Schwule Rollenspiele

27 Jun

Die BZ berichtet in ihrer Online-Ausgabe über Schwule Rollenspiele an Berliner Schulen. Schon im Vorspann wird der Abbau von Vorurteilen als schulische Aufgabe gewürdigt. Fragwürdig sei allerdings, ob es hierfür erforderlich sei, dass Schüler

üben, wie man in einer Bar mit einem Schwulen flirtet?

Der eigentliche Skandal liegt jedoch woanders. Schließlich wäre gegen homo- wie heterosexuelle Flirtkunde auch für 14- und 15jährige nichts zu sagen. Wer glaubt, Jugendliche in diesem Alter interessierten sich noch nicht für Sexualität und Partnerschaft, lebt hinter dem Mond und sollte sich auf Selbstgespräche beschränken. Das Problem der Unterrichtsmaterialien liegt in den durch sie reproduzierten Klischees, die Vorurteile nicht etwa abbauen, sondern verstärken. Ein Beispiel:

Du sitzt an der Theke einer Schwulenbar und könntest heute eigentlich einen hübschen Mann in deinem Bett gebrauchen. Ein Neuer betritt den Raum, den du eigentlich ganz schnuckelig findest. (Wie) ergreifst du deine Chance?

Was lernen wir daraus? Schwule wollen immer nur das Eine. Und das sofort. Das weiß man. Vorher. Und nachher ebenso. Steht schließlich auch so auf dem Arbeitsblatt.

Die Kritik an den Materialien fällt dafür recht merkwürdig aus. Die verwendeten Klischees scheinen niemand zu stören. Vielleicht sind sie auch niemand aufgefallen. Die FDP jedenfalls in Gestalt ihrer bildungspolitischen Sprecherin läßt lediglich verlauten, sie

halte solche Themen in den Rollenspielen für Jugendliche für völlig daneben! Schließlich handelt es sich hier um 14- bis 15-jährige Schüler.

Ach was! Erwachsenen könnte man solch einen Abklatsch von Vorurteilen also zumuten. Warum eigentlich?

Der wegen der Materialien in die Kritik geratene Bildungssenator lobt den schülernahen Sprachgebrauch der Texte.

Insgesamt hätten sich die entwickelten Aufgaben „als für den Unterricht geeignet erwiesen“.

Fragt sich nur, wofür geeignet? Ganz bestimmt für die Verfestigung von Vorurteilen.

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13 Antworten to “Schwule Rollenspiele”

  1. vorbewusstes 27. Juni 2007 um 10:32 #

    Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass fast allen Menschen jeglicher sexueller Orientierung der Vollzug des sexuellen Aktes der zentrale Lebensinhalt ist.

  2. Adrian 27. Juni 2007 um 10:37 #

    Der zentrale Lebensinhalt? Das kann ich nicht bestätigen.

  3. Hannes 27. Juni 2007 um 10:43 #

    Der Ansatz mag ja gut gemeint sein. Aber wie du schon sagst, reproduziert ihr Vorurteile und scheint nicht besonders wissenschaftlich ausgearbeitet worden zu sein. Hier wurde wahrscheinlich Halbwissen gepaart mit eigenen bigoten Vorstellungen vom schwulen Leben und das Ganze dann ab auf’s Blatt für die Kids.

    Ich sehe allerdings ein ganz anderes Problem. Dieser Unterricht führt doch zu einer völlig einsitigen Vermittlung von Lebensplänen für (ungeoutete oder in der Findungsphase befindliche) schwule Jugendliche in der Klasse. Was für einen Eindruck muss das auf einen 15-jährigen machen, wenn die Lehrerin und das Arbeitsblatt ihm nicht auch alternative Lebensweise eben doch mit Familie und Kindern machen, oder einer festen Partnerschaft, die auf gegenseitiges Vertrauen und Partnerschaft beruht? Hier wird der so oft kritisierte „Lebensstil der Schwulen“ propagiert, der dem (gleichen) Jugendlichen später wieder vorgeworfen wird..

  4. Sebastian 27. Juni 2007 um 12:38 #

    Genau solche Experimente sind Wasser auf den Mühlen von Konservativen, die behaupten, Homosexualität sei „erlernbar“ bzw. die Schulen dürften nicht dazu genutzt werden, zur „Verbreitung der Homosexualität“ durch „Propaganda der Homosexuellen-Lobby“ beizutragen.

