Homosexualität im Tierreich – und was man daraus schließen kann

29 Nov

Ein Museum in Oslo bemüht sich seit einiger Zeit, das Argument der Widernatürlichkeit von Homosexualität mit einer Ausstellung zu kontern, die gleichgeschlechtlich sexuelles Verhalten quer durch die Fauna zeigt, von Giraffen über Delfinen bis hin zu Möwen und Schwänen. Das Anliegen der Ausstellung ist richtig, wichtig und überfällig, und trägt ein wenig dazu bei, die Biologie von ihrem verstaubten Image zu befreien.

Schließlich ist eines der am häufigsten verwendeten Argumente gegen Homosexualität jenes, dass sie „widernatürlich“ sei – ein Einwand, welcher zwar dank der diversen Beobachtungen bei Tieren als wiederlegt gelten müsste, sich aber dennoch immer noch einer erstaunlich breiten Popularität erfreut, und das nicht nur im religiösen Kontext. Der Grund hierfür scheint auf der Hand zu liegen: Zwei Männchen (zwei Männer) oder zwei Weibchen (zwei Frauen) können sich nicht fortpflanzen. Punkt. Welchen Sinn sollte dann Homosexualität machen?

Zunächst einmal greift der Einwand, Sex diene ausschließlich der Fortpflanzung zu kurz. Beim Menschen ist diese Erkenntnis nahezu unbestritten, bei Tieren weit weniger. Soziale Aspekte sind hierbei nicht unerheblich, zumindest bei Menschenaffen wie auch bei vielen Tieraffen gehört Sex wesentlich zum Sozialverhalten dazu. Natürlich, die sexuelle Betätigung dient hauptsächlich der Zeugung von Nachkommen bei gleichzeitiger Mischung des Erbgutes, und ist unabdingbar für die Erhaltung einer anpassungsfähigen Population im ewigen Wettlauf der Evolution. So wunderbare Dinge wie Orgasmen (zumindest bei Säugetiermännchen, bei Affen wohl auch Weibchen) sind wohl lediglich ein Instrument, damit Fortpflanzung auch tatsächlich praktiziert wird. Die Zeugung von Nachwuchs ist jedoch nicht alles, schließlich muss man diesen auch befähigen selbst erwachsen zu werden um wiederum fortpflanzungsfähig zu sein. Betrachtet man diesen Aspekt genauer, kommt einem homosexuelles Verhalten plötzlich gar nicht mehr so dumm vor, denn sowohl zwei Weibchen als auch zwei Männchen sind durchaus in der Lage Jungtiere großzuziehen und sie tun dies auch. Dazu bedarf es nichts weiter als eines kurzen heterosexuellen Intermezzos, oder des Entführens von Jungtieren von anderen. Homosexualität steht der Arterhaltung also nicht im Wege und deshalb gibt es auch keinen Grund warum es sie in der Natur nicht geben sollte.

Schön und gut, Homosexualität ist also weder besonders ungewöhnlich noch widernatürlich, doch eine Frage lässt sich damit nicht aus der Welt schaffen: Inwieweit lassen sich in der Natur praktizierte Verhaltensweisen in eine menschliche Gesellschaft übertragen? Reicht das Argument der „Natürlichkeit“ aus um damit eine solide Ethik zu begründen? Schwerlich. Denn wenn man ins Tierreich schaut, entdeckt man viele Dinge die nicht gerade Vorbildcharakter für das menschliche Verhalten haben sollten: Vergewaltigungen und das Töten von Jungtieren sind hier nur zwei extreme Beispiele. Sie kommen vor, sind also „natürlich“, und dennoch würde niemand auf die Idee kommen sie deshalb beim Menschen zu legitimieren.

Viel besser wäre es, zu argumentieren, dass in einer Gesellschaft der Wert eines Menschen nicht nach Nützlichkeitserwägungen bemessen werden sollte, sondern durch seine Existenz schlechthin. Niemand ist verpflichtet Kinder zu bekommen, niemand ist verpflichtet dem großen Ganzen zu dienen. Homosexualität fällt unter das Recht eines Menschen auf freie Persönlichkeitsentfaltung. Der Verweis auf die Natur ist hierzu nicht notwendig. Die „Natürlichkeit“ eines Verhaltens ist kein schlechtes Argument aber eben auch kein besonders gutes.

Eine Antwort zu “Homosexualität im Tierreich – und was man daraus schließen kann”

  1. Genesis 30. Oktober 2010 um 02:35 #

    Sorry, ich Scheiße mal etwas klug, zwei Weibchen können sich sehr wohl fortpflanzen. Nennt sich Pathenogenese und ist bei diesen Tierchen „Cnemidophorus neomexicanus“ offenbar zwingend mit einer Paarung unter Artgenossinnen verknüpft.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

%d Bloggern gefällt das: