Bruce Bawer: „While Europe slept“

8 Dez

Bruce Bawer, ein in Oslo lebender New Yorker, liberal-konservativer Falke, Christ und Schwuler (was für eine wunderbare Kombination) hat wahrscheinlich eines der wichtigsten Bücher über den radikalen Islam in Europa geschrieben, welches derzeit auf dem (englischsprachigen) Markt zu bekommen ist: „While Europe slept – How radical Islam is destroying the West from within“.

Ausgehend von Erlebnissen während seiner Aufenthalte in u. a. Oslo, Amsterdam, Madrid und Berlin einschließlich der Informationen durch die hiesigen Medien, kommt er zu dem Schluss, dass die (west)europäischen Eliten die Gefahr, die den liberalen Gesellschaften des Kontinents durch den radikalen Islam erwächst, entweder ignorieren oder klein reden – alles im Sinne einer zur Ersatzreligion gesteigerten Political Correctness, welche die „multikurelle Gesellschaft“ als eine Ansammlung von nebeneinander her lebenden Menschen aus verschiedenen, gleichberechtigten Kulturen versteht, und nicht als das Zusammenleben eben dieser Menschen in einer Gesellschaft, welche von bestimmten freiheitlichen Grundsätzen und Werten geprägt ist, wie individuelle Menschenwürde oder Meinungsfreiheit.

So hört man bspw. aus norwegischen Intellektuellenkreisen, dass nichtverschleierte Frauen sich eben daran gewöhnen müssten von muslimischen Jugendlichen angepöbelt zu werden – das sei eben so in einer multikulturellen Gesellschaft. Ebenso muss man sich mittlerweile in den Niederlanden sagen lassen, dass Frauen und Schwule sich nicht so anstellen sollten wenn sie belästigt, ausgeraubt oder verprügelt werden, schließlich war das vor ein paar hundert Jahren in Holland auch so. Europas Eliten, so Bawer, haben sich nicht nur an diese Zustände gewöhnt, nein, sie verteidigen sie auch noch als Errungenschaften eines Kontinents, der im Gegensatz zu den USA und Israel (natürlich) aus der Geschichte gelernt habe und ein „friedlicheres“, „solidarischeres“, „toleranteres“ Europa schaffen wolle, während sie dabei aber grundlegende Prinzipien einer freien Gesellschaft nicht verstehen. Kurzum: Europas Establishment stellt mit Stolz seine eigene politische Unmündigkeit zur Schau.

Bawer versucht diese Blindheit vor den Gefahren einer neuen totalitären Ideologie mit typischen europäischen Deutungsmustern zu erklären: Dem Vulgärmarxismus und dem Antiamerikanismus der Intelligenzia, also der europäischen Skepsis vor Freiheit schlechthin. Die Unterstützung der Hamas, die Anbetung von Che Guevara, die Idealisierung von Kuba und des Sozialismus im Allgemeinen, all dies sind für ihn Kennzeichen einer nichts verstehen wollenden politischen und geistig-moralischen Elite, welche tagtäglich „Frieden“, „Gerechtigkeit“ und „Dialog“ preist, und das auch dann noch, wenn auf dem Balkan mal wieder ein Massaker stattfindet (Srebrenica) oder ein Imam erklärt Schwule seien weniger wert als Schweine.

Eine Hoffnung auf Änderung dieser Zustände sieht Bawer bei der Europäischen Bevölkerung, und „liberalen Widerständlern“, zu denen er ausdrücklich Ayaan Hirsi Ali, Theo van Gogh und Pim Fortuyn zählt (den er gelungen vor der Dämonisierung durch die europäischen Medien in Schutz nimmt), konstatiert aber auch Ernüchterung angesichts der Morde an Fortuyn und van Gogh bzw. der Reaktionen, die diese durch die Medien erfahren haben, nach dem Motto: „Religiös motivierte Gewalt ist etwas womit Europa wird leben müssen, und außerdem haben Provokateure selber schuld.“

Bawers Werk ist rundum gelungen – ein Eintreten für die Verteidigung westlicher Werte und ein Plädoyer für eine tatsächlich an Integration und nicht an Gleichgültigkeit ausgerichtete Einwanderungspolitik. Gleichzeitig ist sein Buch auch eine subtile Liebeserklärung an Europa. Dass Bawer seine eigenen Erfahrungen und Sensibilitäten als schwuler Mann einfließen lässt, macht „While Europe slept“ überdies noch mal einen Tick lesenswerter. Bleibt zu hoffen, dass eine deutsche Übersetzung nicht all zu lange auf sich warten lässt.

Eine Antwort zu “Bruce Bawer: „While Europe slept“”

  1. Yadgar 12. Dezember 2011 um 00:57 #

    Ich darf noch einmal daran erinnern, dass Pim Fortuyn nicht von einem Islamisten, sondern von einem fanatisierten Tierrechtler ermordet wurde…

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