Meinungen, die es nicht braucht – Eine (unvollständige) Liste von Menschen, die mir suspekt sind

27 Aug

Die westliche Welt ist die beste aller Welten. Ihre Libertinage ist das, was sie erst lebenswert macht. Dennoch hat diese Libertinage natürlich Schattenseiten. So habe ich etwa den Eindruck, dass die Anzahl seltsamer, absurder, grotesker Meinungen und Lebenseinstellungen mit jedem Jahr steigt.

Als kleiner Beitrag zum endenden Sommerloch habe ich deshalb einmal aufgeschrieben, welche Meinungsbilder und Menschen mir – mehr oder weniger – suspekt sind. Man beachte beim Lesen bitte, dass oberflächliche Polemik durchaus gewollt sein kann.

Also dann, Feuer frei!

Beschneidungsbefürworter: “Das Abschneiden der Vorhaut ist Teil meiner religiösen Identität.”  – Tja, wenn das so ist, schneid Dir doch selbst die Vorhaut ab!

Eltern: “Unsere Maria-Sophie ist ja so kreativ. Ist das nicht schön, wie formvollendet sie die Spaghettisoße an die Tapete gemalt hat?”

Feministen: Menschen, die einem Frauenprivilegierung als Gleichberechtigung verkaufen wollen.

Genderristen: “Es gibt keine Geschlechter.” – Ach ja? Nun, wenn sie es sind, warum stehe ich dann nur das auf das Geschlecht mit Penis?

Homophobe: “Ich bin besser als Du, weil ich meinen Schwanz in eine Möse stecke.”

Israel-Kritiker: Ordinäre Antisemiten, die mit dem Antizionismus eine politisch korrektes Mäntelchen für ihr Ressentiment gefunden haben

Kulturkonservative: “Die Menschen haben keine Werte mehr. Alles dreht sich nur noch um Sex. Die Ehe ist die Keimzelle der Gesellschaft. Religion ist die Richtschnur für moralisches Handeln.”  – Solche Leute halt.

Multikulturalisten: Diejenigen, die sich bei jeder Äußerung des Papstes an die Mauern der nächsten Kirche ketten, aber aus Solidarität gemeinsam mit Moslems gegen Islamophobie beten und das Kopftuch und Burka für emanzipatorisch halten.

Nationalisten: “Deutsche, kauft nur deutsche Bananen!”

Ökologisten: Jene Art von Leuten, die den Menschen für die Pest des Planeten hält. Warum gehen sie dann nicht auf den Dachboden, knüpfen sich ein Seil und befreien den Planetenvon sich selbst?

Sozialisten: Menschen, die es für gerecht halten, dass ich meine Individualität zugunsten ihrer Eigeninteressen aufgebe.

Tierrechtler: Deppen wie jene von PETA, die weder von Tieren noch von der Natur eine Ahnung haben, die Käfern das gleiche Lebensrecht wie Menschen zubilligen, und die einem selbst das Essen von Fleisch und den Besuch von Zoos vermiesen wollen.

to be continued (?) …

18 Antworten zu “Meinungen, die es nicht braucht – Eine (unvollständige) Liste von Menschen, die mir suspekt sind”

  1. Atacama 27. August 2012 um 12:27 #

    “Genderristen: “Es gibt keine Geschlechter.” – Ach ja? Nun, wenn sie es sind, warum stehe ich dann nur das auf das Geschlecht mit Penis?”

    Tun sie das denn?
    So krass habe ich mich damit nicht auseinandergesetzt aber so wie ich das mitgekriegt habe, gehts eher darum, verpflichtende Geschlechterrollen abzuschaffen bzw. die “Männer sind so und so, Frauen sind so und so und jeder der diese Grenze übertritt muss bestraft werden, wenn schon nicht durchs Gesetz, dann doch bitte wenigstens durch gesellschaftlichen Liebesentzug”, dass es keine Geschlechter gibt, darum gehts wohl eher weniger.

    Also nach dem Motto:
    Ein Mann der Einzelhandelskaufmann ist und eine Chefärtzin heiratet und gerne Marmelade einkocht und seinen Kindern Pausenbrote schmiert, während seine Frau auf Fortbildung ist, der ist trotzdem ein Mann und darf auch so sein ohne fertig gemacht zu wreden oder dass ihm seine Männlichkeit abgesprochen wird.

    zudem gibt es eben auch Transsexuelle oder Transgender. Von daher ist es halt nicht so einfach, einem Menschen zwischen die Beine zu gucken und anhand dessen ihm einen erzwungenen Rahmen für seine Interessen, sein Verhalten und seine Fähigkeiten (sogar für seinen Charakter. Ich habe z.B mal gelesen, ein Mann muss führen (können). zumindest eine Frau. Also grundsätzlich. Das ist doch Quatsch) zu geben.

