Archiv für die Kategorie ‘Moral und Ethik’

Make Love - Not Jihad

23. Juli 2008

Parvez Sharma hat zwölf Jahre lang das Leben homosexueller Muslime in verschiedenen Ländern dokumentiert. Das Resultat ist der Film “Jihad for Love”. In einem Interview erläutert Sharma was hinter dem Projekt steckt:

I think the history of Islam and homosexuality is a complex one. Islam has now been around for 1426 years. We often rush to pronounce all these general statements about Islam and how we should perceive it. One of the most problematic things is that in the West we consider Islam to be this violent monolith.

Ob nun die Ansicht des Westens, dass der Islam eine vor Gewalt strotzende Einheit bildet, problematisch ist, wage ich zu bezweifeln. Wie oft muss man eigentlich betonen, dass das Image des Islam ein anderes sein könnte, wenn man es in den von dieser Religion dominierten Gesellschaften nicht für notwendig erachten würde, Nettigkeiten wie Verfolgung, Repression und mittelalterliche Hinrichtungen zu zelebrieren? Und dann sind da ja noch die Gotteskrieger, die wie Pilze aus dem Boden schießen und jedem - ob Moslem oder nicht - zu verstehen geben, dass man gefälligst so zu leben hat wie sie sich das vorstellen, will man nicht auf seinen Kopf verzichten oder in einem gelb glühenden Feuerball dahinscheiden. (more…)

Kann denn Liebe Sünde sein?

22. Juli 2008

Es wird Zeit, dass ich mich an dieser Stelle einmal mit einem Vorwurf gegenüber Homosexuellen befasse, der uns vor allem seitens katholischer Gläubiger präsentiert wird und der zur katholischen Doktrin Roms gehört wie die Anbetung der Jungfrau Maria. Nämlich das Postulat, Homosexualität in der gelebten Ausführung sei Sünde. Rom bezieht in Sachen Homosexualität wie folgt Stellung:

Gemäß der römischen Glaubenskongregation ist die homosexuelle Neigung oder Tendenz zwar objektiv ungeordnet und nicht dem Schöpfungssinn von Sexualität entsprechend, aber als solche noch nicht sündhaft, während bewusst und frei vollzogene homosexuelle Akte als schwere Sünde angesehen werden. Personen mit homosexuellen Neigungen sind wie alle Christen dazu aufgerufen ein keusches Leben zu führen.

In der Diskussion mit Bloggerkollege NUB habe ich diese Doktrin als schwulenfeindlich bezeichnet und diesen Standpunkt bei den Bloggern von B.L.O.G noch einmal ausgeführt*: (more…)

Role model

22. Juli 2008

Mein Privatleben bleibt mein Privatleben. Wenn die Leute fragen und nachbohren, dann ist es mein gutes Recht zu sagen, dass ich dieses Thema nicht beantworten möchte.

Fady Maalouf auf die Frage, wie er in Zukunft mit seiner Homosexualität umgehen will

In Memoriam Ahmet Yildiz

21. Juli 2008

Die Schwulen- und Lesbenszene in Istanbul trauert um den 26-jährigen Ahmet Yildiz. Der junge Mann, der letztes Jahr die Türkei bei einem schwulen Contest in San Francisco vertreten hat, wurde letzte Woche erschossen, als er ein Café verließ. Verwundet versuchte er noch, den Tätern mit seinem Auto zu entkommen, aber er verlor die Kontrolle über seinen Wagen und starb kurz darauf im Krankenhaus. Die Freunde von Ahmet Yildiz glauben, dies war der erste schwule “Ehrenmord” in der Türkei.
Weiterlesen

Update:

Nun soll sich auch der Lebenspartner des Ermordeten auf der Flucht befinden. Das Konsulat der Bundesrepublik soll dem Mann, der einen deutschen Pass besitzt, geraten haben, die Türkei so schnell wie möglich zu verlassen.

Seminar Nummer 3: Warum der Schutz der Freiheit weniger Freiheit erfordert

20. Juli 2008

Als Polemik bezeichnet man “einen meist scharfen und unsachlichen Meinungsstreit im Rahmen politischer, literarischer oder wissenschaftlicher Diskussionen” (Wikipedia). Ein Text von Hans Christoph Buch - bereits im Jahre 2004 im “Cicero” veröffentlicht aber in seiner Intention immer noch hochaktuell - ist als Polemik ausgewiesen und birgt gemäß Definition einen wahren Schatz an unsachlichen Thesen, Behauptungen und Unterstellungen. “Ist Gott ein Four Letter Word?” ist das Ganze überschrieben. Und damit der Leser auch wirklich weiß was ihn erwartet, wird in der Einleitung noch mal präzisiert:

Lange wurden Tabubrüche als Befreiung von Zwängen gefeiert, als Signum einer aufgeklärten Gesellschaft, die sich ihrer Toleranzfähigkeit vergewissert. Oder sind Tabubrüche mittlerweile zwanghafte Routine geworden?

