Sexuelle Denunziation auf libertär – Vol.II

18 Jun

Es war einmal ein libertärer Jüngling, der es sich nicht nehmen lassen wollte, einen rechtskonservativen Blogger damit unmöglich zu machen, dass er ihm homoerotisches Begehren unterstellte. Wir schrieben darüber bei GayWest unter dem Stichwort „Sexuelle Denunziation“, was dem solchermaßen Etikettierten gar nicht behagte. Jetzt ist – dank eines Hinweises auf den Vorgang  – zu vermelden, dass der einsame Jüngling gar nicht so einsam ist. Eigentümlich frei heißt eine politische Monatszeitschrift, die über Autoren verfügt, die sich nicht entblöden im Zusammenhang einer mutmaßlich politisch begründeten Auseinandersetzung an Dominik Hennig, einen liberalen Kontrahenten, in ebenso denunziatorischer Absicht zu schreiben:

vielleicht hängt Ihre Vorliebe für Herrn Hagen auch mit Ihrer Begeisterung für das Genital von Herrn Hagen zusammen? Aber darüber wollen wir nicht spekulieren, da uns die Privatsphäre anderer Menschen eine Herzensangelegenheit ist

was sie selbstredend mit eben dieser Unterstellung eines Interesses am Genital des Herrn Hagen öffentlich dementiert haben. Dieser Widerspruch mag den Autoren selbst aufgefallen sein. Möglicherweise war seine Entdeckung die Ursache dafür, dass alle Texte, die sich auf den Vorgang beziehen, bei eifrei gelöscht wurden.

Diese „Libertären“ und deren Umfeld scheinen überhaupt ein ganz merkwürdiger Haufen. Wie die Konservativen scheinen sie Homosexualität mit „links“ eins in eins zu setzen. Sie streiten für das Recht Homosexualität abartig zu finden, wogegen grundsätzlich nichts zu sagen ist, verwunderlich ist nur, warum sie es so lustvoll tun.

Eine weitere Blüte aus dem eifrei-Umfeld entstammt der Feder von Kaspar Rosenbaum. In seiner Rezension eines Büchleins mit dem Titel „Gender – Politische Geschlechtsumwandlung“ heißt es, offenbar als Ausdruck einer ganz speziellen Verschwörungstheorie:

Es sind heute Schwule und vor allem (ausgewiesene Kampf-) Lesben, die sich der Politik bemächtigt haben und die Menschen in einem neuen sozialistischen Großprojekt mal wieder umerziehen wollen.

Die feministischen Geier können nicht verstehen, dass es noch Leute gibt, die weder homosexuell sind, noch es auch nur werden wollen.

Nun, das können wir von GayWest natürlich auch nicht verstehen. Leute, die nicht homosexuell sind und es auch nicht werden wollen?

Und die über Verbrechen von Perversen und Politikerinnen nicht schweigen, wie alle anderen Eingeschüchterten.

Nach dieser beeindruckenden Beschreibung eines Lebens im Paralleluniversum kommen wir zu einem weiteren ef-Freund, der sich eindeutig vorgenommen hat, Kameraden von ganz rechts anzuziehen. Wie sonst sollte man die Äußerungen des im ef-Magazin interviewten bekennenden „Antidemokraten“ Hans-Hermann Hoppe* interpretieren?

Auf die Frage, was er gegen Schwule habe, gibt er zu Protokoll, sein Einsatz gelte der Diskriminierung und der Verbannung. Ein paar Selbstverständlichkeiten gibts noch obendrauf: Homosexualität sei natürlich unnatürlich, das öffentliche Anpreisen des homosexuellen Lebensstils sei natürlich mit einer natürlichen Ordnung nicht vereinbar, müsse daher mit Ausschluss bedroht werden und führe ins Ghetto… Besonders gelungen ist seine Argumentation für das Recht auf Diskriminierung im Zusammenhang von phantasierten Privatarmeen. Demnach würde eine solche bekennende Homosexuelle selbstverständlich diskriminieren, da ihre Gegenwart kontraproduktiv wäre. Eine andere Organisation ihrer Armee, er nennt sie kulti-multi-sexuelle Truppen, könnten sich nur die USA leisten, weil sie alleinige Weltmacht seien. Tja, wenn es doch den Adolf noch gebe. Da herrschte noch natürliche Ordnung, Herr Hoppe. Aber so wollen sie das bestimmt nicht gemeint haben. Oder ist die bereits vor anderthalb Jahren beschriebene zunehmende politische Nähe von ef zur Jungen Freiheit am Ende doch kein Zufall, sondern ganz natürlich?