    Der Ansatz ist richtig, aber im Endeffekt bringt das Projekt mehr Schaden als Nutzen.

  5. Sergej 27. Juni 2007 um 17:16 #

    Dabei ist Homosexualität so wenig propagierbar wie Schuhgrößen oder rote Haare. Kein Homosexueller sucht sich seine sexuelle Identität aus. Es ist also kein „Lebensstil“ oder selbstgewählter „Lebensentwurf“, den man sich bewusst zulegt, sondern eine Veranlagung, die man eben hat. Und gut is.

    Gefährlich an dem ganzen zudringlichen Anti-Diskriminierungs-Zinnober ist v.a., dass man genau jene Ressentiments dadurch erzeugt, die man abzubauen vorgibt.

    Jetzt, wo der Staat sich der Homosexuellen auf_diese_Weise annimmt, ist wirklich Gefahr im Verzuge: sie werden durch PC-Kampagnen bald „populär“ sein wie andere Minderheiten, denen der Staat als Schutzmacht das gesellschaftliche Standing ruiniert hat (ich erinnere nur an die erschreckend hohen Margen, die der rasant anwachsende Antisemitismus erfährt, seit er hoheitlich seit den frühen 90er Jahren qua Staatsaufgabe bekämpft wird). Von Thoreau stammt der Ausspruch: „Wenn jemand in mein Haus käme mit der festen Absicht, mir Gutes zu tun, ich würde um mein Leben laufen.“

    Ceterum censeo: das gesamte Bildungswesen gehört ent-staatlicht!

  6. Domschi 27. Juni 2007 um 17:27 #

    Also ich würde das mal extrem lustig finden, sowas in der Schule zu spielen! 😀

    Was die Jungs wohl machen würden, wenn sie mich anflirten müssten!? 😀

    Und, wirklich mal im Ernst, was war nochmal das durchschnitts Alter fürs erste mal?! – Hatte meins mit 14 [kurz vor 15], ebenso wie viele Freunde… Also bitte… -,-

    (Öhm, was ich hier wieder ausplaudere!) ^^

  7. Franka 28. Juni 2007 um 09:37 #

    Ich denke mal, das der Fehler auch darin besteht, das diese „Lernblätter/ Rollenspiele“ von Leuten geschrieben werden, die wahrscheinlich noch nicht einmal Homosexuelle kennen. Und nicht nur die Schulen haben daran Schuld wenn vorurteile gegen Homosexuelle geschnürt werden. Auch die Eltern zuhause haben doch meistens noch dieses vorurteil und geben das natürlich, ob bewusst oder unbewusst, an die Kinder weiter. Was ich sehr Schade finde. Meine besten Freunde zb sind Schwul und habe überhaupt kein Problem damit und mein 5 Jähriger Sohn auch nicht. Und mein Sohn wird zum Glück nicht mit vorurteilen aufwachsen, was ich sehr schön finde, denn er weiß jetzt schon das Homosexualität etwas ganz normales ist.

  8. godforgivesbigots 28. Juni 2007 um 14:29 #

    Wahrscheinlich hätte ich solche Rollenspiele schon als Jugendlicher blöd gefunden, hätte es sie damals gegeben. Das Problem sind Lehrpläne, die auf den Einfluß der visuellen Massenmedien dadurch anworten, daß sich die Lehrer jugendlicher geben sollen als die Jugendlichen, und dabei in deren Augen doch nur als bescheuerte Laienschauspieler dastehen.

    Die Schulen sollten die Schüler lehren warum die Homosexualität diskriminiert wurde und in welchen Formen sie heute gelebt wird, welche Funktionen eine Straßenparade, eine Selbsthilfegruppe oder eine Beratungsstelle haben, wie man sich vor Gewalt, Vorurteilen und Geschlechtskrankheiten schützt und dergleichen mehr, aber wie man intime Kontakte in einer Bar knüpft? Unsinn!

    M.E. liegt der Wert des Schulunterrichts gerade darin, daß er unpersönlich ist, daß er die Dinge von der unmittelbaren Erfahrung löst und versachlicht, und dadurch die Schüler in die Möglichkeit versetzt, persönliche Erfahrungen auf eigene Faust zu sammeln.

