Archiv | September, 2011

Bibel, Burka und Bikini

30 Sep

Als ich kürzlich gefragt wurde, wie ich als „Quasi-Anarchist“ mit Römer 13:1ff klarkomme, musste ich nicht lange nach einer Antwort suchen. Ich zitierte:

Römer 13,1-7 kann als Text interpretiert werden, der nicht den Unterwerfungsstrategien irgendwelcher Obrigkeiten als nützlicher Idiot dient, sondern im Gegenteil diese Strategien in ihrer Relativität offenbart und den verrückten Weg der Vollmacht der Angesprochenen bestärkt. (weiterlesen…)

Ich gelobe Besserung

24 Sep

Wie war es denn nun auf der Demonstration gegen den Papst, der ich mit großer Spannung entgegengefiebert habe? Nun ja, es war nicht so aufregend wie ich gedacht habe. Die Protestparolen waren für links-grüne Verhältnisse relativ intelligent, die Reden anhörbar und die Menschen im Großen und Ganzen aufgeschlossen und friedlich. Aber irgendwie habe ich mich nicht heimisch gefühlt, irgendwas hat gefehlt. (weiterlesen…)

Ich hab geträumt, der Winter wär’ vorbei…

23 Sep

Beim Frühstück lese ich in der Tageszeitung Auszüge aus der Rede von Ratzinger vor dem Bundestag:

Die Fenster müssen wieder aufgerissen werden, wir müssen wieder die Weite der Welt, den Himmel und die Erde sehen und all dies recht zu gebrauchen lernen.

Das klingt auf den ersten Blick sympathisch. Und dann lese ich bei meiner täglichen Bibellektüre die Worte Jesu:

Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden. Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?

Und dann habe ich mich gefragt, wie wir diese Bibelstelle in unserem befreiungstheologischen Gottesdienstkreis, den ich vor acht Jahren verlassen habe und an den ich in der letzten Zeit immer häufiger und gerne zurückdenke, diskutiert hätten. (weiterlesen…)

Weisheit des Tages (11)

22 Sep

Passend zum Besuch des Papstes, hier ein weises Zitat von Henry Louis Mencken (gefunden bei „ars libertatis„):

„Wir müssen die Religion des anderen respektieren, aber nur in dem Sinn und dem Umfang, wie wir auch seine Theorie respektieren, wonach seine Frau hübsch und seine Kinder klug sind.“

Ich würde das noch ergänzen: Entscheidend ist nicht, ob jemand glaubt, sondern was jemand glaubt, da (religiöser) Glaube per se keine Moral impliziert.

Sexistische Piraten

21 Sep

In unserer frauenfixierten, feministischen Kultur gehört nicht viel dazu um als frauenfeindlich zu gelten. Das müssen nun auch die Piraten erfahren, die nach ihrem Wahlerfolg in Berlin, unter verschärfte Beobachtung der Presse geraten. So schreibt etwa der „Spiegel“:

Der Berlin-Erfolg der Piraten offenbart zugleich ein Problem: Es gibt kaum Frauen in der ersten Reihe der Partei. Wenn Piratinnen deswegen mit Meuterei drohen, werden sie abgewatscht. Der Männerüberschuss geht schon in Ordnung, finden die Chef-Nerds. Die neue Avantgarde – ein Machoverein?

Ah ja… (weiterlesen…)

Das Wesentliche der Botschaft ist, dass die Realität nicht so wichtig ist, wie der Glaube an die Botschaft selbst

21 Sep

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) zeigt sich in einem Interview mit dem „Tagesspiegel“ leicht überfordert:

Die Proteste am Rande des Papst-Besuchs richten sich vor allem gegen die Sexualmoral der katholischen Kirche. Haben Sie Verständnis dafür, dass sich etwa Homosexuelle diskriminiert fühlen?

Dass man die Heterosexualität als den Normalfall und den von der Natur und Gott vorgesehenen Fall ansieht, ist eine feste Überzeugung der Kirche. Darüber kann man auch anderer Meinung sein, aber man muss sich deshalb nicht diskriminiert fühlen.

Schon alleine diese Antwort hat mehrere Schwachstellen. Erstens behauptet nämlich selbst der Papst, dass die Homosexualität ein von Gott vorgesehener „Fall“ ist, man dürfe sie eben bloß nicht ausleben. Und zweitens richtet sich der Unmut eben gegen eine katholische Sexualmoral, die sämtliche Ausdrucksformen der Sexualität herabwertet, wenn sie nicht im Rahmen der Ehe stattfinden. (weiterlesen…)

Katholische Sklaverei

21 Sep

Papstbesuche waren schon immer umstritten, erkennbar an folgendem, historischen Zitat, das sich  nicht einen Deut um Respekt oder Mäßigung schert:

„Er ist hier um den besten Weg zu finden, uns italienische Fesseln anzulegen, die uns als Sklaven an den Thron der grimmigsten Tyrannei ketten sollen, die es auf Erden gibt.“

Von wem und von wann stammt wohl dieser Aufschrei der Empörung? Wer es herausbekommt, darf mit mir morgen zum Demonstrieren gehen.

Und die Piraten haben doch Recht!

20 Sep

Gerd Hener versucht sich auf der „Achse des Guten“ an einer Ehrenrettung der (deutschen) Demokratie, indem er diese gegenüber ein Zitat der Piratenpartei zu verteidigen sucht:

Wir Piraten sind überzeugt, dass die Gemeinschaft einzelne Mitbürger nicht bevormunden darf.

Das klingt so vernünftig, dass man eigentlich nichts dagegen haben kann. Es sei denn, man ist Demokrat. Dann nämlich muss man im Geiste des Parlamentarismus folgendes dozieren: (weiterlesen…)

Berlin hat gewählt…

18 Sep

…und ich habe nicht mitgemacht. Bei der letzten Landtagswahl habe ich noch FDP gewählt. Seitdem hat sich viel verändert. Die FDP ist zu einer sozialdemokratischen Partei verkommen und meine Einschätzung über die Grundlagen und die Bedeutung der Demokratie  hat sich gewandelt. Mein Recht eine Partei zu wählen bedeutet mir nichts mehr.

Im Geiste bin ich Anarchist. Demokratie ist auch nur eine Herrschaftsform, in der die Mehrheit bestimmt, wie man sich am besten in das Leben aller anderen Menschen einmischen kann. Wahlen sind Unsinn! Für Gegenargumente bezüglich dieser Position wäre ich dankbar. Ich habe nämlich keine mehr.

Bereit zum Entern – mit Papas Schiff

17 Sep

Der Berliner Wahlkampf hat sich ein wenig anders entwickelt, als vermutet. Während die Grünen trotz des breiten Wählerpotentials der Hauptstadt eher dahindümpeln, macht sich eine andere Partei daran, die Berliner Landespolitik aufzumischen: die Piraten. In den Medien und von nicht wenigen Wählern werden sie ganz offensichtlich als frische, junge Alternative zu den etablierten Parteien betrachtet. Was an den Piraten aber eine Alternatiuve sein soll, bleibt fraglich, denn beim näheren Hinsehen, sind sie genau wie alle anderen Parteien der Bundesrepublik: sozialdemokratisch, grün, staatsgläubig.

Jawohl staatsgläubig. (weiterlesen…)

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