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* Eine ausführliche Analyse der Ideologie von Hoppe, die mit Liberalismus rein gar nichts mehr zu tun hat, vielmehr eine Gefahr für die Freiheit darstellt, findet sich bei der Achse des Guten.

5 Antworten zu “Sexuelle Denunziation auf libertär – Vol.II”

  1. Sebastian 18. Juni 2007 um 11:39 #

    Konservative argumentieren zu gern mit dem Begriff der Natürlichkeit, wenn es darum geht, Homosexuelle zu diffamieren.

    Im Grunde genommen führen Konservative alles, was Ihnen nicht in ihr 2 qm-Weltbild passt, auf Natürlichkeit zurück.

    Da kommt es dann schon mal vor, dass Schwulenhass als eine ganz „natürliche Reaktion“ und als ein „Schutzmechanismus“ der heterosexuellen Mehrheit gerechtfertigt wird, um sich abzugrenzen. Das läuft dann natürlich alles wieder unter der Großrubrik „Erhaltung des deutschen Volkskörpers“.

    Schwulenhass ist also nach konservativer Lesart nicht nur legitim, sondern sogar geboten.

    Merke: Der deutsche Mann wurde geschaffen, um einen Jungen zu zeugen, ein Haus zu bauen und einen Baum zu pflanzen. Und um eventuelle Endsiege zu erringen. Nicht aber, um sich mit seinesgleichen zu vergnügen.

  2. godforgivesbigots 18. Juni 2007 um 13:51 #

    Die Natur als Allerweltsausrede heranzuziehen ist weder konservativ noch libertär sonder einfach nur bigott. Natürlich ist nur der Tod und auch der nicht immer.

    Diesen Gruppierungen geht es nicht in erster Linie um die Verwirklichung politische Interessen, Positionen oder Ideen, sondern um die Propagierung einer politischen Heilslehre. Der Herausforderung der Umgestaltung der Ordnung durch eine Umgestaltung des Menschenbildes auszuweichen ist ein Irrtum, auf den die Linke kein Monopol hat. Sofern sie hinreichend homogen ist, kann sich jede politische Gruppierung unabhängig von ihren transportierten Idealen als Heilslehre konstituieren. Politik erscheint dann nicht mehr als technisches Problem, dem mit Argumenten und Methoden beizukommen ist, sondern als tribalistische Rivalität der Gruppierungen um die Erringung einer Hohheit, von der sie nicht wissen was sie damit anfangen sollen wenn sie sie erreichen. Daher auch der Umschlag in Willkür und Diktatur wenn sich eine solche Heilslehre durchsetzen kann, denn was hat sie schon an Ideen außer ihren Feindbildern?

    Bewegungslibertäre gibt es übrigens auch in Amerika, siehe: Ron Paul.

  3. Psychopirat 22. Juni 2007 um 17:42 #

    Hallo ihr Lieben,

    erstmal muss ich sagen, dass zwei Freunde von mir diesen Brief an Hennig verfassten. Homosexuellenfeindlich sind die beiden wirklich nicht. Wie auch immer, in diesen Streit will ich mich gar nicht einmischen, das sollen die unter sich klären.

    Dass im libertären Lager die konservativen Stimmen immer lauter werden, und ein Hoppe, dessen Ideen einer Gesellschaft ich abartig finde, immer mehr Anhänger findet, finde auch ich als Linkslibertärer ausgesprochen bedenklich.

    Auch ich streite für ein Recht, Homosexuelle diskriminieren zu dürfen. Eben genau so, wie man es auch mit jedem anderen dürfen sollte: In Bestimmung über sein Eigentum und im Sinne der Freiheit zu sagen und nicht zu sagen, was man will.