  9. Sebastian 28. Juni 2007 um 15:39 #

    Unter dem Titel “Wer schützt die Seelen unserer Kinder?“ von Dieter Stein schaltet sich das Rechtsaußen-Organ „Junge Freiheit“ in die Debatte um die von Konservativen bis aufs Messer bekämpfte „Frühsexualisierung“ und „(Homo-)Sexualisierung“ der Gesellschaft ein. (Artikel im Original und in voller Länge nachzulesen unter http://www.junge-freiheit.de)

    Dem Leitartikel liegt ein nachfolgend veröffentlichter Aufsatz von Gabriele Kuby mit dem Titel „Auf dem Weg zum neuen Menschen“ zu Grunde. Gabriele Kuby ist eine bekehrte Ex-68erin, die erst über esoterische Umwege zum katholischen Glauben gefunden hat. Diesen betreibt sie dafür aber umso radikaler und aggressiver. Sie veröffentlicht fromme Bücher („Mein Weg zu Maria“; „Vergiftung durch Bilder“; „Harry Potter – gut oder böse?“) und ist auch in diversen Talkshows zu sehen. Angeblich seien im fortschrittlichen Schweden die meisten Kinder psychisch krank, weil die Mütter dort überwiegend berufstätig seien.

    Ihr Kampf gilt im Moment der „Zwangssexualisierung von Kleinkindern“:

    „Homosexualisierung im Unterricht – Ab zehn Jahren setzen in den Schulen die Werbungs- und Schulungsmaßnahmen zur Homosexualität (lesbisch, schwul, bi und trans) ein…“. Außerdem tingelt Gabriele Kuby im Namen von Moral und Anstand durch die katholischen Pfarrheime der Republik und gibt dort höchst fragwürdige Jugendseminare zu Keuschheit, Verhütung und Sexualität. Auch diverse Vorträge mit katholischen Lieblingsthemen gehören zu ihrem Reportoir.

    Dieter Stein reagiert auf den Aufsatz mit einer wie er schreibt „Mischung aus Fassungslosigkeit und Wut“. Kuby nennt in ihrem Aufsatz als Quelle vor allem Broschüren, die das Bundesfamilienministerium, die Bundeszentrale zur gesundheitlichen Aufklärung (BZgA) oder Kultusministerien für Schulen, Kindergärten und Eltern herausgeben. Stein echauffiert sich, dass Kinder heute schon angeblich ab dem ersten Jahr sexuell aufgekärt werden sollen und „der Durchsetzung der Ziele des sogenannten „Gender Mainstreaming“ dienen“.

    Er bezieht sich natürlich sofort, wie soll es auch anders sein, auf den Artikel in der BZ.

    Stein, als Familienvater offenbar besorgt um arme Kleinkinderseelchen, meint:

    „Offenbar können gar nicht früh genug die Türen zu den intimsten Bereichen der Kinderseele eingetreten werden. Die Sexualisierung der Gesellschaft schreitet unerbittlich voran. Das ideologische Programm zur Einebnung der Geschlechterunterschiede im Zeichen des „Gender Mainstreaming“ wird rücksichtslos und mit Milliardenaufwand durchgedrückt.“

    Es folgt das übliche völkische Untergangsgeleier der deutschen Rechtsaußen:

    „Unter „Sexualerziehung“ verstehen die Behörden eines Volkes, das dem demographischen Tod entgegentreibt, ausschließlich die Aufklärung über sexuelle Orientierung, sexuelle Praktiken und Empfängnisverhütung.“
    Es wurmt Stein, dass Sexualität heute nicht mehr primär der Erhaltung des Volkskörpers dient, sondern auch eine Spaß-Komponente hat.

    „Es findet keine grundsätzliche Problematisierung der immer früher stattfindenden sexuellen Betätigung und keine positive Vorbereitung auf die Elternschaft statt. Statt dessen wird Sexualität propagiert als das große Los zu Spaß und Selbstverwirklichung. In der Hierarchie der Werte erhält Sexualität den ersten Platz zugewiesen.“

    Dass Stein wie viele seiner Rechtsaußen-Gesinnungsgenossen unter einer besonders bösartigen Form der Paranoia leidet, zeigt folgender Gedankensprung:

    „(Homo-)Sexualisierung und Gender-Ideologie sind als zivilreligiöse Herausforderungen unserer Kultur auf den Plan getreten, die Kritiker in totalitärer Weise mit Kampagnen mundtot machen.“

    Dass die CDU/CSU sich nicht mehr vor den Rechtsaußen-Karren spannen lässt, konstatiert Stein nüchtern bis resigniert:

    „Die CDU/CSU fällt als Gegenlager in diesem Kulturkampf bereits aus. Früher vorhandene Widerstände wurden erfolgreich aufgerieben, jetzt sind die „bürgerlichen“ Parteien selbst willfährige Träger der Gesellschaftsveränderung.“

    Mit Verweis auf seinen Sohn, der nächstes Jahr eingeschult werden soll, stellt er die Frage nach der richtigen „Erziehungsanstalt“ in den Raum. Ich empfehle die Napola.

    Auch der konservative Ruf nach den Kirchen verhallt wirkungslos im Raum. Die evangelische Kirche hat sich längst ein sozialistisches Antlitz gegeben. Zum Schluss führt Stein den Islam als Religion wider den gesellschaftlichen Verfall an, und hat Verständnis dafür, dass sich die Einwanderer dem Islam zuwenden. Das christliche Deutschland scheint wohl am Ende. Finis Germaniae. Amen.

  10. Sebastian 28. Juni 2007 um 15:43 #

    Auf dem Weg zum neuen Menschen (Auszüge)
    von Gabriele Kuby (veröffentlicht in „Junge Freiheit“ 27/07; vollständig und im Original nachzulesen unter: http://www.junge-freiheit.de)

    Beharren auf der Heterosexualität als Norm

    „Die Geschlechtsdifferenzierung von Mann und Frau und die Heterosexualität als Norm soll aufgehoben werden. Lesbische, schwule, bisexuelle und transsexuelle Lebensweisen sollen der Sexualität zwischen Mann und Frau gleichwertig sein.“

    Werbe- und Schulungsmaßnahmen zur Homosexualität

    „Ab zehn Jahren setzen in den Schulen die Werbe- und Schulungsmaßnahmen zur Homosexualität (genauer: lesbisch, schwul, bi und trans) ein, noch nicht überall so kraß wie in Berlin, Hamburg und München, aber mit einheitlicher Tendenz. Eine 198seitige „Handreichung für weiterführende Schulen“ des Senats von Berlin zum Thema „Lesbische und schwule Lebensweisen“ bietet eine ausgefeilte Anleitung zur Homosexualisierung der Schüler, auszuführen in „Biologie, Deutsch, Englisch, Ethik, Geschichte/Sozialkunde, Latein, Psychologie“. Infomaterial, Vernetzung mit der örtlichen Homoszene, Einladung an „Vertreter/innen“ von Lesben- und Schwulenprojekten in den Unterricht, Filmveranstaltungen und Studientage zum Thema sollen angeboten und durchgeführt werden. Für Rollenspiele im Unterricht gibt es folgende Anregungen:

    „Du sitzt an der Theke einer Schwulenbar und könntest heute eigentlich einen hübschen Mann in deinem Bett gebrauchen. Ein Neuer betritt den Raum, den du eigentlich ganz schnucklig findest. Wie ergreifst du deine Chance?
    Du bist Peter, 29 Jahre. Du willst mit deinem Freund Kemal eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen. Heute wollt ihr es seiner Mutter erzählen.
    Du bist Evelyn Meier, 19 Jahre. Du willst mit deiner Freundin Katrin eine Eingetragene Lebenspartnerschaft schließen. Heute geht ihr zu der evangelischen Pfarrerin, Frau Schulz, weil ihr gerne auch kirchlich heiraten wollt.“

    Kuby kritisiert, dass „die Gleichwertigkeit jeder Form sexueller Praxis – homo, lesbisch, bi, trans – mit der Heterosexualität unterstellt“ wird. Außerdem würde durch solche Aufklärungskampagnen die Autorität der Eltern untergraben.

    Damit meint sie wohl, dass den Eltern damit die Möglichkeit genommen wird, ihr Kind so lange wie möglich naiv zu halten. Indem Konservative ihre Kinder aus Prüderie vorsätzlich dumm und naiv halten, brauchen sie sich nicht wundern, wenn sie in unserer Welt sang-und klanglos untergehen oder häufiger Opfer von Vergewaltigungen werden.

