Wenn die Vonholdt mit der CDU…

11 Sep

Hessen macht des öfteren Schlagzeilen ob der zuweilen recht kruden, konservativen Ansichten einiger Menschen dort. Es sei hier nur erinnert an Bischof Johannes Dyba aus dem Bistum Fulda, den Judenkritiker Martin Hohmann aus dem gleichnamigen Kreis sowie die Kultusministerin Karin Wolff mit ihrer Vorliebe für die Schöpfungslehre. Auch die Landtagsfraktion der CDU in Wiesbaden frönt offenbar einem ganz persönlichen Konservativismus und krönt diesen nun mit einer ganz besonderen Initiative. Anlässlich einer Anhörung zum Gesetzentwurf zur Anerkennung eingetragener Lebenspartnerschaften hat sie Dr. Christl R. Vonholdt vom Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft (DIJG) eingeladen, jenem Institut also, welches zur christlich-reaktionären Organisation Offensive junger Christen (OJC) gehört. Dr. Vonholdt wie auch das DIJG sind bekannt für die These, Homosexualität sei

„der vergebliche Versuch, bestimmte traumatisch erlebte Bindungsverluste in der Kindheit, insbesondere die nicht gelungene Bindung an den gleichgeschlechtlichen Elternteil … zu kompensieren“

oder anders ausgedrückt: eine psychologische und sexuelle Verirrung, die daher therapiert werden kann und, weil sie den Betreffenden schadet, auch sollte.

Mit Frau Vonholdt erwartet die CDU-Fraktion in Hessen eine Referentin der speziellen Art. Sie wird ihren staunenden und schauernden Zuhörern ganz sicher illustre Geschichten, Berichte und Beobachtungen über die Lebensweise und das Fress- und Paarungsverhalten des gemeinen homosexuellen Homo sapiens vortragen, anschließend an die christliche Nächstenliebe appellieren, um abschließend eindringlich dafür zu plädieren, dem traurigen Leben homosexuell verwirrter Mitmenschen einen Ausweg zu weisen und zwar durch die Hände ihres renommierten Instituts für wissenschaftliche Scharlatanerie.

Wohl bekomms!

10 Antworten zu “Wenn die Vonholdt mit der CDU…”

  1. Marco 11. September 2007 um 00:56 #

    Naja, CDU halt, was habt ihr da erwartet? Liberale und CDU führen halt doch ein Zwangsehe, und wie man sieht, keine sehr glückliche.

  2. Sebastian 11. September 2007 um 02:02 #

    So liberal Hessen in Frankfurt ist, so erzreaktionär gehts dort teilweise auf dem Land zu.

    Hans-Jürgen Irmer (bildungspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, sowie stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion) ist ein weiteres Exemplar dieser unangenehm auffallenden hessischen Hinterwäldler.

    Er ist Herausgeber eines Provinzblattes („Wetzlar Kurier“) und eifriger Bekämpfer von Minderheiten und deren Rechten. Er hat schon des öfteren mit Scheißhausparolen von sich reden gemacht (http://de.wikipedia.org/wiki/Hans-J%C3%BCrgen_Irmer).

    Da sich die CDU in Hessen traditionell als Stahlhelm-Partei versteht und ein extrem konservatives Klientel anspricht, tauchen solche Leute in der CDU Hessen immer wieder auf. Und werden geduldet.

    Irmer hat einen sehr guten Draht zur evangelikalen Szene im Raum Gießen/Mittelhessen. Eine der evangelikalen Hochburgen Deutschlands.

    Vonholdt, wohnhaft nähe Gießen, wurde mit großer Wahrscheinlichkeit von Irmer engagiert, der aus seiner Zustimmung zu deren Heilungsthesen keinen Hehl macht.

    Wobei Vonholdt auch schon den Rechtsausschuss des Bundestages in gleicher Angelegenheit beraten durfte.

