Tag Archives: Religionsfreihet

Religion ist nicht genetisch

11 Mär

In einem Bericht über das in Kraft getretene Anti-Homo-Gesetz in Uganda bin ich über eine sehr interessante Begründung gestolpert:

Als Ugandas Präsident Yoweri Museveni Anfang dieser Woche das umstrittene Gesetz gegen Homosexualität unterzeichnet, berief er sich auf das Gutachten eines Wissenschaftler-Komitees, das das Gesundheitsministerium einige Wochen zuvor eingesetzt hatte. “Dessen einstimmige Schlussfolgerung war, dass Homosexualität, entgegen meiner bisherigen Meinung, durch die Umwelt und nicht durch die Gene ausgelöst wird”, schrieb Museveni an US-Präsident Barack Obama, der ihn gebeten hatte, das Gesetz nicht zu unterschreiben. “Sie ist erlernt und kann wieder verlernt werden.”

Lassen wir uns einmal auf dieses Argument ein und gehen davon aus, dass Homosexualität erlernt ist. Weiterlesen

Das Kreuz mit dem Kreuz

11 Mai

Ein türkischer Parlamentarier hat im Vorfeld des Prozesses gegen Beate Zschäpe, ein Kruzifix im Gerichtssaal kritisiert und gefordert, dieses abzuhängen. Nun schlagen die Wellen hoch, und vor allem Politiker von CDU/CSU, als auch Kirchenvertreter bestreiten die Notwendigkeit dieser Forderung, ja halten diese gar für überzogen.

Dabei ist die Forderung durchaus berechtigt. Und das nicht etwa, weil sich Muslime beleidigt fühlen könnten, sondern ausgehend von einem grundlegenden Prinzip liberal-demokratischer Rechtsstaaten: die Trennung von Staat und Religion.

Was also hat ein Kruzifix in einem Gerichtssaal zu suchen? Was soll dieses aussagen? Dass die Richter Christen sind? Dass die Urteile nach christlichen Leitlinien gefällt werden? Soll es bedeuten, dass nicht Grundgesetz und Strafgesetzbuch maßgeblich für die Urteilsfindung sind, sondern die Bibel? Oder dass Christen vor dem Gesetz gleicher behandelt werden als Nichtchristen?

Mein Schwanz gehört mir! – Ein Jahr danach

9 Mai

Kein Thema hat mich im letzten Jahr so beschäftigt, wie die Debatte um frühkindliche Beschneidung bei Jungen. Beschäftigt? Sagen wir eher, geärgert. Ganze acht Beiträge hatte ich dazu  verfasst (1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8) und mit jedem hat sich mein Ärger gesteigert. Wo waren wir nur hingekommen? Es wurde tatsächlich darüber diskutiert, welchen Stellenwert eine Körperverletzung an unmündigen Kindern  im Verhältnis zu einem religiösen Brauch hat. Eine glasklare Sache eigentlich, sollte man meinen – aber nein! Die Religion hat mal wieder ihre Extrawurst bekommen, ihre gesellschaftliche Macht untermauert und ein unmoralisches Prinzip verteidigt.

Ein unmoralisches Prinzip? Ja, selbstverständlich! Was anderes als unmoralisch soll es sonst sein, einem unmündigen Kleinkind ohne Not ein Körperteil zu amputieren? Was gibt es da überhaupt zu diskutieren?

Die Entscheidung des Kölner Landgerichtes, der Stein des Anst0ßes zu Debatte, hat sich am 7. Mai zum ersten Mal gejährt. Anlässlich dieses Jahrestages hat das Blog “robins urban life stories” einen fulminanten Beitrag verfasst, indem alle Argumente pro Beschneidung förmlich zerfetzt werden. Man erkennt die Wut hinter dem Beitrag, und es ist eine Wut, die ihre Berechtigung hat.

Man muss einfach wütend werden, angesichts der Tasache, dass in Deutschland nicht alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind, und dass die Geburt in eine Religionsgemeinschaft ausreicht, das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung mit Füßen treten zu dürfen.