    Würden Geschlechterrollen von Geburt an vorhanden sein, müsste man Menschen ja nicht dahingehend erziehen.
    Besonders Männer müssen ja angeblich “gemacht” werden, lese ich immer. die sind nicht einfach so da, im Gegensatz zu Frauen, wenn sie als Jungs in die Pubertät kommen. d.h besonders Männlichkeit ist nichts natürliches sondern etwas künstliches, kulturelles.

    Zumindest lese ich immer, dass “die Feministen” oder “die Gendernauten” die Männerwelt verweichlichen durch die Erziehung usw. Das könnte aber überhaupt nicht sein, wenn männliches Verhalten oder was was darunter verstanden und gesellschaftlich verlangt wird von Natur aus da wäre.

    Ich bin durchaus der meinung dass Männer und Frauen in manchen Punkten tendenziell unterschiedlich sind, aber ob da Biologie oder Sozialisation oder beides (zu wieviel % ?) daran schuld sind, ist halt die Frage.

    Ich habe persönlich die Erfahrung gemacht, dass Männer und Frauen tatsächlich nicht so viel anders sind, zumindest was die Grundbedürfnisse angeht. Sie drücken sich manchmal nur anders aus.

    z.B wenn befreundete Männer sich liebevoll-grob eine Kopfnuss geben oder mal rangeln, dann ist dass – denke ich mittlerweile – ungefähr dasselbe wie zwei beste Freundinnen die sich “aaaaaaaaaaaaw meine Süße, ich hab dich sooooo lieb *küsschen* los wir gehen zusammen aufs Klo und schminken uns” betüddeln, nur die Ausdrucksform ist anders.
    Denn Männer machen sowas doch nur mit Männern die ihnen nahestehen oder?

    Das meiste sind doch nur irgendwelche Pseudowissenschaftler die für Beziehungen uU ungutes Verhalten biologisieren, die Eigenverantwortung aushebeln und den Geschlechtergroll anheizen wollen.
    Und letzteren scheint es sehr stark zu geben, zumindest im Internet. Da hab ich wohl immer einigermassen Glück gehabt bisher. ich hoffe, ich werde niemals an so einen verbitterten Maskulinisten geraten.

    Ich glaube, über Genderstudies wird auch viel scheiss erzählt.
    Die wollen Jungs zwingen mit Puppen zu spielen und Geschlechter abschaffen, das ist es – Extremisten ausgenommen – aber mit Sicherheit nicht. Das ist das selbe Niveau wie “Homos stehen den Pädophilen ja sehr nahe”. Man benutzt es als “Totschlagargument”, viele glauben es, stimmen tuts aber nicht.
    Und wirklich auseinandergesetzt damit haben sich die Kritiker in den meisten Fällen nicht.

    Ansonsten unterschreibe ich diese Liste.

  2. Leszek 27. August 2012 um 14:44 #

    @ Adrian

    interessanter Text:

    Beschneidungsbefürworter: “Das Abschneiden der Vorhaut ist Teil meiner religiösen Identität.” – Tja, wenn das so ist, schneid Dir doch selbst die Vorhaut ab!

    Mein Kommentar:

    Die Kritik an Beschneidungen ist sehr berechtigt und ein dauerhaftes Verbot sehr wünschenswert, siehe einen früheren Kommentar von mir zum Thema bei Christian:

    http://allesevolution.wordpress.com/2012/06/27/beschneidung-von-minderjahrigen-jungen-strafbar/#comment-41462

    Eltern: “Unsere Maria-Sophie ist ja so kreativ. Ist das nicht schön, wie formvollendet sie die Spaghettisoße an die Tapete gemalt hat?”

    Mein Kommentar:

    Solltest Du mal selbst ein Kind haben, wirst Du vermutlich genauso sein.

    Feministen: Menschen, die einem Frauenprivilegierung als Gleichberechtigung verkaufen wollen.