    Auszüge aus einem Interview mit dem Rheinischen Merkur vom 15. Juli 2004:

    „Es gibt Hinweise […], dass Kinder, die in homosexuellen Partnerschaften leben, häufiger als andere in ihrer geschlechtlichen Identität verunsichert sind. […] Auf unsere Kinder und die nächste Generation wird sich das zerstörerisch auswirken.“

    „Es hört nicht bei Homosexualität auf. Es ist ein Trend, der immer weitergeht. Dahinter stehen einflussreiche Lobbygruppen.“

    „Den Jugendlichen wird eine neue Landkarte in den Kopf gesetzt. Sie heißt: Die Ehe zwischen Mann und Frau ist nichts Besonderes mehr.“ – „Das Ergebnis einer solchen Sicht wird tiefe Verunsicherung sein, eine Identitätsverwirrung und in vielen Fällen zerstörtes Leben.“

    „(D)ie Ursachen für homosexuelle Empfindungen (haben) mit frühkindlichen, tiefen emotionalen Verwundungen, mit chronischen Traumata (zu tun).“

    „Homosexuell empfindende Männer etwa sind in ihren frühen männlichen Beziehungen verletzt worden.“ – „Das häufige Wechseln von Partnern ist […] sehr weit verbreitet. Wir sehen es als Zeichen von Unreife.“

    „Bei homosexuell lebenden Männern und Frauen ist die Gewaltrate innerhalb ihrer Beziehungen mindestens doppelt so hoch wie die Gewaltrate in heterosexuellen Beziehungen. Am höchsten scheint sie bei lesbisch lebenden Frauen zu sein.“

    „Ich kenne viele Menschen, die den Weg der Veränderung hin zu einer heterosexuellen Orientierung geschafft haben. […] Viele von ihnen helfen heute anderen auf ihrem Weg aus der Homosexualität.“

  3. Primus 11. September 2007 um 17:13 #

    Die Kultusministerin von Hessen – Karin Wolff – hat nicht nur eine Vorliebe für die Schöpungslehre. Sie hat auch eine Vorliebe für Frauen – sie lebt in einer
    lesbischen Beziehung. Ob sie nach ihrem coming-out in der CDU noch gerne
    gesehen wird? In unserem Club sollte sie herzlich willkommen sein!

  4. Ottokar 12. September 2007 um 18:25 #

    Und bei der Schüler-Union in Südhessen (Bad Homburg) gab es mal einen Philipp Byers, der sich seiner Kontakte zu Rechtsextremisten wie Alfred Mechtersheimer und Rolf Schlierer rühmte! Byers ist heute bei der Münchener FDP!!!

  5. Sebastian 12. September 2007 um 19:27 #

    „Ehegatte“ oder „eingetragener Lebenspartner“
    Kaum Kritik am Grünen-Gesetzentwurf zu Lebenspartnerschaften

    Auszüge aus einem Artikel von fr-online.de

    (http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/lokalnachrichten/aktuell/?em_cnt=1208989)

    Ein Gesetzentwurf der Grünen zur Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften in Hessen ist bei einer Expertenanhörung im Landtag weitgehend auf Zustimmung gestoßen.

    Lediglich der Professor für christliche Sozialwissenschaften an der Universität Osnabrück, Manfred Spieker, meldete am Mittwoch Bedenken an. Er lehnte eine Gleichstellung von Ehen und Lebenspartnerschaften ab, weil die „Reproduktion“ – also die Geburt und Erziehung von Kindern – bei gleichgeschlechtlichen Paaren nicht im gleichen Maße möglich sei wie in Ehen.

    Die ebenfalls als Expertin eingeladene Ärztin Christl Ruth Vonholt vom Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft war nicht gekommen.

    Vonholt lehnte in ihrer schriftlichen Stellungnahme eine Gleichstellung ab: Ein solches Gesetz untergrabe das Leitbild der Ehe und trage „zur Identitätsverunsicherung und Desorientierung der heranwachsenden Generationen bei“.

  6. Flash 13. September 2007 um 02:12 #

    Ist aber nett von euch, dass ihr die Argumente der OJC so schön ausführlich darstellt. Man dankt – wieder was gelernt!

  7. Damien 13. September 2007 um 08:36 #

    Keine Ursache. Wenn sich die Differenziertheit eines Denkansatzes so mühelos in einem Satz darstellen läßt, nutzen wir die Gelegenheit gerne.

  8. peter 30. April 2009 um 22:56 #

    ich bestreite der dr. vonholdt jede kompetenz sich als frau ein urteil über schwule zu erlauben. das ist so, als ob blinde über farben reden. ein skandal ist es aber, dass diese frau so zu wort kommt an der uni marburg!

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