Amis raus!

6 Jul

Lass die Amis raus aus Deiner Schublade und rein in die Realität! Das möchte man so manchem Europäer zurufen, wenn er mal wieder kräftig Klischees über die Amis verbreitet.

Eine ausgezeichnete Gelegenheit, ein paar Vorurteile loszuwerden, bieten diese Umfrageergebnisse:

Amerikaner sehen einer neuen Umfrage zufolge Kinder nicht mehr als das Fundament einer erfolgreichen Ehe an.

Weit vor den Kindern landete die geteilte Hausarbeit als Basis für eine erfolgreiche Ehe. Und das bei den ach so konservativen Amerikanern. Auch spannend: Die Zustimmung zur Homo-Ehe ist weiter hoch, im Vergleich mit den 90er Jahren deutlich gestiegen und auch schwule und lesbische Eltern werden immer selbstverständlicher, jedenfalls hat die Toleranz ihnen gegenüber

unter Frauen aller Altersgruppen in den vergangenen zehn Jahren stark zugenommen.

Gute Nachrichten auch bezüglich der Haltung der Amerikaner zur Adoption durch schwule und lesbische Paare:

57 Prozent befürworteten ein volles Adoptionsrecht, 40 Prozent lehnten es ab. Die Zustimmung zur Adoption ist schon seit Jahren bei Amerikanern weit höher ausgeprägt als die Zustimmung zur Homo-Ehe – damit unterscheiden sich die US-Bürger von den Europäern, die weniger Probleme mit der Ehe haben, dafür aber dem Adoptionsrecht kritischer gegenüber stehen.

Ein interessanter Unterschied: Das formale Rechtsinstitut wird abgelehnt, die familiäre Praxis hingegen befürwortet.

Selbst die eifrigen Ex-Gays scheinen bei der Mehrheit ihrer Landsleute nur wenig Anklang zu finden:

Eine Mehrheit von 56 Prozent gab laut CNN ferner an, dass sexuelle Ausrichtung ihrer Meinung nach nicht willentlich verändert werden kann.

Zum Schluß eine letzte Meldung für alle Amerikahasser – die linken dürfen verwirrt sein, die rechten sich bestätigt fühlen:

Ein neues Gesetz im US-Bundesstaat New Mexico erlaubt HIV-Positiven und anderen chronisch erkrankten Patienten nicht nur die Nutzung von Marihuana als Schmerzmittel – der Staat muss das weitgehend als Droge geltende Naturprodukt zudem selbst anbauen. Damit geht das Gesetz über „Medical Marijuana“ weiter als in jedem anderen Bundesstaat.

Mehr noch, schon jetzt

erlauben elf Bundesstaaten HIV-Patienten die straffreie Nutzung von Marihuana (Alaska, Colorado, Hawaii, Kalifornien, Maine, Montana, Nevada, Oregon, Rhode Island, Vermont und Washington).

Wenn nicht die Produktion und der Konsum von Marihuana unter einem Bundesgesetz nach wie vor strafbar wären, könnte man glatt auf die Idee kommen, die USA seien die politische Heimat des Liberalismus.

3 Antworten zu “Amis raus!”

  1. Sebastian 6. Juli 2007 um 12:38 #

    Schön zu lesen. Trotzdem gibt es in den USA wie auch in Deutschland ein deutliches Meinungsgefälle zwischen Stadt und Land, alt und jung, gläubig und ungläubig.

    An der verstädterten Ostküste zwischen Boston und Washington dürften die Ergebnisse noch erfreulicher ausfallen, während im „heartland“ die Ergebnisse ähnlich wie auf der Schwäbischen Alb lauten dürften.

    Die Umfrageergebnisse sind in meinen Augen alles in allem eher durchwachsen (46% gegen Eingetragene Partnerschaft; 57 % gegen die Öffnung der Ehe).

    Dass die Toleranz und Solidarität unter Frauen für schwule Belange ausgeprägter ist als bei Männern ist auch keine Überraschung. Was denkt aber der amerikanische Mann?

    Die positive Haltung zum Adoptionsrecht (57% Zustimmung) überrascht mich, aber wieso dann die mehrheitliche Ablehung der Öffnung der Ehe? Irgendwie unlogisch.

    42 % glauben, dass bei Homosexualität u.a. Umwelt und Erziehung eine Rolle spielen. Naja.

    Dass die Amerikaner nicht konservativ seien, geht aus der Umfrage auch nicht wirklich hervor:

    Dass unverheiratete Single-Frauen Kinder haben: 66% Ablehung.
    Dass unverheiratete Paare Kinder haben: 59% Ablehung.
    Dass schwule und lesbische Paare Kinder erziehen: 50% Ablehnung. Wieso dann 57% Zustimmung zur Adoption?

    Vielleicht bringt ein Präsidentenwechsel ja auch einen Mentalitätswechsel.

  2. godforgivesbigots 6. Juli 2007 um 16:14 #

    HIV-Patienten die straffreie Nutzung von Marihuana

    Wenn das mal nicht ein Anreiz zum Barebacking ist! ;o)

    Oder doch eher zum sich-positiv-stellen…

  3. eirelover 25. August 2007 um 19:17 #

    _Eine Mehrheit von 56 Prozent gab laut CNN ferner an, dass sexuelle Ausrichtung ihrer Meinung nach nicht willentlich verändert werden kann._

    Wer kommt denn auf solche Ideen?
    „Ich such mir jetzt aus, ob ich auf Frauen oder Männer stehe!“
    *kopfschüttel*

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