    Mein Kommentar:

    Die Kritik ist richtig bezüglich des heute in westlichen Gesellschaften vorherrschenden Feminismus (insbesondere des Radikalfeminismus, Genderfeminismus und Staatsfeminismus). Sie gilt jedoch nicht oder nicht zwangsläufig für:

    - frauenrechtliche/feministische Strömungen der Vergangenheit
    - frauenrechtliche/feministische Strömungen in nicht-westlichen Ländern, in denen Frauenunterdrückung sehr real ist – in den entsprechenden Ländern sind aber natürlich auch Diskriminierungen von Männern sehr real (z.B. Zwangsrekrutierungen), die ebenfalls wahrgenommen und bekämpft werden müssen.
    - in westlichen Ländern existierende dissidente Strömungen des Feminismus, die den dort vorherrschenden Feminismus kritisieren und eine pro-maskuline oder sogar pro-maskulistische Ausrichtung haben, z.B. Equity-Feminismus, Individual-Feminismus und Teile des französischen liberalen Feminismus
    - Frauen, die sich gegen real erfahrene einschränkende Rollenzuweisungen und frauenfeindliche Einstellungen zur Wehr setzen und dies unter dem Label des Feminismus tun, ohne dabei in männerfeindliche Einstellungen zu verfallen oder Frauenprivilegierung zu fordern. Selbstverständlich können auch männliche Individuen vergleichbare negative Erfahrungen von einschränkenden Rollenzuweisungen und Männerfeindlichkeit machen und dürfen sich genauso dagegen wehren (z.B. unter einem maskulistischen Label).
    - Frauen, die einfach eine rationale Interessenvertretung für Frauen und frauenspezifische Problemlagen sein wollen und dies unter dem Label des Feminismus tun – ohne dabei in Geschwätz über Patriarchat/Hegemoniale Männlichkeit sowie Männerfeindlichkeit und Forderungen nach Frauenprivilegierung zu verfallen (ist selten, aber gibt es).

    Genderisten: “Es gibt keine Geschlechter.” – Ach ja? Nun, wenn sie es sind, warum stehe ich dann nur das auf das Geschlecht mit Penis?

    Mein Kommentar:

    Die Kritik am pseudowissenschaftlichen Genderismus ist berechtigt, insbesondere weil er Umerziehungsmaßnahmen begünstigt, die den persönlichen Neigungen und Anlagen menschlicher Individuen widersprechen. Exakt die gleiche Kritik ist aber auch hinsichtlich des pseudowissenschaftlichen Traditionalismus mit seinen traditionellen Geschlechterrollen richtig. Mit dem konkreten menschlichen Individuum, welches den falschen Abstraktionen der Genderisten wie der Traditionalisten niemals entsprechen wird, hat weder das eine, noch das andere irgendwas zu tun.

    Homophobe: “Ich bin besser als Du, weil ich meinen Schwanz in eine Möse stecke.”

    Mein Kommentar:

    Volle Zustimmung. Allerdings sind Heterophobe (z.B. heterophobe, sexualfeindliche, radikalfeministische Sexistinnen, die Heterosexuellen das öffentliche Knutschen mit Bezug auf Solidaritätsfloskeln am liebsten verbieten würden, ebenfalls abzulehnen.

    Israel-Kritiker: Ordinäre Antisemiten, die mit dem Antizionismus eine politisch korrektes Mäntelchen für ihr Ressentiment gefunden haben

    Mein Kommentar:

    Nicht jeder Israel-Kritiker ist ein Antizionist oder Antisemit. Rationale und differenzierte Kritik an der israelischen Politik ist genauso legitim wie bei jeder anderen Regierung bzw. jedem anderen Staat.

    Kulturkonservative: “Die Menschen haben keine Werte mehr. Alles dreht sich nur noch um Sex. Die Ehe ist die Keimzelle der Gesellschaft. Religion ist die Richtschnur für moralisches Handeln.” – Solche Leute halt.

    Mein Kommentar:

    Das sind in psychologischer Hinsicht in der Regel sehr sicherheitsbedürftige Menschen, wie ich ja schon einmal erläuterte. Sie werden umso gefährlicher, je aggressiver sie sind und natürlich je mehr Macht sie anstreben – es gibt aber natürlich auch viele verträglichere und harmlose Exemplare, die einfach nur gemäß ihrer Neigungen leben wollen. Die rechte Anti- Kulturmarxismus-Verschwörungstheorie ist ein besonders übler Ausläufer der radikalen, gefährlichen Variante dieses „Kulturkonservatismus“, wie Du es nennst.

