Dad Bods sind für alle da!

22 Mai

Vor einigen Tagen war in der Presse zu lesen, ein dezenter Bierbauch bei Männern sei der neueste Schrei – unter heterosexuellen Frauen. Immerhin:

Mit dem “Dad Bod” (auch Daddy Body oder Dadbod), also dem sogenannten Vaterkörper, wäre endlich mal eine Normalstatur voll im Trend.

Was genau hat man sich unter dem Trend vorzustellen? Laut Mackenzie Pearson, deren Text Anstoß für die aktuelle Debatte war, ist der “Dad Bod”

eine gute Balance zwischen Bierbauch und trainiertem Oberkörper. Normalgewichtige Männer, die gelegentlich ins Fitnessstudio gehen, aber auch gern trinken und bei Pizza zulangen, haben ihn. Dad-Bod-Jungs sind gesund und fit und wirken natürlich, doch auf den Bauchmuskeln haben sie eine weiche Fettschicht.

Klingt entlastend, angesichts des sonst überall zu beobachtenden Wahns, seinen Körper ständig optimieren zu müssen. Interessant finde ich die Beschreibung, dass mit dem “Dad Bod” erstmals von Frauen ein Trend für einen optimalen Männerkörper formuliert wird:

Das Online-Magazin “Slate” stellte dazu fest, dass Beuteschema-Beschreibungen für Männer bislang meist aus der Homo-Szene stammten – etwa der “Bär” mit Vollbart und Kugelbauch – oder von schwulen Stichwortgebern wie dem britischen Autoren Mark Simpson. (…) Die Beschreibung “Dad Bod” ist nun laut “Slate” womöglich etwas echt Neues: Denn sie komme von Frauen und nehme Männern die Deutungshoheit.

Andere Stimmen meinen, so neu sei das nun auch nicht:

Genauso, wie Frauen mit Kurven von vielen gemocht werden, gilt dies auch für Männer mit gemütlicher Papa-Figur. Herz und Bett sind trendfreie Zonen.

In eine ähnliche Richtung, allerdings deutlich kritischer, geht ein Beitrag von Nadia Shehadeh auf dem Blog feministische Studien. Die Reaktion von Männern auf die Diskussion um den “Dad Bod”, ihre Durchschnittsmännerwampen nicht länger zu verstecken, ist für Shehadeh alter Wein in neuen Schläuchen:

in den sozialen Netzwerken hielten (vornehmlich junge) Männer ihre Plauzen, Wampen, Bierbauchansätze in die Kamera und feierten ihre Körperlichkeit – sie machten also das, was viele von ihnen vorher auch schon im Internet gemacht hatten, nur hatten sie jetzt im Gegensatz zu früher einen vereinenden Hashtag in petto. 

Noch dazu werde das öffentliche Zur-Schau-Stellen des männlichen Nicht-Six-Packs politisch aufgeladen:

Und das alles hätte ein vermeintlich netter kleiner Internetwitz bleiben können – wären nicht auf einmal unzählige Fanfaren darüber gesungen worden, die das Zelebrieren des Dad Bods für Body-Empowerment-Aktion, Revolution oder – der Einfachheit halber – direkt als knallharten Kampf gegen den Kapitalismus und die Disziplinierungstechniken des Abendlandes feierten.

Dabei, so Shehadeh, ist der Dad Bod

weder neu, noch außerordentlich subversiv, noch revolutionär.

Im Gegenteil, gehöre nicht zum normalen Verhaltensrepertoire des Mannes

das Kultivieren einer Wampe (…), auf die auch schon mal liebevoll geklopft wurde, gerne auch in größerer Runde, gerne auch bei halbblankem Oberkörper? In denen der Dad Bod nichts weiter war als ein Durchschnittskörpermaß, das irgendwie jeder hatte, ein abled body, der im Blickfeld der normierenden Gesellschaft immer noch als absolut durchschnittskonform gilt?

Während ich staunend und kopfschüttelnd Satz für Satz ihres Textes las, weil meine Erfahrungen so ganz andere sind, begriff ich die unterschiedliche Perspektive Shehadehs, als ich ihren Zweifel daran las,

dass eine *Frau an derartigen Cismännlichkeitsspielen und -ritualen teilhaben könnte und als genauso cool gehandelt würde wie andere Pizza essende, Bier trinkende, rülpsende Dad Bod-Dudes.

Meine Erfahrungen sind die eines schwulen Mannes. Und das bedeutete ab meiner ersten Begegnung mit schwuler (Sub-)Kultur das Konfrontiertwerden mit Körpernormen, unter denen Schlankheit ganz vorne rangierte. Selbst in der autonomen Schwulenszene, in der ich mich eine Zeitlang bewegte, waren diese Normen, jedenfalls in den 90ern noch, absolut selbstverständlich. Und immer noch sind die schwulen Magazine voll mit Bildern schlanker, durchtrainierter Männer. Allerdings gibt es heutzutage zunehmend Diskussionen um diesen Körperkult. Manch einer, der ihm selbt frönt, fühlt sich davon so angegriffen, dass er jegliche Kritik an Körpernormen als Ausdruck von Body-Phobie denunziert (vgl. David Berger und die Kritik der Deutschen AIDS-Hilfe an seiner Polemik). Tatsächlich gerät der Alleinvertretungsanspruch von Leuten wie Berger, die gerne das Monopol aufs Schwulsein hätten, zunehmend unter Druck, weil z.B. queere und trans* Menschen ihre Lust auf selbstbestimmte und vielfältige Körperlichkeit artikulieren, wie eine neue Party im SO 36 in Berlin-Kreuzberg zeigt. Unter dem Motto FAT! heißt es in der Ankündigung:

In den Medien und im Alltag begegnen uns bestimmte stereotype Bilder davon, was als schön gilt und wie Menschen aussehen sollen. Das heißt es werden vorrangig große, schlanke, weiße, durchgestylte Menschen ohne sichtbare Behinderungen gezeigt. Die so gezeigten Bilder prägen unsere Gesellschaft und beeinflussen, was als schön, ideal und herzeigbar gilt.

Und das gilt eben doch nicht nur für Schwule. Wenn ich nicht schon anderweitig für eine private Geburtstagsparty zugesagt hätte, vielleicht würde ich morgen auch Fett voll feiern.

Adrian und Freund (1)

21 Apr

Freund: “Du, Spatz, ich muss gerade ganz spontan daran denken, wie lecker Pralinen sind.”

Adrian: “Na, dann kauf Dir doch welche.”

(Mit bestem Dank an “erzaehlmirnix”)

Frohe Ostern!

3 Apr

Frohe Ostern 3

GayWest wünscht allen Lesern, Freunden und Feinden frohe, besinnliche und erholsame Ostertage!

Brause nur für Heteros

24 Mär

Eine neues Produkt auf den Markt zu bringen ist schwer. Noch schwerer wird es, wenn man von Marketing und dem Aufbau eines positiven Image nich viel versteht:

Das junge Erfrischungsgetränke-Unternehmen der beiden Brüder Thomas und Markus Kern will seine neue Waldmeister-Brause “Phantasia” nicht an Schwule verkaufen. “Homosexuelle gehören leider nicht in unsere Zielgruppe”, stellte Geschäftsführer Markus Kern in einer E-Mail klar.

Okay, Homos gehören also nicht zur Zielgruppe. Aber wer dann? Weiterlesen

Christlich besorgte Muttis

19 Mär

Die Vorsitzende von “Christian Concern”, einer britischen christlichen Fundi-Organisation, lässt uns an ihren Weisheiten teilhaben:

Gleichgeschlechtliche Paare mit einem Baby, welches sie über Reproduktionsmedizin erhalten, verweigern diesem Kind bewusst einer Mutter oder einem Vater. [“Same-sex couples having a baby by way of reproductive medicine are deliberately depriving a child of either a mother or a father.”]

Ja, und heterosexuelle Eltern mit einem Baby, verweigern diesem Kind bewusst zwei Mütter oder zwei Väter. Weiterlesen

Dulden heißt beleidigen

17 Mär

Die Ebene der Toleranz hat man dabei schon lange verlassen. Das Schlagwort der Stunde ist Akzeptanz. Diese duldet nämlich keinen Widerspruch. Es ist schon erstaunlich, dass bei den Diskussionen in allen Bundesländern, die derzeit mit der Überarbeitung ihrer Bildungspläne hin zur Akzeptanz sexueller Vielfalt befasst sind, gelebte Toleranz mittlerweile als ausgrenzendes Handeln definiert wird. Denn wer „nur“ toleriert, statt akzeptiert, erlaubt sich noch eine abweichende Meinung. Wer „nur“ toleriert, statt akzeptiert, widerspricht der neuen Marschrichtung. Wo aber Verwaltung, Polizei, Kirchen, Schule, Kindergärten, Universitäten, Vereine, Medien und selbst Seniorenheime mit staatlichem Auftrag zur Akzeptanz einer bestimmten Meinung auf Linie getrimmt werden sollen, ist für tolerantes Denken kein Platz mehr. Dort ist nur noch Platz für eine Meinung, durchgepaukt von einer Minderheit. Gelebte Demokratie ist das dann allerdings nicht mehr.

“Gelebte Demokratie” im Sinne von Birgit Kelle ist der Anspruch der Mehrheit, das eigene Leben als gesellschaftliches Ideal propagiert sehen zu wollen; ist der Anspruch der Mehrheit auf bedingungslose Akzeptanz, während man sich gleichzeitig das Recht herausnehmen möchte, alle anderen lediglich zu tolerieren, weil diese ja nur eine Minderheit darstellen.

Verwaltung, Polizei, Kirchen, Schule, Kindergärten, Universitäten, Vereine, Medien und selbst Seniorenheime werden staatlicherseits zur Akzeptanz der Meinung getrimmt, dass Heterosexualität und Cisgender zu akzeptieren sind.

Warum der Homo-, Bi-, Trans- und Intersexualität dann aber lediglich Toleranz zukommen soll, kann wohl nur demjenigen einleuchten, der etwas gegen Homo- und Bisexuelle, sowie Trans* und Inter* hat.

Denn hätte man nichts gegen diese, bräuchte man sie nicht lediglich zu tolerieren.

Liebe kennt keine Grenzen

16 Mär
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