    Sie moniert, dass „die Kinder und Jugendlichen ab neun Jahren in der Schule zu Experten der Verhütung ausgebildet“ werden. Abtreibung würde ihnen als eine harmlose Option zur freien Entscheidung angeboten.
    Kuby schwingt die Moralkeule und behauptet: “Die von Staat und Medien betriebene moralische Zerrüttung des Volkes ist die Wurzel des Übels.“ Meiner Meinung nach ist die „moralische Zerrüttung“ überhaupt erst der Anfang eines liberalen und aufgeklärten Deutschland, das den pietistischen Muff Preußens und den katholischen Muff des Südwestens endgültig hinter sich lässt.

    Nach Kubys Einschätzung steht Deutschland an der Schwelle zum Totalitarismus

    Ihre Gedankenwelt atmet den frischen Geist des völkischen Katholizismus:
    „Ein neues Schimpfwort wird zu einem juristischen Tatbestand, um den Widerstand zu kriminalisieren: Homophobie. Der Begriff unterstellt, daß all jene von krankhafter Angst besessen sind, die daran festhalten, daß die Sexualität nur dann dem Menschen und der Gesellschaft zum Wohl gereicht, wenn sie Ausdruck der Liebesvereinigung von Mann und Frau ist, offen für die Fortpflanzung.“

    Mit Entsetzen stellt sie fest, dass „das Europaparlament hat mit seiner Entschließung B6-0025/2006 vom 18. Januar 2006 angekündigt, daß es Homophobie „ausmerzen“ will.“

    Erstes Opfer der fortschreitenden Toleranz ist in ihren Augen das heilige Polen:

    „In Polen schreitet die EU im Frühjahr 2007 zur Tat. Weil Polen keine „homosexuelle Propaganda in Schulen“ will, soll nach dem Willen der großen Mehrheit des EU-Parlaments (26. April 2007) in Polen eine „fact-finding mission“ wegen „zunehmender Tendenz zu rassistischer, fremdenfeindlicher und homophober Intoleranz“ durchgeführt werden, um das Land beim Europäischen Gerichtshof anklagen zu können.“

    Es folgt ein Weckruf an alle europäischen Kreuzritter:

    „Es ist Zeit aufzuwachen. Zu lange sind wir auf die ideologischen Phrasen von Freiheit, Toleranz und Antidiskriminierung hereingefallen. Sie dienen in erster Linie der Diskriminierung und Ausgrenzung von Christen und Konservativen und der Abschaffung der Meinungs- und Religionsfreiheit.“

    Gabriele Kuby als feuchter Traum aller strammen Blut-und-Boden-Christen:

    „Wachen wir auf! Stehen wir auf, damit die „Schöne neue Welt“, die Aldous Huxley in den 1930er Jahren vorausgesehen hat, nicht Realität wird. Deren Bewohner, von denen keiner „jemals lange warten mußte, daß man ihm gewähre, sobald er merkte, daß er begehre“, blicken mit Grausen auf die Zeit zurück, als es noch die „lebendgebärende Mutter“ gab, die ihre eigenen Kinder säugte „wie eine Katze ihre Jungen, aber eine Katze mit Redegabe, eine Katze, die ohne Unterlaß: ‘Mein Kleines, mein Süßes’ sagen konnte“.“

    Menschen vom Schlage einer Gabriele Kuby werden es nicht schaffen, das Ruder nochmals rumzureißen. Ihre Zeit ist lange abgelaufen. Wer Toleranz und Vielfalt bekämpft ist ein zynischer Menschenhasser und verdient nichts anderes als auf der Stelle vom Erdboden verschluckt zu werden.

  11. godforgivesbigots 28. Juni 2007 um 16:53 #

    Sebastian – „… eines Volkes, das dem demographischen Tod entgegentreibt …“

    Das ist das einzige Argument das die Homophoben wirklich haben, und bei Lichte betrachtet ist es gar keines.

    Auch wenn man bei „demographischem Tod“ zuerst an Überbevölkerung denkt, damit gemeint sind Reproduktionsraten unter 2.0, d.h. das Schrumpfen der Bevölkerung, und die lineare Verlängerung dieses Trends bis zum Szenario des völligen Aussterbens.