    Multikulturalisten: Diejenigen, die sich bei jeder Äußerung des Papstes an die Mauern der nächsten Kirche ketten, aber aus Solidarität gemeinsam mit Moslems gegen Islamophobie beten und das Kopftuch und Burka für emanzipatorisch halten.

    Mein Kommentar:

    Ich betrachte islamischen Fundamentalismus als faktisch rechtsradikal. Aber auch antimuslimischen Rassismus gibt es natürlich und er muss genauso bekämpft werden wie jeder andere Rassismus.

    Von der Ideologie des Multikulturalismus halte ich nichts, weil sie versucht das universalistisch-humanistische Prinzip der Gleichwertigkeit der Menschen durch die Idee einer Gleichwertigkeit der Kulturen (samt aller darin enthaltenen Wertesysteme und Praktiken) zu ersetzen. Das ist anti-emanzipatorisch.

    Nationalisten: “Deutsche, kauft nur deutsche Bananen!”

    Mein Kommentar:

    Volle Zustimmung. Ich halte die radikale Nationalismuskritik z.B. von Eric J. Hobsbawm, Ernest Gellner und Benedict Anderson für sehr berechtigt und zutreffend.

    Ökologisten: Jene Art von Leuten, die den Menschen für die Pest des Planeten hält. Warum gehen sie dann nicht auf den Dachboden, knüpfen sich ein Seil und befreien den Planeten von sich selbst?

    Mein Kommentar:

    Das gilt nur für den radikalen, nicht aber für den gemäßigten Flügel der Ökologiebewegung. Dem gemäßigten Flügel stimme ich in vielem zu.

    Sozialisten: Menschen, die es für gerecht halten, dass ich meine Individualität zugunsten ihrer Eigeninteressen aufgebe.

    Mein Kommentar:

    Stimme der Kritik an Sozialisten nicht zu. Bin selbst einer.

    Und ich glaube trotz aller weltanschaulichen Divergenzen fährst Du mit meiner Art von Sozialismus wahrscheinlich sehr viel besser als mit den Kulturkonservativen.

    Tierrechtler: Deppen wie jene von PETA, die weder von Tieren noch von der Natur eine Ahnung haben, die Käfern das gleiche Lebensrecht wie Menschen zubilligen, und die einem selbst das Essen von Fleisch und den Besuch von Zoos vermiesen wollen.

    Mein Kommentar:

    Ich halte die Tierrechtsphilosophie und –bewegung grundsätzlich für völlig berechtigt. Eine zeitgemäße Ethik muss alle leidensfähigen Geschöpfe berücksichtigen. Der größte Teil des Tierrechtsdiskurses kreist übrigens um solche Tiere, deren Potential an Leidensfähigkeit mit der des Tieres Mensch vergleichbar ist. Wie überall gibt es natürlich auch bei Tierrechtlern Verrückte und Fanatiker. Die Unterscheidung zwischen gemäßigten und radikalen Vertretern ist bei fast jeder sozialen Bewegung für eine faire Beurteilung sinnvoll.

  3. subcomandante marcus 28. August 2012 um 01:14 #

    “Multikulturalisten: Diejenigen, die sich bei jeder Äußerung des Papstes an die Mauern der nächsten Kirche ketten, aber aus Solidarität gemeinsam mit Moslems gegen Islamophobie beten und das Kopftuch und Burka für emanzipatorisch halten.”

    -mal im ernst: wo triffst du solche leute (ausser in irgendwelchen zeitungs-fantasien)?

    in stereotypistan? ich hab niemals so jemanden getroffen, und ich hab schon viele strange typen getroffen.

  4. Adrian 28. August 2012 um 12:13 #

    @ Atacama
    Ich kann Dir irgendwie nicht ganz folgen. Was Du erzählst, dem habe ich doch gar nicht widersprochen.

    “Ich glaube, über Genderstudies wird auch viel scheiss erzählt.”

    Das ist sicher richtig. Allerdings wird in Genderstudies auch viel Scheiß erzählt.

    @ Leszek
    “Solltest Du mal selbst ein Kind haben, wirst Du vermutlich genauso sein.”

    Ganz bestimmt nicht.

    “Nicht jeder Israel-Kritiker ist ein Antizionist oder Antisemit.”

    Doch. Es gibt schließlich auch keine Iran-Kritiker oder Russland-Kritiker oder Deutschland-Kritiker. Und erst recht keine Palästina-Kritiker.

    “Das gilt nur für den radikalen, nicht aber für den gemäßigten Flügel der Ökologiebewegung.”

    Deshalb schrieb ich ja auch “Ökolgisten”.

