Islamische Toleranzkampagne

7 Jun

Der von der moslemischen Ahmadiyya-Gemeinde hier und anderswo heiß diskutierte Ernährungsratschlag, im Interesse einer ungestörten heterosexuellen Entwicklung lieber auf den Konsum von Schweinefleisch zu verzichten, steht offenbar im Rahmen einer umfassenderen Programmatik der Gemeinde. Zumindest steht in derselben Ausgabe des Jugend-Journals der Gemeinde, in der sich der „Schweinefleisch macht schwul“-Text befindet, ein weiterer Text zum Thema Homosexualität. Einige Kostproben aus dem „Homosexualität anders diskutiert“ betitelten Beitrag, der inhaltlich zwischen evangelikaler Therapiehoffnung und reaktionärer Volksverhetzung changiert:

„Homosexualität boomt in Deutschland und kein Ende scheint in Sicht.“ Keine Frage, es werden immer mehr! Auch die ganz Rechten werden immer schwuler und bald gibt es wohl auch hier kein Halten mehr. „Homosexualität treten Tag für Tag mehr in die Öffentlichkeit“ und manche Texte vor einem gründlichen Lektorat an die Tageslicht. „Kaum eine Großstadt gibt es, die kein spezielles Kulturangebot für homosexuell aktive Bürger pflegt.“ Homosexuell aktive Bürger? Prust. Nicht mal in Ruhe fernsehen kann man noch: „Kaum eine Soap wird ausgestrahlt ohne das klassische Schwulen- oder Lesbenpaar.“ Ein Verbrechen ist es auch nicht mehr: „Und sich als Politiker zum Schwulsein zu bekennen, wird als Kavaliersdelikt und Zeichen vorbildhafter Toleranz und (vorbildhaften) Mutes angesehen, was uns die Fälle Wowereit und Beust vor Augen halten.“

Den Unterschied zwischen Toleranz und Akzeptanz haben sie auch schon verstanden: „Zu guter Letzt werden Kritiker, „diese Minderheiten diskriminierenden und somit den Nationalsozialisten nahe stehenden Bösewichte“ rasch in die Ecke der intoleranten Erzkonservativen gedrängt. Denn Toleranz ist längst aus der Mode – die Schwulen und Lesbierinnen von heute wollen Akzeptanz.“ Nach diesem beherzten Einsatz für das Recht, Minderheiten diskriminieren zu dürfen, ohne damit gleich den Nationalsozialisten nahezustehen, kommen wir zur alles entscheidenden Frage: „Aus welchem Grund verbietet der Islam die gleichgeschlechtliche Sinnlichkeit?“ Die Antwort passt zum Erscheinungsbild des insgesamt doch eher vormodernen Islam: „Homosexuelle Handlungen werden als unnatürlich verstanden, da eine sexuelle Vereinigung ihrer Natur gemäß der Fortpflanzung dient, und Allah, der die Quelle alles Seins darstellt, hat die beiden Geschlechter zu dem Zweck erschaffen, dass sie einander ergänzend, körperlich sowie seelisch, mit Ihm eine Einheit bilden.“ Dem Einwand, menschliche Sexualität diene nicht nur der Fortpflanzung, begegnet man mit einem fulminanten und jedem evangelikalen Erweckungsprediger würdigen Einwand: „Ein Automobil kann zwar auch als Wohnung „missbraucht“ werden, doch es dient zweifelhaft in erster Linie der Fortbewegung und entfaltet in dieser Funktion auch seinen vollkommenen Sinn als solches.“ [Wobei bei der Verfasser sicherlich „unzweifelhaft“ meint.] Auf den Einwand, Schwulsein sei angeboren, hat man den eindeutigen Vorschlag eines Herrn namens Allah parat – frei nach dem Motto „Nur ein toter Schwuler ist ein guter Schwuler“: „Kehre dich denn zu deinem Schöpfer und töte dich selbst; das ist am besten für dich vor deinem Schöpfer …“. Nach einem geschmackvollen Vergleich

Selbst wenn behauptet wird, dass Homosexualität genetisch bedingt sein kann, ist dies kein Freibrief für das Praktizieren dieser Form der Sexualität. Mit der gleichen Begründung, so führte der vierte Khalifa der Ahmadiyya Muslim Jamaat, Hazrat Mirza Tahir Ahmad ra einmal aus, könnte jemand mit genetischer Anlage zur übersteigerten Aggressivität seine Mordgelüste ausleben wollen.

folgt eine gewagte These. Demnach wird ein von Jugendlichen „gewollter Kontakt zu Homosexuellen“ leider „allzu schnell als Zeichen interpretiert, sodass man nun wirklich eine bestimmte sexuelle Neigung hat und sich als schwul zu betrachten beginnt. Wenn diese Interpretationen dann auch von tatsächlichen homosexuellen Handlungen begleitet werden“, wird man schwul „und ein trauriger Kreislauf tritt in Gang“.

Dem Einwand, Liebe habe noch niemand Schaden zugefügt, widerfährt eine Entgegnung, die auch die anderen Nazis nicht besser hätten formulieren können:

Merkwürdigerweis, lässt sich das Phänomen der Promiskuität (wechselnde Partnerschaften) sowie der Homosexualität verstärkt bei allen Hochkulturen wieder finden (Mayas, Römer und dergleichen), die kurz darauf zusammenfielen. Während wir munter in Richtung „Zivilisation“ schreiten, kehren wir gerade den Werten den Rücken, die wir in den letzten jahrtausenden menschlichen Fortschritts erworben haben. Der unmittelbare Schaden durch Homosexuelle an der Gesellschaft, auch anders formuliert für das „Kollektiv“ …

Um den Einwand, Homosexualität tauche auch bei Tieren auf – der von GayWest-gebildeten-Lesern natürlich niemals vorgebracht würde – zu widerlegen, reicht dem Autor erwartungsgemäß ein Wort aus: Schwein!

Schließlich heißt es ganz postmodern „Sexualität ist eine Wahl der Identität“, womit man auch zum Abschluss der „Argumentation“ kommt: „Es gibt Ex-Drogensüchtige, Ex-Spielsüchtige und Homosexuelle, die ihre Wahl revidiert haben.“ Willkommen im Club! Ob Thomas Birk immer noch diskutieren will?

 

Eine Antwort zu “Islamische Toleranzkampagne”

  1. c. 7. Juni 2007 um 22:37 #

    Das ist ein dicker Hund! Aber nicht zu laut sagen, sonst sind die muslimischen Herrschaften noch beleidigt und das will doch nun wirklich keiner, oder?

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