    Richtig ist, das Bevölkerungswachstum in Deutschland hat mit der Jahrtausendwende seinen Höhepunkt erreicht, und in einer Generation werden wir wieder auf der Bevölkerungszahl der 1960er Jahre angekommen sein. Wenn sich die Schrumpfung in zwei Generationen auf dem Niveau der 1930er Jahre stabilisiert, ist das immer noch eine Bevölkerungsdichte bei der die Nazis von einem „Volk ohne Raum“ sprachen. Von wegen die Deutschen sterben aus!

    Das eigentliche Problem ist nicht existentieller sondern wirtschaftlicher Natur: Eine schrumpfende Bevölkerung ist eine alternde Bevölkerung, und damit ist der Zusammenbruch des Renten- und Sozialsystems innerhalb eines Generationenhorizontes eine realistische Prognose. Wie soll eine schrumpfende Bevölkerung eine tragfähige Altersversorgung finanzieren, ohne das Umverteilungssystem grundsätzlich zu ändern?

    Eine Möglichkeit dazu ist Euthanasie, eine andere Immigration. Die islamischen Länder erleben jetzt dieselbe Bevölkerungsexplosion wie Deutschland vor den und während der Weltkriege. Islamische Masseneinwanderung würde die Alterspyramide und damit das Rentenversorgungsystem erhalten, aber nur um den Preis der Zerstörung von Toleranz und Vielfalt durch Kolonialisten die nicht wirklich an der europäischen Kultur interessiert sind. Daher die Ängste der Konservativen, die diese damit zu kompensieren versuchen, indem sie mit Phrasen wie der vom „demographischen Tod“ und dgl. die Bevölkerungsexplosion beliebig lange in die Zukunft zu verlängern. Die Realität ist aber, daß eine Bevölkerungsexplosion nur über ein bis zwei Generationen durchzuhalten ist, und auch die islamischen Länder in der Zukunft vor dem Problem der Schrumpfung stehen werden, damit wäre das Problem also bloß vertagt – aber möglicherweise so vertagt daß bis dahin von der westlichen Freiheit nichts mehr übrig ist.

    Innerhalb dieser Generation muß das Renten- und Sozialversorgungsystem so umgestellt werden, daß eine flächendeckende Versorgung für alle möglich ist, unabhängig von der Altersverteilung der Bevölkerung und unabhängig von den lokalen Schwankungen der Konjunktur. Die klassischen Umverteilungsmodelle sind da überfordert, dieses Problem läßt sich nur im Weltmaßstab lösen, durch eine Revolution des internationalen Systems. Nur wer soll all die Diktaturen stürzen und die planetaren Ressourcen konfiszieren, um Grundeinkommen und Neoliberalismus durchzusetzen wenn nicht die konservativ regierten Westmächte?

  12. Adrian 28. Juni 2007 um 17:17 #

    Ich bin immer wieder fassungslos ob des Argumentes bzw. der Unterstellung man könne Homosexualität fördern oder die Gesellschaft „homosexualisieren“. Das ist so dumm und so abgrundtief bescheuert. Ich frage mich wirklich, wie ein nur halbwegs logisch denkender Mensch auf einen solchen Schwachsinn kommen kann.

    Aber andererseits: Vom Blickwinkel dieser Leute aus, ist das Argument gar nicht so falsch: „Verschwulung“ könnte ja auch heißen, Schwulen und Lesben mit Akzeptanz zu begegenen, sie als vollwertige Menschen zu behandeln, mit der Konsequenz, dass sich Homosexuelle zu dem bekennen was sie sind und was sie empfinden. Daraus resultierend gibt es dann in einer Gesellschaft ja eben doch „mehr“ Homosexuelle. Mehr offen lebende nämlich. Und natürlich geht es den reaktionären Konservativen darum das Rad zurückzudrehen. Im Falle der Schwulen und Lesben sieht ihre Vorstellung so aus: Marginalisierung, Unterdrückung, Nichtexistenz.

  13. littleandy 29. Juni 2007 um 08:09 #

    Also, mir wäre es in der Pubertät schon äußerst peinlich gewesen, hätte ich in der Schule, am besten vor der ganzen Klasse, schwule Rollenspiele machen müssen. Für mich hätte das in dem Alter ungefähr den Status von „nackt auf der Straße stehen“ gehabt. Heut würd ich das lockerer sehen, aber ausgerechnet in der Pubertät – no way.

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