    “Stimme der Kritik an Sozialisten nicht zu. Bin selbst einer. Und ich glaube trotz aller weltanschaulichen Divergenzen fährst Du mit meiner Art von Sozialismus wahrscheinlich sehr viel besser als mit den Kulturkonservativen.”

    Dafür müsste ich erst einmal wissen, was Deine Art von Sozialismus ist.

    “Ich halte die Tierrechtsphilosophie und –bewegung grundsätzlich für völlig berechtigt.”

    Ich nicht.

    “Eine zeitgemäße Ethik muss alle leidensfähigen Geschöpfe berücksichtigen.”

    Das tut sie ja auch.

    “Die Unterscheidung zwischen gemäßigten und radikalen Vertretern ist bei fast jeder sozialen Bewegung für eine faire Beurteilung sinnvoll.”

    Vielleicht sollte ich demnächst meinen Disclaimer fett, rot und unterstrichen schreiben: “Man beachte beim Lesen bitte, dass oberflächliche Polemik durchaus gewollt sein kann.”

  5. Leszek 28. August 2012 um 13:04 #

    @ Adrian

    “Doch. Es gibt schließlich auch keine Iran-Kritiker oder Russland-Kritiker oder Deutschland-Kritiker. Und erst recht keine Palästina-Kritiker.”

    O.k., verstehe was gemeint war.
    Du hast Recht.
    Ich schrieb ja auch: „Rationale und differenzierte Kritik an der ISRAELISCHEN POLITIK ist genauso legitim wie bei jeder anderen Regierung bzw. jedem anderen Staat.

    „Dafür müsste ich erst einmal wissen, was Deine Art von Sozialismus ist.“

    Klassischer libertärer Sozialismus, bei dem (was Du natürlich ablehnst) das politische und ökonomische Teilsystem der Gesellschaft basisdemokratisch vergesellschaftet sind, des Weiteren in seinem privaten Leben jeder selbst über seine Lebens- und Beziehungsgestaltung bestimmt. Bejaht werden Menschenrechte und Demokratie als allgemeines kulturelles Wertesystem. Ein kulturelles Wertesystem, dass über die Bejahung von Menschenrechten und Demokratie hinaus danach strebt Identitäten, Lebensweisen oder Beziehungsformen zu vereinheitlichen (oder gar eine rechtliche Institutionalisierung eines solchen vereinheitlichenden Wertesystems) wird abgelehnt.

    „Vielleicht sollte ich demnächst meinen Disclaimer fett, rot und unterstrichen schreiben: “Man beachte beim Lesen bitte, dass oberflächliche Polemik durchaus gewollt sein kann.”

    Ist mir durchaus bewusst. Dennoch war es hier nötig zu widersprechen und auf Differenzierungen hinzuweisen, weil viele gängige antilinke Klischees bedient wurden, die nur zu gerne im antilinken Diskurs aufgegriffen und weiterverbreitet werden.
    Es ist meiner Erfahrung nach übrigens leider die Regel, dass konservative und liberale Kritiker linker Theorien, Positionen und Bewegungen keine Ahnung haben, wovon sie reden.

  6. Adrian 28. August 2012 um 23:17 #

    @ Leszek
    “Klassischer libertärer Sozialismus, bei dem (was Du natürlich ablehnst) das politische und ökonomische Teilsystem der Gesellschaft basisdemokratisch vergesellschaftet sind, des Weiteren in seinem privaten Leben jeder selbst über seine Lebens- und Beziehungsgestaltung bestimmt.”

    Wie soll jeder selbst über seine Lebens- und Beziehungsgestaltung bestimmen können, wenn das politische und ökonomische Teilsystem der Gesellschaft basisdemokratisch vergesellschaftet ist?

    “Bejaht werden Menschenrechte und Demokratie als allgemeines kulturelles Wertesystem.”

    Menschenrechte? Welche Menschenrechte? Und wozu Demokratie? In welchen Bereichen? Wie weitgehend? Wie weit muss sich der Einzelne dem demokratischen Kollektiv beugen?

  7. subcomandante marcus 29. August 2012 um 00:19 #

    “Wie soll jeder selbst über seine Lebens- und Beziehungsgestaltung bestimmen können, wenn das politische und ökonomische Teilsystem der Gesellschaft basisdemokratisch vergesellschaftet ist?”

    -wie läuft das denn in deiner subjektiven momentanen rolle im moment, in diesem system? gefällt dir das so, oder würdest du auch was konkretes ändern wollen?

