Mittelalter hier und heute

14 Aug

In Nigerias islamischen Bundesstaat Bauchi wurden 18 Männer auf Grund ihrer Homosexualität verhaftet. Ihnen droht, nach dem angewandten „Rechtssystem“ der Scharia, die Todestrafe – nicht überraschend für ein Land, in dem auch Frauen wegen Ehebruchs gesteinigt und Dieben die Hände abgehackt werden.

Wann immer solch barbarische Praktiken aus Drittweltländern bekannt werden, findet sich garantiert irgendjemand der uns allen erklären will, dass solche Vorfälle zwar schlimm, westliche Länder aber auch nicht besser seien, da auch sie nicht immer so human waren, wie sie sich heute geben. Genau diese Ansicht teilt auch ein Kommentator bei queer.de:

Mittelalter hin oder her, Hände abhacken für Diebe gabs damals ja auch hier, wo wir jetzt wohnen! Man glaubte damals auch,dass die Erde eine Scheibe sei und nicht eine Kugel.War man also einfach unaufgeklärt und rückständig? Das ist wohl ein Teil der Wahrheit, neben vielen anderen Wahrheiten.

Damals ja auch hier, wo wir jetzt wohnen? Übersehen wir mal diesen bedenklichen Satzbau und widmen uns lieber gleich der Beantwortung seiner Frage, ob die Menschen im Mittelalter einfach unaufgeklärt und rückständig waren: Dazu ein ganz klares ja. Und genau dies ist ja auch das Problem Nigerias. Eine mittelalterliche, unaufgeklärte, von barbarischen Moralvorstellungen durchsetzte Gesellschaft. Das sei natürlich schlimm, aber eben nur ein Teil der Wahrheit, wie jener queer.de-Kommentator verkündet, weil die Scharia auch gewisse, nicht unerhebliche, Vorteile habe:

Tatsache ist aber auch, dass ein Dieb, dem man beide Hände abgehackt hat, niemals wieder klauen kann, ein Lügner ohne Zunge nie mehr lügen und ein Vergewaltiger ohne Pimmel niemals mehr ficken kann und ein guillotinierter Mörder aus dem Jenseits heraus niemals mehr morden kann….diese Realität ist per se logisch, und nicht rückständig […]

Logisch ist auch, dass die Hinrichtungen Homosexueller in Nigeria und anderen islamischen Staaten zu einer Verringerung der Anzahl selbiger führt, aber macht das die Angelegenheit etwa weniger rückständig, um nicht zu sagen widerlich? Nicht wenn man die Aufklärung als Beginn eines kontinuierlichen Verfalls der Menschheit begreift, einem Verfall, welcher überdies auch noch zutiefst sozial ungerecht ist, da er die Kassen der Solidargemeinschaft plündert:

und für ein paar sehr wenige Sexualstraftäter,die lebenslang auf Kosten der Steuerzahler verwahrt werden müssen (ein einziger Tag in einer Sicherheitsverwahrungsanstalt kostet glaube ich so an die 500 Euro…) befürworte ich die Guillotine als kostengünstige, die Hinterbliebenen der Opfer beruhigende Massnahme, auch wenn die Todesstrafe in Europa in den nächsten zweihundert Jahren wohl nie mehr eingeführt wird

Zu dumm, dass besagter Kommentator den Genüssen homophiler Erotik frönt. Täte er dies nicht, könnte er aus dem verweichtlichen Europa bspw. nach Nigeria auswandern und sich dort selbst als Henker betätigen. So aber erwartet ihn dort das Schicksal eines Gehängten. Bad luck.

Eine Antwort zu “Mittelalter hier und heute”

  1. leftqueers 16. August 2007 um 19:44 #

    Ja, der Titel passt gut.

    Angesichts der Tatsache, das Christlich-Fundamentalistische Gruppierungen, oder eben solche, die meinen, sie seien Christlich, weiter auf dem vormarsch sind.

    Dazu zählen u.a. Scientology, Opus Dei, The Call, Exodus, etc. pp.

    Zur Thematik Exodus gab es am letzten Sonntag im Weltspiegel einen sehr interessanten Bericht, hier der Link: http://www.br-online.de/politik/ausland/themen/2007/00974/daserste.shtml

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