Schwule im Fussball

25 Aug

Na endlich, mag der eine oder andere gedacht haben, der die aktuelle Sportberichterstattung nur oberflächlich verfolgt hat, na endlich, geht es mal um Schwule im Fussball. Die WELT zum Beispiel berichtet unter der Überschrift Schwul? Schwarz? Schwabbel? Es geht um die Sanktionen gegen den Dortmunder Spieler Roman Weidenfeller. Der hatte zu einem Schalker… ja, was eigentlich gesagt? Da geht das Rätselraten los. Der worst case wäre offensichtlich diese Version: Schwarzes Schwein. Das sagt man einfach nicht in Deutschland, das ist nämlich rassistisch. Und das sind wir in Deutschland nicht. Niemals. Vielleicht deswegen hat Weidenfeller genau das bestritten und wurde folgerichtig nur wegen einer „herabwürdigenden und verunglimpfenden“ Äußerung gesperrt. Eben deswegen ist es vermutlich auch Weidenfellers Verein, Borussia Dortmund, ganz wichtig zu betonen, dass

Weidenfeller damit vom Vorwurf einer rassistischen Beleidigung freigesprochen worden ist.

Was er denn tatsächlich gesagt haben will, davon erfährt die Öffentlichkeit kein Wort. Nur soviel gibt der DFB bekannt,

dass er sich nach einer für ihn „schmerzhaften Auseinandersetzung mit Asamoah zu einer verbalen Entgleisung“ habe hinreißen lassen.

Als Alternative zu der zuerst befürchteten skandalösen und undenkbaren rassistischen Äußerung des Sportlers wird jetzt u.a. folgende Variante gehandelt: Schwules Schwein. Meine Güte, da hätten wir ja noch mal Glück gehabt. Wobei man sich fragen könnte, was daran denn jetzt die Entgleisung sein soll bwz. wo genau der herabwürdigende und verunglimpfende Charakter der Äußerung dann liegen sollte. BVB-Sportdirektor Michael Zorc stellte immerhin klar:

Es ist aber durchaus denkbar, dass der Vorfall auch intern geahndet wird, weil Roman dem Verein mit seinen Äußerungen geschadet hat.

Klingt nachvollziehbar, die Behauptung eines schwulen Spielers in der Bundesliga, sei es auch in einem gegnerischen Verein, scheint einfach immer noch zu harter Tobak. Was zum einen an den Klischees liegen könnte, die auch aufgeklärte Zeitgenossen beim Thema „Schwule und Fussball“ nicht auslassen können, zum anderen natürlich, und das sicher zuvörderst, an den Vorurteilen, mit denen schwule Bundesligaspieler auch heute noch konfrontiert sind – da hat sich in den letzten Jahren nichts getan.

2 Antworten zu “Schwule im Fussball”

  1. beretta 30. August 2007 um 16:45 #

    na zum Glück hat er nicht schwule Sau gesagt, das hätte auch als Anmache verstanden werden können

  2. Klaus Dede 3. August 2009 um 09:52 #

    Endlich habe ich Gelgenheit, wieder einmal auf Ernst Fuhry hinzuweisen. Dieser Fusballtrainer, der in Berlin sehr bekannt war, landete nach der Befreiung im Jahre 1945 in Nordhorn an der niederländischen Grenze, wo er die Fussballmannschaft des dortigen VfL aus dem Stand heraus – mit den vorhandenen Spielern – in die damalige Oberliga Nord führte, eine glanzvolle pädagogische Leistung. 1956 stellte sich heraus, dass er schwul warund wurde daraufhin entlassen. Ich versuche, Fussballer auf diesen mann hinzuweisen, weil die Sportler an ihm Einiges gut zu machen haben. Ich selbst von zu alt, zu arm und vor allemzu unsprotlich, um michdes Themas anzunehmen. Bitte!

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