    “Bejaht werden Menschenrechte und Demokratie als allgemeines kulturelles Wertesystem.”

    “Menschenrechte? Welche Menschenrechte? ”

    -dir ist schon klar, dass es sowas gibt, wenn genügend menschen das wollen?

    “Und wozu Demokratie? In welchen Bereichen? Wie weitgehend? Wie weit muss sich der Einzelne dem demokratischen Kollektiv beugen?”

    -finde ich in der tat auch schwierig. da muss der großteil der menschheit erstmal intellektuell etwas mehr aus den puschen kommen. bei allen versuchen richtung volksdemokratie kommen ja auch immer gruselige sachen raus, womit man sich hier nix mehr schönreden kann. die alternative ist aber dass alles jemand ganz anderes bestimmt, der nicht immer nach kompetenz ‘ausgewählt’ ist. und genug idioten bestimmen ja jetzt schon über uns.

    “Beschneidungsbefürworter: “Das Abschneiden der Vorhaut ist Teil meiner religiösen Identität.” – Tja, wenn das so ist, schneid Dir doch selbst die Vorhaut ab!”

    -der ultimative kommentar zu dem thema, 100% ack. ein kleinkindhat keine angeborene religiöse identität.

    fast vergessen: bin ich jetzt ein antisemitischer antizionist, wenn ich eine solche denkweise auch in israel gutheissen würde? immerhin hab ich die damit kritisiert =;-).

  8. Adrian 29. August 2012 um 00:36 #

    @ subcomandante marcus

    “gefällt dir das so, oder würdest du auch was konkretes ändern wollen?”

    Mir gefällt es ganz gut. Konkret würde ich Kleinigkeiten ändern, aber es sind viele Kleinigkeiten und es würde zu weit führen, das jetzt hier aufzuzählen.

    “dir ist schon klar, dass es sowas gibt, wenn genügend menschen das wollen?”

    Es ist mir eigentlich egal was viele Menschen wollen. Wenn viele Menschen die Todesstrafe wollen oder ihre Kinder beschneiden lassen wollen, macht es das doch nicht richtiger.

    Ich halte nicht viel von Demokratie als politischem Konzept.

    “der ultimative kommentar zu dem thema, 100% ack. ein kleinkindhat keine angeborene religiöse identität. “

    Ist zwar richtig, aber darum ging es mir nicht. Es geht mir um körperliche Unversehrtheit.

    “bin ich jetzt ein antisemitischer antizionist, wenn ich eine solche denkweise auch in israel gutheissen würde?”

    Nein.

  9. subcomandante marcus 29. August 2012 um 02:15 #

    “gefällt dir das so, oder würdest du auch was konkretes ändern wollen?”

    Mir gefällt es ganz gut. Konkret würde ich Kleinigkeiten ändern, aber es sind viele Kleinigkeiten und es würde zu weit führen, das jetzt hier aufzuzählen.

    -also hast du hier im großen&ganzen schon halbwegs behaglich eingerichtet?
    ich nicht.

    “dir ist schon klar, dass es sowas gibt, wenn genügend menschen das wollen?”

    Es ist mir eigentlich egal was viele Menschen wollen. Wenn viele Menschen die Todesstrafe wollen oder ihre Kinder beschneiden lassen wollen, macht es das doch nicht richtiger.

    -die von dir vorgeschlagene alternative?

    meine wäre: das denken anregen. dumme menschen stellen solche forderungen. kluge menschen machen sich gedanken und finden lösungen.

    Ich halte nicht viel von Demokratie als politischem Konzept.

    -könnte jeder stiefelnazi unterschreiben. wie gesagt, welche alternative schlägst du vor?

    “der ultimative kommentar zu dem thema, 100% ack. ein kleinkindhat keine angeborene religiöse identität. “

    Ist zwar richtig, aber darum ging es mir nicht. Es geht mir um körperliche Unversehrtheit.

    -cool, hatte ich einfach mal mitimpliziert. ausser medizinischen kenne ich keine guten gründe, unmündige in dem alter zu verstümmeln.

    “bin ich jetzt ein antisemitischer antizionist, wenn ich eine solche denkweise auch in israel gutheissen würde?”

    Nein.

    -find ich auch.

    *das wird man doch wohl noch sagen dürfen*

  10. Adrian 29. August 2012 um 10:25 #

    @ subcomandante marcus

    Meine vorgeschlagene Alternative lautet immer: persönliche Freiheit. Soviel davon wie möglich.

