Evangelikale Hass-Prediger

16 Mai

Eine führende evangelikale Gruppe in Deutschland hat Bischöfin Maria Jepsen kritisiert, weil sie einen Gedenkgottesdienst für verfolgte Schwule in Hamburg geleitet hatte.

Wie queer.de meldet, nannte Pastor Ulrich Rüß, Chef der Konferenz Bekennender Geminschaften in den evangelischen Kirchen Deutschlands, die

Ausführungen Jepsens „nicht hilfreich“. Als Bischöfin müsse sie die Sicht der Bibel differenzierter darstellen und dazu raten, Homosexualität nicht auszuleben.

Andererseits

bezweifelte Rüß auch die Darstellung der Bischöfin, dass die Kirche in der Vergangenheit federführend bei der Verfolgung und Ausgrenzung Schwuler gewesen sei.

Und ich dachte immer, man müßte sich für eine Meinung entscheiden. Dieser vermeintliche Bote Gottes jedoch macht vor: Man kann eine These vertreten und zugleich auch ihr Gegenteil.

Allerdings sei Herr Rüß an dieser Stelle gewarnt. Wer es zu doll treibt mit der Hetze gegen Schwule im Namen Gottes, wird von eben diesem unter Umständen schon frühzeitig abberufen, bevor er in SEINEM Namen noch mehr Unheil anrichtet:

Der Fernsehprediger Jerry Falwell ist am Dienstag im Alter von 73 Jahren in Lynchburg (US-Bundesstaat Virginia) gestorben. Er brach im Büro seiner Universität zusammen und wurde eine Stunde später im Krankenhaus für tot erklärt. Bereits in den vergangenen Jahren hatte er sich mehrmals lebensgefährliche Virus-Infektionen zugezogen.
Falwell gilt seit den 70er Jahren als erbitterter Gegner von Homo-Rechten und begründete das mit seinem christlichen Glauben.

Der Prediger war neben seinem Engagement gegen Schwule auch ein erklärter Anti-Liberaler. Daher forderte er,

dass in Medien „gegen die Familie gerichtete“ Ansichten zensiert werden sollten. Er wandte sich auch stets gegen HIV-Aufklärung in Schulen.

2001 behauptete er, Schwule trügen für [den] Angriff auf das World Trade Center eine Mitschuld: „Ich richte meinen Finger auf Heiden, Abtreibungsfanatiker, Feministen sowie Schwule und Lesben und die ACLU (eine Bürgerrechtsorganisation, Red.) – auf alle, die Amerika verweltlichen wollen – und sage ihnen: Ihr habt das erst möglich gemacht“.

Neben dieser ernstzunehmenden Hass-Propaganda kam bei Falwell auch der – allerdings unfreiwillige – Humor nicht zu kurz, z. B. seine Warnung vor den „Teletubbies“:

er hatte behauptet, Tinky Winky sei schwul.

Doch wer dachte, Falwell würde nach seinem Tod Ruhe geben, hat sich getäuscht:

Laut der Satireseite „The Daily Mash“ will Falwell nun auf höherer Ebene aufräumen. Er habe sich beschwert, dass der Himmel aussehe, als ob ein schwuler Innenarchitekt seine Finger im Spiel gehabt hätte.

7 Antworten zu “Evangelikale Hass-Prediger”

  1. godforgivesbigots 16. Mai 2007 um 20:55 #

    Aber Ulrich Rüß lebt Heterosexualität aus.

    Vielleicht sollte er sich mal entscheiden, entweder Seelsorge oder sexuelle Orientierung auszuleben.

    PS: Das Wort „liberal“ bedeutet auf beiden Seiten des Ozeans nicht dasselbe.

    liberal (amerikanisch) = links (europäisch)
    liberal (europäisch) = libertarian (amerikanisch)

    Daß Jerry Falwell tot ist… freut Euch nicht zu früh – Fred Phelps lebt noch.

  2. Adrian 17. Mai 2007 um 09:01 #

    Falwell war auch im europäischen Sinne antiliberal – wie alle Erzkonservativen.

  3. Sebastian 17. Mai 2007 um 11:02 #

    Wenn so ein „christlicher“ Hassprediger plötzlich einen Abgang macht, dann kommt mir das immer so vor, als würde Gott die Notbremse ziehen. Und das ist auch gut so. Wir können nur hoffen, dass zumindest in Deutschland dieses gemeingefährliche und zynische Pack nicht weiter an Einfluss gewinnt. Solche Gestalten tragen eine große Mitschuld an Ausgrenzung und letztendlich auch Hass-Verbrechen. Ich kann es diesen Leuten nicht abnehmen, dass sie an Gott glauben. Evangelikale missbrauchen die Bibel für persönliche Hassgefühle gegenüber einer liberalen und toleranten Gesellschaft. In meinen Augen ist dieser Glaube an einen brutalen Gott, der die verhassten Subjekte in die Hölle schickt, nichts anderes als Neonazismus und Führerverehrung. Ein starke Hand wird es schon richten…Hinter dem Recht auf Religionsfreiheit treiben leider perfide Menschenhasser ihr Unwesen. Es kann für unsere Gesellschaft nur gesund sein, wenn Deutschland rechten „Christen“ auch weiterhin die kalte Schulter zeigt und ihnen klar macht, dass sie sich ihre Bibeln und „Traktätles“ sonstwo hinschieben können. Auch Gott wird das freuen.

  4. Ludwig 17. Mai 2007 um 14:24 #

    Solange er nur seine Meinung sagt und keine Züchtigungen ala Iran anstrebt, ist das mit der Meinungsfreiheit vereinbar.

  5. Heinz 16. September 2007 um 11:29 #

    Vorhin durfte der „evangelikale Haßprediger“ Rüß aus Hamburg im DLF / Deutschlandfunk predigen! Direkt anschließend „Interview der Woche“ mit dem CDU-Scharfmacher Kauder – alles klar?
    Der DLF, der gerade triumphiert, uns „dank“ BVG-Urteil mehr Radiogebühren aus der Tasche stehlen zu dürfen, nimmt die ‚zig Millionen, um seine antiaufklärerische WIEDERVERBLOEDUNG der Welt voranzutreiben: Wer stoppt diese rechtsradikale, zT waldimäßig grün-alternativ getarnte Brut?

  6. Nonkonformist 1. Januar 2012 um 14:47 #

    Tja, wenn man die Kommentare hier so liest, dann stellt man fest, das Ihr keinen Deut besser seid, als die Leute die Ihr kritisiert. Keine Spur von Toleranz, sondern ein eindeutiges „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.

    Ob Ihr Euch damit einen Dienst erweist, sei mal dahingestellt.

Trackbacks/Pingbacks

  1. Der erzkonservative TV-Prediger Jerry Falwell ist gestorben - 17. Mai 2007

    […] und Feminismus war ist für einen konservativen Christen nicht verwunderlich aber laut Gaywest wollte er sogar familienfeindliche Ansichten in den Medien zensieren und sprach sich gegen HIV […]

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