Sind wir nicht alle ein bisschen …?

12 Jul

Die anglikanische Episkopalkirche ist eine christliche Glaubensgemeinschaft. Anne Holmes Redding ist dort Pastorin. Außerdem ist sie Moslemin. Das geht nicht? Das sieht die Dame anders und erklärt zur Begründung:

Sie sei der Ansicht, dass sich Islam und Christentum nicht widersprechen.

Passenderweise war sie in ihrer Gemeinde ausgerechnet für Glaubensfragen zuständig. Vermutlich nicht zuletzt deshalb wurde sie durch den zuständigen Bischof

jetzt angewiesen, sich für ein Jahr vom Amt zurückzuziehen.

Vorher könnte man sie allerdings einmal – zum Beispiel – fragen, ob sie schon einmal von christlichen Selbstmordattentätern gehört hat, die sich zum Ziel gesetzt haben, möglichst viele Menschen mit in den Tod zu reissen, ob auch das Christentum die Unterwerfung bzw. Auslöschung aller Anders- oder gar nicht Gläubigen propagiert oder ob ihr aus dem Christentum im Jahre 2007 Steinigungen, überhaupt Exekutionen, Amputationen oder ähnliche Strafen bekannt sind.

Der neue Job der postmodernen Predigerin ist übrigens

Theologieprofessorin an der Seattle Universität.

Dabei hätte sie ihrer Kirche so gute Dienste leisten können:

Die Kirche ist ohnehin von Spaltung bedroht. Seit Jahren streiten sich Konservative und Liberale darüber, ob in Partnerschaft lebende Homosexuelle Pastoren und Bischöfe werden dürfen.

Frau Redding hätte sicher zuerst einmal festgestellt, dass Homosexuelle auch heterosexuell sein können. Und dass jeder von uns selbstverständlich Pastor und Bischof sein kann, ich meine, Pastor und Bischof. Oder sie hätte ihren Koran ernst genommen und erklärt, dass man – natürlich! – heterosexuell und Moslem sein kann.

Dass es sich bei Frau Redding um eine Afro-Amerikanerin handelt, läßt vermuten, dass wir von ihr demnächst weitere Überraschungen erwarten können. Wie wärs mit:

Ich bin schwarz und weiß.

Falls Frau Redding schon gegender-mainstreamed ist, böte sich noch an:

Ich bin Mann und Frau.

Und da wir es hier mit Gläubigen zu tun haben, ein letzter und umfassender Vorschlag:

Ich bin Mensch und Gott.

Vielleicht aber einfach auch nur:

Ich bin balla und balla.

10 Antworten zu “Sind wir nicht alle ein bisschen …?”

  1. godforgivesbigots 12. Juli 2007 um 11:23 #

    Es ist tatsächlich umstritten ob der Islam – so wie beispielsweise der Hinduismus – eine eigene Religion ist, oder ob es sich dabei um eine Häresie handelt, die Abraham statt seines spontanen Verzichts darauf wegen seiner Bereitschaft zum Menschenopfer erinnert, und in Jesus nicht den Messias sieht sondern lediglich einen weiteren Propheten. Hat Mohammed von Arabien wirklich eine neue Religion gestiftet, oder hat er bloß eine bis zur Hoffnungslosigkeit verstümmelte Nacherzählung von Juden- und Christentum dazu benutzt, die arabischen Stämme politisch und militärisch zu einen? Die Frage ist nicht leicht zu beantworten, aber wenn man davon ausgeht, daß Muslime an denselben Gott glauben wie wir, dann bedeutet das daß es eine Häresie ist, und wenn man annimmt daß der Islam eine eigene Religion sei, dann folgt daraus daß Allah nicht dasselbe ist wie Gott.

    Daß jemand gleichzeitig Muslima und Christin ist ist übrigens durchaus möglich, man denke z.B. an eine Frau die im Islam ausfgewachsen und dann ausgetreten ist und Christin geworden ist. Da der Islam keinen Austritt anerkennt wäre eine solche Christin aus islamischer Sicht weiterhin Muslima, auch wenn sie selbst wahrscheinlich auf Anerkennung ihres Austritts bestehen würde.

  2. Christian Hoffmann 12. Juli 2007 um 15:09 #

    Naja, ich finde es ziemlich daneben, ausgerechnet hier eine Gleichsetzung einer freiwilligen Religionszugehörigkeit mit der sexuellen Orientierung oder Hautfarbe eines Menschen zu lesen. Ist es wirklich gleichermassen absurd, Christ und Moslem zu sein, wie schwarz und weiss?
    Was soll denn bitte der ach so fundamentale Unterschied zwischen Islam und Christentum sein? Zwei monotheistische Glaubensgebäude, die sich auf ein Buch und einen Propheten berufen. Auch die grundlegenden Gebote sind recht ähnlich, und beide Religionen schleppen sinnlosen antiquierten Balast mit sich rum. M.E. überwiegen die Ähnlichkeiten sicher die Unterschiede.
    Und schliesslich: Schon mal von christlichen Märtyrern gehört? Ist ja nicht so, dass Christen nie freiwillig für ihren Glauben in den Tod gegangen wären…

  3. Damien 12. Juli 2007 um 19:18 #

    Von wegen freiwillig: Der Islam kennt keinen Austritt. Insoweit ist dem zweiten Absatz im Kommentar von godforgivesbigots zuzustimmen.
    Der ach so fundamentale Unterschied zwischen Islam und Christentum ist einer ums Ganze: Das Christentum hat seinen Luther gehabt, seine Reformation, seine Aufklärung, kennt eine historisch-kritische Bibelexegese und weist einen Pluralismus sondergleichen auf, es tritt im Großen und Ganzen weder mit einem Herrschafts- noch mit einem Unterwerfungsanspruch anders oder Nichtgläubigen gegenüber hervor, es anerkennt die Trennung von Staat und Religion, die Gleichberechtigung der Frau, diskutiert über die Gleichberechtigung von Homo- und Heterosexualität und hat sie zum Teil schon vollzogen, kennt keine körperlichen Strafen (die schlimmste Strafe für einen Katholiken ist es, exkommuniziert zu werden – eben das läßt der Islam nicht zu, er entläßt Dich nie aus seinem Herrschaftsanspruch), usw. usf.
    Ach ja, christliche Märtyrer sind die, die sich für ihren Glauben haben töten lassen. Sie haben aber nicht andere mit in den Tod genommen. Das halte ich dann doch für einen erwähnenswerten Unterschied.