    Warum ich kein Demokrat bin? Deshalb:

    “Für mich ist die Demokratie stets eine Ordnung, in der andere Leute im Namen der “Mehrheit” über mein Leben mitbestimmen und mitreden; eine Institution, in der im Namen der Mehrheit, eben jene Mehrheit allen anderen ihren Willen aufzwingt und sie zur Finanzierung ihrer Lieblingsprojekte heranzieht.”

    http://gaywest.wordpress.com/2011/08/21/warum-ich-kein-demokrat-bin/#more-15348

  11. Peter 29. August 2012 um 13:55 #

    “Für mich ist die Demokratie stets eine Ordnung, in der andere Leute im Namen der “Mehrheit” über mein Leben mitbestimmen und mitreden; eine Institution, in der im Namen der Mehrheit, eben jene Mehrheit allen anderen ihren Willen aufzwingt und sie zur Finanzierung ihrer Lieblingsprojekte heranzieht.”

    Und was wäre die Alternative? Mir ist es lieber, eine Mehrheit entscheidet als eine Minderheit. Die Problematik liegt doch viel mehr darin, dass die staatlichen Institutionen eben nur sehr beschränkt demokratischer Kontrolle unterstehen und sich Kompetenzen anmassen, die nirgends demokratisch legitimiert wurden.

  12. Adrian 29. August 2012 um 22:44 #

    “Und was wäre die Alternative?”

    Selbstbestimmung.

    “Mir ist es lieber, eine Mehrheit entscheidet als eine Minderheit.”

    Mir ist es am liebsten ich entscheide über das, was mich betrifft selbst.

  13. subcomandante marcus 29. August 2012 um 23:29 #

    “Mir ist es am liebsten ich entscheide über das, was mich betrifft selbst.”

    -ist doch quasi der kern der demokratie. ich finde nur, man sollte mal die anzahl der abstimmenden auf die menge reduzieren, die es betrifft.
    im kleinen rahmen klappt demokratie bestimmt, anarchie klappt ja auch im kleinen.
    aber sollen sich 14 leute nach dem 15. spinner richten der wieso immer was zu meckern hat?
    ich finde nicht, es gibt sowas wie allgemeininteresse. aber ich möchte nicht 80 millionen über alles entscheiden lassen die ihre bildung aus fernsehen und schlechten zeitungen beziehen. leider kannst du eben nicht über alles, was dich selbst betrifft entscheiden, egal wie selbstbestimmt du sonst lebst. ich bin offen für gegenbeispiele.

    in welchem politischem system kannst du denn darüber entscheiden, was dich selber betrifft?

    *ganz ohr*

  14. Adrian 29. August 2012 um 23:34 #

    “ist doch quasi der kern der demokratie”

    Sicher doch. Deshalb gibt es auch Volksabstimmungen über Minarette oder Rauchverbote in allen Kneipen…

    “es gibt sowas wie allgemeininteresse”

    Und was soll das sein?

    “aber ich möchte nicht 80 millionen über alles entscheiden lassen die ihre bildung aus fernsehen und schlechten zeitungen beziehen.”

    Was macht Dich denn klüger als diese Leute?

    “leider kannst du eben nicht über alles, was dich selbst betrifft entscheiden”

    Kann nicht, oder darf nicht?

    “in welchem politischem system kannst du denn darüber entscheiden, was dich selber betrifft?

    Liberale Demokratie mit wenig Demokratie und viel Liberalismus.

  15. subcomandante marcus 30. August 2012 um 00:07 #

    “ist doch quasi der kern der demokratie”

    Sicher doch. Deshalb gibt es auch Volksabstimmungen über Minarette oder Rauchverbote in allen Kneipen…

    -würden diese abstimmungen nur in einzelnen städten stattfinden und nur für diese verbindlich sein, käme es garantiert zu sehr unterschiedlichen ergebnissen. in einer aufgeklärten bevölkerung würde man über so einen nebensächlichen scheiss nicht mal abstimmen wollen. von mir aus kann jeder auf dem minarett rauchen der will.

    “es gibt sowas wie allgemeininteresse”

    Und was soll das sein?

    -das, was alle nervt, auch dich. möchtest du als schichtarbeiter gerne einen nachbarn haben der 24h techno hört? oder plötzlich vor einem kernkraftwerk wohnen?
    ich finde es nicht verkehrt sich da auf allgemeingültige regeln beziehen zu können, die jeder denkende mensch nachvollziehen kann.