    Was nichts daran ändert, dass ich höchstpersönlich Homophobe diskriminieren würde, das mache ich ja jetzt auch zu Genüge. Auch so ziemlich alle anderen Spielarten der Sexualität kann ich mit „Ist nicht meins, soll aber jeder machen, was ihn glücklich macht“ sein lassen, was sie sind und mir ist es auch ein Anliegen, diese Auffassung zu verbreiten.

    Der Punkt ist aber nun einmal der, dass wir alle genau das tun dürfen sollten.

    Gerade unter Libertären ist eine übermäßige Polemik beinahe guter Stil. Da geht es nicht wirklich um Lesben und Homos, da geht es um Gesellschaftsklempner, die uns vorschreiben wollen, was richtig und was falsch ist, was ethisch und unethisch ist, was getan werden darf und was nicht. Dazu hat aus libertärer Sicht nun einmal niemand das Recht. Auch eine CDU von vor 50 Jahren hatte nicht das Recht, Homosexuellen ihre sexuellen Aktivitäten zu verbieten. Genau so wenig haben Grüne das Recht, einen zu Multikultur (auch wenn ICH sie befürworte) oder Toleranz für Homosexuelle (auch wenn ICH sie befürworte) zu erziehen.

    Alleine das ist der Punkt, die Polemik ist für Außenstehende aber oftmals verletzend, aber vermutlich eher, da sie missverstanden wird.

    Hoppe stinkt aber. Definitiv. Aber wenn er glaubt, dass seine „natürliche Ordnung“ auf sein Idealbild der Gesellschaft hinausliefe, hat er sich meines Erachtens nach geschnitten. Und da ist Hoppe doch wieder großartig: Er ist so konsequent, niemanden zwingen zu wollen. Sonst wäre er im ultrarechten Flügel der CDU und nicht libertär.

  4. arnehoffmann 25. Juni 2007 um 17:34 #

    Hallo ihr,

    als Beleg für die angeblich wachsende Homosexuellenfeindlichkeit bei „eigentümlich frei“ greift ihr ausgerechnet auf Michael Mierschs Polemik gegen ein Interview zurück, in dem ich ausführe:

    „Nicht zuletzt scheint mir ein zentrales Problem zu sein, dass sich viele Nicht-Muslime für den Alltag von Muslimen nicht besonders interessieren, sondern sie nur dann wahrnehmen, wenn sie im Zusammenhang mit brisanten – `spannenden´, bedrohlichen – Konflikten stehen. Dieses Dilemma eint Sie allerdings mit sehr vielen Minderheiten, einschließlich der Juden, der Homosexuellen und so weiter. Ich habe keine Ahnung, wie man das eigentlich notwendige Interesse im nötigen Ausmaß schaffen kann.“

    Das als Beleg für Homophobie? Das kann nicht euer Ernst sein!

    Dass ich mich in etlichen anderen Büchern und Texten gegen die Ausgrenzung Homo- und Transsexueller sowie anderer Minderheiten in der sexuellen Ausrichtung einsetze, sei hier nur am Rande erwähnt. Die Freiheit, seine Sexualität selbstbestimmt zu leben, solange dabei niemand zu Schaden kommt, ist für mich als Liberalen und Libertin eine der wesentlichen Freiheiten.

    Das nur als Hinweis darauf, dass bei „eigentümlich frei“ als liberaler Zeitschrift Platz für die unterschiedlichsten Positionen ist. Zu dem Konflikt mit Dominik Hennig kann ich mich nicht äußern, weil ich davon nichts mitbekommen habe; ich selbst verstehe mich mit Dominik gut.

    Freundliche Grüße

    Arne Hoffmann

  5. DDH 4. Juli 2007 um 20:47 #

    „Zu dem Konflikt mit Dominik Hennig kann ich mich nicht äußern, weil ich davon nichts mitbekommen habe; ich selbst verstehe mich mit Dominik gut.“

    Stimmt. Kann ich bestätigen! 🙂

    Ist schon lustig: Ich komme mit „Islamistenverstehern“ wie Arne Hoffmann gut aus, ich bin mit „Neoconnazis“ wie Martin Hagen befreundet – nur bei „eigentümlich frei“ bin ich surrealistischerweise persona non grata. Ganz im Gegensatz zu Ellen Kositza. Naja, ich muß aber auch wirklich nicht auf jeder Hochzeit tanzen. 🙂

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