Scheint so, als erwarte einen das volle Programm eines feinst abgeschmeckten kulturkonservativen Delikatesssüppchens. Und wo es um Toleranz, Tabubrüche und deren zwanghafte Inszenierung geht, da ist “Kritik” an Schwulen nicht weit. Hans Christoph Buch macht da keine Ausnahme. Und beginnt mit einer Episode aus seiner Lebensgeschichte: (more…)

Alternativ cruisen in Friedrichshain

19. Juli 2008

Nichtsahnend radelte am 12. Juli, gegen 03:30 Uhr, ein 41 Jahre alter Mann, Vater von zwei Kindern, mit zwei Begleitern durch den Volkspark Friedrichshain. Nach dem sie gemeinsam das alternative Lokal „Köpi“ besucht hatte, befanden sie sich mit ihren Fahrrädern auf dem Heimweg. Weil der 41-Jährige sich mit seinem Fahrrad zu weit von den anderen beiden entfernt hatte, sei er stehen geblieben, um auf sie zu warten. Im nächsten Moment sei er von einer Gruppe von sechs bis acht Jugendlichen umringt worden, die ihn vom Fahrrad zerrten und brutal auf ihn einschlugen. (more…)

Wenn der Wowi mit dem Luschkow

19. Juli 2008

Um es mal klar zu sagen: Niemand braucht Moskau!

Ein besonderes Treffen zweier Bürgermeister gab es in Berlin: Der offen schwule Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit trifft seinen Moskauer Amtskollegen Juri Luschkow, einen bekennenden Schwulenhasser. [...]

Und auch, wenn das Verhältnis zwischen Wowereit und Luschkow professionell-freundschaftlich ist, beim Thema Homosexualität redet der Regierende Bürgermeister Berlins Klartext. Vize-Senatssprecher Günter Kolodziej: “Da gibt es in der Sache eine klare Differenz. Und die ist auch schon offen angesprochen worden.” Ob der Moskauer Bürgermeister lernfähig ist, werden seine zukünftigen Aussagen zeigen.

Ich habe nichts gegen Schwule, aber…

18. Juli 2008

Liebe Leser, kennen Sie den?

„Also ich habe ja nichts gegen Schwule solange sie mich nicht anmachen.“

Natürlich kennen Sie den. Gehört diese Aussage doch zu den Standardsätzen einer very sophisticated vorgetragenen Ablehnung schwuler Menschen an sich. Denn ist es nicht so, dass Schwule vor allem dadurch auffallen, jedem Mann an den Schwanz zu fassen? Gehört es nicht zu den Übeln großer deutscher Städte, dass sich der gemeine Homo heterophilensis vor Flirt- und Sexattacken rolliger Homos kaum mehr retten kann?

Der größte Witz an diesem Satz ist, (more…)

Dubai sucks

18. Juli 2008

Dubai gibt sich wieder mal voll modern:

Police in the Gulf state of Dubai have arrested 40 men in a crackdown on transvestites.

Das steinreiche Emirat ist übrigens auch bei westlichen Touristen besonders angesagt. Ein bisschen seltsam finde ich es ja schon, wenn man seine Urlaubstage ausgerechnet in den islamischen Staaten Nordafrikas und des Nahen Ostens verbringt. Denn was gibt es denn dort, was zivilisierte Staaten nicht haben? Ganz klar: Kamele, Sand, eine beachtliche Menge verschleierter Frauen und jede Menge Repression. Und vielleicht ist es ja gerade das, was dem gelangweilten Wohlstandstouristen erst den richtigen Kick gibt?

Sweet Home Alabama

18. Juli 2008

Es scheint mittlerweile ein Naturgesetz zu sein, dass sich gewisse amerikanische Politiker morgens über die Verkommenheit der Homosexualität echauffieren, um dann am Nachmittag mit einem Mann in die Kiste zu hüpfen. Im beschaulichen Alabama scheint dies wieder einmal passiert zu sein:

In amerikanischen Blogs wurde Alabamas Generalstaatsanwalt Troy King (”Homosexualität ist der Untergang der Gesellschaft”) geoutet [...]

Den Berichten zufolge ist King von seiner Frau erwischt worden, als er mit einem anderen Mann Sex in deren Ehebett hatte. Sie soll ihren Mann deswegen hinausgeschmissen haben.

Womit sich die holde Gattin zumindest an das Diktum ihres Angetrauten gehalten hat. Der hatte nämlich stets postuliert

dass gegen “Perversionen und außerehelichen Sex” mehr unternommen werden müsse.