Elmar Kraushaar und die „orientalischen Jungs“

8 Mai

Elmar Kraushaar, taz-Autor der Kolumne „der homosexuelle mann…“, beschäftigt sich diese Woche mit den von uns bereits geschilderten Vorfällen in Hamburg-St. Georg, jenem Multi-Kulti-Stadtteil also, in dem Menschen mit Migrationshintergrund u. a. massiv Anstoß daran nehmen, dass Schwule vor Moscheen Händchen halten. Gut dass jene Migranten mit Kraushaar einen zur Seite haben, auf dessen Verständnis sie zählen können. So schreibt er:

Hinter den Fassaden der „offenen Wohlfühlgefühl-Viertel“ kracht’s. So wie noch vor nicht allzu langer Zeit in Berlin-Schöneberg hat man jetzt auch in St. Georg den Schuldigen dafür ausgemacht. „Orientalisch aussehende Männer“, wird in der Welt das Aids-Beratungszentrum ,Hein & Fiete‘ zitiert, „die auf das Personal einschüchternd und bedrohlich wirken.“ Von Bananenschalen in Briefkästen ist die Rede, und irgendjemand hat „Tod den Schwulen“ an die Hauswand gesprüht. Das können nur Muslime sein!

Allerdings, Herr Kraushaar. Zählt man Eins und Eins zusammen, berücksichtigt man, dass es um St. Georg und nicht um Blankenese geht und um „orientalisch aussehende Männer“, ist die Wahrscheinlichkeit in der Tat äußerst hoch, dass es sich um Muslime, pardon, Mitbürger mit Migrationshintergrund, handelt.

Zugegeben, die orientalischen Jungs und ihre Väter sind prima Feindbilder, ganz einfach auszumachen. Denn von ihnen kommt oft – im Schutze religiöser Phrasen – homophober Unsinn, den kein Deutscher mehr auszusprechen wagt, selbst wenn er genauso denkt.

Logisch. Kritisiert man schwulenfeindliches Verhalten unter Muslimen, folgt man lediglich dem Bedürfnis sich Feindbilder zu schaffen. Und natürlich kommt Elmar nicht umhin, sofort eine Äquidistanz zwischen den „orientalischen Jungs“ und den Deutschen herzustellen, denn schließlich seien beide genauso homophob, letztere sprächen dies nur nicht mehr aus. Woher Kraushaar das weiß, bleibt sein Geheimnis. Und auch die Frage, ob es denn nicht ein zivilisatorischer Fortschritt sein könnte, seine Vorurteile nicht mehr öffentlich zu artikulieren, kommt Elmar nicht in den Sinn.

Und auf Muslime schimpfen ist derzeit fast Bürgerpflicht, dabei ist die Homo-Minderheit sofort umringt von Bündnispartnern aus der Restgesellschaft.

Gut, dass sich wenigstens Kraushaar noch dem alltäglichen Druck der Straße, auf Muslime zu schimpfen, entziehen kann. Und merkwürdig, dass die „Homo-Minderheit“ soviele Bündnispartner hat, wenn doch die Deutschen, wie es Elmar gerade erst behauptete, im Grunde genauso homophob wie Muslime sind.

Voreilig falsche Töne allüberall, gern stimmen die Schwulen mit ein. „Mann [sic] muss sich schon entscheiden: Gilt die Scharia oder das Grundgesetz?“, fragt hysterisch das Schwulenmagazin MännerAktuell und meint doch nur das Zusammenleben zwischen Schwulen und Türken in Berlin-Kreuzberg. Und – auch da sind sich die schwulen Verherrlicher muslimischer Gewalt mit den Kampfgefährten aus dem konservativen Lager einig – wer das nicht so sieht, ist ein naiver Anhänger einer multikulturellen Idylle, ein feiger Liberaler, der den letzten Schuss nicht gehört hat.

Probleme im Zusammenleben zwischen „Schwulen und Türken“ zu leugnen ist natürlich eine Alternative, der sich Kraushaar offenbar gerne bedient. Es ist im Übrigen jedem freigestellt an eine multikulturelle Idylle in Deutschland zu glauben, naiv ist man dann aber dennoch. Und Elmar: Lerne erst mal etwas über die Bedeutung des Begriffes „liberal“. Du magst alles sein, doch ein Liberaler ganz bestimmt nicht. Nicht mal ein feiger.

Dialog heißt jetzt das Zauberwort, und MännerAktuell macht auf seine Weise mit. Im Mittelpunkt seiner aktuellen Schwerpunktstory von „Türken und Tucken“ stehen Fotos der heterosexuellen Kicker von Türkiyemspor, dem multikulturellen Oberligaverein aus Kreuzberg. In professioneller Pin-up-Pose zeigen die Jungs muskulöse Oberarme und geöffnete Schenkel, schweißnasse Waschbrettbäuche und coole Anmachblicke, all das eben, was der schwule Mann begehrt am „orientalisch aussehenden Mann“.

Ach Elmar. Man sollte nicht ständig von sich auf andere schließen.

Eine Antwort to “Elmar Kraushaar und die „orientalischen Jungs“”

  1. Chou-Chou de Briquette 17. Februar 2010 um 14:45 #

    Ach ja, es lebe das Internet…
    Lieber Adrian, schön wie Du einen Artikel von Elmar Krausshaar kommentierst. Lies mal den Müll, den andere „homosexuelle“ Autoren verfassen, wie verallgemeinernt, schlecht oder garnicht recherchiert die sind, und Du wirst feststellen, dass Herr Krausshaar einer von wenigen ist, der in der Lage ist, zu differenzieren.
    dezente Grüße

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