  4. Christian Hoffmann 13. Juli 2007 um 00:34 #

    @Damien: Ich gönne ja wirklich jedem seine religiöse Überzeugung (egal welche). Aber ich halte Deinen Versuch einer „Wesensunterscheidung“ an dieser Stelle für naiv. Religion und Glaube ist qua Natur irrational, metaphysisch und anfällig für einen entsprechenden Missbrauch. Es gab Zeiten, zu denen das Christentum im Vergleich zum Islam die reine Barbarei war. Ich bezweifle nicht, dass das Christentum im Westen einige schmerzhafte Wandlungs- und Erneuerungsprozesse durchgemacht hat, die dem Islam noch bevorstehen. Was v.a. auch daran liegen könnte, dass der islamische Raum gesellschaftlich-zivilisatorisch ziemlich hinterherhinkt. Aber daraus lässt sich kein grundlegender Unterschied der beiden Dogmengebäude konstruieren. Die Bekämpfung und Unterwerfung Nichtgläubiger, die systematische Benachteiligung der Frau, die Verfolgung der Homosexualität und und und waren alles auch mal Elemente des Christentums. Zum Teil sind sie es noch heute. In Punkto Pluralität steht der Islam übrigens dem Christentum auch heute in nichts nach.
    Als areligiöser Mensch betrachte ich diese Dinge mit einer gewissen Distanz. Ich würde aber mal die Behauptung aufstellen, dass Christentum und Islam sich deutlich ähnlicher sind, als etwa Christentum und Hinduismus oder Buddhismus. Gerade „westlich“ orientierte Zeitgenossen sollten auch die Reformansätze im Islam nicht unberücksichtigt lassen. Du tust ja gerade so, als wäre die in Saudi-Arabien praktizierte Auslegung des Islam die einzig mögliche. Es ist aber eben auch ein Wesensmerkmal von Religionen, dass sie der Auslegung unterliegen. Es wäre sehr leichtsinnig, die komplexe Interaktion von Religion, Soziologie, Massenpsychologie und Demographie einfach beiseite zu wischen. Grundsätzlich und rein dogmatisch halte ich es also nicht für ausgeschlossen, sich sowohl dem Christentum als auch dem Islam zugehörig zu fühlen.

  5. Damien 13. Juli 2007 um 12:40 #

    Rein dogmatisch? Ich bin kein Theologe, aber ich glaube, dass es weder von islamischer noch von christlicher Seite aus akzeptiert wird, wenn sich jemand beiden Religionen zugehörig erklärt. Um einen weiteren Vergleich zu wagen: Natürlich kann jemand aus voller Überzeugung in die CDU und die SPD eintreten wollen, weil er das für vereinbar hält (und ich hielte diese Kombination tatsächlich für eher vereinbar miteinander als die von Christentum und Islam) – dessen ungeachtet sehen beide Parteien aber nicht vor, dass man noch in einer anderen Mitglied sein kann, insofern geht es eben auch nicht.

  6. godforgivesbigots 13. Juli 2007 um 14:13 #

    Eine Gemeinsamkeit von Christentum und Islam aber auch Buddhismus und Hinduismus ist daß all diese Religionen mithilfe des Adels verbreitet wurden: Die Fürsten bzw. Stammesoberen schlossen sich mal mehr mal weniger freiwillig der neuen Religion an, und ihre Untertanen hatten ganz und gar unfreiwillig zu folgen. Dennoch ist das Christentum (neben dem Judentum) die einzige Religion, der es gelungen ist, diese Ordnung zu zersetzen und die Bedingungen der Möglichkeit einer Aufklärung herbeizuführen.

    Ich würde aber mal die Behauptung aufstellen, dass die Unterschiede zwischen Christentum und Islam größer sind als die Unterschiede zwischen dem CSD in Jerusalem und dem CSD in Mekka.

    Und „dogmatisch“ gesehen – Jesus sagt: Mein Reich ist nicht von dieser Welt, Mohammed sagt: Mein Reich ist von dieser Welt. Beides gleichzeitig geht nicht.

  7. Christian Hoffmann 17. Juli 2007 um 01:43 #

    Offensichtlich töten nicht nur muslimische Fanatiker gerne Schwule:

    http://www.chron.com/disp/story.mpl/front/4968717.html

  8. Christian Hoffmann 24. Juli 2007 um 23:05 #

    Interessante Neuigkeit in diesem Kontext:

    http://abc.net.au/news/stories/2007/07/24/1987362.htm?section=justin

  9. godforgivesbigots 25. Juli 2007 um 14:13 #

    Oh, der Pinkel-Scheich.

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  1. node-0 » Blog Archiv » Beliebigkeit und wohin sie führt - 12. Juli 2007

    […] Gay West kann man nachlesen, dass doch tatsächlich eine anglikanische Pastorin meint, gleichzeitig auch […]

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