    “aber ich möchte nicht 80 millionen über alles entscheiden lassen die ihre bildung aus fernsehen und schlechten zeitungen beziehen.”

    Was macht Dich denn klüger als diese Leute?

    -fändest du es schöner wenn ich dümmer als die wäre? bist du doch auch nicht.
    wenn ich das alles aufzählen würde höre ich mich nur tierisch arrogant an, aber ich meine sowas nicht von oben herab. ich setze ein eigeninteresse voraus nicht blöd zu bleiben, und ärgere mich mein leben lang schon über leute die ihr gehirn nicht einsetzen.
    wenn jemand lieber dumm sterben will, dann soll er wenigstens vorher nicht dumm andere nerven.

    “leider kannst du eben nicht über alles, was dich selbst betrifft entscheiden”

    Kann nicht, oder darf nicht?

    -das klingt wie “hau mich, damit ich recht hab.” *du darfst*

    du darfst in meiner version des libertären sozialismus niemanden einfach so umbringen, aber ich glaube das würdest du schon schaffen.
    ich würde dir bei meinem momentanen kenntnisstand garnix verbieten wollen. können wieso nicht.

    “in welchem politischem system kannst du denn darüber entscheiden, was dich selber betrifft?

    Liberale Demokratie mit wenig Demokratie und viel Liberalismus.

    -in welchem land war das gerade noch mal?

  16. Adrian 30. August 2012 um 00:31 #

    “möchtest du als schichtarbeiter gerne einen nachbarn haben der 24h techno hört?”

    Nein

    “oder plötzlich vor einem kernkraftwerk wohnen?”

    Das wäre mir relativ egal.

    “fändest du es schöner wenn ich dümmer als die wäre?”

    Woher soll ich wissen, dass Du nicht dümmer bist als die? Kenne Dich doch gar nicht.

    “wenn jemand lieber dumm sterben will, dann soll er wenigstens vorher nicht dumm andere nerven.”

    Ich glaube Du verwechselst Dummheit mit dem Umstand, dass nicht alle Deiner Meinung sind.

    “in welchem land war das gerade noch mal?”

    Dieses Land gibt es nicht.

  17. subcomandante marcus 30. August 2012 um 02:14 #

    “möchtest du als schichtarbeiter gerne einen nachbarn haben der 24h techno hört?”

    Nein

    -wie willst du das alleine verindern?

    “oder plötzlich vor einem kernkraftwerk wohnen?”

    Das wäre mir relativ egal.

    -schön für dich, aber wenn ich dein nachbar wäre und das nicht will?

    “fändest du es schöner wenn ich dümmer als die wäre?”

    Woher soll ich wissen, dass Du nicht dümmer bist als die? Kenne Dich doch gar nicht.

    -du könntest darüber nachdenken was ich geschrieben habe. und dann eigene schlüsse ziehen.

    “wenn jemand lieber dumm sterben will, dann soll er wenigstens vorher nicht dumm andere nerven.”

    Ich glaube Du verwechselst Dummheit mit dem Umstand, dass nicht alle Deiner Meinung sind.

    -find ich irgendwie strange: und in deiner welt sind alle gegen deine meinung oder dafür, aber trotzdem total dufte typen?
    ich will nirgendwo leben wo alle meiner meinung sind.
    du lässt dich nicht gern belehren, soviel hab ich verstanden.
    scheuklappen ist trotzdem overdressed.

    “in welchem land war das gerade noch mal?”

    Dieses Land gibt es nicht.

    -meine rede.

  18. Adrian 30. August 2012 um 10:30 #

    “wie willst du das alleine verindern?”

    Kann ich vermutlich nicht. Aber was folgt daraus?

    “schön für dich, aber wenn ich dein nachbar wäre und das nicht will?”

    Dann haben wir ein Patt.

    “du könntest darüber nachdenken was ich geschrieben habe. und dann eigene schlüsse ziehen.”

    Aus Deinem Geschriebenen kann ich weder besondere Klugheit noch besondere Dummheit ableiten.

    “und in deiner welt sind alle gegen deine meinung”

    Viele teilen meine Meinung nicht.

    “oder dafür, aber trotzdem total dufte typen?”

    Ja, es gibt dennoch viele dufte Typen.

    “du lässt dich nicht gern belehren, soviel hab ich verstanden.”

    Das ist richtig.

    “scheuklappen ist trotzdem overdressed.”

    Scheuklappen wogegen?

    “meine rede.”

    ?

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