologismus, als gäbe es außer der Fortpflanzung keine Teilhabe am Schöpfungsgeschehen. (S. 173)

Wenn das keine innovative und einladende Definition von Bibeltreue ist!

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6 Antworten zu “Zur Freiheit geschaffen”

  1. maik43 29. Juni 2011 um 15:52 #

    “Phyllis Trible macht darauf aufmerksam, daß nach dem Bericht der Genesis die Fortpflanzung allen Lebewesen gemeinsam ist, die Sexualität aber etwas spezifisch Menschliches darstellt.”

    Wenn Sexualität etwas spezifisch Menschliches ist, dann kann es keine HomoSEXUALITÄT im Tierreich geben, sondern nur, als Analogie, homosexuelle Handlungen. Also was nun?

  2. Christian 29. Juni 2011 um 18:43 #

    Ich bin immernoch ein Freund des naturalistischen Fehlschlusses.
    Der gibt dieser Debatte allerdings den Kopfschuss und kann die eigentlichen Fragen nicht zufriedenstellend beantworten das gebe ich zu.

    Die von dir vorgestellte Argumentationsweise gibt allerdings schon jede Menge argumentativen Boden preis.

    Das “Homosexualität unter Tieren”-Argument taugt nich tmehr, weil Sexualität eine rein menschliche Eigenschaft geworden ist. (Schon diese These ist wohl nur in einem biblischen Menschenbild haltbar.)

    Dass Homosexualität auch für Naturalisten sehr wohl als natürlich gelten muss, kann mann auch nichtmehr verwenden.
    “Weil es Homosexualität eben schon immer gab und trotz aller Ausrottungsversuche immer noch gibt ist sie auch natürlich.”
    Denn für dein Argument ist es ja notwendig der Gegenseite zuzugestehen, dass nur heterosex natürlich ist. (Die Disskussion wäre sonst an diesem Punkt schon vorbei)

    Trotzdem mag ich dein Argument weil sich damit wunderbares Verbaljudo betreiben lässt.
    Man lässt den Gegner einfach all seine Punkte ausführen wiederspricht ihm kein bisschen und kann ihnen dann ins Gesicht sagen: “Deine Argumentation ist garnicht christilich sie ist biologistisch” (primitiv biologistisch sogar) und kommt ihnen dann mit Gottes Schöpfungsplan der ja ihr Argumentationsfundament bildet.

    Selbst oder grade für Atheisten wie mich sicherlich ein herrlicher Spaß.

  3. Damien 29. Juni 2011 um 22:39 #

    @maik 43: ja, was nun?

  4. maik43@web.de 30. Juni 2011 um 09:44 #

    @ Christian
    Ich habe keine Ahnung gegen wen deine Polemik gerichtet ist.

    @ Damien
    Das liegt nicht an mir, dies zu beantworten, ich habe den Artikel nicht geschrieben.

  5. Damien 30. Juni 2011 um 11:00 #

    @Maik 43: Du erwähnst in Deinem Kommentar Homosexualität im Tierreich, die war aber nicht Gegenstand meines Beitrags. Daher verstehe ich nicht, worauf Deine Frage “Also was nun?” abzielt.

  6. Yadgar 1. Juli 2011 um 15:16 #

    Das Schöpfungsordnungs-Argument der Evangelikalen und sonstigen Konservativen wird spätestens an jenen Bibelstellen (die genaue Stelle habe ich im Moment nicht im Kopf) fragwürdig, wo Jesus von Menschen spricht, die entweder freiwillig oder von Natur aus “nicht zur Ehe taugen” – und sie dabei mit keinem Wort verurteilt! – und wo Paulus die Ehelosigkeit als moralisches Optimum darstellt! Würden Gen 1 und 2 eine verbindliche Schöpfungsordnung konstituieren, wäre damit nicht nur ein Verbot der Homosexualität, sondern auch eine Pflicht zur heterosexuellen Ehe und zur heterosexuellen Fortpflanzung festgeschrieben – im Widerspruch zu jesuanischen und paulinischen Aussagen!

    Bis bald im Khyberspace!

    Yadgar

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