Vollpfosten für die Freiheit

26 Okt

Die “Achse des Guten” war auch schon mal besser. Aktuell echauffiert man sich über zwei Positionen der FDP-Jugendorganisation “Junge Liberale” (“Julis”), und bezeichnet diese wenig schmeichelhaft und bar jeder Argumentation als “Liberale Vollpfosten”. Warum? Nun darum:

Die Beschneidung aus religiösen Gründen im Kleinkindalter soll verboten, die Leugnung des Holocausts hingegen legalisiert werden. Jedenfalls, wenn es nach dem Willen vieler Mitglieder der FDP-Jugendorganisation Junge Liberale (Julis) geht. Nach Ansicht der Julis führt die Beschneidung zu einer Schädigung des Kindes »hinsichtlich seiner sexuellen Empfindsamkeit im Erwachsenenalter«. So steht es in einem Beschluss, der beim Bundeskongress in Halle/Saale kürzlich mit großer Mehrheit verabschiedet wurde. [...]

Zeitgleich plädieren immer mehr Jungliberale für eine Legalisierung der Holocaustleugnung, die nicht nur in Deutschland als »Volksverhetzung« unter Strafe steht. Eine entsprechende Forderung hatte der Landesverband Bayern unlängst beschlossen. Lasse Becker, Juli-Bundesvorsitzender, will das zwar nicht, sagt aber: »Grundsätzlich sehen wir Meinungsverbote sehr kritisch.« Becker möchte Schoaleugner »lieber durch sachliche Argumente entlarven«.

Beide Beschlüsse sind aus liberaler Sicht kaum zu kritisieren, Weiterlesen

Mein Haus, mein Auto, meine Pension

19 Okt

Michael Black und John Morgan freuen sich. Sie haben sich Geld erstritten, ein Privileg erkämpft und die Privatautonomie anderer Menschen eingeschränkt:

In England hat ein schwules Paar sein Gerichtsverfahren gegen eine Pensionsbesitzerin gewonnen, die den beiden Männern wegen ihrer Homosexualität ein Zimmer verweigert hatte.

Ich werde nie verstehen, wieso ich als Geschäftspartner nicht das Recht habe, mir meine Kunden auszusuchen. Schließlich eröffne ich das Geschäft, ich trage das unternehmerische Risiko und ich muss letzendlich auch mit den Konsequenzen meiner Geschäftspraktiken leben. Weiterlesen

Mein Schwanz gehört mir! – Das (hoffentlich) letzte Wort

7 Sep

So, wie Gott ihn schuf…

Ich hätte nicht gedacht, dass es im 21. Jahrhundert soviel irrationale Opposition gegen die simple Feststellung geben würde, dass ein religiöser Brauch doch bitte schön nicht so weit gehen kann, einem unmündigen Menschen ungefragt und ohne Zustimmung einen Teil seines Körpers unwiderbringlich zu entfernen.

Gespottet wird da über Menschen wie mich, unsere Gegnerschaft zur nicht einvernehmlichen Beschneidung zeige nur unsere typische männlich phallozentristische Weltsicht und zeuge von Kastrationsangst.

Entschuldigung! Mein Schwanz bleibt nun mal mein Schwanz und ja, er ist mir wichtig, also halte ich es für ein Gebot der Menschlichkeit und des Respekts mich vorher zu fragen, ob man daran herumschneiden darf. Und dieses Recht sollten auch alle anderen Männer einschließlich der Männer in spe haben. Weiterlesen

Mein Schwanz gehört mir – Der Antisemit und ich!

19 Jul

Jörg Lau von der “Zeit” gehen die Argumente aus. Deshalb stellt er die kühne These auf, auf die ich schon seit Anbeginn der Debatte um Beschneidungen gewartet habe: Die Kritiker der Beschneidung handeln hauptsächlich aus islamophoben und antisemitischen Motiven.

Dazu möchte ich folgendes klar stellen: Weiterlesen

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